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Veröffentlicht am 17.02.2026

Hatte aufgrund des Klappentextes etwas völlig anderes erwartet

Schwarzer September
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Der Ich-Erzähler Gigio erzählt rückblickend über den Sommer 1972, den er als Zwölfjähriger wie immer mit seiner Familie in Fiumetto verbringt. Frühzeitig erwähnt er mehrfach ein einschneidendes Ereignis, ...

Der Ich-Erzähler Gigio erzählt rückblickend über den Sommer 1972, den er als Zwölfjähriger wie immer mit seiner Familie in Fiumetto verbringt. Frühzeitig erwähnt er mehrfach ein einschneidendes Ereignis, das sein Leben für immer verändert hat, ohne jedoch zunächst genauer darauf einzugehen, worum es sich dabei handelt. Stattdessen arbeitet er detailgenau seine Stimmung, seine Verfassung und Interessen in diesem Sommer heraus, um ein möglichst genaues Bild seines damaligen Ichs zu zeichnen.

Gigio ist erstmals verliebt in Astel, ein dreizehnjähriges Mädchen mit äthiopischer Mutter, die seit Jahren Strandnachbarn seiner Familie sind. Neben dieser ersten Liebe werden diverse Sportereignisse wie die Tour de France und andere Radrennen, die Wettkämpfe der olympischen Spiele und Segelausflüge von Gigio und seinem Vater ausführlich beschrieben. So vergehen über zwei Drittel des Buches, bis es zu dem besagten Ereignis kommt, dessen Folgen dann, verglichen mit der Ausführlichkeit zuvor, recht schnell abgehandelt werden. Anhand des Klappentextes hatte ich erwartet, dass diese deutlich mehr Raum bekommen. Die ersten 70% des Romans empfand ich als äußerst zäh und ermüdend, da ich mich weder fürs Segeln noch für Sportergebnisse aus den 1970ern interessiere und sich Gigios Beschreibungen doch sehr in die Länge zogen. Als sich Gigios Leben dann schlagartig veränderte, hätte ich hingegen gerne deutlich mehr Details erfahren. Zudem konnte ich die Haltung, die Gigio anschließend zu bestimmten Personen aus seinem Umfeld einnahm, nicht wirklich nachvollziehen, insbesondere, was Schuldfragen und Verantwortung angeht. Hier scheint mir der Blickwinkel doch stark einseitig und patriarchal geprägt.

Leider würde ich mit dem Protagonisten nicht wirklich warm, und auch die Geschichte konnte mich weder inhaltlich noch in ihrer Konstruktion überzeugen. Vielleicht finden etwas ältere Leser, die die damalige Zeit selbst miterlebt haben, eher einen Zugang.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Fünf Fremde
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Im August 1995 verschwinden eines Nachts zwei 13-jährige Kinder aus einem Schullandheim auf der kleinen Insel Neuwerk. Eines von beiden, Isa, taucht einige Tage später wieder auf, doch von Janosch fehlt ...

Im August 1995 verschwinden eines Nachts zwei 13-jährige Kinder aus einem Schullandheim auf der kleinen Insel Neuwerk. Eines von beiden, Isa, taucht einige Tage später wieder auf, doch von Janosch fehlt jede Spur. 30 Jahre später, im Oktober 2025, befinden sich auf der Fähre nach Neuwerk fünf Passagiere, die nichts voneinander wissen, deren Wege sich aber schon bald kreuzen werden. Vier von ihnen waren in der verhängnisvollen Nacht auf der Insel, und die Geschehnisse damals haben sie nie losgelassen. Als ein heftiger Orkan aufzieht, sitzen alle auf der Insel fest und müssen sich der Vergangenheit stellen.

Für mich war es das erste Buch von Romy Fölck. Da ihre Elbmarsch-Reihe so hoch gelobt wird, war ich sehr neugierig auf „Fünf Fremde“.

Das Buch beginnt spannend und der Schreibstil spricht mich an: Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, 1995 und 2025, und auch die Erzählperspektiven wechseln zwischen den Protagonist:innen hin und her. Als Leser:in erfährt man so Stück für Stück mehr über die Figuren und die Situation 1995. Dies, zusammen mit überraschenden Wendungen, sorgte dafür, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich wollte unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt und was letztendlich damals wirklich geschehen ist.

So sehr mich die ersten zwei Drittel gefesselt haben, so ernüchtert war ich aber letztendlich vom Rest. Die Dialoge werden zunehmend hölzern und unnatürlich, und das Ende erscheint mir sehr unglaubwürdig und konstruiert. Rückblickend sind für mich wesentliche Teile der Handlung nicht schlüssig. Sie dienen zwar dem Spannungsaufbau, ergeben aber kein konsistentes Gesamtbild. Mir scheint es, als hätte man um der Dramaturgie Willen einige Aktionen eingebaut, die im Nachhinein ziemlich sinnfrei sind. Hinzu kommen haarsträubend viele inhaltliche und logische Fehler. Das sind teils ärgerliche, aber für die Geschichte unwesentliche Dinge wie die Aussage, dass die Sonne von Monden umkreist würde, aber auch grobe Schnitzer, die zentrale Punkte der Handlung betreffen. Diese kann ich hier nicht näher aufzählen ohne zu spoilern. Insgesamt habe ich mehr als 15 Logikfehler gezählt. Auch das Loocked-Room-Setting, das auf der kleinen Insel durch den Orkan erzeugt werden soll, wirkt wie eine bloße Behauptung, da trotz heftigsten Sturms alle Protagonist:innen ständig draußen unterwegs sind, einschließlich einer alten, dementen Person.

Aufgrund der Vielzahl an Fehlern und Ungereimtheiten, der durchschnittlichen Sprache und den Mängeln in der Plotkonstruktion hat mich dieses Buch leider total enttäuscht und ich kann lediglich 2 Sterne vergeben.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Eine Bestandsaufnahme

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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In „Ein Versuch meine Liebe zu ordnen“ reflektiert Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, nach dem Tod ihres Mannes über ihr Leben und ihre Ehe. Hierbei nennt sie ihren Ehemann ...

In „Ein Versuch meine Liebe zu ordnen“ reflektiert Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, nach dem Tod ihres Mannes über ihr Leben und ihre Ehe. Hierbei nennt sie ihren Ehemann stets nur A., was verwundert, da er als Journalist und Schauspieler in der Öffentlichkeit stand und Name, Bild und Vita binnen Sekunden von Google gefunden werden. Warum also diese vermeintliche Anonymität, die beim Lesen eher störend ist?

Christien Brinkgreve schildert reflektiert und mit schonungsloser Ehrlichkeit gegenüber sich selbst, wie sehr sie in ihrer Ehe mit dem Spagat zwischen Berufstätigkeit und Familie, dem Leben einer selbstbestimmten Frau und den Ansprüchen ihres Mannes an eine Ehefrau und Mutter zu kämpfen hatte. Ich fand es ernüchternd, dass sich eine hochgebildete Frau, die sich in intellektuellen Kreisen bewegt und sich beruflich mit den Beziehungen zwischen Männern und Frauen und der Überwindung tradierter Rollenbilder auseinandersetzt, immer wieder ihrem offenbar äußerst dominanten Ehemann unterordnet. Vielleicht liegt es daran, dass ich deutlich jünger bin, aber mir kam das Buch wie aus einer völlig anderen Welt vor. Möglicherweise gelingt es Leser:innen, die selbst in den 1940 oder 1950er Jahren geboren wurden, eher, einen Zugang zu finden.

Obwohl das Buch mit 192 Seiten recht kurz ist, empfand ich die Lektüre als zäh. Die Autorin schildert viele Details aus ihrem Leben und ihrer Ehe, die für mich weder von Interesse waren noch mir irgendeinen Erkenntnisgewinn brachten. Gegen den Ehemann empfand ich bereits von Beginn an eine tiefe Abneigung. Der Schreibstil wirkt, nicht zuletzt durch das Fehlen von Namen, emotionslos und spröde, und ich muss leider sagen, dass mich dieses Buch überhaupt nicht erreichen konnte.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

leider nicht überzeugend

Banditensommer
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Mein Sohn (11) und ich haben kürzlich von Mirjam Raymond „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin“ gelesen und waren nun neugierig auf „Banditensommer“.

Die beiden Brüder Kroko (12) und Luis (7) ...

Mein Sohn (11) und ich haben kürzlich von Mirjam Raymond „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin“ gelesen und waren nun neugierig auf „Banditensommer“.

Die beiden Brüder Kroko (12) und Luis (7) sind mit ihrem Vater Bernhard nach der Trennung der Eltern im Sommerurlaub in Kroatien. Als die Jungs sich eines Abends aus der Ferienwohnung schleichen, um ihren Vater zu suchen, landen sie durch unglückliche Umstände auf einem Boot von Hundefängern, die Jagd auf Straßenhunde machen. Angeblich wollen sie die Touristen vor streunenden Hunden beschützen, doch die Banditen verfolgen in Wahrheit einen ganz anderen Plan, und die beiden Jungs schweben schon bald in großer Gefahr.

