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Veröffentlicht am 22.02.2026

Berührend und erschütternd

Da, wo ich dich sehen kann
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Da, wo ich dich sehen kann von Jasmin Schreiber hat mich tief berührt und zum Nachdenken gebracht. Es geht um den Femizid an der 31jährigen Emma und darum, wie ihre Eltern, ihre beste Freundin Liv und ...

Da, wo ich dich sehen kann von Jasmin Schreiber hat mich tief berührt und zum Nachdenken gebracht. Es geht um den Femizid an der 31jährigen Emma und darum, wie ihre Eltern, ihre beste Freundin Liv und ihre 9jährige Tochter Maja mit dieser traumatischen Erfahrung weiterleben.
„Laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2023 insgesamt 180.715 Frauen in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt. Statistisch gesehen sind das über 495 betroffene Frauen pro Tag. 360 Frauen und Mädchen wurden Opfer eines vollendeten Tötungsdelikts, weitere 578 überlebten schwer verletzt.“ (S. 149)
Nach dem Verlust ihrer Eltern ist Maja schwer traumatisiert. Sie lebt bei Emmas Eltern in Frankfurt, doch auch die Eltern ihres Vaters erheben Anspruch auf ihr Enkelkind. Maja fühlt sich schlecht, da sie ihren Papa mindestens genauso vermisst wie ihre Mama. Das Mutter-Tochter-Verhältnis war schwierig, Emma stellte Regeln auf, die Frank missachtet hatte. Maja ist in Therapie, will ihre wahren Gefühle der Therapeutin gegenüber jedoch nicht offenbaren, stattdessen verletzt sie sich selbst.
Liv ist Astrophysikerin und Majas Patentante, sie war seit der Kindheit Emmas beste Freundin. Sie bemüht sich, Maja auf andere Gedanken zu bringen und ihr zu helfen, ihre Trauer zu verarbeiten, ihr Hund Chloe hilft ihr dabei. Die drei verbringen viel Zeit miteinander und beobachten den Sternenhimmel durch das Teleskop.
Liv und Emmas Eltern Brigitte und Per machen sich schwere Vorwürfe, dass sie nicht gemerkt haben, dass Emma von ihrem Mann misshandelt wurde. Sie denken an Begegnungen mit Emma zurück, bei denen sie was hätten merken müssen.
Auf schwarzen Seiten mit weißen Buchstaben offenbart Emma in einem Paralleluniversum, wie Frank sie quält und misshandelt. „Ich hab das alles so lange runtergespielt. Mir selbst gegenüber, euch gegenüber. Ich dachte, das sei Privatsache, Eheprobleme, nichts Schlimmes, ich wollte niemandem zur Last fallen. Ich wollte nicht, dass ihr euch Sorgen macht.“ (S. 344)
Das Buch hat mich sehr berührt, ich habe mit Maja, Brigitte, Per und Liv gelitten. Es gibt Bücher über Femizide, aber kaum welche, in denen die Angehörigen im Fokus stehen, die mit dem tragischen Verlust weiterleben müssen.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Geschichtsunterricht in Romanform

Berchtesgaden
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Berchtesgaden von Carolin Otto ist ein großartiger Roman über das Leben der Deutschen und der Alliierten nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Mai 1945.

Im Mittelpunkt steht Sophie Gruber, ...

Berchtesgaden von Carolin Otto ist ein großartiger Roman über das Leben der Deutschen und der Alliierten nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Mai 1945.

Im Mittelpunkt steht Sophie Gruber, 19, und ihre Familie. Ihr Bruder Max war bei der SS und versteckt sich in den Bergen vor den Amerikanern.

Frank Rosenzweig gehört dem Military Government an. Er ist in den 1930er Jahren nach Amerika ausgewandert. Er leitet die Verhöre von hochrangigen Nazis und Mittätern.
Sophie ergattert einen Job als Dolmetscherin und Sekretärin beim Military Government und freundet sich mit ihrem Vorgesetzten Rosenzweig an. Er empfiehlt ihr das Buch „Erfolg“ von Lion Feuchtwanger, in dem dieser bereits 1930 Hitlers Aufstieg vorhergesehen hatte.

Während der Verhöre und nach Sichtung der Fotos von der Befreiung der Konzentrationslager wird Sophie das Ausmaß der Verbrechen der Deutschen bewusst. Als sie Max in seinem Versteckt besucht, stellt sie ihn zur Rede. Er weist alle Verantwortung von sich: „Wir mussten es tun. Es war ein Befehl. Nach den ersten zehn ist es nicht mehr so schlimm. Man gewöhnt sich daran. Es ist eine Arbeit, die zu erledigen ist.“ (S. 493)

Sophie verliebt sich in den schwarzen GI Sam. Ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, Fraternisierung ist verboten ist. Sam gefällt es in Deutschland, als Angehöriger der Siegermacht wird er mit Respekt behandelt im Gegensatz zu seinem Leben als Schwarzer in Amerika.

Meg ist Kriegsreporterin und Franks Geliebte. Sie besucht ein Waisenhaus und sieht sich selbst überlassene ungewollte Babys, die nach Vergewaltigungen gezeugt wurden oder deren Mütter sie nicht ernähren können. Sie werden im Vier-Stunden-Takt gefüttert und mit Bier ruhiggestellt. Diese Szene hat mich sehr berührt.

Dr. Rudolf Kriss wurde von einem Bekannten denunziert und verbrachte die letzten Kriegsmonate im Zuchthaus Er wird von den Amerikanern zum neuen Bürgermeister von Berchtesgaden ernannt. In seinem Haus werden Vertriebene untergebracht, auch die KZ-Überlebende Pina Thanner, die ebenfalls für das Military Government arbeitet.

Ich habe den Roman sehr gern gelesen. Obwohl er viele Themen behandelt und es viele Charaktere gibt, fiel es mir nicht schwer, den Überblick zu behalten. Handlung und Personen sind fiktiv, jedoch an historische Persönlichkeiten und Ereignisse angelehnt.
Die Autorin hat mein Interesse an der Stadt Berchtesgaden, dem Obersalzberg und der Umgebung geweckt. Das Ende ist offen, wir erfahren nicht, wie es mit Sophie und Sam weitergeht, ich würde mich sehr über einen Fortsetzungsband freuen.

Allen, die sich für die Nachkriegszeit interessieren, empfehle ich auch das Buch Die Dolmetscherin von Titus Müller, in dem es um die Nürnberger Prozesse geht. Nach Nürnberg wird Frank Rosenzweig abgeordnet, nachdem seine Arbeit in Berchtesgaden beendet ist.
Von mir eine große Leseempfehlung und fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Gelungene Fortsetzung

Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset
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Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset ist der äußerst gelungene Fortsetzungsband der Reihe um Liv Steinhammer – Mutter, Ehefrau, Schwiegertochter, Küchenplanerin und Mörderin wider Willen. ...

Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset ist der äußerst gelungene Fortsetzungsband der Reihe um Liv Steinhammer – Mutter, Ehefrau, Schwiegertochter, Küchenplanerin und Mörderin wider Willen.
Meine Tochter mit Blick auf das Buch in meiner Hand: „Mama, muss ich mir Sorgen machen?“
Eigentlich wollte Liv nichts mehr mit Kölns Unterwelt und dem Drogengeschäft zu tun haben. In Band 1 hat sie Drogenboss Hugo um die Ecke gebracht und seinen Chef Clemens aus dem Fenster gestoßen. Letzterer ist der Ehemann ihrer besten Kundin Cathy Wugner. Clemens hat den Fenstersturz überlebt, wenn auch mit beträchtlichen körperlichen und geistigen Einschränkungen.
Im Auftrag der Wugners soll Liv nun wieder Kokain verkaufen. Es kommt wie es kommen muss – auch der nächste Drogenboss überlebt seine Geschäfte mit Liv nicht, und seine Leiche muss beseitigt werden.
Wir feiern ein Wiedersehen mit Livs Schwiegereltern und deren rumänischer Pflegerin Iza. Livs Schwiegermutter Marlies mischt bei ihren Geschäften kräftig mit und hilft ihr aus der Bredouille.
Ehemann Jörn bleibt außen vor, im Gegensatz zu seiner Mutter wird er nicht in Livs Aktivitäten eingeweiht. Er genießt sein Leben als Hausmann, obwohl Liv ihn drängt, möglichst schnell ins Berufsleben zurückzukehren.
Zwischen den Kapiteln erfahren wir wieder interessante Fakten und Erkenntnisse zum Thema Menopause und weiblicher Hormonhaushalt.
Ich habe beim Lesen wieder mehrfach laut gelacht, besonders lustig fand ich das Kapitel, in dem die 87jährige Marlies vor dem Krematorium Schmiere stehen muss, von der Polizei mitgenommen und sich auf der Wache mit einem jungen Mann, der ebenfalls vernommen wird, fachmännisch über die Wirkung von Ecstasy austauscht.
Genau wie „Achtsam Morden“ sollte auch „Morden in der Menopause“ unbedingt verfilmt werden, ich hatte jedenfalls durchgehend Kopfkino und habe mich herrlich amüsiert. Ich hoffe, dass die Reihe fortgesetzt wird, ich würde mich sehr freuen!

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Eine Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln

Die verborgene Erinnerung
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Die verborgene Erinnerung ist das zweite Buch von Michaela Abresch, es spielt wie ihr Debütroman „Das Geheimnis von Dikholmen“ größtenteils in Schweden.
Das Buch ist aus der Perspektive von Mella und ...

Die verborgene Erinnerung ist das zweite Buch von Michaela Abresch, es spielt wie ihr Debütroman „Das Geheimnis von Dikholmen“ größtenteils in Schweden.
Das Buch ist aus der Perspektive von Mella und Siri geschrieben. Zwischen den Kapiteln sind Briefe eines jungen Mädchens an seine große Liebe Rikard abgedruckt.
Mella, 40, lebt in Köln, sie ist in Deutschland geboren, ihre Mutter kommt aus Schweden. Mella arbeitet in einem Verlag und bekommt den Auftrag, nach Schweden zu reisen, um dort für einen Kunstband über die Landkirchen Gotlands zu recherchieren. Für sie ist es die erste Reise nach Schweden, da ihre Mutter zu Schweden eine ablehnende Haltung hat, über die Reise ihrer Tochter ist sie alles andere als begeistert.
Siri, 40, lebt auf der Insel Gotland, sie ist Stadtführerin in Visby. Nach dem Tod ihrer Pflegemutter Jördis Svensson findet sie in einer Schublade ein Foto aus dem Jahr 1983, auf dem zwei Frauen mit Babys abgebildet sind, eine davon ist Jördis, die andere heißt laut der Beschriftung auf der Rückseite Ingrid Haglund. Siri möchte unbedingt herausfinden, wer Ingrid Haglund ist, bekommt auf ihre Fragen jedoch keine Antworten. Sowohl ihr Pflegevater Arvid als auch ihre Großtante Lynna behaupten, Ingrid nicht zu kennen. Siri will unbedingt herausfinden, warum Jördis das Foto mit den Frauen und ihren Babys versteckt hatte. Sie hadert sehr damit, ein Findelkind zu sein. „Nicht zu wissen, von wem man abstammt, ist so, als würden einem die Wurzeln fehlen. Ohne Wurzeln kann aus keiner Pflanze etwas werden.“ (S. 132)
Mellas Mutter hat ihrer Tochter erzählt, dass sie Schweden schwanger verlassen habe, Mellas Vater sei bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen. Obwohl ihre Mutter das nicht gutheißt, lernt Mella Schwedisch, sie fühlt sich sehr zum Land ihrer Eltern hingezogen.
Nach und nach wird das Geheimnis um Mella und Siri, Ingrid und Jördis enthüllt. Wir begleiten Mella bei ihrer Recherche auf der wunderschönen Insel Gotland. Sie besichtigt dort nicht nur Kirchen, sondern findet neben ihrer großen Liebe auch ihre schwedischen Familienangehörigen, die sie ihr Leben lang schmerzlich vermisst hatte.
Ich habe Mellas und Siris Geschichte sehr gern gelesen und bin in ihre Familiengeheimnisse eingetaucht. Die Autorin schreibt fesselnd und einfühlsam. Den Roman empfehle ich allen, die Familien- und/oder Liebesromane lieben und auch denjenigen, die Schweden lieben oder schon immer hinreisen wollten.

