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Veröffentlicht am 18.02.2026

Nächtliche Abenteuer und innere Konflikte

Nachteule
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Ingrid Noll, gefeierte deutsche Autorin des schwarzen Humors und spannender Krimis, entführt in „Nachteule“ in eine fesselnde Geschichte, erzählt aus der Sicht einer jugendlichen Protagonistin. Das Buch ...

Ingrid Noll, gefeierte deutsche Autorin des schwarzen Humors und spannender Krimis, entführt in „Nachteule“ in eine fesselnde Geschichte, erzählt aus der Sicht einer jugendlichen Protagonistin. Das Buch verknüpft geschickt Coming-of-Age-Themen mit einer mysteriösen Handlung und hält die Spannung bis zur letzten Seite.

Übersicht/Zusammenfassung „Nachteule“



„Das Physikum habe ich letztes Jahr mit Bravour bestanden, aber es wird noch lange dauern, bis ich mein Ziel erreicht habe. Irgendwann möchte ich nämlich als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie eine eigene Praxis eröffnen. Demnächst werde ich mit einer Lehranalyse beginnen, um meine härteste Zeit als Teenager aufzuarbeiten. Mein Freund hat mich bei meinem Vorhaben bestärkt, bereits im Vorfeld alles über meine toxische Beziehung aufzuschreiben.„



Ingrid Noll. Nachteule (Function). Kindle Edition.

Die sechzehnjährige Luisa erkennt, dass sie eine „Superkraft“ hat. Sie kann im Dunkeln sehen. Sie liebt Tiere und beobachtet sie gern. Nächtliche Abenteuer und Begegnungen prägen sie. Geheimnisse verändern nicht nur ihre Sicht auf das Leben, sondern bringen sie auch in gefährliche Situationen.

Als Baby in Peru adoptiert, kämpft Luisa nicht nur mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Auch das Familienleben birgt Schwierigkeiten. Soll sie ihrer Mutter das Geheimnis ihres Vaters offenbaren? Ihre Vorliebe für die Nacht spiegelt ihren Drang wider, dem Alltag zu entfliehen und ihre Rolle in der Welt zu finden. Unerwartete Wendungen und geheimnisvolle Ereignisse halten die Spannung hoch.

Protagonistin Luisa



Im Gegensatz zu meinen Altersgenossen tummelte ich mich allerdings kaum in den sozialen Netzwerken, sondern benutzte es vorwiegend als Lexikon. Ob es Cybermobbing oder andere digitale Attacken gegen mich gab, interessierte mich nicht. Ich wusste, dass ich bei einigen Neidhammeln als Streberin galt, andere aus meiner Klasse mir wiederum dankbar waren, weil ich sie abschreiben ließ.

Ingrid Noll. Nachteule (Function). Kindle Edition.



Luisa hat gute Noten und gilt als Streberin. Sie hinterfragt ihre Rolle als Adoptivkind. Wird sie den Erwartungen ihrer Eltern gerecht? Sind ihre Eltern zufrieden mit ihr? Sie ist ein typischer Teenager, der mit Unsicherheiten, Ängsten und Sehnsüchten kämpft. Ingrid Noll zeichnet sie mit Empathie und Verständnis für die Gedankenwelt eines jungen Mädchens, das die Schwelle zum Erwachsenenleben überschreitet. Luisa wirkt so lebendig, dass ich mich gut mit ihr identifizieren kann.

Ingrid Nolls Stil ist – wie gewohnt – klar und prägnant. Der Sprachstil ist lebendig und zeitgemäß, ohne die dunkle, spannungsgeladene Atmosphäre zu verlieren. Die Dialoge wirken natürlich und offenbaren viel über die Charaktere, die Umgebung und die innere Zerrissenheit der Protagonistin.

