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Veröffentlicht am 25.02.2026

Anspruchsvolle rechtsphilosophische Gedanken zum Thema Gerechtigkeit

Gerechtigkeit
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Bernhard Schlink ist vielen vorrangig als Romanautor bekannt, sein bekanntestes Werk ist "Der Vorleser". Außerdem ist er vom Grundberuf her Jurist und, mittlerweile emeritierter, Hochschullehrer. In "Gerechtigkeit" ...

Bernhard Schlink ist vielen vorrangig als Romanautor bekannt, sein bekanntestes Werk ist "Der Vorleser". Außerdem ist er vom Grundberuf her Jurist und, mittlerweile emeritierter, Hochschullehrer. In "Gerechtigkeit" kehrt er zu diesen Wurzeln zurück, es ist kein literarisches Werk, sondern eine rechtsphilosophische Abhandlung zum Titelthema. Dabei ist dem Autor Verständlichkeit sehr wichtig und er betont gleich zu Beginn, dass er versucht hat, einen Mittelweg zwischen rechtsphilosophischer Korrektheit und allgemeiner Verständlichkeit zu finden.

Das ist ihm insgesamt gut gelungen. Es handelt sich um einen interessanten Essay, der auf verschiedene rechtsphilosophische Themen und Quellen Bezug nimmt und dabei sehr zum Denken anregt. Es geht darum, was Gerechtigkeit überhaupt sein könnte, beginnend mit der Grundannahme, dass die meisten Menschen erwarten, gleich behandelt zu werden, es sei denn, es gibt gute, sachliche Gründe für eine Ungleichbehandlung. Was diese sein könnten, ist je nach historischer Epoche und kultureller Verortung unterschiedlich, aber jedenfalls ein Aushandlungsprozess. Auch auf verschiedene Formen der Gerechtigkeit und dahinter liegende philosophische und politische Strömungen wird eingegangen: ist es etwa am gerechtesten, Güter nach Leistung zu verteilen (und was ist Leistung)? Oder nach Bedarf (und wie wird dieser ermittelt)? Oder jedem genau das gleiche?

Welches Rechtssystem könnten wir als Menschen uns wünschen, wenn wir nicht wüssten, welche Position in der Gesellschaft wir einnehmen werden, also unter dem Schleier des Nichtwissens? Hier bezieht sich der Autor auf das berühmte Gedankenexperiment von John Rawls.

Wie gestalten wir praktisch eine als möglichst fair empfundene und tragbare Gesellschaftsordnung, basierend auf rechtsphilosophischen Prinzipien? Und was ist der Preis der zunehmenden Gerechtigkeit, mit der aber auch eine immer stärker eingehende Normierung der Gesellschaft einhergeht?

Es sind viele kluge Fragen, die in diesem Buch diskutiert werden, und die zum weiteren Recherchieren und eigenen Nachdenken anregen. Insgesamt richtet sich das Buch mit seinem Anspruch klar an philosophisch vorgebildete oder zumindest sehr daran interessierte, bildungsaffine Menschen. Beispiele finden sich nur vereinzelt in dem Text, mehrheitlich ist es eine theoretische Abhandlung und anspruchsvolle Lektüre, die konzentriertes Mitdenken erfordert.

Kann und will man sich darauf einlassen, dann ist es aber eine sehr gewinnbringende Abhandlung, die den eigenen Horizont erweitert und gleichzeitig aufzeigt, was für ein enormes philosophisches Untergebäude unter einem als einigermaßen gerecht empfundenen Rechtssystem besteht, aber auch, wie eng Philosophie und Rechtswissenschaften miteinander verbunden sind.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Ein wertvolles Modell für Selbsterkenntnis, Coaching und therapeutische Arbeit:

Selbstwirksamkeit in Beruf und Alltag
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In diesem Buch geht es um das von der Autorin entwickelte Modell des Hauses mit vielen Zimmern, das sie seit langem erfolgreich in ihrer Arbeit sowohl in verschiedenen interkulturellen Kontexten, als auch ...

In diesem Buch geht es um das von der Autorin entwickelte Modell des Hauses mit vielen Zimmern, das sie seit langem erfolgreich in ihrer Arbeit sowohl in verschiedenen interkulturellen Kontexten, als auch in Unternehmen, in der Paarberatung, im Einzelsetting und auch mit Kindern einsetzt.

