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Veröffentlicht am 06.03.2026

Beeindruckender Roman mit Tiefgang

Letzter Akt
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In seinem neuen Roman "Letzter Akt", der im Dumont Verlag erschienen ist, erzählt Andreas Schäfer die Geschichte der Schauspielerin Dora Martin. Die 41-Jährige, die eigentlich Dorothea heißt und in Frankfurt ...

In seinem neuen Roman "Letzter Akt", der im Dumont Verlag erschienen ist, erzählt Andreas Schäfer die Geschichte der Schauspielerin Dora Martin. Die 41-Jährige, die eigentlich Dorothea heißt und in Frankfurt aufgewachsen ist, ist unmittelbar nach ihrem Abitur nach London gezogen. Nachdem sie dort viele Jahre in Filmen und Fernsehproduktionen erfolgreich war, steht sie nun wieder auf einer Theaterbühne. Bei der Premierenfeier in einer Bar lernt sie den schottischen und in der Kunstszene unbekannten Maler Victor Hastings kennen, der anscheinend noch nie etwas von ihr gehört hat. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen und werden ein Paar. Sie treffen sich heimlich, fernab der Öffentlichkeit, in Victors Wohnung. Victor kommt nie ins Theater, um sie auf der Bühne zu sehen, er ist damit beschäftigt, seine Ausstellung vorzubereiten. Bald bittet Dora ihren Freund, sie zu malen. Als sie das fertige Bild sieht, ist sie fassungslos ....

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, der erste und umfangreichste Teil spielt 2005 in London, im zweiten Teil springt die Handlung ins Jahr 1982, und wir lernen die junge Dorothea und ihre Freundin Vera kennen. Die beiden spielen mit Begeisterung in der Theatergruppe ihrer Schule. Der letzte, nur wenige Seiten umfassende Teil, spielt im Jahr 2010 in Schottland und erzählt, wie es mit Dora und Victor weitergegangen ist.

Die fesselnde Geschichte hat mir sehr gut gefallen, ich mochte den ruhigen Erzählstil und die schöne Sprache. Die Charaktere sind authentisch und liebevoll gezeichnet. Ich mochte die ehrgeizige Dora und habe ihren Mut bewundert, in so jungen Jahren nach London zu gehen. Dort konnte sie sich vollkommen neu erfinden und ihre Träume verwirklichen. Es war spannend, hinter die Kulissen eines Theaters zu blicken und in die Welt der Kunst einzutauchen.
Der zweite Teil des Buches, der 1982 spielt und in dem es um die Schülerinnen Dorothea und Vera geht, hat mich besonders berührt. Ich konnte sehr gut nachempfinden, in welcher Konfliktsituation Dorothea sich damals befand. Sie brannte für ihr Lebensziel und musste die Weichen für ihre Zukunft stellen.
Der dritte Teil des Buches stellte für mich einen gelungenen und stimmigen Abschluss dar.

Absolute Leseempfehlung für diesen beeindruckenden Roman, in dem es nicht nur um das Leben und die Kunst, sondern auch um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung und die Bewältigung einer verdrängten Vergangenheit geht.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Mitreißende und intensiv erzählte Geschichte

Grüne Welle
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Nach dem Debütroman "Ohne mich" der Juristin und Autorin Esther Schüttpelz hat der Diogenes Verlag nun "Grüne Welle" veröffentlicht.
 
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine namenlose Künstlerin, die ...

Nach dem Debütroman "Ohne mich" der Juristin und Autorin Esther Schüttpelz hat der Diogenes Verlag nun "Grüne Welle" veröffentlicht.
 
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine namenlose Künstlerin, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin mit ihrem alten Golf unterwegs nach Hause ist. Es ist dunkel, sie folgt einer Umleitung und biegt falsch ab. Sie nimmt sich vor, an der nächsten roten Ampel zu wenden, doch die Ampeln zeigen grün, und so fährt sie immer weiter, ohne Ziel. Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie weiß, dass ihr Mann sich Sorgen machen wird, und doch entfernt sie sich immer weiter von zuhause. Mitten in der Nacht fährt sie trotz aufkommender Müdigkeit auf die Autobahn, und irgendwann ist sie wieder auf der Landstraße. An einer Tankstelle nimmt sie zwei junge Anhalterinnen mit ...
 
Wir folgen der Protagonistin für die Dauer von 24 Stunden auf ihrer Fahrt und erleben dabei ihren inneren Monolog. Sie denkt an ihre Freundin, die sie vor Jahren an der Kunsthochschule kennenlernte, und sie denkt an ihren Mann, einen Juristen, der sie ständig kontrolliert und ihr wenig Freiräume lässt.
Parallel begleiten wir die Freundin der Frau, mit der der Ehemann der Frau Kontakt aufgenommen hat, nachdem diese nach dem Kinobesuch nicht nach Hause gekommen ist.
 
Die Autorin erzählt die ungewöhnliche und teilweise beklemmende Geschichte in schöner Sprache und ruhigem Tempo. Die interessante Protagonistin, im Buch durchgehend nur als "die Frau" bezeichnet, ist großartig skizziert, ich konnte mich gut in ihre Gedankenwelt hineinversetzen, jedoch nicht jede ihrer Handlungen nachvollziehen. Auch die Nebenfiguren sind sehr gut gezeichnet: der unsympathische und autoritäre Ehemann, die langjährige Freundin und die beiden Anhalterinnen, die der Frau unbequeme Fragen stellen.
 
Ich habe das mitreißende und nachdenklich machende Buch, in dem eine Frau sich während einer langen Autofahrt intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzt, bis zum für mich stimmigen und hoffnungsvollen Ende sehr gern gelesen. 

Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Schmerzhafte Erinnerungen

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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In ihrem Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, an ihre langjährige Ehe mit dem Journalisten Arend Jan ...

In ihrem Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, an ihre langjährige Ehe mit dem Journalisten Arend Jan Heerma van Voss, den sie in ihrem Buch "A" nennt.

Es ist ein kalter Tag im März 2022, die Beerdigung ihres Mannes liegt gerade hinter ihr, als die Ich-Erzählerin Christien feststellt, wie verwahrlost ihr Haus ist. Es wirkt unordentlich und ist vollgestopft mit unzähligen Büchern, Zeitschriften und allerlei Krimskrams. Nach den langen Jahren, in denen sie sich um ihren kranken Ehemann kümmerte, beginnt sie nun mit den dringend notwendigen Arbeiten. Das Aufräumen und Aussortieren fällt ihr anfangs schwer, es weckt nicht nur schöne Erinnerungen an ihre gemeinsamen Jahre.

Als Christien und A sich in den späten Siebzigern kennenlernen, ist die junge Frau fasziniert von der Intelligenz und dem Humor des Juristen, der als Chefredakteur tätig ist. Sie verlieben sich ineinander und verbringen glückliche Jahre, nach der Hochzeit werden die beiden Söhne geboren. Christien, inzwischen Professorin für Frauenforschung, ist glücklich in ihrem Beruf und fühlt sich wertgeschätzt. Der häusliche Alltagsstress mit zwei Kleinkindern überfordert sie trotz der Unterstützung durch ein Kindermädchen und die beiden Töchter aus A's erster Ehe zusehends. A ist stolz auf seine erfolgreiche Frau, hatte aber heimlich darauf gehofft, dass sie sich nach ihrer Dissertation hauptsächlich ihm widmen würde. Die Ehe ist nicht mehr glücklich, das Paar ist zu verschieden, hat unterschiedliche Interessen. A, geprägt durch den frühen Tod seiner Schwester, ist melancholisch und launisch. Als er mit 64 Jahren pensioniert wird, stürzt seine Welt vollends ein, er fühlt sich überflüssig. Christien kommt mit seinem Pessimismus und seinen düsteren Stimmungen nicht zurecht und zieht sich immer mehr zurück.

Mit schonungsloser Offenheit und klaren Worten beschreibt die Autorin ihre unglückliche Ehe und die zunehmende Entfremdung. Ich mochte Christien und habe nicht verstanden, dass die selbstbewusste Professorin sich ihrem dominanten Mann unterordnete, sogar auf sein Drängen hin ihr Haus verkaufte, das sie liebte, um in das Amsterdamer Zentrum zu ziehen.

Ich habe das intelligente Buch, in dem die Autorin ihr Leben mit A Revue passieren lässt, trotz mehrerer Wiederholungen sehr gern gelesen, es hat mich berührt und erschüttert. Christiens innere Konflikte konnte ich gut nachvollziehen, sie zweifelt an ihrer Entscheidung, dieses Buch zu schreiben, fragt sich, ob sie als Mutter das Recht dazu hat. Während des Schreibens hinterfragt sie auch ihre Rolle in der Beziehung und in der Familie, und sie stellt sich die Frage, warum sie ihren Mann nicht verlassen hat.

"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" ist ein sehr mutiges und sehr persönliches Buch, in dem es neben Trauerbewältigung und Aufarbeitung der Vergangenheit auch um Feminismus, Enttäuschung, Verzweiflung - und Liebe geht.

Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Berührende Geschichte

Moosland
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In ihrem Debütroman "Moosland" erzählt Katrin Zipse die Geschichte der jungen Elsa, die 1949 gemeinsam mit ihrer Freundin Gerda als eine von knapp 300 Frauen nach Island gekommen ist. Die beiden sind einem ...

In ihrem Debütroman "Moosland" erzählt Katrin Zipse die Geschichte der jungen Elsa, die 1949 gemeinsam mit ihrer Freundin Gerda als eine von knapp 300 Frauen nach Island gekommen ist. Die beiden sind einem Aufruf der Isländischen Bauernpartei gefolgt, um für die Dauer eines Jahres auf isländischen Bauernhöfen zu arbeiten. Viele junge Leute sind in die Städte abgewandert, und die Bauern hoffen nicht nur auf Arbeitskräfte, sondern auch auf Heiratskandidatinnen.

Elsa ist total erschöpft von ihrer langen Reise, als sie mit nur einem Rucksack als Gepäck vom Knecht der Bauernfamilie an der Küste abgeholt wird. Der Bauernhof liegt abseits, der Weg dorthin ist nur mühsam zu bewältigen. Die junge Frau wird von nun an bei einer Familie leben und arbeiten, die aus dem Bauern Jón, seiner Frau Ingibjörg und den beiden Söhnen Ólafur und Skúli besteht. Die Eingewöhnung fällt ihr sehr schwer, die Verständigung ist ein großes Problem, da Elsa nach erlittenen Kriegstraumata nicht mehr spricht und die isländische Sprache nicht versteht.

Wir begleiten Elsa für die Dauer eines Jahres und erleben ihren harten Alltag mit den vielen Pflichten im Haushalt, auf dem Hof und den Feldern. Sie ist in tiefer Trauer um ihre Familie und ihre beste Freundin Sola, und doch gelingt es ihr nach und nach, ihren Platz in der Familie zu finden. Viel Unterstützung findet sie in dem Knecht Halldór, der ihr die fremde Sprache nahezubringen versucht. 

"Moosland" hat mir sehr gut gefallen, ich mochte die ruhige Erzählweise und die schöne Sprache der Autorin. Die Charaktere sind authentisch und mit viel Empathie gezeichnet, ich konnte mich sehr gut in Elsas Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen und ihren Kummer nachempfinden. Die Geschichte, in der es neben Heimat, Verlust und Neuanfang auch um ein Familiengeheimnis und einen Bruderzwist geht, hat mich bis zu ihrem stimmigen Ende gefesselt und tief berührt. 

Ich fand die intensive Beschreibung der Landschaft mit ihrer Kargheit und der rauen Natur sowie des extremen Klimas, das seinen Bewohnern so viel abverlangt, faszinierend. Entbehrungen und harte Arbeit gehören für die Menschen auf den Höfen zum normalen Leben, in den wenigen Sommermonaten arbeiten sie fast rund um die Uhr, um für die langen und eisigen Wintermonate genügend Vorräte für Mensch und Tier anzulegen. Katrin Zipse bringt dem Leser den täglichen Überlebenskampf der Bauern überzeugend nahe und vermittelt ein beeindruckendes Bild der damaligen isländischen Verhältnisse.

Absolute Leseempfehlung für diesen großartigen Roman!

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Beeindruckend und faszinierend

Jenseits der Wintersonne
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In ihrem Buch "Jenseits der Wintersonne", das im Delius Klasing Verlag erschienen ist, erzählt die Autorin Veronica Skotnes von ihrer ein Jahr dauernden Reise entlang der äußersten Inseln der Finnmarkküste. ...

In ihrem Buch "Jenseits der Wintersonne", das im Delius Klasing Verlag erschienen ist, erzählt die Autorin Veronica Skotnes von ihrer ein Jahr dauernden Reise entlang der äußersten Inseln der Finnmarkküste.

Veronica wohnt seit drei Jahren auf einem Segelboot. Das Boot hat zwei Masten und vier große Segel, es wurde 1982 gebaut und ist 16 Jahre älter als sie. Drei Jahre lang segelte sie damit ganz allein in den Gewässern vor der Finnmark. Nun ist es Herbst, und sie wird sich aufmachen zu den Gegenden an der äußersten Küste am Nordpolarmeer.
Es wird ein Reiseabenteuer, das sie an ihre Grenzen bringen wird, immer wieder gerät sie wetterbedingt beim Segeln in gefährliche und bedrohliche Situationen. An Land hat sie viele interessante Begegnungen, sie lernt die gastfreundlichen Bewohner der Inseln kennen, die ihr von ihrer Insel und deren Geschichte erzählen, von Sagen und Mythen. Manchmal bleibt sie länger an einem Ort und lernt die Bewohner dabei noch besser kennen. Die Fischer erzählen von ihren Problemen, es geht neben der schlechten Infrastruktur auch um die fehlende Trinkwasserversorgung, die Vermüllung des Meeres durch Plastik und den zunehmenden Angeltourismus.

Die Autorin beschreibt nicht nur eindrucksvoll die Schönheit der Natur, sie lässt den Leser auch tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt blicken. Sie erzählt von ihrer Hoffnung, dem Familienfluch zu entrinnen, indem sie Abstand sucht von ihrer Familie, die auf den Lofoten lebt. Die selbstgewählte Einsamkeit auf See gibt ihr eine gewisse Sicherheit, sie gelangt aber auch zu der Erkenntnis, dass im Segeln auf dem offenen Meer nicht die von ihr ersehnte Freiheit liegt, da der Wind und das Wetter bestimmen, wann es wohin geht.

Ich habe das Buch, das eine Mischung aus Reisebericht und ganz persönlicher Reflexion ist, sehr gern gelesen. Es war spannend und hochinteressant, Veronica auf ihrer Reise zu begleiten. Ich habe mit ihr gebangt und gezittert, wenn sie mit ihrem Boot in gefährliche Situationen geriet, und ich habe mich mit ihr gefreut, wenn ihr die Inselbewohner freundlich und offen begegneten.
Besonders hervorheben möchte ich die wunderschöne und hochwertige Gestaltung des Buches. Das Covermotiv findet sich auch auf dem Einband wieder, im Innern finden wir 18 kunstvolle Illustrationen, die die Geschichten ergänzen.

Absolute Leseempfehlung für dieses beeindruckende Buch, das so viel mehr ist als nur ein Reisebericht!

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