Hörbuch „Nachteule“ gesprochen von Nellie Fischer-Benson

Das Hörbuch zu „Nachteule“ überzeugt durch Nellie Fischer-Bensons gekonnte Interpretation Luisas. Sie bringt die Unsicherheit und den inneren Konflikt des Teenagers eindrucksvoll zum Ausdruck und schafft eine intensive Hörerfahrung. Die nächtlichen Szenen werden stimmungsvoll umgesetzt, was zur Atmosphäre des Romans beiträgt.

Hörbuch-Download
5 Std. 37 Min.
erschienen am 20. August 2025

Fazit / Kritik „Nachteule“

„Nachteule“ ist ein spannender und berührender Roman über das Erwachsenwerden, verpackt in eine geheimnisvolle und manchmal düstere Geschichte. Ingrid Noll gelingt es, die Gefühle und Gedanken eines Teenagers glaubwürdig darzustellen und mit einer fesselnden Handlung zu verbinden. Die Mischung aus Coming-of-Age und Thriller-Elementen macht das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.

Einziger Wermutstropfen: An manchen Stellen erscheint die Handlung vorhersehbar. Ich bin ein großer Fan von Ingrid Noll. Aber „Nachteule“ hat es mir nicht einfach gemacht. Wo war der typische Ingrid-Noll-Mord? Wo war die sympathische Mörderin? Es fiel mir tatsächlich schwer, „Nachteule“ als ein Buch von Ingrid Noll einzuordnen. Nein, Das Buch hat mich nicht überzeugt, trotz starker Protagonistin. Wenn das Buch von einer oder einem anderen Autor gewesen wäre, hätte es mich vielleicht überzeugt, aber so hat es meine Erwartungen nicht erfüllt. Das ist natürlich eine sehr subjektive Bewertung. Am besten: Lest es selbst!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2022

„Elf Minuten“: Es war einmal eine Prostituierte namens Maria

Elf Minuten
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„Elf Minuten“: Es war einmal eine Prostituierte namens Maria
Wir sind umgezogen und deswegen habe ich die letzten Monate keine Rezensionsexemplare angenommen, sondern mich an meinem SUB (Stapel ungelesener ...

„Elf Minuten“: Es war einmal eine Prostituierte namens Maria
Wir sind umgezogen und deswegen habe ich die letzten Monate keine Rezensionsexemplare angenommen, sondern mich an meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) bedient. Ich habe mich dann als erstes für ein Buch von Paulo Coelho entschieden, weil dessen Hörbücher jetzt auch im BookBeat Katalog enthalten sind. Jeden Monat kommen 3 weitere dazu. Im Oktober waren „Elf Minuten“, „Veronika beschließt zu sterben“ und „Handbuch des Kriegers des Lichts“ im Sortiment.

Die meisten von Coelhos Bücher beginnen mit Zitaten aus dem Lucas-Evangelium oder aus dem Sufismus. Diesmal nimmt der Autor die Verse 37-47 aus dem 7. Kapitel des Lukas Evangeliums und die „Hymne an Isis“.

Nichts kann besser die Betrachtung zusammenfassen, die die Antike von einer Frau haben konnte, im Heiligen und im Profanen, wie sie uns in a dargestellt wird Hymne an Iside, Mutter von Horus und Ehefrau des wiederbelebten Herrn des Jenseits Osiris, gefunden unter den verschiedenen Schriftrollen von Nag Hammadi aus dem XNUMX. und XNUMX. Jahrhundert:

Gefunden: https://axismundi.blog/de/2018/09/08/dee-e-donne-dellantico-mediterraneo/
Pressebild elf minutenDiogenes Verlag 72dpi
Worum geht es in „Elf Minuten“
Warum dieser Titel? Elf Minuten? Elf Minuten dauert der durchschnittliche Liebesakt. In welcher Beziehung steht das zum Inhalt? Wir werden sehen. Ich werde nochmals am Ende der Rezension darauf zurückkommen.

In erster Linie geht es natürlich um Liebe! Welche Erwartungen stellen wir an die Liebe? Maria verliebte sich zum ersten Mal mit sieben Jahren. Mit fünfzehn verliebte sie sich wieder. Aber immer lief etwas falsch.

