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Veröffentlicht am 28.02.2026

Chaos mit Charme und kleinen Stolpersteinen

Josh and Hazel's Guide to Not Dating
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Josh und Hazel kennen sich seit dem College – ihre wenigen Begegnungen damals waren eher peinlich als vielversprechend. Jahre später laufen sie sich überraschend wieder über den Weg: Josh ist der Bruder ...

Josh und Hazel kennen sich seit dem College – ihre wenigen Begegnungen damals waren eher peinlich als vielversprechend. Jahre später laufen sie sich überraschend wieder über den Weg: Josh ist der Bruder von Hazels bester Freundin. Aus dem vorsichtigen Wiedersehen wird schnell eine enge Freundschaft. Nach Joshs schmerzhafter Trennung nimmt Hazel es sich zur Aufgabe, ihn aus seinem emotionalen Loch zu holen. Ihre Lösung: gegenseitig arrangierte Blind-Doppel-Dates. Was als freundschaftliche Ablenkung beginnt, endet regelmäßig im Chaos – und zwischen all den schrägen Dates und Katastrophen fängt es plötzlich an, zwischen Hazel und Josh zu knistern. Aber können zwei Menschen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, wirklich zusammenpassen?

„Josh and Hazel's Guide to Not Dating“ von Christina Lauren hat mich auf eine sehr ambivalente Art unterhalten: Ich habe viel gelacht, die Seiten sind nur so verflogen und trotzdem blieb am Ende ein leicht gedämpftes Gefühl zurück.

Besonders gut gefallen, hat mir der Schreibstil der beiden Autorinnen. Dieser ist unglaublich erquicklich, selbstironisch und humorvoll. Die Dialoge sprühen vor Wortwitzen, Situationskomik und einer sehr modernen, lockeren Tonalität. Das Buch liest sich dadurch extrem schnell, fast schon wie ein Binge-Watch einer romantischen Comedy-Serie.

Hazel als Protagonistin ist für mich ganz klar das Herz des Romans. Ich habe sie von Anfang an als nicht neurotypisch, sondern neurodivergent wahrgenommen: hibbelig, aufgedreht, chaotisch, direkt, manchmal sozial ungeschickt, oft als „etwas verrückt“ abgestempelt. Sie macht Dinge auf ihre ganz eigene, sehr hazelhafte Weise. Und das Beste daran: Sie weiß das. Hazel versucht nicht, sich anzupassen oder leiser zu werden, nur um anderen zu gefallen. Sie steht zu sich – auch wenn das bedeutet, anzuecken. Diese Selbstakzeptanz fand ich unglaublich erfrischend. Hazel ist keine glattgebügelte Figur, sondern eine mit Ecken, Macken und einem riesigen Herzen.

Josh ist dagegen Hazels komplettes Gegenteil: ruhig, strukturiert, ordnungsliebend, bodenständig. Und genau hier funktioniert die Dynamik der beiden so gut. Was mir besonders gefallen hat: Josh verurteilt Hazel kein einziges Mal für ihre Art. Er versucht nicht, sie zu ändern oder zu „normalisieren“, sondern unterstützt sie genau darin, sie selbst zu sein. Diese wertschätzende Haltung habe ich als sehr wohltuend empfunden.
Zusammen harmonieren sie überraschend gut, vielleicht gerade wegen ihrer Gegensätzlichkeit. Chaos trifft Struktur, Impulsivität trifft Ruhe und daraus entsteht etwas sehr Warmes, Vertrautes.

Auch die Nebenfiguren, insbesondere Emily und ihr Mann, fügen sich angenehm in dieses Bild ein. Sie begegnen Hazel ohne Vorbehalte, ohne Bewertungen, ohne Bedingungen. Dieses akzeptierende Umfeld verstärkt die warme, grundsätzlich positive Atmosphäre des Romans und hat mir wirklich gefallen.

