Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Ein Buch, das lange nachhallt

Genau so fängt es an
0

Sie war erst zwei Jahre alt, als sie eine Nummer auf den Arm tätowiert bekam. Nur durch unglaubliches Glück überlebte sie Auschwitz. Gemeinsam mit ihrer Mutter, die mit der kleinen Schwester schwanger ...

Sie war erst zwei Jahre alt, als sie eine Nummer auf den Arm tätowiert bekam. Nur durch unglaubliches Glück überlebte sie Auschwitz. Gemeinsam mit ihrer Mutter, die mit der kleinen Schwester schwanger war. Die Nazis sprengten nämlich alle Gasöfen, weil sie den Rettern keine Spuren ihrer Gräueltaten hinterlassen wollten. Das geschah kurz vor der Ankunft Eva Umlaufs. Niemand kann nachvollziehen, mit welchen Erinnerungen diese Frau seitdem lebt. Was mag in ihr vorgehen wenn sie sieht, dass erneut eine rechtsextreme Partei im Deutschen Bundestag sitzt.

In einem Punkt muss ich der Autorin des Buches "Genau so fängt es an" widersprechen. Nein, leider ist diese zeit nicht seit 80 Jahren Unterrichtsstoff. Die Aufarbeitung fand erst später statt und ich bin überzeugt davon, dass es in Deutschland keine adäquate Entnazifizierung gab. Welche Gelegenheiten ließen die Lehrpläne aus? Warum wurde erst Jahre später das „Dritte Reich“ in den Schulen thematisiert? Bei uns endete der Geschichtsunterricht kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs. Zufall? Ich denke nicht.

Frau Umlauf zeigt ihn ihrem Buch auf, wo die Wurzeln des Antisemitismus liegen. Bereits im römischen Reich wurden Juden verfolgt und getötet. Warum hält diese Unart bis heute an? Warum wird ihr Leid bis heute verharmlost? Selbst von Menschen, die sie kennt und schätzt gibt es nur Klagen über ihr Los. Sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben und das war schlimm. Aber mal ehrlich, wo lag denn die Ursache der Vertreibung? Mit Sicherheit nicht bei den Juden. Wer jubelte denn dem Führer so richtig enthusiastisch zu?

Ein Zitat des F.J. Strauß darf in dieser Rezension nicht fehlen. Im Jahr 1987, also kurz vor seinem Tod, sagte er: „Rechst neben der CDU/CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“. Bis heute denkt Frau Umlauf mit Schrecken und Abscheu an den 29. Januar 2025 zurück. Was Herr Merz damals veranstaltete, werde auch ich niemals vergessen. Gemeinsam mit der AfD brachte er einen Antrag ins Rollen, der Zurückweisungen und konsequente Abschiebungen von Hilfesuchenden legitimierte. Und dieser Mann wurde später Kanzler der BRD.

Noch ein Gedanke aus dem Buch beschäftigt mich. Das ist die Frage, warum nicht zwischen Regierung und der Bevölkerung Israels unterschieden wird. So viele Menschen gehen dort auf die Straße und protestieren gegen Netanjahu und seine Koalitionspartner. Juden, die in der Diaspora also in Deutschland leben, werden angegriffen? Warum?

Welch ein berührendes Buch. Bemerkenswert auch, dass Frau Umlauf am 29.Januar 2025 einen Brandbrief an Herrn Merz schrieb. Darin formulierte sie ihre Sorge um den Rechtsdruck im Parlament. Leider hatte Herr Merz keine Zeit, diesen Brief zu beantworten. Wurde er für seinen Wahlkampf über die Maßen beansprucht?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.02.2026

Nicht nur spannend, sondern auch lehrreich

Maggie Yellow Cloud
0

Spannender kann ein Buch nicht beginnen. Zwei junge Menschen treffen sich in der Einöde. Sie möchten ein wenig für sich sein und erkennen die Gefahr erst, als es fast zu spät war. Er möchte seine Freundin ...

Spannender kann ein Buch nicht beginnen. Zwei junge Menschen treffen sich in der Einöde. Sie möchten ein wenig für sich sein und erkennen die Gefahr erst, als es fast zu spät war. Er möchte seine Freundin schützen und stellt sich mutig gegen eine Überzahl von jungen Männern. Wird bewusstlos geprügelt und seine Freundin kann nicht mehr flüchten. Was ist los im Reservat? Warum gibt es in den letzten Wochen so viele verletzte Jugendliche, die das Krankenhaus aufsuchen, in dem Maggie Yellow Cloud arbeitet? Und wäre das nicht genug, so muss die Ärztin sich auch noch mit gefährlichen Männern auseinandersetzen, die Medikamente vertreiben, welche nicht ausreichend erprobt sind.

Richard Sounding Side ist Stammespolizist und seit dem Tod seines Bruders ist Robert nicht gut auf ihn zu sprechen. Richard war es nämlich, der Robert sofort verdächtigte, als dieser ermordet wurde. Jetzt behauptet er, dass Antonio, der Adoptivsohn von Maggie und ihrem Mann, eine Schlüsselfigur bei den Überfällen sei. Als dann ein Mord geschieht, ist nicht nur Richard alarmiert. Das ganze Reservat hilft mit, den Täter zu finden.

„Skrupellos“ ist der dritte Band um Maggie Yellow Cloud. Die Story ist zwar in sich abgeschlossen, aber das Lesen der ersten beiden Bücher tragen sehr zum Verständnis bei. Nicht nur, dass es unterhaltsam und bildhaft geschrieben wurde, gefiel mir sehr gut. Es ist spannend und ich habe wieder viel über das Leben der Ureinwohner Amerikas gelernt. Ihre Bräuche sind so interessant und ihre Verbindung zur Natur lebenswichtig. Würden alle Menschen so auf ihre Umwelt achten, dann gäbe es keine Furcht vor Klimaveränderung oder dem Aussterben bestimmter Tiere.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2026

Spannend bis zum Schluss

SOG
0

Als Huldar von einer Zeitkapsel erfuhr, war er zunächst ratlos. Was sollten diese Aufsätze von pubertierenden Jugendlichen? Und was können sie überhaupt mit dem aktuellen Fall zu tun haben? Seine Chefin ...

Als Huldar von einer Zeitkapsel erfuhr, war er zunächst ratlos. Was sollten diese Aufsätze von pubertierenden Jugendlichen? Und was können sie überhaupt mit dem aktuellen Fall zu tun haben? Seine Chefin besteht darauf, dass er sich näher damit befasst. Aber nicht nur diese Kapsel bereitet ihm schlaflose Nächte. Auch dass Freya so abweisend zu ihm ist macht ihn krank.

Ein toller zweiter Band rund um Huldar und Freya. Die Toten haben zunächst nichts miteinander zu tun. Kann es sein, dass sie getötet wurden, weil sie den Freimaurern angehörten? Oder gibt es doch eine Verbindung zu dem pädophilen Mörder, der vorzeitig entlassen wurde? Sehr spannend und nicht vorhersehbar, so empfand ich den Krimi. Gut geschrieben und niemals langweilig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2026

Ein Buch, das durch seine Tiefe überzeugt

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
0

Als Marlen merkt, was ihre Mutter mit ihr und ihrem kleinen Bruder vorhat, reißt sie sich los. Sie rennt und rennt, bis sie kraftlos zusammensinkt. Nein, sie will noch nicht sterben. Sie will leben und ...

Als Marlen merkt, was ihre Mutter mit ihr und ihrem kleinen Bruder vorhat, reißt sie sich los. Sie rennt und rennt, bis sie kraftlos zusammensinkt. Nein, sie will noch nicht sterben. Sie will leben und was soll an den Russen denn so schlimm sein, dass man lieber sterben würde als ihnen zu begegnen? Das geschah im Jahr 1945 als die sowjetische Armee in Ostdeutschland ihr Unwesen trieb.

Marlen strandet zunächst in Güstrow. In einem alten Forsthaus will sie sich ein wenig ausruhen. Hier begegnet sie Wilma, einer hageren Frau, die sie heimlich als Krähe bezeichnet. Aber diese „Krähe“ hilft ihr und Marlen hätte nie gedacht, dass sie ein halbes Leben bei ihr verbringt.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 1945, kurz nach dem Ende des Krieges und im Jahr 2023, als Hanna Borowski damit fertig werden muss, dass ihre beste Freundin aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. Wie gut, dass sich gerade jetzt ihr leiblicher Vater bei ihr meldet.

Ein wenig langatmig und nicht immer schlüssig, so empfand ich das Buch
"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel". Wie sich allerdings zum Schluss alle Fäden zu einem vollendeten Zopf zusammenfügten, das imponierte mir. Auch die Sprecherin verstand ihr Handwerk und ich empfehle das Hörbuch sehr gerne weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2026

Das Buch fesselte mich von der ersten bis zur letzten Seite

Die Witwe
0

DS Washington Poe steht mal wieder vor Gericht. Nein, nicht als Zeuge, sondern als Angeklagter. Die Verhandlung steht kurz vor dem Abschluss, also der Urteilsverkündung. Plötzlich stürmen zwei Männer zum ...

DS Washington Poe steht mal wieder vor Gericht. Nein, nicht als Zeuge, sondern als Angeklagter. Die Verhandlung steht kurz vor dem Abschluss, also der Urteilsverkündung. Plötzlich stürmen zwei Männer zum Richtertisch und reden mit dem Richter. Der vertagt die Verhandlung und Poe muss gemeinsam mit den beiden Männern den Saal verlassen. Er soll einen Mord aufklären. Wobei ihm absolut nicht klar ist, warum er damit behelligt wird. Für ihn ist es eindeutig eine Tat im Milieu von Prostituierten und ihren Kunden.

"Die Witwe" ist also der vierte Band einer Reihe, in der Poe und Bradshaw die Hauptrolle übernommen haben. Washington Poe gefiel mir sehr gut. Er schert sich nicht um Vorschriften und hat eine gute Spürnase. Und seine Partnerin Bradshaw ist phänomenal. Das Buch hielt mich von der ersten bis zur letzten Seite in Atem. So viele falsche Fährten und Wendungen wurden geschickt platziert. Dass der Autor in der britischen Armee diente, merkt der Leser recht schnell. So fachkundig erklärt er sämtliche Zusammenhänge, die mit Soldaten und deren Aufgaben zu tun haben.

Es war mein erstes Buch um Washington Poe. Dass ich auch ohne Vorkenntnisse direkt in die Story eintauchen konnte liegt daran, dass die vorherigen Bücher nicht im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall stehen. Bis auf einige Episoden aus dem privaten Umfeld. Trotzdem, auch wer mit diesem Band sowohl Autor als auch Ermittler kennenlernen möchte, kann der Handlung problemlos folgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere