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Veröffentlicht am 22.03.2026

Bietet in einer gut strukturierten Form Wissen über Fauna und Flora

Tiere und Pflanzen lebensgroß
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Das Buch „Tiere & Pflanzen lebensgross“ ist in der Reihe „Familie erlebt Natur“ beim Kosmos Verlag erschienen. Es ist dafür gemacht, dass große und kleine Leute die Natur gemeinsam entdecken. Dazu enthält ...

Das Buch „Tiere & Pflanzen lebensgross“ ist in der Reihe „Familie erlebt Natur“ beim Kosmos Verlag erschienen. Es ist dafür gemacht, dass große und kleine Leute die Natur gemeinsam entdecken. Dazu enthält es Fotos, oft in Lebensgröße, von mehr als einhundert Tier- und Pflanzenarten. Die Texte verfassten die Grundschullehrerin Daniela Strauß, die Biologen Dr. Hannes Petrischak, Holger Haag und Katrin Hecker sowie der inzwischen verstorbene Biologe Felix Weiß. Dabei sind sie so verfasst, dass sie auf Besonderheiten der vorgestellten Art hinweisen. Jede Seite ist aufforderungsstark etwas anders gestaltet, aber es findet sich immer eine kurze Information zu vier Schlagwörtern.

Das „Life-Size-Konzept“ des Buchs bringt Flora und Fauna ganz nah, so dass jeder Betrachtende ein wirklichkeitstreues Bild erhält. Die von Kosmos entwickelte App kann kostenlos heruntergeladen und ergänzend genutzt werden. Insgesamt siebenunddreißig Tierstimmen sind nach Auswahl des Covers und Eingabe des Codeworts von Seite 5 in längeren Sequenzen zu hören. Auf diese Weise bestens ausgerüstet, macht es Freude durch die Natur zu streifen und die im Buch abgebildeten Pflanzen und Tiere zu finden.

Als Einteilung dienen die Jahreszeiten mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Zu jeder Kategorie gibt es zunächst Vogelarten, dann eine Mischung aus Insekten, Amphibien, Schnecken und Säugern, gefolgt von krautigen Pflanzen. Den Abschluss bilden jedes Mal Bäume und Sträucher. Über die Aneignung von Wissen und Entdecken hinaus, finden sich zahlreiche Aktivitätsvorschläge zum Basteln und Rezepte zum Herstellen von Tiernahrung oder zum eigenen Verzehr. Eine übersichtliche Auflistung der Anregungen zum Selbstgestalten findet sich hinten im Buch.

Eine Vorstellung der Flora und Fauna kann in der gewählten Buchform nicht abschließend sein, bietet jedoch in einer gut strukturierten Form zahlreiches Wissen, um mit der ganzen Familie in der Natur herumzuschweifen und dabei tierische und pflanzliche Bewohnende zu finden, zu bestaunen sowie hier und da diese zu unterstützen oder sich zunutze zu machen. Gerne empfehle ich das Buch „Tiere und Pflanzen lebensgroß“ weiter.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Eine bewegende Geschichte über Herkunft, Selbstbestimmung und Bindungen zwischen Familiengenerationen

Real Americans
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Die in Kalifornien lebende Rachel Khong erzählt in ihrem Roman „Real Americans“ eine vielschichtige Familiengeschichte, die sich über drei Generationen erstreckt und bemerkenswerterweise bis ins Jahr 2030 ...

Die in Kalifornien lebende Rachel Khong erzählt in ihrem Roman „Real Americans“ eine vielschichtige Familiengeschichte, die sich über drei Generationen erstreckt und bemerkenswerterweise bis ins Jahr 2030 reicht. Jeder der drei Teile nimmt dabei eine andere Familienepoche in den Mittelpunkt. Der Prolog des Buchs spielt im Jahr 1966 in Peking. Eine unbenannte Frau zerschlägt mit einem Hammer das Glas einer Vitrine, um Relikte vor der Zerstörung durch die Rote Garde zu bewahren. Diese Szene wirft die Frage auf, wer den Mut besitzt, sich dem Regime entgegenzustellen. Erst viele Seiten später fügt sich der Vorfall in den Gesamtzusammenhang ein.