Und trotzdem: So sehr ich die Figuren mochte, so sehr hatte ich Probleme mit der Entwicklung ihrer Beziehung. Die Freundschaft zwischen Josh und Hazel fühlt sich für mich von Anfang an merkwürdig konstruiert an. Hazel entscheidet praktisch im Alleingang, dass sie nun beste Freunde sind und das wird von allen Beteiligten einfach akzeptiert. Besonders irritierend fand ich, dass im Text behauptet wird, sie seien bereits im College beste Freunde gewesen, obwohl sie dort kaum wirklichen Kontakt hatten. Dann vergehen sieben Jahre ohne nennenswerte Annäherung, und plötzlich sind sie wieder da – ohne vorsichtiges Herantasten, ohne Aufbau, sondern direkt auf „beste Freundschaft“. Das funktionierte für mich emotional einfach nicht und blieb schwer nachvollziehbar.

Im weiteren Verlauf störte mich außerdem, dass im letzten Drittel sehr viel Fokus auf Sex gelegt wird – gerade im Kontext von zwei Menschen, die sich selbst permanent einreden, sie würden „nichts fühlen“ und seien doch „nur Freunde“. Diese Diskrepanz zwischen Behauptung und Handlung war für mich nicht stimmig.

Besonders kritisch sehe ich zudem, dass das erste Mal zwischen Josh und Hazel stattfindet, während beide betrunken sind und sich am nächsten Tag nur bruchstückhaft erinnern können. Ja, das mag realistisch sein, aber romantisch oder schön fand ich es nicht. Für mich hatte diese Szene einen unangenehmen Beigeschmack, der nicht nötig gewesen wäre.

Zusätzlich wird im letzten Drittel ein bestimmter Trope (ohne jetzt spoilern zu wolllen) eingesetzt, den ich persönlich in Romanen absolut nicht leiden kann. Für mich wirkte er unnötig melodramatisch, fast altmodisch, und hat die zuvor so leichte, moderne Atmosphäre spürbar gedämpft. Ein ruhigerer, reiferer Abschluss hätte mir deutlich besser gefallen und hätte besser zu den Figuren gepasst.

Fazit

„Josh and Hazel’s Guide to Not Dating“ von Christina Lauren ist ein unterhaltsamer, humorvoller Roman mit einer außergewöhnlichen Protagonistin, die ich trotz aller Kritik sehr ins Herz geschlossen habe. Hazel ist laut, chaotisch, anders und genau darin liegt ihre Stärke. Die wertschätzende Dynamik zwischen ihr und Josh sowie der erfrischende Schreibstil machen das Buch lesenswert.
Gleichzeitig leidet die Geschichte für mich unter einer wenig glaubwürdigen Beziehungsentwicklung, problematischen Entscheidungen und einem Finale, das ich so nicht gebraucht hätte, was mein Leseerlebnis insgesamt etwas geschmälert hat.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Mehr cozy Café und Buchclub als Gefühl

Books & Coffee - An Wunder muss man glauben
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In „Books & Coffee – An Wunder muss man glauben“ (Band 2) von Ella Lindberg kehrt Emilia nach einer Reihe persönlicher Tiefschläge in ihre Heimatstadt zurück. Ohne Job, ohne Beziehung und ohne echte Perspektive ...

In „Books & Coffee – An Wunder muss man glauben“ (Band 2) von Ella Lindberg kehrt Emilia nach einer Reihe persönlicher Tiefschläge in ihre Heimatstadt zurück. Ohne Job, ohne Beziehung und ohne echte Perspektive landet sie wieder bei ihren Eltern und beginnt widerwillig im Antiquariat ihrer Tante zu arbeiten. Dort begegnet sie Lucy, der warmherzigen Besitzerin des Café Zuckerzeit, und findet im gemeinsamen Buchclubprojekt langsam wieder Halt.
Doch während sie versucht, ihr Leben neu zu ordnen, taucht nicht nur ihr Exfreund Markus wieder auf, sondern auch Lucys Bruder Florian, den sie noch aus Schulzeiten kennt, bringt Emilias Gefühlswelt durcheinander.