Bereits von Beginn an ist die Atmosphäre rau und düster und leider auch durch Klischees geprägt. Der Vater wirkt ruppig und impulsiv, der Umgang mit seinen Söhnen ist wenig liebevoll. Auf ihrer Suche erfahren sowohl der Vater als auch die Kinder wenig Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, die kroatische Polizei ist desinteressiert und unkooperativ, kriminelle Machenschaften ziehen sich in höchste Kreise. Der Ton ist hart, gespickt mit vielen Kraftausdrücken auf Seiten der Gauner. Mein Sohn, der eigentlich jedes Buch zu Ende gelesen haben will, wollte hier bereits nach wenigen Kapiteln abbrechen, so dass ich es allein beendet habe. Leider konnten Stil und Story auch mich nicht überzeugen. Krokos Wandlung vom Kind mit einer behandlungsbedürftigen Angststörung vor Tieren mutiert binnen kürzester Zeit zum Straßenhundeflüsterer. Sein kleiner Bruder Luis ist nervtötend und sorgt mit seiner Art immer wieder für heikle Situationen. Sämtliche Erwachsene bleiben blass, eindimensional und unsympathisch.

Was mich ebenfalls störte, ist die Darstellung von Straßenhunden als eigentlich harmlose Tiere. Das habe ich in südlichen Ländern selbst bereits anders erlebt, und Kinder sollten sich aus gutem Grund von diesen fernhalten, da sie nicht nur unberechenbar reagieren, sondern auch schwere Krankheiten übertragen können.

Krokos Rolle wird gegen Ende immer abstruser, wenn er Hunde durch seine Gedanken oder eine Art „Seelenverwandtschaft“ führt. Als wäre die Geschichte nicht schon verworren genug, flicht die Autorin mit dem illegalen Arbeitsmigranten Fadi auch noch eine weitere Sozialproblematik mit ein und überlädt damit die Handlung.

Leider konnte „Banditensommer“ weder meinen Sohn noch mich überzeugen und wir vergeben lediglich zwei Sterne.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Im Leben nebenan 
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Wie das eigene Leben wohl verlaufen wäre, wenn man an bestimmten Punkten eine andere Entscheidung getroffen hätte? Während diese Frage gewöhnlich rein hypothetisch bleibt, erwacht die Protagonistin Toni ...

Wie das eigene Leben wohl verlaufen wäre, wenn man an bestimmten Punkten eine andere Entscheidung getroffen hätte? Während diese Frage gewöhnlich rein hypothetisch bleibt, erwacht die Protagonistin Toni eines Tages plötzlich in einem Haus ihres Heimatdorfes anstatt in ihrer gewohnten Stadtwohnung. An ihrer Seite ist nicht ihr Freund Jakob, sondern ihre Jugendliebe Adam, und neben ihr liegt Hannah, offenbar ihr gemeinsames Baby.

Anne Sauer erzählt kapitelweise abwechselnd von Tonis Leben mit Jakob und der surrealen Situation, in der sich Toni (in diesen Kapiteln Antonia genannt) plötzlich als Mama und Ehefrau von Adam wiederfindet. Während sie als Antonia versucht, ihre Mutterrolle zu finden, unterzieht sich Toni einer Kinderwunschbehandlung, ohne sich wirklich sicher zu sein, ob sie tatsächlich ein Kind möchte oder lediglich versucht, den allgemeinen Erwartungen an sie als Frau gerecht zu werden.

Die Ausgangssituation klang sehr spannend, und so bin ich mit großer Neugier an das Hörbuch herangegangen. Leider konnte mich die Umsetzung der Idee durch die Autorin nicht überzeugen. Die Protagonistin bleibt mir in beiden Szenarien zu passiv und selbstbezogen, geradezu selbstmitleidig. Ich kann keine echte Entwicklung erkennen, und auch eine Kommunikation mit ihren Partnern findet quasi nicht statt. In Antonias Kapiteln geht es zudem großteils darum, dass sich die Protagonistin fragt, wie sie plötzlich in diese Lage geraten ist. Das ist zwar verständlich, hat jedoch mit der Realität nichts zu tun. Viel mehr hätte mich gereizt, darüber zu lesen, wie Toni bzw. Antonia mit den unterschiedlichen Herausforderungen als Mutter bzw. kinderlose Frau umgeht. Welche Chancen und Konfliktpotentiale bieten sich in den jeweiligen Situationen für Beruf, Partnerschaft, Freundschaften? Verläuft das alternative Leben als Mutter und Ehefrau so, wie es sich die kinderlose Toni vielleicht ausmalt, und umgekehrt? Diese Fragen kommen mir zu kurz und der Roman schöpft hier sein Potential leider bei weitem nicht aus.

Das Hörbuch wird von Chantal Busse mit sehr angenehmer Stimme und Geschwindigkeit eingesprochen. Es gelingt ihr gut, die Figuren zu verstimmlichen und ich habe ihr sehr gerne zugehört. Dass mich das Buch an sich nicht überzeugen konnte, lag keinesfalls an der Sprecherin.

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