Ein spannender, mit Märchenmotiven spielender Thriller, in dem wenig so ist, wie es scheint
Böser, böser WolfInhalt: Die Thrillerautorin K. T. Hexen findet sich eingeschlossen in einem ihr fremden Raum wieder. Ihr Kidnapper, ein Mann mit Wolfsmaske, fordert von ihr, Kurzkrimis nach Grimmschen Märchen zu schreiben ...
Inhalt: Die Thrillerautorin K. T. Hexen findet sich eingeschlossen in einem ihr fremden Raum wieder. Ihr Kidnapper, ein Mann mit Wolfsmaske, fordert von ihr, Kurzkrimis nach Grimmschen Märchen zu schreiben - um diese als Vorlage für seine Morde zu nutzen. Liefert Hexen nicht, wird sie getötet… Anderswo, in einem dichten Wald, wird eine junge Frau entführt, allein ein Rotkäppchen-Umhang bleibt zurück. Detective Inspector Lyla Rondell wird mit der Suche beauftragt - und entdeckt Parallelen zu dem spurlosen Verschwinden ihrer besten Freundin vor zwanzig Jahren…
Persönliche Meinung: “Böser, böser Wolf” ist ein Stand-alone-Thriller von Alexandra Benedict. Erzählt wird die Handlung in zwei Erzählsträngen (und aus zwei Perspektiven): Während der eine Erzählstrang das Schicksal K. T. Hexens fokussiert, die versucht, ihrem Entführer durch das Schreiben von Geschichten zu entkommen (hierbei werden auch mehrere interessante Überlegungen zum Schreiben von Krimis behandelt), stehen Lylas Ermittlungen im zweiten Handlungsstrang im Mittelpunkt (Lyla ist eine eher unkonventionelle Ermittlerfigur, die Übernatürlichem nicht abgeneigt ist). Zwischen beiden Handlungssträngen finden sich immer wieder an Märchen angelehnte Kurzkrimis aus der Feder von K. T. Hexen, die der Mann mit der Wolfsmaske, der sog. “Grimm-Ripper”, in die Realität überführt. Die Handlung lässt sich grob in zwei Teile aufteilen. Die erste Hälfte von “Böser, böser Wolf” ist ein spannender, rasant erzählter Thriller, in dem die Taktung der originell ausgestalteten Morde hoch ist. Für zusätzliche Gespanntheit sorgt, dass beständig deutlicher wird, dass der Fall auf eine bestimmte Art und Weise mit Lylas Vergangenheit zusammenhängt. Die zweite Hälfte des Thrillers geht überraschenderweise in eine ganz andere Richtung: Zwar werden sorgsam “Brotkrumen” gestreut, die eine Tendenz vorgeben, doch wie die Handlung sich entwickelt, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet (ich bleibe im Folgenden bewusst vage, um nicht zu spoilern, wohlwissend, der Handlung so aber nicht vollständig gerecht zu werden). Nur so viel: Es wird mehrschichtig, komplex und “verrückt” (aber in einer positiven Art und Weise!). Die Auflösung der Handlung ist dementsprechend kaum zu erahnen; der Weg dorthin verschlungen und wendungsreich. Der Turn, den die Handlung im zweiten Teil nimmt, ist speziell, daher wird ihn vermutlich nicht jede*r mögen, mich hat er allerdings, gerade weil er so ungewöhnlich ist, abgeholt. Der Schreibstil von Alexandra Benedict ist anschaulich, flüssig zu lesen und fesselnd. Insgesamt ist “Böser, böser Wolf” ein spannender, mit Märchenmotiven spielender Thriller, in dem wenig so ist, wie es scheint.