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Veröffentlicht am 21.02.2026

zuckersüße Verführung

Der Duft von Schokolade
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Der junge Soldat August kehrt nach Jahren in der Armee zurück – und soll nun als Einkäufer in der Schokoladenfabrik seines Onkels Fuß fassen. Ein sicherer Weg, vorgezeichnet und vernünftig. Doch innerlich ...

Der junge Soldat August kehrt nach Jahren in der Armee zurück – und soll nun als Einkäufer in der Schokoladenfabrik seines Onkels Fuß fassen. Ein sicherer Weg, vorgezeichnet und vernünftig. Doch innerlich steht August noch immer suchend am Rand seines eigenen Lebens.

In diese leise Orientierungslosigkeit tritt Elena. Geheimnisvoll, unangepasst, mit einem feinen Trotz gegenüber den Konventionen des Wien im Jahre 1881. Sie spricht frech, denkt frei und bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit durch die Welt, die August gleichermaßen irritiert wie fasziniert. Elena lebt nicht nach Erwartung – sie lebt nach ihrem Gefühl. Und genau das zieht ihn in ihren Bann.

Durch sie entdeckt August etwas, das lange in ihm geschlummert hat: seine Leidenschaft und er findet er einen eigenen Ausdruck und damit einen Weg zu Elena.

Doch über allem liegt ein Schleier. Wer ist diese Frau wirklich? Welches Geheimnis begleitet sie?

Ewald Arenz schreibt mit einer unverwechselbaren Handschrift. Es ist mittlerweile das vierte Werk von ihm, das ich gelesen oder gehört habe – und wieder hat mich seine Sprache tief berührt. Seine Erzählweise ist poetisch, ohne je schwer zu wirken. Selbst ernste Töne tragen eine Leichtigkeit in sich, die einen sanft durch die Geschichte führt – wie eine Erinnerung an die erste Liebe: zart, intensiv und leidenschaftlich.

In seiner Atmosphäre und der sensiblen Figurenzeichnung fühlte ich mich sehr an „Katzentage“ erinnert. Und doch erzählt diese Geschichte auf ganz eigene Weise davon, wie man – manchmal durch einen anderen Menschen – den Mut findet, sich selbst zu entdecken.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Eine erschreckende Geschichte

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Lale ist das Kind einer drogensüchtigen Mutter und einem Vater, der in einer Kommune lebt. Nachdem Lale sich beinahe selbst vergiftet hätte während ihrer Mutter durch die Drogen nicht ansprechbar war, ...

Lale ist das Kind einer drogensüchtigen Mutter und einem Vater, der in einer Kommune lebt. Nachdem Lale sich beinahe selbst vergiftet hätte während ihrer Mutter durch die Drogen nicht ansprechbar war, wächst sie in den 80ern bei ihrem Vater auf. Strenge Regeln, ein strukturiertes Umfeld, elterliche Sorge - all dies sind Dinge, die Lale in der WG eher weniger erfährt. Materiell mangelt es ihr an wenig, die Männer kümmern sich. Doch Drogen, Alkohol, wechselnde Frauen bringen Lale früh in Kontakt mit einer Welt, die nicht für Kinder gedacht ist. Vernachlässigung, Missbrauch, Sucht sind in diesem Buch klare Themen.

Im Buch werden eindrucksvoll einzelne Szenen geschildert, wie jemand neben Lales Bett uriniert beispielsweise oder neben ihr (schlafend) onaniert. Es ist stellenweise harter Tobak und alles andere als eine leichte Lektüre. Mich hat es zum Teil stark mitgenommen. Lale wird älter und macht später eigene Erfahrungen. Während sie zu Beginn eine sehr gute Schülerin ist (die Schule gibt klare Strukturen), lässt sie dies als Jugendliche später schleifen und droht ebenso abzurutschen, wie ihre Mutter.

Zeitweise findet sie weibliche Vorbilder in den Freundinnen ihres Vaters, doch trotz aller Bemühungen ist dies nie von Dauer.

In einzelnen Kapiteln erfährt man einen Ausblick auf das aktuelle Leben von Lale und es lässt sich erahnen, dass sie es geschafft hat.

Mich hat das Buch sehr berührt, obwohl es nicht unbedingt emotional geschrieben ist. Es spricht eine gewisse Verbitterung aus den Zeilen und teilweise wurde ich beim Lesen fast wütend, welches Leben einem Kind zugemutet werden kann. Es ist tragisch, erschütternd und gleichzeitig doch hoffnungsvoll.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

starke Gefühle, Leidenschaft und Mut einer Frau

Das Geheimnis der Glasmacherin
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Orsola ist die Tochter eines angesehenen Glasmachers auf Murano, wo das Handwerk im Jahr 1468 noch strengen familiären Traditionen unterliegt. Der Beruf wird innerhalb der Familie weitergegeben, feste ...

Orsola ist die Tochter eines angesehenen Glasmachers auf Murano, wo das Handwerk im Jahr 1468 noch strengen familiären Traditionen unterliegt. Der Beruf wird innerhalb der Familie weitergegeben, feste Rollen sind klar definiert. Als Orsolas Vater Lorenzo Rosso durch einen tragischen Unfall viel zu früh ums Leben kommt, gerät das Gleichgewicht der Familie ins Wanken. Die Glaswerkstatt soll vom Sohn übernommen werden, doch dessen dominanter Charakter erweist sich als Hindernis. Die Familie kämpft zunehmend um ihr wirtschaftliches Überleben.