Es ist ein leicht verständliches und gleichzeitig wirkungsvolles Modell: die Idee, dass unsere Persönlichkeit einem Haus mit vielen Zimmern entsprechen würde, die wir erkunden und gestalten können. Es ist eine Arbeit, die die Selbstwirksamkeit stärkt, weil sie uns bewusst macht, Herr oder Herrin im eigenen Haus zu sein und selbst wählen zu können, wie wir die Zimmer einrichten und positionieren, welche wir jeweils betreten und verlassen und auch, von welchem Dachsymbol als Vertreter unserer wichtigsten Werte wir unser gesamtes Haus leiten lassen wollen. Mit dieser Metapher kann es gelingen, über bisher verbal schwer zugängliche psychische Zustände zu sprechen und lösungsorientiert erste Veränderungen einzuleiten.

In diesem Buch wird das Modell zuerst einmal vorgestellt und erklärt, auf welchen Grundsätzen und welchem Menschenbild es beruht. Danach folgen ausführliche Anwendungsbeispiele aus den unterschiedlichsten Bereichen. Die Arbeit mit dem gut verständlichen Modell ist grundsätzlich auf der Basis dieses Buches gut ausprobier- und erlernbar. Wer weitere Unterstützung dabei möchte, für den bietet die Autorin entsprechende Seminare an.

Ich bin selbst im therapeutischen Kontext tätig und kenne ähnliche Modelle, doch dieses Modell in seiner Prägnanz und gleichzeitig Ausführlichkeit war mir neu. Dieses Buch hat mich sehr neugierig darauf gemacht, mich nun auch aktiv damit auseinanderzusetzen, mich selbst damit besser kennen zu lernen und es später auch mit Klienten anzuwenden. Ich kann das Buch allen, die sich für Persönlichkeitsentwicklung, Coaching oder Therapie interessieren und eine vielseitig anwendbare, innovative und flexible neue Methode in diesem Bereich kennen lernen möchten, sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Von Tauben und der verlorenen Freiheit

Der letzte Sommer der Tauben
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Noah ist 14 Jahre alt, an der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen. Er lebt mit seiner Familie in einem nicht näher benannten Land, das unschwer als der Irak zu identifizieren ist. Noah liebt es, gemeinsam ...

Noah ist 14 Jahre alt, an der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen. Er lebt mit seiner Familie in einem nicht näher benannten Land, das unschwer als der Irak zu identifizieren ist. Noah liebt es, gemeinsam mit Onkel Ali, der in der zweiten Hälfte des geerbten und in der Mitte geteilten Großelternhauses lebt, auf dem Dach des Hauses Tauben zu züchten, ihren Flug zu beobachten, einen Lockvogel zu bestimmen oder Vogelpärchen für eine lebenslange, treue Beziehung zusammenzuführen. Kindlich-naiv bildet er gemeinsam mit zwei Freunden eine Bande, die Streiche aushecken möchte.

Doch nun bricht Schritt für Schritt, jeden Tag ein bisschen mehr, ein totalitäres islamistisches Regime in Noahs jugendliche Welt ein. In beklemmender Weise wird das Leben der Menschen - ganz besonders der Frauen, die nur mehr in Begleitung das Haus verlassen dürfen, die meisten Berufe nicht mehr ausüben dürfen und sich verhüllen müssen - aber auch der Männer immer mehr eingeschränkt. Die neuen Tugendwächter verbieten alles, was als sündig angesehen wird: Zigaretten, Handys, sogar Musik. Verbotene Gegenstände werden demonstrativ einkassiert und auf den Straßen kommt es zu den ersten drakonischen Bestrafungen nach der Scharia: öffentliche Auspeitschungen und Steinigungen.