Die 22-jährige Lily Chen steht 1999 kurz vor dem Abschluss ihres Studiums in Kunstgeschichte. Sie arbeitet als unbezahlte Praktikantin in der Grafikabteilung eines angesagten New Yorker Medienunternehmens. Auf der Weihnachtsfeier lernt sie Matthew kennen, den fünf Jahre älteren Neffen ihres Chefs. Zwischen den beiden funkt es. Beide haben Eltern, von deren Einstellung zum Leben sie sich distanzieren, ohne weiter darüber zu sprechen. Lily wird bald bewusst, dass Matthew über deutlich mehr finanzielle Mittel verfügt als sie, was ihr äußerst unangenehm ist. Schließlich siegt ihre Liebe über ihre Bedenken, sich ganz auf eine Person einzulassen, bevor sie selbst eine genaue Vorstellung von ihrer Zukunft hat.

Der zweite Teil des Romans setzt im Jahr 2021 ein und richtet den Fokus auf den fünfzehnjährigen Nick, der mit seiner Mutter Lily auf einer kleinen, nur dünn besiedelten Insel im Nordwesten der USA lebt. Als Leserin begleitete ich ihn auf der Suche nach seinem Vater, der ihm unbekannt ist, weil sich seine Mutter über ihn ausschweigt. Gleichzeitig erzählt Lily ihrem Sohn ebenfalls wenig aus ihrem früheren Leben, obwohl sie selbst es stets bedauert hat, nicht mehr von der Kindheit und Jugend ihrer Eltern in China erfahren zu haben.

Immer wieder streut die Autorin kleine Hinweise auf die Vergangenheit von Lilys Mutter Mai ein, die für eine hintergründige Spannung sorgen. Der dritte Abschnitt, der im Jahr 2030 spielt, ist Mai gewidmet. Wie Lily und Nick berichtet auch sie aus der Ich-Perspektive. Besonders wirkungsvoll ist, dass Rachel Khong im letzten Buchteil einzelne Kapitel in eine auktoriale Erzählhaltung wechselt, um Nicks Geschichte weiterzuführen. Dabei wird spürbar, wie eng die Schicksale der Familienangehörigen miteinander sind.

Immer wieder flechtet die Autorin Überlegungen ihrer Figuren dazu ein, wie amerikanisch sie sein wollen und als wie zugehörig sie sich zu ihrer Abstammung empfinden. Lily etwa stört es, aufgrund ihres asiatischen Aussehen kategorisiert zu werden. Sie hadert jedoch auch damit, dass sie die Erwartungen ihrer Eltern an höher gesetzte Lebensziele nicht erfüllt. Rachel Khong wirft die Fragen auf, in welchem Maße uns genetische Anlagen prägen und wie stark unser Umfeld uns und unsere Entscheidungen beeinflussen kann. Gleichzeitig regt sie auf subtile Weise dazu an, darüber nachzudenken, ob den Eingriffen in das menschliche Genom Grenzen gesetzt werden sollten.

Im Roman „Real Americans“ wirft Rachel Khong die großen Fragen des Lebens auf. Statt expliziter Debatten ihrer Figuren baut sie ein faszinierendes, denkbares Familienbild auf voller überraschender Wendungen, mit feinfühlig ausgeführten Details und unter Einbindung historischer Hintergründe. Es ist eine bewegende Geschichte über Herkunft, Selbstbestimmung und Bindungen zwischen Generationen einer Familie. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Elf voneinander unabhängige Stories zum Thema Selbstbestimmung

Du, hier
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Im Buch „Du, hier“ von Julia Wolf versammeln sich elf voneinander unabhängige Stories, die sich lose um das Thema der Selbstbestimmung drehen, was im heutigen Sprachgebrauch auch als Empowerment bezeichnet ...

Im Buch „Du, hier“ von Julia Wolf versammeln sich elf voneinander unabhängige Stories, die sich lose um das Thema der Selbstbestimmung drehen, was im heutigen Sprachgebrauch auch als Empowerment bezeichnet wird. Im Fokus steht jeweils eine Protagonistin in mittleren Jahren, also im Alter der Autorin. Dadurch erreicht Julia Wolf eine Nähe zu ihren Figuren, die ihnen Glaubwürdigkeit verleiht. Sie wirken lebensnah und ihre Handlungen sind nachvollziehbar. Allen gemeinsam ist eine Unzufriedenheit mit bestimmten Aspekten in ihrem Leben. Manchmal ist es nur ein Wort, um die Figuren dazu zu bringen, ihre Gewohnheiten zu hinterfragen und ihr Verhalten zu ändern. Die meisten von ihnen haben bis dahin in der selbst gewählten oder einer auferlegten Rolle verharrt.
Die Geschichten spielen sämtlich in der Gegenwart und handeln beispielsweise von Selbstverteidigung, das Infragestellen von Konventionen, familiären Beziehungen und Paardifferenzen. In der titelgebenden Erzählung begegnen sich zufällig zwei Jugendfreundinnen wieder, überrascht vom bisherigen Lebensweg der anderen, mit einer unerwarteten Wendung am Ende. Männer im Umfeld der Frauen treten entweder in den Hintergrund oder fungieren als Reibungspunkte. Jede Story ist einzigartig, im ganz eigenen Schreibstil, zum Beispiel besteht eine von ihnen rein aus einem inneren Monolog der Protagonistin.
Julia Wolf schreibt faszinierend, in leicht lesbarer, ruhiger Sprache, mit feiner Ironie durchzogen. Die Geschichten umfassen zwischen vierzehn bis neunundzwanzig Seiten und entfalten einen unwiderstehlichen Sog, der die Lesenden in die Gedanken- und Gefühlswelt der Hauptfiguren zieht, um mitzuverfolgen, was sie als störend empfinden, welche Richtungsänderung sie einschlagen werden und wodurch sie diese erreichen wollen. Ich habe die Stories mit großem Vergnügen gelesen und empfehle sie gerne weiter, auch als kurze Lektüre für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Suche nach Identität über mehrere Generationen, Religionen und Kontinente hinweg

Trag das Feuer weiter
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Mit ihrem Roman „Trag das Feuer weiter“ beendet Leila Slimani ihre Familientrilogie, die auf wahren Begebenheiten aus dem Leben ihrer Familien beruht. Die Wurzeln der Autorin liegen sowohl in Frankreich ...

Mit ihrem Roman „Trag das Feuer weiter“ beendet Leila Slimani ihre Familientrilogie, die auf wahren Begebenheiten aus dem Leben ihrer Familien beruht. Die Wurzeln der Autorin liegen sowohl in Frankreich wie auch in Marokko. Die überwiegende Handlung des dritten Bands spielt im Nordwesten Afrikas. Die ersten beiden Teile habe ich nicht gelesen. Dank einer kurzen Beschreibung der wichtigsten Figuren habe ich mich gut in die Erzählung eingefunden.

Anfang der 1970er Jahre heiratet die Gynäkologin Aisha, deren Mutter aus dem Elsass stammt, den Finanzökonomen Mehdi. Ihre Tochter Mia wird 1974 geboren. In kurzen Zwischensequenzen erzählt diese aus der Ich-Perspektive in der Gegenwart, in der sie als Schriftstellerin in Paris wohnt. Aufgrund einer Erkrankung empfiehlt ihr ein Arzt, sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit zu begeben. Daraufhin reist sie nach Marokko zur noch existierenden Farm ihrer Großeltern Mathilde und Amine, auf der ein Verwalter sich um das Anwesen kümmert.

Die Geschichte von Mias Familie wird in auktorialer Erzählweise geschildert und setzt Mitte der 1970er Jahre ein. In dieser Zeit gelingt es Aisha, Beruf und Mutterschaft miteinander zu vereinbaren. Während ihrer Abwesenheit kümmert sich ein Hausmädchen um Haushalt und die Kinder. Mia lehnt ihre sechs Jahre jüngere Schwester Ines ab, die scheinbar von allen geliebt wird. Sie selbst begehrt gerne mal auf. Bücher eröffnen ihr den Blick auf die Welt. Sie sehnt sich nach Freiheit jenseits ihres privilegierten Elternhauses.

Leïla Slimani vermittelt dem Lesenden eindrucksvoll politische und kulturelle Einblicke in Marokko. Sie stellt die Gegensätze der Denkweisen und gesellschaftlichen Konventionen heraus, ohne diese zu werten. Über die Jahre hinweg wird sichtbar, wie sich das Land verändert und mit ihm auch Mias Familie.

Anfang der 1990er Jahre erleben Mehdi und Mia sowie ihr Großvater Amine einen Culture Clash auf ihre je eigene Weise. Amine ist verstört vom trubeligen New York, das er nur seines Sohns zuliebe besucht. Es wird deutlich, wie schwierig es für ihn ist, sich in dieser fremden Kultur zurechtzufinden, auch weil ihm die Sprachkenntnisse fehlen.

