Profilbild von MilenaChristin

MilenaChristin

Lesejury Profi
offline

MilenaChristin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MilenaChristin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2026

Bewegender Blick auf zwei Familienschicksale

Die Schatten der Schuld
0

In "Die Schatten der Schuld" nimmt Michael Jensen uns auf eine bewegende Reise tief in die Vergangenheit. Die Geschichte verdeutlicht wie wenige Unterschiede es zwischen Juden und "Arischen" Menschen es ...

In "Die Schatten der Schuld" nimmt Michael Jensen uns auf eine bewegende Reise tief in die Vergangenheit. Die Geschichte verdeutlicht wie wenige Unterschiede es zwischen Juden und "Arischen" Menschen es doch gab, und wie sehr die Nazis dennoch das Schicksal der Menschen über viele Generationen beeinflussen konnten. Diese furchtbaren Ereignisse haben eben nicht nur einzelne Menschen beeinflusst, sondern über Generationen hinweg zu veränderten Machtverhältnissen und Traumata geführt.

Mit der Erzählung über verschiedene Zeitebenen schafft Michael Jensen es, den Leser völlig zu fesseln, auch wenn es nicht gerade ein Thema für "leichte Lektüre" ist. Man spürt den "Sog" aus anfänglichen bloß Sorgen bis hin zu völliger Hoffnungslosigkeit der jüdischen Gemeinschaft. Das schwere Thema wird aber durch den guten Erzählstil nicht zu schwermütig. Die Charaktere haben alle Ecken und Kanten, und unterscheiden sich in ihrer Sichtweise und ihrer Sprache deutlich voneinander.

Die laufende Ermittlung eines Attentats in der Gegenwart, lässt eine "häppchenartige" Entdeckung der Vergangenheit zu, welche dem Buch seine einzigartige Spannung bietet. Der Inhalt scheint mir gut recherchiert und sehr realitätsnah zu sein. Immer wieder wirft das Gelesene Aspekte auf, die mir im Bezug auf die Nazi-Vergangenheit zwar bewusst sein könnten, mit denen ich mich aber sonst noch nicht ausreichend beschäftigt habe.



Mich konnte an "Die Schatten der Schuld" insbesondere die tiefe Beschäftigung mit transgenerationalem Trauma begeistern, und ich kann das Buch all denen empfehlen, die sich entweder für Trauma oder für die Auswirkungen der Nazi-Vergangenheit auf die Menschen interessieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2026

Fesselnde Geschichte auf drei Zeitebenen

Spiegelland
0

Rebekka Frank nimmt uns in „Spiegelland“ auf eine bewegende Zeitreise durch drei Zeitebenen. Das Thema häusliche Gewalt zieht sich durch alle drei Ebenen und wird je nach Zeitgeist entsprechend anders ...

Rebekka Frank nimmt uns in „Spiegelland“ auf eine bewegende Zeitreise durch drei Zeitebenen. Das Thema häusliche Gewalt zieht sich durch alle drei Ebenen und wird je nach Zeitgeist entsprechend anders verarbeitet.

Mich konnte die Geschichte vollkommen fesseln, insbesondere die Erzählung der einfachen Moorbauern Aletta und Krischan im Jahre 1756 hat es mir angetan, da es unüblich ist, aus dieser Zeit zu lesen. Zudem wurden die damaligen Geschehnisse eindrucksvoll mit den Ereignissen 1999 und 2025 verwoben. Die Autorin schafft es, Parallelen zwischen allen drei Geschichten zu erzeugen, die mich bewegt haben und zum Nachdenken bringen konnten. Es werden wichtige Themen thematisiert, und traumatisierende Geschehnisse erzählt, aber ohne dabei zu schwermütig zu werden. Es gibt mehrere starke Protagonistinnen, und durch die Verknüpfung der verschiedenen Zeitebenen bleibt es durchgehend spannend. Die Szenerie des Moores mit all der Natur und den Farben wird so bildlich beschrieben, dass man das Gefühl bekommt, vor Ort direkt in das Geschehen einzutauchen.

Mich konnte „Spiegelland“ vollends begeistern. Ich kann es jedem empfehlen der nach einer kurzweiligen Lektüre mit bewegenden Themen sucht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2026

Interessanter Perspektivwechsel

Gelbe Monster
0

Ich habe "Gelbe Monster" an einem Nachmittag durchgelesen. Besonders gefesselt hat mich, dass man aus der Perspektive von Charlie in diese toxische Beziehung hineingezogen wird. Ich konnte mich zwar wenig ...