Ich habe mich wirklich auf „Books & Coffee – An Wunder muss man glauben“ von Ella Lindberg gefreut, weil ich den ersten Band mochte und das Setting rund um Bücher, Café und Kleinstadtflair einfach total mein Ding ist. Insgesamt war das Buch für mich auch ganz nett, aber leider hat es mich emotional nicht so gepackt, wie ich gehofft hatte.

Der Schreibstil liest sich wie gewohnt angenehm und flüssig. Ich bin schnell durch die Seiten gekommen, ohne irgendwo hängen zu bleiben. Lindberg schreibt sehr zugänglich, leicht und ruhig, was grundsätzlich gut zum cozy Setting passt. Gleichzeitig war mir der Ton stellenweise fast zu ruhig. Die Geschichte plätschert über weite Strecken sehr unaufgeregt vor sich hin. Es passiert nicht wirklich viel Spannendes, keine größeren emotionalen Peaks, keine Momente, bei denen ich dachte: Okay, jetzt muss ich unbedingt weiterlesen. Für zwischendurch war das Buch absolut okay, aber es war nichts, was ich kaum aus der Hand legen konnte.

Atmosphärisch mochte ich die Rückkehr ins Café Zuckerzeit wieder sehr. Das Setting ist einfach unglaublich süß und gemütlich beschrieben, und genau diese Wohlfühlvibes kann Lindberg wirklich gut. Besonders gefreut habe ich mich, Lucy und Clara wiederzutreffen. Die beiden bringen für mich deutlich mehr Herz in die Geschichte und sorgen für Wärme, die mir an anderer Stelle ein bisschen gefehlt hat.

Emilia als Protagonistin konnte mich leider nicht vollständig überzeugen. Ich habe zwar verstanden, dass sie an einem Tiefpunkt steht, aber sie wirkte auf mich oft sehr genervt, kraftlos und irgendwie distanziert. Mir hat bei ihr ein bisschen die emotionale Tiefe gefehlt. Viele ihrer Gedanken blieben für mich seltsam blass, sodass ich nicht richtig mit ihr mitfühlen konnte. Sympathisch war sie für mich nur phasenweise.

Auch die Liebesgeschichte — eigentlich ja das Herzstück — hat mich nicht wirklich erreicht. Die Entwicklung zwischen Emilia und Florian wirkte auf mich nicht ganz rund. Sehr lange passiert zwischen den beiden kaum etwas, sie interagieren relativ wenig, und plötzlich sind da (alte?) Gefühle. Für mich kam das ziemlich abrupt und nicht ganz authentisch. Ich konnte die Verbindung zwischen ihnen emotional leider nicht richtig nachempfinden, was schade ist, weil hier eigentlich viel Potenzial gewesen wäre.

Positiv hervorheben möchte ich den Buchclub. Die Idee und die Umsetzung fand ich wirklich schön. Besonders mochte ich, wie dort ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen, sich langsam annähern, Gemeinsamkeiten entdecken und als Gruppe zusammenwachsen. Diese Dynamik hatte viel Wärme und war für mich einer der stärkeren Aspekte der Geschichte. Allerdings hätte ich mir auch hier noch mehr Tiefe gewünscht. Vieles wurde eher angerissen als wirklich ausgearbeitet.

Was mich am Ende etwas nachdenklich zurückgelassen hat: Rund um Clara werden einige Konflikte und Andeutungen gestreut, die nicht vollständig aufgelöst werden. Das wirkt fast so, als wäre noch ein weiterer Band geplant. Ich bin tatsächlich neugierig, ob ihre Geschichte noch weitergeführt wird, weil hier spürbar noch offene Fäden liegen.

Fazit

Unterm Strich war das Buch für mich eine ruhige, cozy Lektüre für zwischendurch mit einem sehr schönen Setting und liebgewonnenen Nebenfiguren. Emotional konnte es mich aber weder mit der Hauptfigur noch mit der Liebesgeschichte vollständig abholen. Mir persönlich hat diesmal leider ein bisschen Spannung, Tiefe und Herzklopfen gefehlt.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ein Buch mit Höhen und Tiefen

The Heat is on – Something‘s Cooking Between Us
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In „The Heat Is On“ von Felicia Kingsley trifft Julia, die in ihrer Familie ständig unterschätzt und übergangen wird, auf Romeo, der eigentlich Dwight heißt und als Undercover-Cop in ihrem Familienrestaurant ...

In „The Heat Is On“ von Felicia Kingsley trifft Julia, die in ihrer Familie ständig unterschätzt und übergangen wird, auf Romeo, der eigentlich Dwight heißt und als Undercover-Cop in ihrem Familienrestaurant eingeschleust wird. Während Julia versucht, sich endlich beruflich zu behaupten und ihren Platz in der Küche zu finden, verfolgt Romeo eine geheime Mission: Er soll verdeckt arbeiten, um illegalen Machenschaften nachzugehen, die mit dem Restaurant und der Familie in Verbindung stehen. Zwischen Küchendruck, familiären Erwartungen und Dwights verborgenen Absichten entsteht eine unerwartete Nähe - doch diese basiert zunächst auf einer Lüge, die wie eine tickende Zeitbombe zwischen ihnen steht.

Als ich mit dem Buch begonnen habe, musste ich mich ehrlich gesagt erst einmal regelrecht hineinkämpfen. Ich brauchte ungewöhnlich lange, um eine Verbindung zur Geschichte aufzubauen, und das lag vor allem an den beiden Hauptfiguren.
Romeo war mir zunächst einfach nicht sympathisch. Seine Art - überheblich, provozierend, immer leicht von oben herab - hat mich eher abgestoßen als neugierig gemacht. Wenn das jemand wäre, der mich von einer Beziehung überzeugen wollte, hätte das bei mir persönlich absolut nicht funktioniert. Vielleicht sollte dieses Knistern genau durch diese Reibung entstehen, aber am Anfang war es für mich einfach zu viel Reibung und zu wenig Charme.
Julia dagegen fand ich anfangs ebenfalls ein wenig zickig, aber im Gegensatz zu Romeo konnte ich sie schnell verstehen. Denn eigentlich ist sie eher frustriert und das völlig zurecht. Sie hat eindeutig das Potenzial, viel eigenständiger und selbstbestimmter zu sein, als ihre Familie es ihr zugesteht. Dennoch wurde sie stets ein bisschen bevormundet, immer ein wenig übergangen – sogar dann, als es um die Position des Küchenchefs ging. Ihr innerer Konflikt zwischen dem Wunsch nach Anerkennung und der Realität, ständig zurückgesteckt zu werden, hat sie für mich greifbar und sympathisch gemacht. Sie war mir insgesamt wesentlich näher als Romeo, einfach weil ich ihre Reaktionen, Prinzipien und Grenzen so gut nachvollziehen konnte.

Trotz meiner Startschwierigkeiten muss ich sagen, dass mir besonders eines positiv aufgefallen ist: die Art, wie Dwight/Romeo sich im weiteren Verlauf gegenüber Julia verhält. Auch wenn ich seine Attitüde am Anfang überhaupt nicht mochte, wurde im Laufe der Geschichte klar, dass er unglaublich rücksichtsvoll mit ihren Ängsten, Einstellungen und Prinzipien umgeht. Die Beziehung, die sich entwickelt, ist nicht toxisch - im Gegenteil, sie basiert auf Respekt, gegenseitigem Verständnis und einem gewissen Maß an Bedürfnisorientierung.

Weiterhin positiv hervorheben möchte ich außerdem das große gesundheitliche Thema, das im Buch angesprochen und entstigmatisiert wird. Ich fand das ganze sehr feinfühlig umgesetzt und tatsächlich auch ermutigend. Es ist selten, dass so ein Aspekt nicht nur erwähnt, sondern wirklich respektvoll in die Handlung integriert wird. Das hat dem Roman für mich eine besondere Ebene gegeben, die ich so nicht erwartet hätte.

Was die Handlung selbst betrifft, war sie für mich insgesamt „niedlich“, stellenweise auch richtig schön emotional. Es gab viele Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, und die Entwicklung zwischen Julia und Romeo war grundsätzlich gut nachvollziehbar.
Allerdings - und das hat mich beim Lesen immer wieder etwas gebremst - empfand ich das Hin und Her zwischen Julia und Romeo anfangs als sehr langgezogen. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass Szenen sich etwas wiederholen oder unnötig in die Länge ziehen. Dadurch wirkte der Mittelteil auf mich streckenweise ein wenig zäh. Die langsame Entwicklung ihrer Beziehung fand ich an sich realistisch und schön, aber das Tempo war für meinen Geschmack nicht immer ideal ausbalanciert.

Und dann kam das Ende und da hatte ich plötzlich das gegenteilige Problem: Es ging mir zu schnell. Schlag auf Schlag wurden Entwicklungen präsentiert, große Zeitsprünge eingebaut und Entscheidungen getroffen, für die ich mir mehr Ausarbeitung gewünscht hätte. Wo vorher vieles lang und intensiv erzählt wurde, wirkte das Finale fast gehetzt. Ich hätte es schöner gefunden, wenn das emotionale und erzählerische Tempo hier etwas besser gestreckt gewesen wäre, um der Geschichte einen runderen Abschluss zu geben.

Fazit

Insgesamt mochte ich "The Heat Is On" von Felicia Kingsley trotz der Startschwierigkeiten und einiger Längen ganz gerne. Die Atmosphäre rund um die Küche, das Konkurrenzdenken, der familiäre Druck, die romantische Spannung war gut gemacht und hat mich wirklich abgeholt. Vor allem die respektvolle Dynamik, die sensible Thematisierung von Gesundheit und die nachvollziehbare Charakterentwicklung von Julia haben die Geschichte für mich am Ende zu einem lohnenswerten Leseerlebnis gemacht.

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Veröffentlicht am 12.11.2025

ganz nett

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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In dem neuen Roman von Richard Osman „Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“ erleben wir Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron in einer für sie zunächst eher privaten Situation: Es steht die Hochzeit ...

In dem neuen Roman von Richard Osman „Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“ erleben wir Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron in einer für sie zunächst eher privaten Situation: Es steht die Hochzeit von Joyces Tochter an. Doch sehr schnell wird daraus mehr als ein charmantes Familienfest: Einer der Trauzeugen ist in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, eine Geschäftspartnerin wird ermordet, und im Zentrum steht ein verschlüsselter Code – angeblich „unlösbar“ –, für den einige skrupellose Zeitgenossen scheinbar vor nichts zurückschrecken. Also mischt sich der Donnerstagsmordclub ein und versucht, die Puzzleteile zusammenzusetzen und den Code zu knacken.

Ehrlicherweise war das mein erstes Buch des Autors und ich dachte mir: „Was soll’s schon schaden, den Rest nicht zu kennen. Bei den meisten Büchern kommt man ja dennoch gut rein.“ Doch hier war das leider nicht der Fall. Es ist mir extrem schwergefallen, in die Handlung und vor allem in die Charaktere reinzufinden. Ich habe bis zum Ende nicht so genau verstanden, wie alle Figuren zueinander stehen, also wer mit wem verwandt ist, wer welche Vorgeschichte hat, und wie einzelne Stränge miteinander verbunden sind. Ich glaube, da fehlt mir für einen vollständigen Durchblick wirklich die Kenntnis der Vorgängerbände.

Auch der häufige Switch zwischen den Figuren, die vielen Perspektiven und Nebenhandlungen, waren mir schlicht zu viel. Es traten zahlreiche Personen zu Wort, und der Wechsel war so häufig und abrupt, dass ich den Überblick verlor. Gleichzeitig hat jedoch genau diese Vielzahl von Figuren dem Buch aber auch etwas Lebendiges verliehen: Man „lernt“ quasi jede Person und ihre Gefühlswelt näher kennen, was eigentlich schön ist.

Der Stil von Richard Osman gefällt mir insgesamt gut: Er verwendet kurze Kapitel, wechselt Perspektiven, lässt Tagebucheinträge und Reflexionen einfließen, was das Buch angenehm lebhaft macht. Der britische Humor kommt durch, die Dialoge sind charmant, und die Atmosphäre ist erfrischend.

Und auch die Figurenchemie ist insgesamt stark – wenngleich für mich etwas erschwert zugänglich, weil viele Vorgeschichten vorausgesetzt werden. Aber das mindert nicht meine Sympathie für die meisten der Figuren.

Die eigentliche Handlung bereitet durchaus Spannungsmomente, sodass man miträtselt.
Allerdings - und das ist mein größter Kritikpunkt; unabhängig davon, dass ich die anderen Bände nicht kenne: Für meinen Geschmack hat mir das gewisse Etwas gefehlt, das einen Krimi (auch einen humorvollen) richtig mitreißt. Die Handlung wirkt für mich mitunter überfrachtet: Viel Persönliches, viele Nebenschauplätze, wodurch der eigentliche Mordfall oder der Code-Rätsel-Faden eher etwas in den Hintergrund rückt.
Das Ende, die Aufklärung des Falls, war dann für meinen Geschmack eher banal und unspektakulär. Ich hatte mehr erwartet: einen stärkeren Twist, ein größeres Aha-Erlebnis.

Fazit

Alles in allem ein wirklich guter, ansprechender Schreibstil, charmante Atmosphäre, sympathische Charaktere, aber für mich nicht ganz geglückt, weil die Handlung mich nicht völlig abgeholt hat und ich – ohne die vorherigen Bände – Schwierigkeiten hatte, den Überblick zu behalten. Wer bereits die Vorgänger kennt, wird vermutlich mehr Freude haben und die Figuren und ihre Beziehungen klarer einordnen können.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

solide, mit einigen Schwächen

Bite the Bride (Darkthorn Archives 1)
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„Bite the Bride“ von Penny Juniper beginnt mit einer interessanten Ausgangssituation: Katherine Campbell, eine junge Frau, die eigentlich ein ruhiges Leben führen möchte, findet sich plötzlich in einem ...

„Bite the Bride“ von Penny Juniper beginnt mit einer interessanten Ausgangssituation: Katherine Campbell, eine junge Frau, die eigentlich ein ruhiges Leben führen möchte, findet sich plötzlich in einem übernatürlichen Chaos wieder: ein uralter Fluch, ein widerwilliger Vampir und eine arrangierte, scheinbare Ehe, die beide in eine emotionale Achterbahnfahrt zwingt. Zwischen düsteren Geheimnissen, romantischen Momenten und skurrilen Nebenfiguren entspinnt sich eine Geschichte, die irgendwo zwischen Romantikkomödie und Fantasy-Abenteuer angesiedelt ist.

Ich habe das Buch mit einer gewissen Vorfreude begonnen, weil mir das Konzept einer vampirischen Fake-Ehe und die Mischung aus RomCom und Paranormal Romance grundsätzlich zusagt. Und tatsächlich: Penny Juniper versteht es, Stimmungen zu erzeugen. Besonders zu Beginn mochte ich die leicht geheimnisvolle, aber gleichzeitig humorvolle Atmosphäre, die mich sofort in die Welt der Geschichte gezogen hat. Es gibt Passagen, in denen sich die Kulisse fast filmisch entfaltet – verwinkelte Anwesen, funkelnde Abende, ein Hauch von Gefahr in der Luft. Das Setting trägt viel zur Lesbarkeit bei, und Juniper gelingt es, dieses Gleichgewicht zwischen romantischem Flair und fantastischer Spannung meist gut zu halten.

Der Schreibstil von Penny Juniper ist passend dazu insgesamt flüssig und leicht zugänglich. Sie schreibt mit Humor, einem Sinn für Tempo und einer gewissen Leichtigkeit, die das Lesen angenehm macht. Gleichzeitig habe ich mir an manchen Stellen mehr sprachliche Raffinesse gewünscht. Die Dialoge sind zwar lebendig, wirken aber oft übertrieben dramatisch oder wiederholen sich in ihrer Struktur. Manchmal hatte ich das Gefühl, Juniper versuche, Spannung künstlich durch Schlagabtausch zu erzeugen, anstatt sie organisch aus den Situationen wachsen zu lassen. Trotzdem gibt es immer wieder Sätze und Beschreibungen, die mir gefallen haben – besonders, wenn sie atmosphärisch und bildhaft werden, etwa wenn die Autorin Licht, Geräusche oder kleine Gesten in Szene setzt. In diesen Momenten blitzt ihr Talent auf, Stimmung zu malen.

