Ein Ass für Jenkins Reid
Carrie Soto is BackCarrie Soto is Back. Im Gegensatz zu Rachel Price wusste man, wo Carrie war. Nach ihrer Karriere, die sie zur besten und erfolgreichsten Tennisspielerin aller Zeiten gemacht hat, zog sie sich aus dem Profisport ...
Carrie Soto is Back. Im Gegensatz zu Rachel Price wusste man, wo Carrie war. Nach ihrer Karriere, die sie zur besten und erfolgreichsten Tennisspielerin aller Zeiten gemacht hat, zog sie sich aus dem Profisport zurück. In dem Glauben, niemand könnte ihr ihre Rekorde streitig machen. Doch plötzlich gibt da eine Frau. Nicki Chan, mit knapp über 30 auch nicht mehr die Allerjüngste, aber ihre Erfolge drohen nicht nur größer als die von Soto zu werden, sie nimmt ihr tatsächlich ihren Rekord, der meisten gewonnenen Grand Slam Spiele. Und das kann Carrie Soto nicht akzeptieren und betritt mit Ende 30 wieder den Platz, der ihr alles bedeutet: Den Tennis Court.
Carrie Soto ist anfänglich keine sympatische Figur. Auch in der Mitte des Buches hat sich daran wenig geändert. Und das ist auch gut so. Denn das macht sie irre interessant. Man fühlt mit, wie dieser Mensch von den eigenen Ansprüchen gepeitscht wird. Verlieren verboten und wenn es doch passiert, wird sie wütend und verzweifelt, statt daran zu wachsen. Genau das versucht ihr ihr Vater, Javier Soto, beizubringen. Als ihr Trainer ist er auch ihr Mentor und Förderer. Er möchte, dass Carrie unter all dem Druck Spaß an diesem Spiel hat. Den hat sie verloren. Sie wirkt kühl, distanziert, unnahbar. Spitzname "Die Kampfmaschine". Maschine. Das Menschliche geht ihr ab. Sie ist zwar erfolgreich, aber der Ehrgeiz hat sie zerfressen.
Ein Buch, in dem es um Tennis geht. Naja, das war jetzt nicht gerade eine große Motivation für mich, denn diese Sportart interessiert mich jetzt nicht so besonders. Aber hey, diesen Roman hat Taylor Jenkins Reid geschrieben. Und diese Art zu schreiben ist unvergleichbar. Das ist absolut packend. Wenn die eine Einkommenssteuererklärung ausfüllt, wäre selbst das ein Erlebnis. Sowas grundsätzlich Langweiliges, wie ein Tennismatch in einem Buch zu beschreiben, was ich mir nicht mal live anschauen würde, gelingt ihr soooo spannend, das ist wirklich eine Kunst. Auch die Figurenzeichnungen sind auch bei "Carrie Soto is Back" wieder hervorragend. Ebenfalls bei den Nebencharakteren ist die nötige Tiefe vorhanden, um eine Verbindung mit ihnen herstellen zu können. Sowas kann man nicht lernen. Da kannst Du noch so viele Schreibkurse und Literaturseminare besuchen. Das hat man oder eben nicht. So gesehen ist dieses Buch wie ein Tennisspiel ohne Gegner. Wenn man nicht völlig dämlich ist, gewinnt man das. Und obwohl Carrie ein oberflächlich betrachtet unsympatischer Charakter ist, wünscht man ihr, dass sie es packt. Dass sie es schafft, sich ihren Rekord wieder zurückzuholen. Und man nie denkt "So what? Ist mir doch völlig egal. Hat die doch gar nicht verdient, die Schlampe (So wird sie in den US-Medien bezeichnet)". Und man wünscht sich auch, dass sie mal erkennt, wer es gut mit ihr meint. Denn auch zu diesen Menschen ist die anfänglich ziemlich undankbar. Aber Carrie Soto macht eine bemerkenwerte Entwicklung durch. Aber niemals unrealistisch, so dass man denkt "Klar, in einem Buch oder Film geht das einfach echt zu easy". Und das macht die TJR Bücher so einzigartig. Ich freue mich jetzt schon auf ihren Roman "Eine Fliege sitzt 6 Stunden auf einer Fensterscheibe". Selbst der wäre interessant.