Chaos mit Charme und kleinen Stolpersteinen
Josh and Hazel's Guide to Not DatingJosh und Hazel kennen sich seit dem College – ihre wenigen Begegnungen damals waren eher peinlich als vielversprechend. Jahre später laufen sie sich überraschend wieder über den Weg: Josh ist der Bruder ...
Josh und Hazel kennen sich seit dem College – ihre wenigen Begegnungen damals waren eher peinlich als vielversprechend. Jahre später laufen sie sich überraschend wieder über den Weg: Josh ist der Bruder von Hazels bester Freundin. Aus dem vorsichtigen Wiedersehen wird schnell eine enge Freundschaft. Nach Joshs schmerzhafter Trennung nimmt Hazel es sich zur Aufgabe, ihn aus seinem emotionalen Loch zu holen. Ihre Lösung: gegenseitig arrangierte Blind-Doppel-Dates. Was als freundschaftliche Ablenkung beginnt, endet regelmäßig im Chaos – und zwischen all den schrägen Dates und Katastrophen fängt es plötzlich an, zwischen Hazel und Josh zu knistern. Aber können zwei Menschen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, wirklich zusammenpassen?
„Josh and Hazel's Guide to Not Dating“ von Christina Lauren hat mich auf eine sehr ambivalente Art unterhalten: Ich habe viel gelacht, die Seiten sind nur so verflogen und trotzdem blieb am Ende ein leicht gedämpftes Gefühl zurück.
Besonders gut gefallen, hat mir der Schreibstil der beiden Autorinnen. Dieser ist unglaublich erquicklich, selbstironisch und humorvoll. Die Dialoge sprühen vor Wortwitzen, Situationskomik und einer sehr modernen, lockeren Tonalität. Das Buch liest sich dadurch extrem schnell, fast schon wie ein Binge-Watch einer romantischen Comedy-Serie.
Hazel als Protagonistin ist für mich ganz klar das Herz des Romans. Ich habe sie von Anfang an als nicht neurotypisch, sondern neurodivergent wahrgenommen: hibbelig, aufgedreht, chaotisch, direkt, manchmal sozial ungeschickt, oft als „etwas verrückt“ abgestempelt. Sie macht Dinge auf ihre ganz eigene, sehr hazelhafte Weise. Und das Beste daran: Sie weiß das. Hazel versucht nicht, sich anzupassen oder leiser zu werden, nur um anderen zu gefallen. Sie steht zu sich – auch wenn das bedeutet, anzuecken. Diese Selbstakzeptanz fand ich unglaublich erfrischend. Hazel ist keine glattgebügelte Figur, sondern eine mit Ecken, Macken und einem riesigen Herzen.
Josh ist dagegen Hazels komplettes Gegenteil: ruhig, strukturiert, ordnungsliebend, bodenständig. Und genau hier funktioniert die Dynamik der beiden so gut. Was mir besonders gefallen hat: Josh verurteilt Hazel kein einziges Mal für ihre Art. Er versucht nicht, sie zu ändern oder zu „normalisieren“, sondern unterstützt sie genau darin, sie selbst zu sein. Diese wertschätzende Haltung habe ich als sehr wohltuend empfunden.
Zusammen harmonieren sie überraschend gut, vielleicht gerade wegen ihrer Gegensätzlichkeit. Chaos trifft Struktur, Impulsivität trifft Ruhe und daraus entsteht etwas sehr Warmes, Vertrautes.
Auch die Nebenfiguren, insbesondere Emily und ihr Mann, fügen sich angenehm in dieses Bild ein. Sie begegnen Hazel ohne Vorbehalte, ohne Bewertungen, ohne Bedingungen. Dieses akzeptierende Umfeld verstärkt die warme, grundsätzlich positive Atmosphäre des Romans und hat mir wirklich gefallen.
Und trotzdem: So sehr ich die Figuren mochte, so sehr hatte ich Probleme mit der Entwicklung ihrer Beziehung. Die Freundschaft zwischen Josh und Hazel fühlt sich für mich von Anfang an merkwürdig konstruiert an. Hazel entscheidet praktisch im Alleingang, dass sie nun beste Freunde sind und das wird von allen Beteiligten einfach akzeptiert. Besonders irritierend fand ich, dass im Text behauptet wird, sie seien bereits im College beste Freunde gewesen, obwohl sie dort kaum wirklichen Kontakt hatten. Dann vergehen sieben Jahre ohne nennenswerte Annäherung, und plötzlich sind sie wieder da – ohne vorsichtiges Herantasten, ohne Aufbau, sondern direkt auf „beste Freundschaft“. Das funktionierte für mich emotional einfach nicht und blieb schwer nachvollziehbar.
Im weiteren Verlauf störte mich außerdem, dass im letzten Drittel sehr viel Fokus auf Sex gelegt wird – gerade im Kontext von zwei Menschen, die sich selbst permanent einreden, sie würden „nichts fühlen“ und seien doch „nur Freunde“. Diese Diskrepanz zwischen Behauptung und Handlung war für mich nicht stimmig.
Besonders kritisch sehe ich zudem, dass das erste Mal zwischen Josh und Hazel stattfindet, während beide betrunken sind und sich am nächsten Tag nur bruchstückhaft erinnern können. Ja, das mag realistisch sein, aber romantisch oder schön fand ich es nicht. Für mich hatte diese Szene einen unangenehmen Beigeschmack, der nicht nötig gewesen wäre.
Zusätzlich wird im letzten Drittel ein bestimmter Trope (ohne jetzt spoilern zu wolllen) eingesetzt, den ich persönlich in Romanen absolut nicht leiden kann. Für mich wirkte er unnötig melodramatisch, fast altmodisch, und hat die zuvor so leichte, moderne Atmosphäre spürbar gedämpft. Ein ruhigerer, reiferer Abschluss hätte mir deutlich besser gefallen und hätte besser zu den Figuren gepasst.
Fazit
„Josh and Hazel’s Guide to Not Dating“ von Christina Lauren ist ein unterhaltsamer, humorvoller Roman mit einer außergewöhnlichen Protagonistin, die ich trotz aller Kritik sehr ins Herz geschlossen habe. Hazel ist laut, chaotisch, anders und genau darin liegt ihre Stärke. Die wertschätzende Dynamik zwischen ihr und Josh sowie der erfrischende Schreibstil machen das Buch lesenswert.
Gleichzeitig leidet die Geschichte für mich unter einer wenig glaubwürdigen Beziehungsentwicklung, problematischen Entscheidungen und einem Finale, das ich so nicht gebraucht hätte, was mein Leseerlebnis insgesamt etwas geschmälert hat.