Allerdings verlor die Geschichte für mich mit der Zeit an Reiz. Die Handlung folgt zu oft den bekannten Mustern, und viele Entwicklungen waren vorhersehbar. Es gibt einige Momente, die als überraschende Wendungen angelegt sind, aber ich hatte das Gefühl, sie schon Kapitel im Voraus zu erahnen. Auch das Ende kam für mich ohne echten Knalleffekt. Es war eher eine Bestätigung dessen, was sich ohnehin abzeichnete. Dadurch fehlte mir das Gefühl, wirklich mit den Figuren mitzufiebern oder überrascht zu werden.
Zusätzlich mochte ich den Ausgang rundum Lilly irgendwie nicht. Mir hat da leider etwas gefehlt und ich hoffe, dass in Band 2 diesbezüglich noch etwas geschieht (oder vielleicht sogar zu ihr noch ein eigenständiger Band?).

Ein großer Kritikpunkt für mich war zudem die Kommunikation zwischen den Charakteren. Zu oft basierten Konflikte auf Missverständnissen, halben Wahrheiten oder schlicht darauf, dass niemand offen miteinander redet. Es gab etliche Szenen, in denen ich mir dachte: Ein einfaches Gespräch hätte dieses ganze Drama verhindert. Stattdessen entscheiden sich die Figuren immer wieder dafür, Dinge zu verschweigen, sich gegenseitig anzulügen oder absichtlich das Gegenteil dessen zu tun, was sie vorher versprochen haben. Das führte dazu, dass die Handlung stellenweise unnötig in die Länge gezogen wirkte. Hätten die Charaktere ehrlicher oder zumindest konsequenter miteinander gesprochen, wäre die Geschichte vermutlich nur halb so lang gewesen – und deutlich glaubwürdiger.

Auch die Dynamik zwischen Katherine und Ethan hat mich nicht ganz überzeugt. Zwar gibt es einige charmante und witzige Szenen, und die Anziehung zwischen den beiden ist spürbar, aber insgesamt fehlte mir Tiefe. Vieles wirkte wie eine Abfolge aus typischen RomCom-Momenten, ohne dass sich eine echte emotionale Entwicklung vollzieht.

Die Charaktere selbst waren für mich zum Großteil solide, aber auch hier gab es Schwächen.
Katherine als Protagonistin war mich einerseits sympathisch, weil sie mit einer gewissen Bodenständigkeit und Ironie in diese bizarre Situation hineingezogen wird. Sie ist klug, mutig und versucht, sich zu behaupten. Andererseits blieb sie mir emotional zu oft unzugänglich. Ihre Reaktionen wirken manchmal sprunghaft oder widersprüchlich.
Ethan wiederum ist der klassische romantische Vampirtypus: geheimnisvoll, gutaussehend, von einer dunklen Vergangenheit gezeichnet und ständig hin- und hergerissen zwischen Pflichtgefühl und Verlangen.
Die Nebenfiguren (vor allem die menschlichen) waren für mich sehr erfrischend und haben der Story gutgetan.

Fazit

Insgesamt hat „Bite the Bride“ für mich Licht und Schatten. Ich mochte den Einstieg, das Setting und einige charmante Szenen, aber die Handlung war mir zu erwartbar, die Konflikte zu konstruiert, und die Figuren zu oft in ihrem eigenen Kommunikationschaos gefangen. Der Schreibstil ist angenehm und atmosphärisch stark.
Am Ende blieb bei mir jedoch das Gefühl, dass das Buch zwar unterhält, aber wenig wirklich Neues bietet. Eine nette Lektüre für zwischendurch, wenn man Lust auf eine humorvolle Vampir-Romanze hat, aber kein Titel, der mich nachhaltig beeindruckt oder überrascht hat.

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