Das alles beobachtet der junge Noah. Besonders sympathisch ist, dass diese Perspektive eines männlichen Jugendlichen auch die Frauen und ihr Schicksal mitfühlend im Blick hat, wie sich zum Beispiel an dieser Stelle zeigt, als es um die erwachsene Schwester Suad geht, die schwanger ist, um ihren inhaftierten Mann bangt und wieder bei den Eltern einziehen musste: "Doch Suad hat jede Leichtigkeit längst verloren. Hinter ihrem Niqab verbirgt sich derzeit ein blasses Gesicht mit Augenringen. Damals war sie wie eine Taube - frei und unbeschwert und mit sicherem Rückweg nach Hause. In ihren farbenfrohen Kleidern bewegte sie sich voller Anmut, und ihre langen schwarzen Haare tanzten dabei im Wind." (S. 43)

Auch die Faszination, die die neuen islamistischen Herrscher speziell auf so manche orientierungslose männliche Jugendliche und junge Erwachsene haben, ist Thema dieses Buches. Davon bleibt auch Noahs Familie nicht verschont, es gibt noch den älteren Sohn Bakir, ursprünglich ein sehr begabter Junge, mit dem große Zukunftshoffnungen verbunden waren, der sich nach einem Schicksalsschlag von der Familie entfremdet und den Islamisten zugewandt hat: "Im Gegensatz zu meinen Tauben, die immer über mir schweben, ist Bakir ein Flüchtender, verloren zwischen den Himmelsrichtungen. Wird er jemals zu uns zurückfinden?" (S. 55)

Thematisiert wird auch das Phänomen westlicher islamistischer Kämpfer, auch dies basiert auf Tatsachen. Hier ist es Ralf Becker aus Mülheim an der Ruhr, der unter seinem neuen Namen "Abu Islam", Vater des Islam, eine bedeutende Rolle bei den islamistischen Kämpfern eingenommen hat, demnächst Noahs 15-jährige Cousine heiraten wird und mit dem abtrünnigen Bakir befreundet ist: "Die ganze Heimfahrt über denke ich an Ralf Abu Islam. Wie kann jemand gleichzeitig ein freundlicher Taubenliebhaber und ein Gotteskrieger sein? Kurz bevor wir ankommen, beugt sich Suad zu mir. Wir flüstern. "Und? Wie ist er?", "Nett und bewaffnet." (S. 137)

Auch hier zeigt sich wieder die besondere Qualität dieses Buches: trotz all des Schreckens sind die Charaktere realistisch und mit Graubereichen gezeichnet, eben nicht schwarz-weiß, sodass sogar die Anziehungskraft, die das islamistische Regime auf manche speziell junge Menschen ausübt, zwar nicht legitimiert, aber erklärt wird. Das macht es zu einem sehr weisen Werk über die Tiefen menschlicher Psyche in den beklemmenden Zeiten totalitärer Machtergreifung.

Bei all dem Schrecken immer präsent sind die Tauben: als Aufheiterung genauso wie als Metapher. Sie zeigen sich in Kapitelüberschriften wie z.B. "Das Fliegen nicht verlernen" (S. 70), "Flügel der Einsamkeit" (S. 97), "Ein Ort voller Flügel" (S. 110) und auch in religiösen Bezügen vermischt mit tatsächlichem naturwissenschaftlichem Wissen über Tauben: "Tauben kehren immer zu ihrem Partner zurück. Es liegt in ihrer Natur. Nach all der Zeit auf der Arche war die Taube dort längst zu Hause. Es kann nicht sein, dass sie nicht zurückkam. Nur der Tod oder eine Naturkatastrophe können eine Taube davon abhalten, zu ihrem Partner zurückzukehren." (S. 155)

Es ist eine große Kunst, auf nur etwa 200 Seiten, eingeteilt in kurze Kapitel, und aus einer kindlichen Perspektive, noch dazu nicht in der eigenen Muttersprache, so treffsicher, poetisch und anschaulich anhand vieler kleiner Alltagserlebnisse der Menschen spürbar zu machen, was es bedeutet, wenn totalitäre Herrschaft immer mehr in den Alltag der Menschen eindringt, und diese aber dennoch an der Hoffnung auf Freiheit und an ihrem Humor festhalten.

Hier handelt es sich um ein ganz besonderes Buch, das schnell gelesen ist - auch wenn es sich oft lohnt, innerhalb der kurzen Kapitel kurz innezuhalten und die Worte wirken zu lassen - und lange nachhallt, weil es gerade dadurch, dass es kein überschüssiges Wort enthält, treffsicher die Beklemmung autoritärer Herrschaft im Leben der Menschen spürbar macht. Es wird mir sicher noch lange speziell emotional nicht nur im Kopf, sondern vor allem im Herzen bleiben, und aus diesem spreche ich eine Leseempfehlung für alle mitfühlenden und an den Geschehnissen in der Welt interessierten Menschen aus.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Atmosphärisch und besonders

Moosland
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Es ist das Jahr 1949, der Zweite Weltkrieg ist erst seit wenigen Jahren vorbei und Elsa ist schwer traumatisiert. Zu viel Not und Elend hat sie erlebt, zu viele Tote gesehen. Innerlich mehr tot als lebendig ...

