Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2026

Eine schöne Einstimmung auf das Weihnachtsfest

Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz
0

“Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz” ist eine Sammlung von Gedichten, Balladen, Briefe und Kurzgeschichten mit weihnachtlichem Bezug aus der Feder von J. Ringelnatz. Gruppiert sind die Texte in ...

“Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz” ist eine Sammlung von Gedichten, Balladen, Briefe und Kurzgeschichten mit weihnachtlichem Bezug aus der Feder von J. Ringelnatz. Gruppiert sind die Texte in sieben thematische Kapitel. So versammelt “In Schnee und Eis” Texte, die die winterliche Natur einfangen - sei es mithilfe eines Spaziergangs (z. B. “Bist du nie durch verschneite Nächte gegangen” (sehr stimmungsvoll!) oder “Stille Winterstraße” (eher düster)), in Betrachtung winterlicher Tiere (das lautmalerische “Pinguine”) oder durch den Wintersport (die humorvollen Gedichte “Ruf zum Sport” und “Eis-Hockey”). Der zweite thematische Komplex “Der Zauber der Vorweihnachtszeit” beinhaltet zwei heimelige Texte, in denen der Tannenbaum (Kinder-)Augen zum Leuchten bringt (“Vorfreude auf Weihnachten”, “Der Weihnachtsbaum”). Das dritte Kapitel, “Das Fest der Seligkeit”, thematisiert Weihnachtsfeierlichkeiten - mal in Gesellschaft (“Weihnachten”), mal allein (“Einsiedler heiliger Abend”). “Kostbare Gaben”, der vierte Abschnitt, versammelt Gedichte, die sich rund um das Schenken an Heiligabend drehen. In “Weihnachten in weiter Ferne” wird ein Perspektivwechsel vorgenommen: Weihnachten wird durch den Blick eines fernab der Heimat stationierten Soldaten wahrgenommen. So spürt Ringelnatz in gleichnamigem Text dem Gefühl “Heimweh” nach und thematisiert Weihnachtsfeste auf hoher See (u.a. mit der Figur Kuttel Dadeldu). Besonders eindrucksvoll ist “Lichter im Schnee”, in dem die Vorweihnachtszeit mit den Schrecken des Kriegs (in Form einer Fronterfahrung) verknüpft wird. Die Thematik “Heimweh” wird im folgenden Kapitel “Weihnachtsgrüße” weitergeführt, in dem sich Briefe und Gedichte von Ringelnatz finden, die er an seine Familie daheim schickte. Den Abschluss des Bändchens bildet “Ein neues Jahr bricht an”. Hier finden sich vordergründig Gedichte, die die Bedeutung von Silvester als “Neustart” hinterfragen (insbesondere sozialkritisch in “Silvester I + II”). Insgesamt versammelt “Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz” sowohl humorvolle als auch nachdenklich stimmende Texte. Besonders eindrucksvoll sind dabei diejenigen, die beides - z. T. mit einem kontrastierenden Bruch - thematisieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2026

Eine feinsinnige Erzählung mit tragischer Note

Der Bücherfreund
0

“Der Bücherfreund” ist eine Erzählung von Monika Helfer, in deren Mittelpunkt eine Vater-Tochter-Beziehung steht. Die namenlos bleibende Tochter erzählt hier (als Ich-Erzählerin) die Geschichte ihres Vaters: ...

“Der Bücherfreund” ist eine Erzählung von Monika Helfer, in deren Mittelpunkt eine Vater-Tochter-Beziehung steht. Die namenlos bleibende Tochter erzählt hier (als Ich-Erzählerin) die Geschichte ihres Vaters: Der kriegsversehrte Vater führt nach dem Krieg gemeinsam mit seiner Ehefrau ein Erholungsheim. Unverhofft erhält das Erholungsheim eine große Büchersammlung geschenkt, die der Vater wie seinen Augapfel hütet. Bücher begleiten ihn im Folgenden durch seinen ganzen weiteren Lebenslauf - mit all den noch kommenden Schicksalsschlägen. Die Handlung beginnt eher behutsam: Das Erholungsheim erscheint für die junge Ich-Erzählerin als Idyll (und wird auch atmosphärisch als solches beschrieben). Je weiter die Handlung voranschreitet, desto höher ist allerdings die Taktung der Momente, die das Idyll einbrechen lassen. "Der Bücherfreund” wird so eine tragische Erzählung, die gleichzeitig aber auch mit der Hoffnung angereichert ist, dass es immer etwas gibt, wofür es sich zu leben, weiterzumachen lohnt. Illustriert wurde die Erzählung von Kat Menschik mit blau-weißen Bildern, in denen auf schöne Weise mehrere Erzählsequenzen verschmelzen. Interessant ist dabei, dass es immer weiße Flecken gibt - z. B. Buchrücken, die nicht ausgefüllt werden; eine Reihe Kriegsversehrter, die weiße Schemen bleiben -, wodurch die Betrachtenden dazu aufgefordert werden, diese Lücken selbst zu füllen. Insgesamt ist “Der Bücherfreund” eine feinsinnige Erzählung mit tragischer Note.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2026

