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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2026

Bildhaft

Moosland
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Ein sehr stimmungsvolles Buch. Das Leben auf dem isländischen Bauernhof wurde in "Moosland" für mich lebendig und wirkte sehr authentisch. Die deutsche Gastarbeiterin Elsa verstummt auftreten zu lassen ...

Ein sehr stimmungsvolles Buch. Das Leben auf dem isländischen Bauernhof wurde in "Moosland" für mich lebendig und wirkte sehr authentisch. Die deutsche Gastarbeiterin Elsa verstummt auftreten zu lassen war ein guter Schachzug von Katrin Zipse. Das passte gut zum Setting in einem fremd(sprachig)en Land und war auch mit einem Kriegstraumata gut zu begründen. Aber für mich wurde dieses Konzept leider überstrapaziert, indem es keine Entwicklung gab. Weder erfährt man mehr über das Traumata, noch kommt man als Leserin Elsa wirklich nah. Sie bleibt für die Leserin genauso unnahbar wie für ihre isländische Familie. Das mag konsequent umgesetzt sein, ist aber etwas frustrierend zu lesen.
Die bildhafte, stimmungsvolle Szenerie hat für mich aber doch einige rausgerissen und insgesamt ist es eine gelungene Beschreibung dieser historischen Nische.

Veröffentlicht am 19.02.2026

Zeitreise

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Kristof Magnusson nimmt uns mit in die 1990er Jahre. Europa genießt die neue Freiheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In "Die Reise ans Ende der Geschichte" müssen sich alte und neue Agent*innen mit ...

Kristof Magnusson nimmt uns mit in die 1990er Jahre. Europa genießt die neue Freiheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In "Die Reise ans Ende der Geschichte" müssen sich alte und neue Agent*innen mit den veränderten Begebenheiten arrangieren und ihren Platz, ihre (selbst gestellten) Aufgaben dort finden - aus Angst vor der Bedeutungslosigkeit oder schlimmerem.
Eher zufällig gerät der Dichter Jakob Dreiser in diese illustre Szene. Hier kann man Kristof Magnusson durchaus vorwerfen, dass er nicht nachvollziehbar erklärt, warum dieser bei dem Spiel mitmacht. Das ist einerseits schade, andererseits aber vielleicht einfach so.
Das Buch ist insgesamt überaus unterhaltsam, atmosphärisch und leicht geschrieben. Die Geschichte mag absurd erscheinen, aber gerade die reale Geschichte (gerade in dieser Zeit) ist ja nun mal auch oft absurd.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Musical und Liebe

Jonah Goes Off Script
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In Robyn Greens Geschichte überzeugte mich das Setting - wobei man gleich dazu sagen muss, dass das Buch nicht an einem Theater nach deutscher Definition spielt, sondern an einem Musicaltheater. Es gibt ...

In Robyn Greens Geschichte überzeugte mich das Setting - wobei man gleich dazu sagen muss, dass das Buch nicht an einem Theater nach deutscher Definition spielt, sondern an einem Musicaltheater. Es gibt also keine Arbeit an neuen Stücken etc., aber dafür einen von einer Insiderin beschriebenen Alltag mit dem dort laufenden Stück.
In diesem Stück über den Trojanischen Krieg spielt und singt Jonah die Hauptrolle. Jonah ist auch im Buch eine sympathische Hauptfigur, die einem ans Herz wächst und mit der man bei all dem sich ergebenden Drama mitfühlt. Gegenpart ist Dexter, der viel ambivalenter, eigentlich sogar problematisch, ist. Man kann die Anziehung, die er auf Jonah hat, ein Stück weit nachvollziehen, aber halt auch nicht so richtig. Mit seinem Charakter hatte ich bis zuletzt Probleme. Für mich jetzt schwer zu sagen, ob das nun einfach realistisch ist oder ob man sich in dieser Art von Unterhaltunsliteratur doch eine andere Auflösung oder zumindest Einordnung wünschen darf.
Davon abgesehen gibt es aber schöne gefühlvolle Szenen zwischen den beiden und viel Theaterflair und da ich keinen pädagogischen Anspruch an dieses Buch haben will, macht es das für mich ein gutes Stück wett und ich habe mich insgesamt gut unterhalten gefühlt.
Sprachlich ist das Buch ziemlich wechselhaft zwischen britisch-humorvoll, kitschig und leider manchmal auch etwas unbeholfen. Insgesamt aber gut lesbar.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Sommerlich-prickelnde Food-and-Wine-Tour

The Pairing
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Eine queere kulinarische Europa-Reise. Kit und Theo, die früher eine lebenslange Freundschaft und dann auch Liebe verband, treffen sich in "The Pairing" mehr oder weniger zufällig nach vier Jahren Funkstille ...

Eine queere kulinarische Europa-Reise. Kit und Theo, die früher eine lebenslange Freundschaft und dann auch Liebe verband, treffen sich in "The Pairing" mehr oder weniger zufällig nach vier Jahren Funkstille wieder und zwar auf einer Food-and-Wine-Tour durch Frankreich, Spanien und Italien. Das ganze erstaunlicherweise ohne irgendwelche negative Auswirkungen durch den reichlichen Alkohol und die zahlreichen Kalorien dafür voller Sinnlichkeit in allen Aspekten. Natürlich kommen zwischen den beiden schnell wieder alte Gefühle hoch und dieses Flirren zwischen den beiden finde ich vor allem in der ersten Hälfte aus Theos Sicht schon sehr stimmungsvoll von Casey McQuiston beschrieben. Der Teil, der von Kit erzählt wird, flacht dagegen ab und zieht sich zwischendurch. Bis auf mehr Background und eine großzügige Portion Spice kam von ihm direkt nicht viel Neues für die eigentliche Geschichte.
Das Bild von Europa bzw. England, Frankreich, Spanien, Italien war halt sehr US-amerikanisch romantisiert bis zum Kitsch. Die kulinarischen Aspekte waren für mich einfach nur Aufzählungen, da fehlt die Tiefe.
Überwiegend leicht und unterhaltsam. Brachte mir sommerlich-prickelnde Stimmung in einen verregneten Sommer.

Veröffentlicht am 08.07.2025

Sommerroman, aber nicht unbeschwert

Das Summen unter der Haut
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Ich fand "Das Summen unter der Haut" nicht so fröhlich, wie Cover und Beschreibung vermuten lassen können. Stephan Lohse erschafft schon eine stimmungsvolle, manchmal auch befreite Sommeratmosphäre, über ...

Ich fand "Das Summen unter der Haut" nicht so fröhlich, wie Cover und Beschreibung vermuten lassen können. Stephan Lohse erschafft schon eine stimmungsvolle, manchmal auch befreite Sommeratmosphäre, über der ich aber immer einen dunklen Schatten liegen sah. Dadurch hätte ich am Ende auch mit mehr Drama gerechnet, als es dann gab. Die Geschichte endet ohne Knall, ohne komplette Auflösung, vielleicht sogar etwas unrund. Die eben erwähnte Ambivalenz passt aber vielleicht auch dazu, dass die beiden Protagonisten dieser Coming-of-Age-Geschichte irgendwo zwischen kindlicher Unschuld und Erwachsenwerden stecken.
Das Schwulsein von Julle beschäftigt ihn selbst, in seiner Umgebung ist es aber kein großes Thema oder gar Problem - keine Ahnung, wie realistisch das war, aber es war mal anders und ein angenehm entspannter Umgang.