In dieser Situation beginnt Orsola, sich der Kunst des Perlenmachens zu widmen – einer Tätigkeit, die als minderwertig gilt und abfällig als „Hasenköttel“ bezeichnet wird. Auch ihr Bruder begegnet diesem Handwerk zunächst mit Spott. Doch gerade diese kleinen Glasperlen werden es sein, die der Familie in schweren Zeiten das Überleben sichern.

In großen Zeitsprüngen begleitet die Leserschaft die Familie Rosso vom späten Mittelalter über die Zeit der Pest bis hinein in die Gegenwart. Der Roman ist dabei von einer spürbaren Leidenschaft für Glas und das damit verbundene Handwerk – oder vielmehr für die Kunst – durchdrungen. Mit Orsola steht eine einfache, zugleich jedoch außergewöhnlich willensstarke Frau im Mittelpunkt, die mit Mut, Ausdauer und klugem Verhandlungsgeschick maßgeblich dazu beiträgt, die Werkstatt ihrer Familie zu bewahren. Ihr Weg ist geprägt vom Widerstand gegen gesellschaftliche Erwartungen, vom Mut zur Selbstbehauptung und von der Entschlossenheit, sich auch gegen den eigenen Bruder durchzusetzen.

Das Geheimnis der Glasmacherin ist ein eindrucksvoller historischer Roman. Bereits das Cover ist ein Blickfang und lässt die Lagunenstadt Venedig vor dem inneren Auge lebendig werden. Ein besonderes erzählerisches Merkmal des Buches ist die außergewöhnlich lange Zeitspanne, die über mehrere Jahrhunderte hinweg anhand einer einzigen Familie erzählt wird, deren Mitglieder dennoch auf „normale“ Weise altern. Die Übergänge zwischen den Epochen werden bildhaft gestaltet, durch das Motiv eines kleinen Kieselsteins, der über das Meer hüpft und so den zeitlichen Sprung markiert.

Dieses Stilmittel empfand ich als originell und reizvoll, auch wenn mir das zugleich verlangsamte Altern der Familie Rosso stellenweise schwer nachvollziehbar erschien. Dies ist jedoch eine rein persönliche Wahrnehmung und hat meinen Lesegenuss nicht geschmälert. Insgesamt handelt es sich um einen sehr gelungenen, atmosphärisch dichten Roman, der seine Leserschaft mitnimmt in die zauberhafte Welt Venedigs und die Faszination eines jahrhundertealten Handwerks eindrucksvoll vermittelt.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Rauhnächte
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Pia fühlt sich in ihrer eigenen Familie immer wie eine Außenseiterin. Als an Heiligabend zwischen den Eltern ein Streit ausbricht, schnappt sie etwas auf, was sie bestätigt. Sie darf es nie erfahren… doch ...

Pia fühlt sich in ihrer eigenen Familie immer wie eine Außenseiterin. Als an Heiligabend zwischen den Eltern ein Streit ausbricht, schnappt sie etwas auf, was sie bestätigt. Sie darf es nie erfahren… doch Pia begibt sich auf Suche nach ihren Wurzeln und deckt dabei ungeahnte Geheimnisse auf.

„Rauhnächte“ erzählt Pias Suche nach ihren Wurzeln. Sie fühlt, etwas stimmt nicht, man spürt ihre Unsicherheit, ihre Zweifel und ihre verschiedenen Gefühle zwischen Angst und Wut beim Lesen. Was wirklich dahinter steckt, war dann doch sehr überraschend. Allerdings habe ich es zwischendurch als etwas lang empfunden, es plätscherte ein wenig dahin, bis die Geschichte an Fahrt aufnahm. Insbesondere Pias anfängliche Haltung konnte ich manchmal nicht nachvollziehen. In Summe war es aber ein gutes Lesevergnügen und insbesondere um die Zeit der Rauhnächte natürlich mit besonderer Atmosphäre

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Berührend auf eine eigene Art

Die Farbe von Milch
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Mary lebt ein einfaches Leben auf einem Bauernhof. Gemeinsam mit ihren Schwestern lernt sie früh, mit anzupacken, trotz einer leichten körperlichen Einschränkung am Bein. Der Vater selbst ist jähzornig ...

Mary lebt ein einfaches Leben auf einem Bauernhof. Gemeinsam mit ihren Schwestern lernt sie früh, mit anzupacken, trotz einer leichten körperlichen Einschränkung am Bein. Der Vater selbst ist jähzornig und neigt zu Gewalt. Trotz der kargen Umstände ist Mary ein frohes und optimistisches Kind, vor allem zum Großvater hat sie eine innige Bindung. Eines Tages wird sie ins Pfarrhaus geschickt, um dort bei der Pflege der kranken Frau zu helfen. Marys Familie bekommt dafür Geld, Mary selbst Kost und Logis. Mary lernt dort das Leben der „feinen Leute“ kennen und erobert das Herz der kranken Frau. Trotz allem Heimweh gewöhnt sich Mary an das Leben und bekommt sogar die Chance Lesen zu Lernen. Auch als die Frau stirbt, darf sie bleiben, doch das Haus wird leerer. Und bald ist Mary mit dem Pfarrer allein, sie lernt lesen und schreiben, doch dabei bleibt es nicht.

„Die Farbe von Milch“ ‘schafft eine bedrückende Atmosphäre. Auch wenn man froh ahnt, worauf es hinaus läuft, ist die Stimmung beklemmend und man schließt Mary ins Herz. Die Art zu schreiben ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, denn es ist aus Sicht Marys geschrieben und ihre Geschichte - also so geschrieben, wie sie es schreiben würde, ohne Punkt und Komma, mit einfachen Worten. Mich hat das Buch berührt und ich empfehle es gern weiter..

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