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Veröffentlicht am 24.03.2020

Herzensbuch

Der Gesang der Flusskrebse
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"Der Gesang der Flusskrebse" bei mir einziehen zu lassen, war eine intuitive Bauchentscheidung. Danach habe ich leider - warum auch immer - lange nicht den richtigen Moment gefunden es zu lesen. Um mich ...

"Der Gesang der Flusskrebse" bei mir einziehen zu lassen, war eine intuitive Bauchentscheidung. Danach habe ich leider - warum auch immer - lange nicht den richtigen Moment gefunden es zu lesen. Um mich herum häuften sich die positiven Meinungen, herausragenden Besprechungen und als mir eine Freundin, die nicht bloggt, dazu riet den Roman zu lesen, musste ich dem Folge leisten. Endlich. Zum Glück.

"Der Gesang der Flusskrebse" hat Etwas, das nur wenige Bücher haben. Dieses Besondere, diese Feinheit, diese absolute Harmonie aus Handlung und Atmosphäre, die sich fast wie eine Aura um das Buch herum legt.

Protagonistin Kya Clark hat in ihrer Kindheit Erfahrungen gemacht, die dafür sorgen, dass sie nicht in der Lage ist eine gesunde Bindung einzugehen. Eine gute Version von geliebt werden, von Sicherheit durch Beziehung, kennt sie nicht. So ist es unabdingbar, dass es zu Schwierigkeiten kommt, als zwei junge Männer Kyas Nähe suchen. Als einer von beiden tot aufgefunden wird, ist für die Bewohner der nahe gelegenen Kleinstadt klar, dass nur Kya das Übel des Bösen sein kann. Schon immer ist den Menschen von Barkley Cove ein Dorn im Auge. Mit ihrer Andersartigkeit löst sie Ängste und Faszination aus, die sich in Ablehnung oder dem dringenden Wunsch sie zu besitzen äußern.

Die Isolation in der Kya lebt, ist traurig und beklemmend. Ich wünsche ihr Freunde, Familie, einen Menschen, der ihr Sicherheit gibt, der oder die ihr eine Bindung bietet. Auf der anderen Seite lernt sie Kompetenzen, die eben aus dieser Isolation wachsen. Eine Verbundenheit zur Natur, die Fähigkeit die Natur in all ihrer Schönheit und Kraft wahrzunehmen. Eine Stärke zu der sie gezwungen ist, um zu überleben. Ich schwanke zwischen Ängsten und Hoffnung, zwischen Demut und Entsetzen. Owens wirft mich in einen Strudel aus Gefühlen, aus dem ich letztendlich mit einer wohligen Wärme im Bauch hervortauche.

Delia Owens erzählt auf zwei Ebenen. Die eine Ebene verläuft chronologisch nach vorn, die andere rückwärts. Beide Ebenen nähern sich einer Gegenwart an, die dann als Haupterzählstrang bis zum Ende weiter läuft. Sprachlich erinnert mich der Roman an Werke wie "Wer die Nachtigall stört", was vielleicht auch daran liegt, dass rassistische Ablehnung ein Thema des Buches ist.

"Der Gesang der Flusskrebse" ist ein ganz wundervoller, sehr berührender, bedeutender und unvergesslicher Roman, der ganz viel anstößt in mir. Der Themen wie z.B. Entwicklungspsychologie der Kindheit auf so besondere Art, eindringlich und sanft zugleich, nahe bringt. Eine große Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.09.2019

Großartig!!

Miroloi
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Ich möchte über "Miroloi" sprechen. Muss darüber sprechen.
Muss darüber diskutieren und laut herausschreien wie großartig dieses Buch ist.
Wie klug.
Wie wegweisend.
Wie umtreibend.
Wie wichtig.
So ...

Ich möchte über "Miroloi" sprechen. Muss darüber sprechen.
Muss darüber diskutieren und laut herausschreien wie großartig dieses Buch ist.
Wie klug.
Wie wegweisend.
Wie umtreibend.
Wie wichtig.
So fundamental, wenn es um ein Umdenken vorhandener Strukturen geht, dass ich mich frage, warum es solch eine Geschichte nicht schon mindestens fünfmal mal gibt.

"Eselshure. Schlitzi. Nachgeburt der Hölle. Ich war schon von Anfang an so hässlich, dass meine eigene Mutter mich lieber hier abgelegt hat, statt mich zu behalten. So eine wie ich, sagen sie, so eine kann nicht von hier sein, so hässlich ist hier niemand, solche Mütter gibt's hier nicht." (S.9)

Schon die ersten Sätze wirken wie eine Reibe, die meine Emotionen aufkratzt. Köhler hat mich vom ersten Moment. Ich reise in das Dorf auf die Insel, die aufgrund Vegetation und Landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Mittelmeer liegen könnte, inmitten vieler Kulturen, zusammengesetzt aus vielen Kulturen, könnte aber auch irgendwo anders sein. Die Dorfgemeinschaft lebt abgeschottet, hat eigene Gesetze, lehnt jeglichen Fortschritt ab, lebt nach jahrhundertealten Traditionen. Die Dorfgemeinschaft hat etwas von einer Sekte, die nichts von außen herandringen lässt, ist aber gleichzeitig auch ein Mix aus verschiedenen Kulturen und Religionen. Die Dorfgemeinschaft ist beängstigend und bedrückend und gleichzeitig gibt sie durch enge Strukturen einen gewissen Rahmen, der seine eigene Form von Sicherheit bietet. Und auch der Fortschritt, dem sich die Dorfgemeinschaft verwehrt, ist nicht immer positiv zu betrachten. Arbeitsabläufe werden erleichtert, aber auf wessen Kosten?

Die Protagonistin, das Mädchen ohne Namen, ist der Teufel der Dorfgemeinschaft. Alle negativen Ereignisse werden ihr zugeschrieben, jede*r lädt die eigene Schuld auf ihr ab. Ich muss an den Glauben an Hexenkinder denken, der in einigen afrikanischen Ländern besteht. Kinder jeglichen Alters werden von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen, müssen alleine überleben, weil sie Schuld am Unglück des Dorfes tragen.

"Miroloi" ist ein Spiegel verschiedener Gesellschaftsformen. Auch unserer eigener, die uns so klug und fortschrittlich erscheint und in Wirklichkeit in vielerlei Hinsicht so primitiv ist. Wie im Roman auch, gibt es Diskriminierung, veraltete Denkmuster, Ausgrenzung und Gewalt wo Intelligenz fehlt. Köhler schreibt so geschickt davon wie Denkmuster entstehen, wie Traditionen geboren werden und wachsen, dass die Kritik daran so offensichtlich wird, dass ein Brechen von veralteten und unsinnigen Traditionen (gerade im Namen von Religion) geradezu als Muss erscheint. Und doch fahren wir überall auf der Welt weiter in der Schiene, die Menschen herabwürdigt, verletzt oder tötet. Und trotz aller Kritik ist klar, dass ein schwarz-weiß Denken das Übel vieler Probleme ist.

Die Sprache des Romans ist naiv. Ein Stilmittel, das für mich perfekt passt. Wer den Inhalt des Romans jedoch als naiv betrachtet, sollte beim Lesen darauf achten die Augen zu öffnen. "Miroloi" ist eine moderne Parabel. Zeitgemäß. Kritisch. Brilliant konstruiert. Flüssig zu lesen und rund bis zum letzten Satz. Ich habe mir direkt nach dem Lesen auch noch das Hörbuch heruntergeladen. Ich muss nochmal in die Geschichte eintauchen. Bin mir sicher, dass ich noch einiges übersehen habe. "Miroloi" hat mich nicht nur zum Nachdenken angeregt, sondern einen ganz neuen Mut, eine neue Energie in mir geweckt. Ich wünsche dem Buch ganz viele Leserinnen und Leser, die mit offenen Augen durch die Seiten wandern. Die verstehen wollen, was da passiert. Die sich damit auseinandersetzen wollen, dass wir täglich mit Ungerechtigkeiten konfrontiert werden. Die wollen, dass sich etwas ändert. Eine Veränderung kommt erst dann in Bewegung, wenn wir erkennen. Manchmal ist es eben einfacher dies im fiktiven zu finden, als in einer realen Erzählung. Und deshalb hat Karen Köhler alles richtig gemacht.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Das Wunder der Bäume

Das Wunder der Bäume
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Bäume sind etwas Menschenverbindendes. Denn Bäume gibt es auf der ganzen Welt. Doch der Klimawandel macht den Bäumen mehr und mehr zu schaffen. Unsere Wälder sind durstig, vertrocknen, sterben. Umso wichtiger, ...

Bäume sind etwas Menschenverbindendes. Denn Bäume gibt es auf der ganzen Welt. Doch der Klimawandel macht den Bäumen mehr und mehr zu schaffen. Unsere Wälder sind durstig, vertrocknen, sterben. Umso wichtiger, dass unsere Kinder Wälder verstehen und lieben lernen.

"Das Wunder der Bäume" ist sehr informativ. Es umfasst gefühlt alles, was man über Bäume wissen sollte. Ich habe dank dieses Buches so viel Neues gelernt, obwohl es für Kinder ab 7 Jahre gedacht ist, und nicht für Erwachsene.