Ein entschleunigender Roman

Mathilde und Marie
0

Inhalt: Die junge Französin Marie will einfach nur weg - aus dem lärmenden Paris und ihrem bisherigen Leben. Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, der sie sich - entgegen ihrem eigentlichen Naturell ...

Inhalt: Die junge Französin Marie will einfach nur weg - aus dem lärmenden Paris und ihrem bisherigen Leben. Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, der sie sich - entgegen ihrem eigentlichen Naturell - öffnet. Jónína lädt sie ein, sie nach Redu, dem Bücherdorf in den Ardennen, zu begleiten, um dort zur Ruhe zu kommen. Marie stimmt nach kurzem Überlegen zu - und trifft auf einen Ort, in dem die Zeit anders tickt, eine Gemeinschaft, die zusammenhält, und einen Wald, in dem man Natur erleben kann. Ein Idyll - wäre da nicht die mürrische Mathilde, die durch irgendetwas bedrückt zu sein scheint…

Persönliche Meinung: “Mathilde und Marie” ist ein Roman von Torsten Woywod. Im Mittelpunkt des Romans stehen die beiden titelgebenden Protagonistinnen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: Während Marie empfind- und einfühlsam und gerade auf der Suche nach dem Sinn in ihrem Leben ist, lebt die (scheinbar) harte und schroffe Mathilde zurückgezogen; mit dem Leben scheint sie abgeschlossen zu haben. Neben diesen beiden Perspektiven tritt mit Jónína eine weitere wichtige Figur mit eigenen PoV-Kapiteln auf, die gewissermaßen eine Vermittlerposition zwischen den beiden titelgebenden Protagonistinnen einnimmt. Alle drei Figuren eint, dass sie es in der jüngsten Vergangenheit nicht leicht hatten. Für eine latente Spannung sorgt dabei, dass erst nach und nach offenbart wird, was die jeweilige Figur belastet/bedrückt (besonders bei Mathilde ist der Spannungsaufbau dabei sehr gelungen). Mit ihren Eigenheiten, Ecken und Kanten sind die Figuren sehr lebendig und dreidimensional gezeichnet. Generell ist “Mathilde und Marie” ein erdender, entschleunigender Roman: Das Kennenlernen der Figuren und des Handlungsortes Redu erfolgt behutsam, es finden sich mehrfach idyllische Landschaftsbilder und die Bewohner von Redu zeigen eine alternative, nahezu auf Digitales verzichtende Lebensweise auf, die eher im Gleichklang mit der Natur erfolgt. Der Schreibstil von Torsten Woywod ist anschaulich und eingängig zu lesen. Insgesamt ist “Mathilde und Marie” ein Roman mit sehr lebendigen Figuren, der sich besonders für Lesende eignet, die eine erdende Auszeit vom stressigen Alltag suchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein kompakter Städteführer, der sich sehr gut für einen ersten Überblick eignet

Reclams Städteführer Freiburg · Basel. Architektur und Kunst
0

“Reclams Städteführer Freiburg - Basel” von Peter Kalchthaler führt in die Geschichte, Architektur und Kunst der Städte Freiburg, Basel und Colmar ein. Den Auftakt macht dabei ein historischer Überblick ...

“Reclams Städteführer Freiburg - Basel” von Peter Kalchthaler führt in die Geschichte, Architektur und Kunst der Städte Freiburg, Basel und Colmar ein. Den Auftakt macht dabei ein historischer Überblick über die Geschichte der drei Städte, beginnend mit der Stadtgründung, endend in der Gegenwart. Daran schließt sich ein Kalender an, der wichtige Kulturveranstaltungen je Ort datiert. Es folgen Rundgänge durch Freiburg, Basel und Colmar, wobei architektonische Highlights näher beleuchtet werden. So werden in Bezug auf Freiburg u.a. auf die Baugeschichte des Freiburger Münsters, auf das Historische Kaufhaus sowie auf die Bächle eingegangen; in Bezug auf Basel stehen insbesondere das Münster und der Fasnachtsbrunnen im Mittelpunkt; bei Colmar u.a. das Kloster Unterlinden und Klein-Venedig. Nach Vorstellung der drei Städte werden sehenswerte Ausflugsziele in der näheren Umgebung skizziert. Abschließend folgt eine kurze Porträtierung der Museen, Sammlungen und Galerien der drei Städte. Abgerundet wird der Stadtführer durch eine Vielzahl farbiger Fotografien, die Beschriebenes veranschaulichen. Insgesamt ist “Reclams Städteführer Freiburg - Basel” ein kompakter Städteführer, der sich sehr gut dafür eignet, einen ersten Überblick über die drei Städte zu gewinnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2026

Ein spannender, mit Märchenmotiven spielender Thriller, in dem wenig so ist, wie es scheint

Böser, böser Wolf
0

Inhalt: Die Thrillerautorin K. T. Hexen findet sich eingeschlossen in einem ihr fremden Raum wieder. Ihr Kidnapper, ein Mann mit Wolfsmaske, fordert von ihr, Kurzkrimis nach Grimmschen Märchen zu schreiben ...

Inhalt: Die Thrillerautorin K. T. Hexen findet sich eingeschlossen in einem ihr fremden Raum wieder. Ihr Kidnapper, ein Mann mit Wolfsmaske, fordert von ihr, Kurzkrimis nach Grimmschen Märchen zu schreiben - um diese als Vorlage für seine Morde zu nutzen. Liefert Hexen nicht, wird sie getötet… Anderswo, in einem dichten Wald, wird eine junge Frau entführt, allein ein Rotkäppchen-Umhang bleibt zurück. Detective Inspector Lyla Rondell wird mit der Suche beauftragt - und entdeckt Parallelen zu dem spurlosen Verschwinden ihrer besten Freundin vor zwanzig Jahren…

Persönliche Meinung: “Böser, böser Wolf” ist ein Stand-alone-Thriller von Alexandra Benedict. Erzählt wird die Handlung in zwei Erzählsträngen (und aus zwei Perspektiven): Während der eine Erzählstrang das Schicksal K. T. Hexens fokussiert, die versucht, ihrem Entführer durch das Schreiben von Geschichten zu entkommen (hierbei werden auch mehrere interessante Überlegungen zum Schreiben von Krimis behandelt), stehen Lylas Ermittlungen im zweiten Handlungsstrang im Mittelpunkt (Lyla ist eine eher unkonventionelle Ermittlerfigur, die Übernatürlichem nicht abgeneigt ist). Zwischen beiden Handlungssträngen finden sich immer wieder an Märchen angelehnte Kurzkrimis aus der Feder von K. T. Hexen, die der Mann mit der Wolfsmaske, der sog. “Grimm-Ripper”, in die Realität überführt. Die Handlung lässt sich grob in zwei Teile aufteilen. Die erste Hälfte von “Böser, böser Wolf” ist ein spannender, rasant erzählter Thriller, in dem die Taktung der originell ausgestalteten Morde hoch ist. Für zusätzliche Gespanntheit sorgt, dass beständig deutlicher wird, dass der Fall auf eine bestimmte Art und Weise mit Lylas Vergangenheit zusammenhängt. Die zweite Hälfte des Thrillers geht überraschenderweise in eine ganz andere Richtung: Zwar werden sorgsam “Brotkrumen” gestreut, die eine Tendenz vorgeben, doch wie die Handlung sich entwickelt, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet (ich bleibe im Folgenden bewusst vage, um nicht zu spoilern, wohlwissend, der Handlung so aber nicht vollständig gerecht zu werden). Nur so viel: Es wird mehrschichtig, komplex und “verrückt” (aber in einer positiven Art und Weise!). Die Auflösung der Handlung ist dementsprechend kaum zu erahnen; der Weg dorthin verschlungen und wendungsreich. Der Turn, den die Handlung im zweiten Teil nimmt, ist speziell, daher wird ihn vermutlich nicht jede*r mögen, mich hat er allerdings, gerade weil er so ungewöhnlich ist, abgeholt. Der Schreibstil von Alexandra Benedict ist anschaulich, flüssig zu lesen und fesselnd. Insgesamt ist “Böser, böser Wolf” ein spannender, mit Märchenmotiven spielender Thriller, in dem wenig so ist, wie es scheint.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere