"Love and be loved" ist ein typisches Geschenkbuch, das man aber auch gerne selber in einer ruhigen Minute in die Hand nimmt. "Mögest du..." - so beginnt eine jede Seite und es folgt ein Wunsch, der wirklich ...
"Love and be loved" ist ein typisches Geschenkbuch, das man aber auch gerne selber in einer ruhigen Minute in die Hand nimmt. "Mögest du..." - so beginnt eine jede Seite und es folgt ein Wunsch, der wirklich von Herzen zu kommen scheint. Manchmal ist dieser direkt anrührend, vielleicht auch zum Nachdenken anregend, hin und wieder inspirierend, Wünsche an eigene liebe Menschen zu formulieren. Es gibt aber auch immer mal wieder Wünsche, die mich nicht so überzeugt haben. Vielleicht liegt es auch an einer etwas unaufmerksamen Übersetzung.
Die Illustrationen wirken in ihrer schlichten und persönlichen Gestaltung auf eine zarte Weise berührend. Insgesamt ist es mit dem großen Format recht hochwertig gestaltet und eignet sich sicher gut zum Verschenken, z.B. Geburt, 18.Geburtstag...
Es ist vielleicht kein Buch, das man unbedingt besitzen muss, wenn man es aber mit etwas Muße durchblättert, einen warmes und wohliges Gefühl hinterlässt.
„Weil sie ein bisschen stolz war auf ihre Fähigkeit, einen Unterschied zu machen, statt immer nur das Nötigste, damit alle überleben. Seit wann war sie so sehr damit beschäftigt? So beschäftigt damit, ...
„Weil sie ein bisschen stolz war auf ihre Fähigkeit, einen Unterschied zu machen, statt immer nur das Nötigste, damit alle überleben. Seit wann war sie so sehr damit beschäftigt? So beschäftigt damit, Bedürfnisse zu befriedigen, dass darüber hinaus nichts mehr möglich war. Es gibt so viele Bedürfnisse. Unendlich viele. Befriedigt man eins, kommen drei nach, und wer kann entscheiden, welches ignoriert werden darf, ja, vielleicht sogar sollte?" (S. 110)
Der Roman „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" von Dita Zipfel fühlt sich beim Lesen wie ein intensives Kammerspiel an. Zwei Paare reisen gemeinsam in den Urlaub nach Südfrankreich: das eine mit ihren beiden Kindern, gut situiert und Gastgeber; das andere Paar mit unerfülltem Kinderwunsch. Die Männer sind seit Schulzeiten eng befreundet. Die Frauen nähern sich zunehmend aneinander an, dabei so unterschiedlich – die eine fast archaisch-wild. Die andere in ihrer weichen Art vordergründig zufrieden-angepasst.
Die Sprache ist kraftvoll und zugleich auch irgendwie zart. Die Annäherung zwischen Eva und Linn hat mich an den französischen Film „Liebe mich, wenn du dich traust" aus dem Jahre 2003 erinnert: dieses sich gegenseitige Antreiben, über Grenzen bringen, immer ein bisschen am Rande des Wahnsinns.
Was mir besonders gefallen hat, war die Darstellung der beiden unterschiedlichen Frauenfiguren. Beide so besonders und speziell, dass es eine Freude war, ihnen in ihren Gedankengängen zu folgen, die zugleich so vertraut sind. Sie als Leserin bei ihren Taten zu begleiten, die zum Teil nachvollziehbar sind, hat sich mitunter irritierend angefühlt.
Das Ende kam für mich tatsächlich etwas abrupt und hat mich mit hundert Fragezeichen im Kopf zurückgelassen. Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht – andererseits passt es irgendwie auch wieder sehr gut zu den beiden Frauen mit ihrer in sich schlummernden ungezähmten Wildheit. Letztendlich war es wie eines dieser Bühnenstücke, bei dem am Ende alle nackt über die Bühne laufen und sich gegenseitig mit Tomaten bewerfen und man als Zuschauer sich fragt: Was will die Autorin uns damit sagen? Es ist auf jeden Fall ein emotionales Leseerlebnis, zum Teil wild, dann wieder überraschend feinfühlig. Und auch die Fragezeichen, die die Autorin zum Ende mit Wucht platziert, hallen noch nach.
„Die Dunkelheit ist sprichwörtlich und wild. Sie türmt sich in den Wolken, die über dem Tal liegen, und streckt sich weit bis an die Zipfel des Himmels."
Was für ein schöner Einstieg in den Roman! Mit ...
„Die Dunkelheit ist sprichwörtlich und wild. Sie türmt sich in den Wolken, die über dem Tal liegen, und streckt sich weit bis an die Zipfel des Himmels."