Ich habe "Gelbe Monster" an einem Nachmittag durchgelesen. Besonders gefesselt hat mich, dass man aus der Perspektive von Charlie in diese toxische Beziehung hineingezogen wird. Ich konnte mich zwar wenig in Charlie hineinversetzen, da ich mich persönlich von ihr stark unterscheide, aber dennoch hat Clara Leinemann es sehr hervorragend geschafft, dass ich die Gefühle und die Spirale von Charlie gut nachvollziehen konnte. Der Schreibstil hat mich wirklich beeindruckt, und die Thematik, Gewalt in Beziehungen einmal aus der „Täter“-Perspektive und zudem noch mit weiblicher Täterin zu erleben hat mich sehr beeindruckt. Die zwei Zeitstränge der Handlung zum einen und der Aufarbeitung zum anderen waren beeindruckend miteinander verwoben, sodass ich sehr gebannt war, und den Roman verschlungen habe. Ich kann das Buch sehr empfehlen, wobei ich es nicht uneingeschränkt empfehlen kann, da es viel Gewalt enthält, die vielleicht nicht für jeden leicht zu lesen ist. Wenn man damit umgehen kann, ist es aber ein sehr interessantes und gut geschriebenes Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.01.2026

Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart

Eine vergessene Schuld
0

"Eine vergessene Schuld" wirft viele Fragen auf, die sowohl 1945 als auch heute brandaktuell sind. Es geht um Wehrdienstverweigerung und um Schuldgefühle. Die Verknüpfung eines Attentats auf einen ehemaligen ...

"Eine vergessene Schuld" wirft viele Fragen auf, die sowohl 1945 als auch heute brandaktuell sind. Es geht um Wehrdienstverweigerung und um Schuldgefühle. Die Verknüpfung eines Attentats auf einen ehemaligen Verfassungsrichter mit drei Handlungssträngen in der Vergangenheit erschafft ein komplexes Gesamtbild. Dies lässt sich schwer als leichte Lektüre bezeichnen. Auch wenn der Roman sich gut lesen lässt, regen die vielen aktuell, sowie historisch relevanten Themen sehr zum Nachdenken an. An einigen Stellen, will das Buch sehr viel, und man muss sich als Leser auf die gesellschaftskritischen Themen und den anspruchsvollen Diskurs einlassen wollen.



Besonders gut gefällt mir der Schreibstil von Arne (Michael) Jensen. Die schweren Themen lassen sich hervorragend lesen, scheinen sehr akribisch recherchiert worden zu sein, und sind um relevante Fakten ergänzt, die mir an einigen Stellen die Augen geöffnet haben. Die Charaktere stellen individuelle Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten dar.



Dieses Buch ist empfehlenswert für alle diejenigen, die Interesse daran haben, sich gedanklich intensiv mit gesellschaftspolitischen und historischen Themen auseinanderzusetzen. Es sollte eine Bereitschaft bestehen, sich mit Fragen der Schuld und Moral zu beschäftigen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2025

Berührende Mutter-Tochter Beziehung

Halbinsel
0

Obwohl "Halbinsel" eher etwas distanziert von der Beziehung zwischen Anett und ihrer Tochter Linn berichtet, konnte mich dieses Buch doch sehr tief berühren. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mich ...

Obwohl "Halbinsel" eher etwas distanziert von der Beziehung zwischen Anett und ihrer Tochter Linn berichtet, konnte mich dieses Buch doch sehr tief berühren. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mich selbst in der Geschichte sehr wieder-finden konnte.

Der Schauplatz Nordfriesland, besonders mit dem Kontrast zu Berlin gefällt mir sehr.

Der Schreibstil von Kristine Bilkau lässt sich sehr gut lesen. In einfachen Sätzen erhält man einen Einblick in die Komplexen Sorgen, Erwartungen aber auch das Trauma von Anett, sodass ich mich gut in sie hineinversetzen konnte, selbst wenn ich mich sonst eher mit Linn vergleichen würde.

Ich habe das Buch an einem Nachmittag durch gelesen, es ist mit 220 Seiten auch recht dünn, aber für eine kurzweilige Unterhaltung gut geeignet.

Ich kann das Buch nur weiterempfehlen. Generationskonflikte sind vermutlich etwas, was viele Menschen betrifft, und Kristine Bilkau schafft es dieses Thema ganz ohne vorwurfsvoll zu sein, von beiden Seiten zu beleuchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere