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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2026

vorhersehbar und platt

Einatmen und ausrasten
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Titel und Cover haben mich angesprochen und dazu verleitet, das Buch zu lesen. Ich hatte mir eine humorvolle, abwechslungsreiche Sommerlektüre rund um die Lebensmitte versprochen.

Maxi ist in ihren Vierzigern, ...

Titel und Cover haben mich angesprochen und dazu verleitet, das Buch zu lesen. Ich hatte mir eine humorvolle, abwechslungsreiche Sommerlektüre rund um die Lebensmitte versprochen.

Maxi ist in ihren Vierzigern, wurde gerade von ihrem Partner Jan für die jüngere Nachbarin verlassen, und auch die pubertierende Tochter Smilla, die nur am Handy hängt und mit ihren Kopfhörern verwachsen scheint, macht es ihr nicht gerade leicht. Als ihre Freundin Simone, die einen „Pflegedienst“ für Grünpflanzen betreibt, für einige Tage zu einem Retreat fährt und sie bittet, währenddessen die Gießaufgaben zu übernehmen, erlebt Maxi turbulente Tage, die ihrem Leben eine neue Richtung geben.

Der Klappentext verspricht eine spritzige, humorvolle Geschichte, die der Roman leider nicht hält. Die Figuren sind klischeehaft und platt, der Deutsch-Kanadier Jacob wirkt wie alles, nur kein nordamerikanischer Muttersprachler, und die Handlung entwickelt sich leider völlig vorhersehbar und ohne jede überraschende Wendung. Sprachlich dümpelt der Roman im unteren Mittelmaß vor sich hin, und auch der Humor zündet nicht, da jede Situation, die witzig sein könnte, schon im Voraus absehbar ist. Für mich war dieses Buch leider rundum enttäuschend.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

leider sehr platt

Mirabellentage
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Ich habe „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn sehr gemocht und war deshalb gespannt auf „Mirabellentage“. Der Roman spielt im Jahr 2010, und im Mittelpunkt steht Anna, Anfang 50 und langjährige Haushälterin ...

Ich habe „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn sehr gemocht und war deshalb gespannt auf „Mirabellentage“. Der Roman spielt im Jahr 2010, und im Mittelpunkt steht Anna, Anfang 50 und langjährige Haushälterin des Dorfpfarrers Josef in Bayern. Als dieser plötzlich stirbt, ändert sich auch Annas Leben: Sie muss nicht nur den neuen jungen Pfarrer Fridtjof aus Friesland bei seinem Einstand unterstützen, sondern auch noch einen speziellen Wunsch Josefs erfüllen. Auch für Anna bedeuten die Veränderungen einen Neuanfang, und sie muss sich der Frage stellen, wie es für sie selbst weitergehen wird.

Das Setting ist recht beschaulich, und so entwickelt sich auch die Geschichte. Leider sprang der Funke bei mir nicht über, und Annas betuliche Art wirkte auf mich wie aus längst vergangener Zeit. Der Humor ist arg plump und übertrieben und hat nichts von dem sommerlich-leichten Charme aus „Mühlensommer“. „Mirabellentage“ setzt auf viel Nostalgie, beschwört die Erinnerung an alte Marken wie Schiesser, den Quelle-Katalog oder den „Strich-Achter“, der als Bezeichnung für eine bestimmte Mercedes-Baureihe nur Oldtimer-Fans und der älteren Generation ein Begriff sein dürfte. Die Handlung plätschert so vor sich hin, und als es verspricht interessant zu werden, endet das Buch recht abrupt. Ich konnte keine Beziehung zu den Figuren aufbauen und blieb zum Schluss enttäuscht zurück. Vielleicht können Leser:innen, die selbst in den 1950er Jahren geboren sind, dem Roman mehr abgewinnen.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

zu klischeehaft und holzschnittartig

Grüne Welle
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Die Ausgangslage von „Grüne Welle“ hat mich sofort neugierig gemacht – vielleicht, weil ich mich selbst recht häufig verfahre und ich dadurch schon an den abstrusesten Orten gelandet bin. Wie wäre es, ...

Die Ausgangslage von „Grüne Welle“ hat mich sofort neugierig gemacht – vielleicht, weil ich mich selbst recht häufig verfahre und ich dadurch schon an den abstrusesten Orten gelandet bin. Wie wäre es, einfach weiterzufahren, aus dem eigenen Leben spontan auszubrechen, ob für ein paar Tage oder für immer? Nach einem Kinoabend mit ihrer besten Freundin verfährt sich die namenlose Protagonistin an einer Umleitung und entfernt sich immer weiter von zu Hause und ihrem Ehemann. Je weiter sie fährt, desto geringer wird ihr Drang umzukehren oder ihrem Mann Bescheid zu geben, und desto mehr denkt sie über ihr Leben nach. Wie hat sie dieses entwickelt, was ist aus ihren Träumen geworden? Wer ist sie und wie will sie gesehen werden?

Frau, Freundin und Mann bleiben namenlos, auch die Landschaft, durch die die Frau fährt, ist ohne Kontur, beliebig. So könnte jede und jeder überall gemeint sein und die Geschichte stellvertretend für viele Frauen an allen Orten stehen. Leider funktionieren die Figuren in diesem Roman für mich nicht. Zu klischeehaft werden die empfindsamen und verpeilten Künstlerinnen und der gewalttätige, Kunst nur nach dem materiellen Wert beurteilende, schon äußerlich abstoßende Ehemann gezeichnet, der natürlich Anwalt ist. Die Freundin der Frau, die sich als eine urbane Künstlerin sieht, blickt abfällig auf das Leben in einer Kleinstadt und ihre Bewohner. Die Karriere der Frau, einst ein aufstrebendes, vielversprechendes künstlerisches Talent, geriet vor Jahren ins Stocken, latent ist auch daran der Mann Schuld. Das ist mir zu einfach und zu holzschnittartig, es fehlt jegliche Ambivalenz. Dies hat zur Folge, dass mir alle drei fremd bleiben und immer unsympathischer werden, bis mir am Ende nahezu gleichgültig ist, was mit ihnen passiert. Die Gedanken und Emotionen der Frau, die über ihr Leben reflektiert, empfand ich auch nicht als besonders überraschend oder tiefgründig. So bleibt für mich am Ende vor allem Ernüchterung, da das Thema so viel Potential geboten hätte, das in meinen Augen leider nicht genutzt wurde.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Hatte aufgrund des Klappentextes etwas völlig anderes erwartet

Schwarzer September
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Der Ich-Erzähler Gigio erzählt rückblickend über den Sommer 1972, den er als Zwölfjähriger wie immer mit seiner Familie in Fiumetto verbringt. Frühzeitig erwähnt er mehrfach ein einschneidendes Ereignis, ...

Der Ich-Erzähler Gigio erzählt rückblickend über den Sommer 1972, den er als Zwölfjähriger wie immer mit seiner Familie in Fiumetto verbringt. Frühzeitig erwähnt er mehrfach ein einschneidendes Ereignis, das sein Leben für immer verändert hat, ohne jedoch zunächst genauer darauf einzugehen, worum es sich dabei handelt. Stattdessen arbeitet er detailgenau seine Stimmung, seine Verfassung und Interessen in diesem Sommer heraus, um ein möglichst genaues Bild seines damaligen Ichs zu zeichnen.

Gigio ist erstmals verliebt in Astel, ein dreizehnjähriges Mädchen mit äthiopischer Mutter, die seit Jahren Strandnachbarn seiner Familie sind. Neben dieser ersten Liebe werden diverse Sportereignisse wie die Tour de France und andere Radrennen, die Wettkämpfe der olympischen Spiele und Segelausflüge von Gigio und seinem Vater ausführlich beschrieben. So vergehen über zwei Drittel des Buches, bis es zu dem besagten Ereignis kommt, dessen Folgen dann, verglichen mit der Ausführlichkeit zuvor, recht schnell abgehandelt werden. Anhand des Klappentextes hatte ich erwartet, dass diese deutlich mehr Raum bekommen. Die ersten 70% des Romans empfand ich als äußerst zäh und ermüdend, da ich mich weder fürs Segeln noch für Sportergebnisse aus den 1970ern interessiere und sich Gigios Beschreibungen doch sehr in die Länge zogen. Als sich Gigios Leben dann schlagartig veränderte, hätte ich hingegen gerne deutlich mehr Details erfahren. Zudem konnte ich die Haltung, die Gigio anschließend zu bestimmten Personen aus seinem Umfeld einnahm, nicht wirklich nachvollziehen, insbesondere, was Schuldfragen und Verantwortung angeht. Hier scheint mir der Blickwinkel doch stark einseitig und patriarchal geprägt.

Leider würde ich mit dem Protagonisten nicht wirklich warm, und auch die Geschichte konnte mich weder inhaltlich noch in ihrer Konstruktion überzeugen. Vielleicht finden etwas ältere Leser, die die damalige Zeit selbst miterlebt haben, eher einen Zugang.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Fünf Fremde
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Im August 1995 verschwinden eines Nachts zwei 13-jährige Kinder aus einem Schullandheim auf der kleinen Insel Neuwerk. Eines von beiden, Isa, taucht einige Tage später wieder auf, doch von Janosch fehlt ...

Im August 1995 verschwinden eines Nachts zwei 13-jährige Kinder aus einem Schullandheim auf der kleinen Insel Neuwerk. Eines von beiden, Isa, taucht einige Tage später wieder auf, doch von Janosch fehlt jede Spur. 30 Jahre später, im Oktober 2025, befinden sich auf der Fähre nach Neuwerk fünf Passagiere, die nichts voneinander wissen, deren Wege sich aber schon bald kreuzen werden. Vier von ihnen waren in der verhängnisvollen Nacht auf der Insel, und die Geschehnisse damals haben sie nie losgelassen. Als ein heftiger Orkan aufzieht, sitzen alle auf der Insel fest und müssen sich der Vergangenheit stellen.

Für mich war es das erste Buch von Romy Fölck. Da ihre Elbmarsch-Reihe so hoch gelobt wird, war ich sehr neugierig auf „Fünf Fremde“.

Das Buch beginnt spannend und der Schreibstil spricht mich an: Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, 1995 und 2025, und auch die Erzählperspektiven wechseln zwischen den Protagonist:innen hin und her. Als Leser:in erfährt man so Stück für Stück mehr über die Figuren und die Situation 1995. Dies, zusammen mit überraschenden Wendungen, sorgte dafür, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich wollte unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt und was letztendlich damals wirklich geschehen ist.

So sehr mich die ersten zwei Drittel gefesselt haben, so ernüchtert war ich aber letztendlich vom Rest. Die Dialoge werden zunehmend hölzern und unnatürlich, und das Ende erscheint mir sehr unglaubwürdig und konstruiert. Rückblickend sind für mich wesentliche Teile der Handlung nicht schlüssig. Sie dienen zwar dem Spannungsaufbau, ergeben aber kein konsistentes Gesamtbild. Mir scheint es, als hätte man um der Dramaturgie Willen einige Aktionen eingebaut, die im Nachhinein ziemlich sinnfrei sind. Hinzu kommen haarsträubend viele inhaltliche und logische Fehler. Das sind teils ärgerliche, aber für die Geschichte unwesentliche Dinge wie die Aussage, dass die Sonne von Monden umkreist würde, aber auch grobe Schnitzer, die zentrale Punkte der Handlung betreffen. Diese kann ich hier nicht näher aufzählen ohne zu spoilern. Insgesamt habe ich mehr als 15 Logikfehler gezählt. Auch das Loocked-Room-Setting, das auf der kleinen Insel durch den Orkan erzeugt werden soll, wirkt wie eine bloße Behauptung, da trotz heftigsten Sturms alle Protagonist:innen ständig draußen unterwegs sind, einschließlich einer alten, dementen Person.

Aufgrund der Vielzahl an Fehlern und Ungereimtheiten, der durchschnittlichen Sprache und den Mängeln in der Plotkonstruktion hat mich dieses Buch leider total enttäuscht und ich kann lediglich 2 Sterne vergeben.

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