Mehdis berufliche Tätigkeit zwingt ihn dazu, Verhandlungen im Ausland zu führen. Für ihn wird es zum Problem, Marokko als ein Land mit großer Zukunft vorzustellen, um es für Investoren attraktiv zu machen. Derweil beginnt Mia ein Wirtschaftsstudium in Paris und droht am Fehlen der familiären Zuwendung zu scheitern.

In ihrem Roman „Trag das Feuer weiter“ zeigt Leïla Slimani die Suche nach Identität über mehrere Generationen, Religionen und Kontinente hinweg. Sie bindet bedeutende historische Ereignisse ein und verwebt sie mit den persönlichen Schicksalen der Protagonist*innen. Der Roman regt dazu an, über Familie, Herkunft und Selbstverwirklichung nachzudenken. Sehr gerne empfehle ich ihn weiter.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Wie viele eigenständige Entscheidungen verträgt eine Freundschaft?

Spielverderberin
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In ihrem Debütroman „Die Spielverderberin“ erzählt Marie Menke von der Freundschaft dreier junger Frauen. Eine von ihnen ist Sophie, die als Ich-Erzählerin den aktuellen Umgang mit ihren Freundinnen Romy ...

In ihrem Debütroman „Die Spielverderberin“ erzählt Marie Menke von der Freundschaft dreier junger Frauen. Eine von ihnen ist Sophie, die als Ich-Erzählerin den aktuellen Umgang mit ihren Freundinnen Romy und Lotte ebenso schildert wie gemeinsame Erlebnisse, die vier Jahre zurückliegen. Damals standen sie alle drei kurz vor dem Abitur. Titelgebend sind Situationen, in denen eine der Freundinnen nicht im Sinne der anderen handelt und dadurch Spannungen entstehen.

Sophie und Lotte sind in einer Bauerschaft im fiktiven Süthland aufgewachsen und von Kindheit an befreundet. Romy hingegen zog erst als Jugendliche mit ihren Eltern und ihrem Bruder in die nahegelegene Kleinstadt. Kennengelernt haben sich die drei auf dem Gymnasium.

Wenn Sophie davon berichtet, dass Lotte und Romy früher ohne sie etwas unternommen haben, erscheint sie zunächst nicht eifersüchtig. Doch ihre zunehmende Hinwendung zu Romy zeigt das Gegenteil. Sie bewundert deren frühe Unabhängigkeit im Denken und Handeln. Obwohl es Sophie gelingt, mehr Beachtung zu erhalten, hat sie nicht damit gerechnet, dass Romy ihre Pläne für die Zeit nach dem Abitur trifft, ohne ihre Freundinnen einzubeziehen.

Bereits auf den ersten Seiten des Romans deutet Marie Menke an, dass zu Beginn des Studiums etwas geschehen ist, dass Sophie nie vollständig verarbeitet hat. Lotte hat dabei sichtbare Wunden davongetragen. Diese Andeutung erzeugt eine unterschwellige Spannung bis zum Schluss, weil man als Lesende unbedingt wissen möchte, was damals vorgefallen ist.

Am Ende ihres Studiums befindet sich Sophie in einer Phase der Selbstfindung. Auch Lotte, die zunächst eigenständig erscheint, hat noch kein festes Ziel vor Augen. Sophie ist sich nicht sicher, ob sie nach dem Abitur die richtige Entscheidung bei der Berufswahl getroffen hat. Ihre Eltern haben ihr dabei freie Wahl gelassen, aber es wird deutlich, dass sie insgeheim etwas anderes erwarteten.

Wenn jemand sich vom Landleben begeistert zeigt, kommen Sophie Bedenken, ob sie nach Abschluss ihres Studiums in einer Stadt arbeiten möchte. Bei ihre Abwägungen bezieht sie stets ihre Freundschaften zu Lotte und Romy mit ein. Eine besondere Stärke des Romans ist die authentische Darstellung dieser inneren Konflikte, in der sich viele Lesende in der Rolle einer der Freundinnen wiederfinden werden.

In ihrem Debütroman „Spielverderberin“ schreibt Marie Menke eindringlich über die Freundschaft dreier junger Frauen und ihrem Leben zwischen Stadt und Land. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage durch die Geschichte, wie viele eigenständige Entscheidungen eine Freundschaft aushält. Gerne vergebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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