„Männer bedeuten nur Schmerz, Frustration und Kummer, dachte sie.“

Elf Minuten, S. 19.

Maria machte eine Woche Urlaub in Rio de Janeiro. Dabei lernte sie einen Schweizer kennen, der sie mit nach Zürich nehmen wollte, um dort einen brasilianischen Star aus ihr zu machen. Maria geht mit.

Marias Leben ändert sich. Es ist keineswegs so, wie sie es sich vorstellte. Aber Maria bleibt sich selbst treu.

„Elf Minuten“: Maria, eine Frau mit Prinzipien
Maria ist eine Protagonistin, die mit beziehungsweise an ihren Aufgaben wächst. Sie schreibt Tagebuch und reflektiert ihr Leben. Sie lebt nach von ihr festgelegten Regeln, an die sie sich hält.


„Ich habe die Wahl, entweder ein Opfer der Welt zu sein oder eine Abenteurerin auf der Suche nach ihrem Schatz. Es ist alles nur eine Frage, wie ich mein Leben angehe.“

Elf Minuten, S. 47.

Maria begegnet der Liebe. Welchen Einfluss wird das auf sie und ihr Leben nehmen?

Paul Coelho zeigt wie das Leben und die Menschen auf Maria wirken, wie sie sich verändert. Aber sie bleibt sich dennoch treu, obwohl sie dadurch fast die Chance auf Glück verliert.

„Ist dir auch schon einmal der Gedanke gekommen, dass Frauen, und vor allem auch Huren, fähig sind zu lieben?“
Elf Minuten, S. 171.

Der sprachliche Aufbau in „Elf Minuten“
Das Buch besteht aus den Tagebuchaufzeichnungen von Maria und den Aufzeichnungen eines allwissenden Erzählers. Das gefällt mir sehr gut. Weil Maria in ihren Aufzeichnungen das Geschehen kommentiert und reflektiert, bzw. aus ihrer inneren Sicht zeigt, unabhängig von den Handlungen.

Hörbuch „Elf Minuten“
Das Hörbuch „Elf Minuten“ von Paulo Coelho ist ebenso wie das Hardcover im Diogenes Verlag erschienen. Es hat eine Länge von 7 Stunden und 28 Minuten. Der Erzähler wird von Markus Hoffmann und die Tagebuchaufzeichnungen von Nadja Schulz-Berlinghoff gelesen. Markus Hoffmann gefällt mir in der Rolle des Erzählers nicht so gut, er ist mir zu belehrend. Nadja Schulz Berlinghoff spricht die Marias Gedanken sehr ansprechend. Ich kann sie mir gut als Maria vorstellen.

Fazit/Kritik „Elf Minuten“
Ich bin mir nicht sicher, ob Paulo Coelhos erhobener Zeigefinger hier etwas zu intensiv agiert. Er will darauf hinaus, dass es immer noch den Menschen hinter seiner Rolle gibt. Da bin ich ganz seiner Meinung.

Und auch in der zu Beginn vorangestellten „Hymne an Isis“ sehen wir, wie schon in der Antike, die Rolle der Frau in mehrere Bereiche aufgeteilt wurde, die unterschiedlich bewertet wurden. Je nachdem wo, und wie diese Rolle ausgelebt wurde.

Maria gefällt mir eigentlich sehr gut. Durch den Kontrollzwang über ihr Leben, kann sie die Zeit als Prostituierte beenden. Allerdings hätte sie auch fast die Chance auf eine Liebe vergeben.

Zur Liebe gehört immer auch ein gewisses Maß an Risiko. Keiner kann für die Dauerhaftigkeit seiner Gefühle bürgen.