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Veröffentlicht am 22.10.2024

Die Anfänge des Fahrrads, der Eisenbahn und des Automobils

Im Takt der Freiheit
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Die Schloss Liebenberg-Trilogie der Autorin habe ich sehr gern gelesen, deswegen habe ich mich schon sehr auf ihren neuen Roman gefreut. Auch mit ihrem Buch konnte sie mich begeistern.
Berlin, 1888: Die ...

Die Schloss Liebenberg-Trilogie der Autorin habe ich sehr gern gelesen, deswegen habe ich mich schon sehr auf ihren neuen Roman gefreut. Auch mit ihrem Buch konnte sie mich begeistern.
Berlin, 1888: Die 19jährige Felicitas lebt mit ihrem Vater Egidius und ihrer jüngeren Schwester Tessa in einer hochherrschaftlichen Villa. Egidius ist erfolgreicher Unternehmer, er träumt davon, ins Eisenbahngeschäft im Osmanischen Reich einzusteigen und will in das Projekt Anatolische Eisenbahn investieren. Interne Informationen erhofft er sich vom Grafen von Brück-Bürgen. Dieser ist hochverschuldet und lässt sich auf das Geschäft mit Egidius ein. Die beiden beschließen, ihre Kinder miteinander zu verheiraten – der Graf und sein Sohn bekommen Felicitas‘ Mitgift, und Egidius erhält im Gegenzug Informationen.
Felicitas lernt bei einem Spaziergang im Park Lorenz Schwerdtfeger kennen. Dieser ist mit dem Fahrrad unterwegs. Lorenz ist Student, sein Vater ist Kutschenfabrikant aus Coburg, in Egidius‘ Augen kommt er als zukünftiger Schwiegersohn nicht in Frage.
Lorenz erregt als Fahrradfahrer viel Aufsehen, da alle anderen mit Pferdekutschen oder auf einem Pferd unterwegs sind. Er träumt davon, Fahrräder in großen Mengen zu produzieren und sie für jedermann zugänglich zu machen. Lorenz bringt Felicitas das Fahrradfahren bei, und die beiden verlieben sich ineinander.
Egidius plant, Felicitas Verlobung mit dem Grafensohn auf einem Ball zu verkünden. Es soll ein Ball werden, der alle anderen Bälle an Pracht übertrifft. Doch Felicitas sorgt dafür, dass auf dem Ball nichts so abläuft wie geplant. Dafür nimmt sie Kontakt mit ihrer Tante Apollonia auf, mit der Egidius seit Jahren zerstritten ist.
Sehr interessant fand ich den Charakter der Zofe Minna. Minna kam als Kind aus Afrika nach Berlin und kann sich kaum noch an ihre Kindheit erinnern. Der Schneidergehilfe Menkam ist der einzige Schwarze, den sie in Berlin kennt. Menkam träumt davon, nach Amerika auszuwandern. Von Menkam erfährt Minna einiges über die Kolonialisierung.
Der Roman hat mir die Geschichte des Fahrrads, der Eisenbahn und des Automobils nahegebracht. Bitte lest unbedingt das Nachwort. Darin verrät die Autorin einiges über die Geschichte der Transportmittel, die Pferde und Kutschen ersetzt haben.
In dem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass das Nachwort im Hörbuch leider nicht enthalten ist, was ich sehr schade finde, da wir darin erfahren, wie die Geschehnisse im Buch mit historischen Begebenheiten verknüpft sind.
Hanna Caspian hat es geschafft, mich für einige Stunden ins Kaiserreich zu katapultieren. Ich habe Im Takt der Freiheit sehr gern gelesen und mich gefreut, so viel Spannendes über die Geschichte des Fahrrads und das Leben der Reichen in Berlin des 19. Jahrhunderts zu erfahren. Den Roman empfehle ich sehr gern weiter und vergebe fünf von fünf Sternen.

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