Beginnend bei was Bäume überhaupt sind, wie sie sich zusammensetzen und wie sie arbeiten, über verschiedene Sorten, verschiedene Lebensräume und Länder bis hin zu Tieren, die auf, unter, in und um Bäumen leben, wird jede Frage zum Thema Bäume beantwortet. Damit es nicht zu trocken wird, sind alle Themen mit bunten und gut verständlichen Zeichnungen untermalt.

Das letzte Kapitel des Buches gefällt mir besonders gut. Es erklärt wie wichtig Bäume für uns sind, dass wir aber gerade dabei sind sie zu vernichten und fordert zum Handeln auf. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Tipps, die gut umsetzbar sind. Dieses Buch ist wirklich ein Must Have für Alle, die sich für Naturschutz einsetzen und ihre Kinder aktiv daran beteiligen wollen, indem sie ihnen die entsprechende Philosophie vermitteln.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Reise durch die Natur

Reise durch die Natur
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"Die Natur verändert sich,drum nimm dir Zeit, sie anzusehn,an jedem Tag, in jedem Jahr, bevor die Wunder schnell vergehn.[...]Schau dich um, denn ringsherum,in Wäldern und auf grüner Flur,entdeckst du ...

"Die Natur verändert sich,drum nimm dir Zeit, sie anzusehn,an jedem Tag, in jedem Jahr, bevor die Wunder schnell vergehn.[...]Schau dich um, denn ringsherum,in Wäldern und auf grüner Flur,entdeckst du sie an jedem Tag - die kleinen Wunder der Natur."

"Reise durch die Natur" ist ein sehr besonderes Buch. Jede Seite beginnt mit einem kleinen Vers, der fast etwas meditatives hat. Der zu Achtsamkeit rät, zum Innehalten, dazu die Natur auf sich wirken zu lassen. In Reimform, nicht kindlich, aber so, dass Kinder es gut aufnehmen können. Fast wie auf einer Traumreise, werden sie in das entsprechende Thema mitgenommen.

Durch kleine Ausstanzungen in den Zeichnungen, die wie Stempeldruck wirken und an Leo Lionni erinnern, lässt sich erahnen, was zu sehen ist, wenn man die Buchseite aufklappt. Dort befindet sich eine eingehendere Erläuterung zu den jeweiligen Themen. Beispiel: Strand. Welche Tiere leben dort? Woraus besteht der Strand? usw. Diese Erläuterungen sind nicht in Reimform, sondern in Fließtext geschrieben und sehr informativ und Kindgerecht.

Veröffentlicht am 17.02.2026

Der Wind weht, wohin er will

Der Wind weht, wohin er will
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"Geh wohin dein Herz dich trägt" von Susanna Tamaro ist eins der Lieblingsbücher meiner verstorbenen Mama und ich kann nach dem Lesen von "Der Wind weht, wohin er will" so gut nachvollziehen, was ihr an ...

"Geh wohin dein Herz dich trägt" von Susanna Tamaro ist eins der Lieblingsbücher meiner verstorbenen Mama und ich kann nach dem Lesen von "Der Wind weht, wohin er will" so gut nachvollziehen, was ihr an Tamaros Art Geschichten zu erzählen so gut gefallen hat.

"Der Wind weht, woin er will" ist ein Buch über die Zeit, das Herz und die unendliche Weite der Familie. Leise, nachdenklich geschrieben, wirkt sie tief unter die Haut.

Chiara, eine Frau Ende sechzig, hält inne und möchte in Briefen an ihre Liebsten ihre Wahrheit finden. Ein langer Lebensabschnitt, geprägt von Schmerz und Heilung liegt hinter ihr und wie viele andere Menschen, die eine wichtige oder schwierige Stufe ihrer Lebenstreppe hinter sich haben, fragt sich auch Chiara nach den sinnhaften Dingen des Lebens: Liebe, Verlust, Verbundenheit und Loslassen.

In warmherzigem Schreibstil in Form von Briefen, lässt Tamaro Chiara zurückblicken. In Erinnerungen schwelgen, an Familie, Zuneigung, die Momente, die uns im Leben prägen. Sehr persönlich, sehr empathisch.

Gleichzeitig ist dieses Buch auch ein Plädoyer für das Achtsamkeit, dafür das Leben zu leben, und den Fokus auf das zu richten, was uns wichtig ist. Auf die Menschen zu richten, die uns wichtig sind.

Eine Leseempfehlung für alle, denen genau diese Themen wichtig und die bereit sind, sich davon berühren zu lassen.

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