Ich bin ein großer Fan von Paulo Coelho, aber bei diesem Buch bin ich sehr hin- und hergerissen. Und ich kann nicht einmal wirklich sagen, woran es liegt. Ist Maria zu verkopft? Manchmal wollte ich sie anschubsen, etwas weniger auf ihre Prinzipien zu hören. Auf der anderen Seite haben genau diese Prinzipien ihr geholfen, sich selbst treu zu bleiben.

Ich möchte nochmals auf den Titel zurückkommen. Wenn man einmal darüber nachdenkt, wie kurz die Dauer dieser 11 Minuten, objektiv gesehen, ist, verwundert es doch, welch große Bedeutung Sex oder Erotik in unserem Leben einnehmen. Vielleicht liefert der Text in der Anzeige des Verlags ein wenig Licht:

Wie berührt man die Seele? Durch Liebe oder durch Lust? Kann man die Seele wie einen Körper berühren und umgekehrt? Ein provozierendes modernes Märchen über die Alchemie der Liebe.

Diogenes

Veröffentlicht am 03.12.2018

Beamtensatire

»Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«
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ZUM INHALT

NICHTALLTÄGLICHES AUS DEM LEBEN EINES BEAMTEN

Martin Schörle präsentiert uns in diesem Stück den Beamten schlechthin: Hans Fredenbek. Es gibt wahrscheinlich kein Vorurteil über Beamte, das ...

ZUM INHALT

NICHTALLTÄGLICHES AUS DEM LEBEN EINES BEAMTEN

Martin Schörle präsentiert uns in diesem Stück den Beamten schlechthin: Hans Fredenbek. Es gibt wahrscheinlich kein Vorurteil über Beamte, das auf Hans Fredenbek nicht zutrifft. Selbst im Urlaub findet Fredenbek eine Möglichkeit, seinen Beamtentagesablauf beizubehalten. Überspitzt formuliert zaubert es ein Lächeln ins Gesicht des Lesers bzw. des Zuschauers. Ein stereotyper Monolog, der mich zwischen Belustigung und Überdruss hin und her schüttelte.

Ich denke, es ist eben ein Stück und kommt glaube ich erst auf der Bühne, durch Mimik. Körpersprache und Betonung richtig gut.

Ist es Kabarett? Ist es Satire oder ist es eine Comedy? Vielleicht ein wenig von allem.

DAS KLASSENTREFFEN

Marina und Carsten haben zusammen Abitur gemacht. Als Marina mit der S-Bahn auf dem Heimweg ist, telefoniert sie mit Carsten. Die Mitreisenden werden zu Akteuren, als Marina aussteigt, verlassen einige der Fahrgäste zusammen mit ihr den Zug, um die Geschichte, die sich am Telefon zwischen Marina und Carsten entwickelt weiter mitverfolgen zu können.

Ist es die große Liebe? War es die große Liebe? Ist es eine neue Chance für die Zukunft oder reine Melancholie?

Jeder war bestimmt schon einmal in einer ähnlichen Situation? Beim Arzt, Friseur, im Bus oder in der Bahn klingelt ein Handy und die Spiele mögen beginnen. Manche Menschen haben wenig Bedürfnis, ihre Privatsphäre zu wahren. Als Zuhörer oder Zuschauer ist man hin- und hergerissen zwischen „Fremdschämen“ und großer Neugierde.

3 bzw. 4/5 Punkten

SPRACHLICHE GESTALTUNG

Der Monolog Herrn Vredenbacks gefällt mir nicht so. Zwischendurch kommt es zwar immer zu Lachern, aber es wirkt doch, wie aus einer anderen Zeit. Aber das ist eine persönliche Meinung von mir.

Der zweite Teil gefällt mir viel besser. Da wird eine Situation, die uns nicht unbekannt ist, etwas überspitzt dargestellt. Das finde ich gelungen. Martin Schörle gelingt es, mit der Sprache zu jonglieren und zu spielen.

Martin Schörle hat den Spruch oder die Metapher, da nimmt man die Zuhörer mit ins eigene Schlafzimmer/Wohnung nur verdeutlicht. Das gefällt mir ganz gut, weil es zeigt, wie transparent unser Leben durch Medien jeglicher Arten ist.