Was für ein schöner Einstieg in den Roman! Mit poetischer, zum Teil leicht verspielter Sprache beschreibt Hannah Häfner das Leben von drei Frauengenerationen im Schwarzwald. Es geht um Außenseitertum, Angenommensein in der Familie, Heimat suchen und finden, weibliche Selbstbestimmung. Besonders beeindruckend fand ich die Schilderung und Beschreibungen der Natur. Aber auch die drei Figuren Liese, Cora und Eva wachsen einem zunehmend ans Herz, so unterschiedlich sie auch sind. Es gibt Sätze, an denen bleibt man hängen, die berühren etwas in einem, sodass man sie manchmal dreimal lesen möchte:
„In Wittenmoos ändern sich selten Dinge, darum geht es ja gerade. Das große Sichdrehen braucht eine Achse. (...) Ein Ort, an dem man hingehört, auch wenn man ihn sich nicht ausgesucht hat. Geh, und alles hinter dir zerfällt, bleib, und du musst bleiben, wer du bist, weil es sonst nicht funktioniert. Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?" (S. 102)
„Alles, was für immer sein soll, (...) nimmt einem die Luft. Lass es für heute sein, für ein Jahr vielleicht. Ein Jahr kannst du tragen. Ein Jahr darf schrecklich sein, und mies. Das macht noch kein mieses Leben." (S. 287)
Alle drei Frauen verlassen, wenn manchmal auch nur sehr kurz, ihr Dorf. Gerade was sie dort erleben, verändert noch mal in unterschiedlicher Weise die Perspektive auf ihre Heimat im Schwarzwald:
„In Wittenmoos hat sie nie über die Dinge nachdenken müssen. Ihre Freunde waren einfach da – und einfach ihre Freunde, da gab es nichts zu denken und nichts zu fürchten, auch nicht die Einsamkeit, nicht einmal ihre Schatten." (S. 270)
Es ist ein Roman, der sich trotz seiner poetischen Sprache ausgesprochen flüssig liest und sehr zugänglich ist, bei dem viele Bilder im Kopf entstehen und der einen immer wieder berührt und zum Nachdenken bringt. Ich bin aufgrund des Einstiegs mit hohen Erwartungen in das Buch gegangen. Zwischendrin flachte für mich die Spannungskurve etwas ab. Dennoch habe ich das Lesen des Romans aufgrund seiner wunderbaren Sprache wirklich genossen bzw. mich immer auf den Moment im Alltag gefreut, wenn ich „Die Riesinnen" als Leserin weiter begleiten konnte.
Das Dekobuch von Michaela Waldl hatte ich eher aus reiner Neugierde als aus einem akuten Dekobedarf heraus durchgestöbert. Die Fotos sind ansprechend und einladend. Die Dekotipps sind natürlich gehalten ...
Das Dekobuch von Michaela Waldl hatte ich eher aus reiner Neugierde als aus einem akuten Dekobedarf heraus durchgestöbert. Die Fotos sind ansprechend und einladend. Die Dekotipps sind natürlich gehalten – viele Naturmaterialien wie Zweige, Moos, Blätter – zum Teil verspielt und ein bisschen märchenhaft. Meine Kinder hätten auf jeden Fall ihre Freude an den Sachen.
Mein Eindruck ist zudem, dass die Sachen gut umsetzbar sind, wenn man nicht völlig zwei linke Hände hat. Ich persönlich mag es etwas klarer, skandinavischer, moderner. Daher entsprechen die Vorschläge nicht ganz meinem eigenen Geschmack.
Viele der Ideen wird man auch auf Instagram nachlesen können. Trotzdem macht es Freude, das Buch durchzublättern und sich von der Freude der Autorin anstecken zu lassen. Meine Mutter, die es eher gemütlich und etwas rustikaler mag, hätte hier sicherlich einige Anregungen gefunden. Ein liebevoll gestaltetes Buch für alle, die naturnahe, verspielte Deko lieben – für Fans klarer, skandinavischer Ästhetik eher nicht geeignet.
Der Autor nähert sich in seinem Roman "Die Ausweichschule" einem Teil seiner eigenen Biografie an - das Erfurter Attentat, welches er als 5.Klässler selber miterlebte. Dabei wechselt er zwischen
Schulerinnerungen, ...
Der Autor nähert sich in seinem Roman "Die Ausweichschule" einem Teil seiner eigenen Biografie an - das Erfurter Attentat, welches er als 5.Klässler selber miterlebte. Dabei wechselt er zwischen
Schulerinnerungen, Schreibprozessreflexionen und Fremdstimmen (ehemaliger Mitschüler, damals behandelnde Therapeutin, Dramaturg).
Schmunzeln musste ich über den Einstieg, in dem sich der Autor mit einem Lektor unterhält, der ihm rät, doch mehr wie Joachim Meyerhoff zu schreiben. Ok, ganz wie Meyerhoff klingt der Roman dann nicht... Immer wieder geht es um die Metaebene - warum schreibt man über Gewalt? Warum braucht es gerade vom Autor eine solche Auseinandersetzung? Und trotz einem gewissen Hang zum Intellektualisieren und einer fast Hyperselbstreflexion liest man zwischen den Zeilen die Spuren heraus, die dieses für die Stadt Erfurt traumatische Ereignis beim Autor hinterlassen hat. Wenngleich er immer wieder betont, ja eigentlich nichts gesehen zu haben, erfährt man
viel über die anschließende (Nicht-)Verarbeitung.
Als Leser muss man vielleicht eine gewisse Freude für das stete Wechseln von Perspektiven und bisweilen Artifizielle haben. Dennoch habe ich den Roman gerne gelesen - tolle Sprachbilder, kluge Gedanken, interessante Perspektiven. Ich hab hier das Schreiben des Autors vielleicht sogar als eine Art Sich-Freischreibens erlebt und ihn gerne dabei begleitet.