Es ist das Jahr 1949, der Zweite Weltkrieg ist erst seit wenigen Jahren vorbei und Elsa ist schwer traumatisiert. Zu viel Not und Elend hat sie erlebt, zu viele Tote gesehen. Innerlich mehr tot als lebendig folgt sie doch dem Ruf des Isländischen Bauernverbandes an junge deutsche Frauen mit landwirtschaftlicher Erfahrung, gegen gute Bezahlung ein Jahr lang auf isländischen Bauernhöfen auszuhelfen. Island erhofft sich davon nicht nur Unterstützung in der Landwirtschaft, sondern auch Heiratskandidatinnen für die vielen isländischen Single-Männer: zu viele isländische Frauen wurden von den im Krieg auf der Insel stationierten amerikanischen GIs abgeworben, sodass es nun einen deutlichen Männerüberschuss im Land gibt.

So kommt Elsa bei einer Bauernfamilie unter. In einem abgeschiedenen Bauernhaus wohnen und arbeiten fünf Personen: Bauer und Bäuerin, deren zwei erwachsene Söhne und der Knecht. Eine verlorene Tochter gibt es auch noch, wie Elsa irgendwann erfährt. Es ist ein hartes Leben im ständigen Kampf gegen die Elemente, das die Menschen in der Landwirtschaft dort führen, doch grundsätzlich tritt die Familie Elsa offen entgegen und auch, als auffliegt, dass sie offensichtlich über keinerlei landwirtschaftliche Vorkenntnisse verfügt, nicht reiten kann und sich vor Hühnern fürchtet, wird sie dennoch nicht zurückgeschickt, sondern die Familie versucht, sie schrittweise an diese Arbeit heranzuführen. Schwierig ist dabei die Kommunikation, denn die traumatisierte Elsa möchte nicht sprechen, antwortet lange nicht einmal auf die deutschen Briefe ihrer Freundin Gerda, die auf einem anderen isländischen Bauernhof untergekommen ist, gibt vor, kein Englisch zu verstehen und lernt lange auch kein Isländisch.

Dadurch sind es nicht Worte und Dialoge, die dieses Buch tragen, denn von diesen gibt es nur sehr wenige. Gerade das macht aber die besondere Atmosphäre der Erzählweise aus: hier wird psychologisch feinsinnig und detailliert vom langsamen Ankommen und Vertraut-Werden miteinander und in einer fremden Umgebung erzählt, vom Heilen oder zumindest Vernarben tiefer körperlicher und seelischer Wunden, von feinen Beziehungsbanden zwischen sich fremden Menschen, die zu festigen beginnen und dabei ohne viele Worte auskommen, "Sie wirft den Mantel über den Haken an der Tür und springt ins Bett, verbirgt sich unter der Decke und schließt die Augen, als schliefe sie. Die Schritte verharren auf der Schwelle. Erst nach einer Weile tritt die Frau leise ins Zimmer und hantiert an der Kommode. Vorsichtig blinzelt sie unter der Decke hervor." (S. 22).

Einen ganz besonderen Stellenwert haben auch die vielen Landschaftsbeschreibungen, so atmosphärisch und bewegend, dass man das Gefühl hat, in dieser ländlichen Gegend Islands live mit dabei zu sein:

"Dass die Berge nie enden, sagt sie sich vor und glaubt es in diesem Augenblick. Keine Ebenen mit Häusern und Ställen, die hinter der nächsten Bergkette liegen, keine Steilhänge, die ins Meer fallen. Nur Berge, die sich an Berge reihen. Himmel und Wolken. Die Vogelfreien leben so." (S. 159)

"Im letzten Tageslicht erreicht sie die Talsohle und folgt dem Bach. Die Wolkendecke ist aufgerissen, hinter dem bleiernen Grau zeigt sich ein nachtdunkles Blau, über das die Abendsonne noch letzte rote Strahlen schickt. Stunden dauern die Sonnenuntergänge, aber dann fällt die Nacht, fällt wie ein Beil, und mit ihr kommt die bittere Kälte, die durch ihre nassen Kleider zieht." (S. 176)

Es ist ein stilles Buch, ein poetisches Buch, ein besonderes Buch. Ein Buch, das Ruhe, Stille und Tiefe braucht, um sich darauf einzulassen. Werden alle offenen Fragen am Ende beantwortet sein? Nein. Darum geht es hier nicht. Das meiste von dem, was Elsa in Deutschland erlebt hat und was sie so traumatisiert hat, schimmert nur hin und wieder und am Rande ein bisschen durch. Information und Aufarbeitung der Vergangenheit mit Worten stehen nicht im Zentrum dieses Buches. Stattdessen geht es um ein langsames Ankommen, im fremden Land, in einer ganz neuen Lebenssituation und wieder bei sich selbst.

Dieses Buch bekommt von mir eine ausdrückliche Leseempfehlung für ein besonderes Werk, das nicht nur berührend und auf eine ganz einzigartige Art und Weise geschrieben ist, sondern für das die Autorin auch sorgfältig recherchiert hat: die Einladung an die jungen deutschen Frauen zu dieser Zeit gab es wirklich und auch die Lebensbedingungen auf einer Landwirtschaft in Island wirken sehr authentisch dargestellt.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Witzig, wahr und tröstend

Du musst gar nichts
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In einer Welt voll von Selbstoptimierungsratgebern kann es sehr wohltuend sein, mal ein ganz anderes Buch zu lesen. Ein Buch, das auch keine großen Anforderungen an die Leserinnen und Leser stellt und ...

In einer Welt voll von Selbstoptimierungsratgebern kann es sehr wohltuend sein, mal ein ganz anderes Buch zu lesen. Ein Buch, das auch keine großen Anforderungen an die Leserinnen und Leser stellt und sehr zugänglich ist. Man muss dabei nämlich gar nichts, nicht einmal viel Zeit am Stück fürs Lesen finden. Denn das Buch ist äußerst schnell durchgelesen, aber nicht nur das: es besteht ausschließlich aus kurzen Impulsen, die man immer wieder mal zwischendurch schnell zur Hand nehmen kann, um sich verstanden zu fühlen oder auf neue Gedanken zu kommen.

Auf der linken Seite findet sich jeweils nur ein Satz zu etwas, was man nicht müsse, z.B. "Ich muss nicht dankbar sein" oder auch eine Erlaubnis wie z.B. "Ich darf erschöpft sein ohne Ursache", und auf der rechten Seite dann prägnant formuliert ein paar Sätze dazu, die das Thema näher ausführen und zum weiteren Reflektieren anregen, z.B. "Der Gedanke sitzt tief, dass nur Überlastung Ruhe verdient. Dabei ist Erschöpfung kein Unfall und keine Schwäche, sondern ein Signal. Der Körper muss nichts erklären. Die Seele muss sich nicht ausweisen..." (S. 79)

Gerade diese Seiten habe ich in einem Moment der starken Erschöpfung gelesen und mich getröstet und verstanden gefühlt. Es tut gut, bestärkt zu werden, auf den eigenen Körper und das Tempo der eigenen Seele zu hören.

Inhaltlich geht es um ganz verschiedene Themen, ob Partnerschaft und Heirat, Freundschaften, eigene oder die Heilung innerer Kinder, Sport und Ernährung, Berufliches, Persönlichkeit und ganz viel auf sich selbst achten und Abgrenzung gegenüber den Ansprüchen und Forderungen der Welt.

Man muss nicht mit allen Botschaften des Autors übereinstimmen, um aus diesem Buch viel Wertvolles und Bestärkendes mitnehmen zu können. Jedenfalls ist es voll von klugen Inspirationen, die zum Überdenken des eigenen Lebens anregen und Mut machen, aus der Hochleistungsfalle auszusteigen. Ich kann es allen Menschen, die sich manchmal überlastet fühlen von den Ansprüchen des Lebens in der heutigen Zeit, für sich selbst, aber auch als humorvolles und inspirierendes Geschenk sehr empfehlen.

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