3 bzw. 4/5 Punkten

COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG

Herr Vredenbeck ziert das Cover mit seinem Aktenkoffer, worauf das Corpus Delicti liegt: der Radierer. Ja, so in ungefähr stellte ich mir ihn vor. Farblos, ein bisschen verklemmt und bloß nicht auffallen.
Allerdings fand ich es, in dieser Printversion sehr anstrengend zu lesen – auch mit Lesebrille.



»Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«
Martin Schörle Flexibler Einband: 119 Seiten
Erschienen bei Engelsdorfer Verlag, 06.12.2016
ISBN 9783960084082
Genre: Romane

3/5 Punkten

FAZIT

Es fällt mir nicht einfach, das Buch zu bewerten, weil es sich um Theaterstücke handelt, die mit Sicherheit auf der Bühne anders wirken.

Für den ersten Teil, »Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« gebe ich 3/5 Punkten.

Für den zweiten Teil »Einladung zum Klassentreffen« gebe ich 4/5 Punkten.

@Martin Schörle

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 28.01.2025

Foucault hat dazu nie etwas verlauten lassen

Foucault in Kalifornien
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Wie der große Philosoph im Death Valley zum ersten Mal LSD nahm – eine wahre Geschichte
Simeon Wade, der Autor des Buchs „Foucault in Kalifornien“, war ein junger Historiker und Foucault-Fan, der an der ...

Wie der große Philosoph im Death Valley zum ersten Mal LSD nahm – eine wahre Geschichte
Simeon Wade, der Autor des Buchs „Foucault in Kalifornien“, war ein junger Historiker und Foucault-Fan, der an der Claremont Graduate School in Kalifornien unterrichtete. Zusammen mit seinem Freund Michael Stoneman lud er Michel Foucault ein, Kalifornien zu besuchen. Die Einladung führte zu einem intensiven Wochenende, das Foucaults Sichtweise auf bestimmte philosophische Themen beeinflusst haben soll.

Zusammenfassung/Inhalt „Foucault in Kalifornien“
Erst 2019 wurde Wades Manuskript als “Foucault in Kalifornien” von Heyday Books veröffentlicht. Es erzählt die Geschichte aus Wades Perspektive und dokumentiert nicht nur den LSD-Trip, sondern auch die philosophischen und intellektuellen Gespräche, die während Foucaults Aufenthalt in Kalifornien stattfanden. Wade beschreibt Foucault als einen faszinierenden, charismatischen Mann, der offen für neue Erfahrungen war und durch die Reise in Kalifornien möglicherweise eine neue Sicht auf Freiheit und das Selbst entwickelte .

Wade selbst zog sich nach dieser Zeit zunehmend aus dem akademischen Leben zurück und lebte eher zurückgezogen. Er vermied weitgehend die öffentliche Aufmerksamkeit, bis Heather Dundas, eine Autorin und spätere Freundin, begann, sich für sein Manuskript zu interessieren und es schließlich zur Veröffentlichung brachte .

Im Zentrum des Buches steht eine legendäre Episode: Foucaults erster und einziger LSD-Trip. Dieser Trip fand in der Death Valley-Wüste statt und wurde zu einer tiefgreifenden spirituellen und intellektuellen Erfahrung für Foucault. Wade beschreibt, wie der französische Philosoph durch den Gebrauch von LSD eine erweiterte Wahrnehmung erlebte und wie sich diese Erfahrung in seiner späteren Arbeit widerspiegelte. Es wird behauptet, dass der LSD-Trip Foucaults Denken über Freiheit und den Körper weiter beeinflusste.

Das Buch „Foucault in Kalifornien“ hat sowohl autobiografische als auch biografische Züge. Es ist weniger ein formeller wissenschaftlicher Text, sondern eher ein persönlicher Bericht von Wade, der seine Begegnungen mit Foucault beschreibt. Der Ton ist daher oft locker und sehr persönlich, da Wade sowohl die intellektuelle Tiefe des Philosophen als auch die menschliche Seite von Foucault hervorhebt.

Wade bietet einen faszinierenden Einblick in Foucaults Persönlichkeit und seine Ansichten zu Themen wie Sexualität, Macht und Freiheit, die während dieser Reise zur Sprache kamen. Das Buch beleuchtet Foucaults Charisma und die Art und Weise, wie er sich in einem ganz anderen kulturellen und geografischen Kontext wie Kalifornien verhielt.

Obwohl Foucault nie explizit über diese Reise oder seine Erfahrungen mit LSD schrieb, gibt es Spekulationen darüber, dass diese Erfahrung sein späteres Denken über Macht, Subjektivität und Freiheit beeinflusst haben könnte. Es bleibt eine spekulative Verbindung, aber das Buch fügt interessante Details zu seiner intellektuellen Biografie hinzu.

Heather Dundas
Heather Dundas ist eine amerikanische Autorin und Dramatikerin, deren Werke sich oft um Themen wie Kunst, Alter, „weibliche Monster“ und die Philosophie des 20. Jahrhunderts drehen. Sie wurde besonders bekannt durch ihre Arbeit an “Foucault in Kalifornien”. Sie schrieb das Vorwort zu diesem Buch. Durch sie konnte das bisher unbekannte Manuskript veröffentlich werden.

Neben ihrer Arbeit an “Foucault in Kalifornien” ist Dundas auch als Theaterautorin aktiv. Ihr bekanntes Stück “Cannibals” wurde mehrfach aufgeführt und erhielt positive Kritiken. Darüber hinaus arbeitet sie an einem Opernprojekt mit dem Titel “My Foucault”, das Foucaults Reise nach Kalifornien und seinen LSD-Trip als Grundlage für eine moderne Oper nutzt. In diesem Projekt kollaboriert sie mit dem visuellen Künstler Kevan Jenson .

Fazit/Kritik „Foucault in Kalifornien“
Insgesamt ist “Foucault in Kalifornien” ein Werk, das die Begegnung zwischen einem der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts und der psychedelischen Kultur der 70er Jahre dokumentiert und gleichzeitig eine weitere Perspektive auf Foucaults Leben und Werk eröffnet. Allerdings ist es die einzige Quelle, die wir haben. Das Manuskript ist subjektiv und eher nicht verifiziert.

Mich hat das Buch nicht wirklich überzeugt. Aber am besten macht sich jeder selbst ein Urteil über das Buch, weil Bewertungen doch immer sehr subjektiv sind.

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  • Cover
Veröffentlicht am 04.04.2023

Gibt das Original sehr verkürzt wieder

Bonjour tristesse
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„Ich zögere, diesem fremden Gefühl, das mich bedrückt, einen Namen zu geben: Tristesse.“
Das Hörspiel „Bonjour Tristesse“ folgt dem gleichnamigen Roman von Françoise Sagan (in der Übersetzung von Rainer ...

„Ich zögere, diesem fremden Gefühl, das mich bedrückt, einen Namen zu geben: Tristesse.“
Das Hörspiel „Bonjour Tristesse“ folgt dem gleichnamigen Roman von Françoise Sagan (in der Übersetzung von Rainer Moritz). Ulrich Lampen führte die Regie. Für die Musik ist Jörg Achim Keller mit der hr Bigband verantwortlich. Produziert wurde es vom Audio Verlag und dem Hessischen Rundfunk.

Das Hörspiel „Bonjour Tristesse“ ist für den Deutschen Hörbuchpreis 2023 in der Kategorie »Bestes Hörspiel« nominiert.

Gesprochen wird es von Elisa Schlott (Cécile), Michael Rotschopf (Raymond), Bettina Engelhardt (Anne), Karin Hanczewski (Elsa), Kilian Landt (Cyril).

Das Original – Der Roman „Bonjour Tristesse“ Francoise Sagan
Francoise Sagen schrieb den, in der damaligen Zeit, als Skandalroman geltenden Titel „Bonjour Tristesse“ 1954. 1955 wurde der Roman, von Helga Treichl übersetzt, im Ullstein Verlag veröffentlicht.

2017 wurde das Buch wiederum im Ullstein Verlag in neuer Übersetzung von Rainer Moritz mit einem Nachwort von Sybille Berg herausgegeben.

Der Titel des Buches stammt aus einem Gedicht von Paul Élouard (1932). Francoise Sagan war 18 Jahre alt, als sie das Buch schrieb. Es wurde nicht nur in Frankreich, sondern auch in Amerika zu einem Bestseller. Die erotischen Szenen lösten einen Skandal aus.

Der Film „Bonjour Tristesse“
„Bonjour Tristesse“ wurde 1958 von Otto Preminger mit Jean Seberg in der Hauptrolle verfilmt. Die Filmmelodie singt Juliette Gréco.


Worum geht es in „Bonjour Tristesse“?
Cécile ist 17 Jahre alt und lebt nach dem Tod ihrer Mutter, mit ihrem Vater Raymond, einem Playboy Anfang 40, zusammen. Raymond und Cécile genießen das Leben unbekümmert. Raymond vergnügt sich mit wechselnden jüngeren Geliebten, bis Anne, eine Frau in seinem Alter, auf der Bildfläche erscheint.

Die anspruchsvolle und elegante Anne zeigt den Beiden eine Alternative zu ihrem bisherigen eher oberflächlichem Leben. Cécile fühlt sich von der intelligenten Modedesignerin bedroht. Sie sucht und findet einen Ausweg, ohne sich über mögliche Konsequenzen zu sorgen.

Die Frage nach der Absurdität des menschlichen Lebens kann man hier aufblitzen sehen. Welches ist das richtige Leben?

Die Einflüsse der Existenzphilosophie von Jean Paul Sartre und Albert Camus sind nicht zu leugnen. Paris war nach dem Krieg in den 50er Jahren der Mittelpunkt von Kino, Theater, Jazz und der Existenzphilosophie.

"Bonjour Tristesse" Hörspiel nach Francoise Sagan
Das Hörspiel „Bonjour Tristesse“
Es wird von vier Personen gesprochen. Es fällt mir schwer, die Charaktere der Originalfassung im Hörspiel wiederzuentdecken. Die Komplexität der Personenkonstellation wird nur schwach erkennbar.

Im Originaltext ist die Sprache eine Mischung amüsanter Alltagsunterhaltung und philosophische Reflexionen, die immer nur das Problem anreißen, aber nie weit genug in die Tiefe gehen. Das kommt im Hörspiel, finde ich, nicht so pointiert zur Geltung.

Auch die philosophischen kleinen Hinweise erkennt man kaum.

Fazit/Kritik „Bonjour Tristesse“
Vielleicht muss man das Hörspiel ohne Kenntnis des Originals hören. Das gelingt mir leider nicht. Ich habe den Roman mit 17 Jahren das erste Mal gelesen. Ich finde das Buch viel aussagekräftiger. Aber ein Buch zu einem Hörspiel umzusetzen, das gerade etwas mehr als eine Stunde dauert, ist eher unmöglich, ohne dass Informationen verloren gehen.

Ich finde, das Hörspiel ist nicht schlecht, aber nicht mit dem Roman vergleichbar. Ich finde die Aussagen des Romans nur in Ansätzen wieder.

Mit anderen Worten gesagt: Ich verkörpere nicht die Zielgruppe. Ich mag auch keine gekürzten Hörbücher. Ich möchte gerne das Gesamtwerk genießen.

Aber, wie ich so gerne sage, Rezensionen sind eine sehr subjektive Angelegenheit. Das, was mir nicht so gut gefällt, ist für andere Leser*innen genau das, was sie suchen. Also am besten selbst lesen und beurteilen.

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