Profilbild von mrs-lucky

mrs-lucky

Lesejury Star
offline

mrs-lucky ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mrs-lucky über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.06.2026

interessanter Krimi, aber wenig herausragend

Schlafende Vulkane
0

Der Krimi ‚Schlafende Vulkane’ ist der Auftaktband einer neuen auf Island angesiedelten Reihe in Zusammenarbeit der Autoren Michael Hjorth und Bjarni Thorsson. Für die junge Polizistin Helga ist es die ...

Der Krimi ‚Schlafende Vulkane’ ist der Auftaktband einer neuen auf Island angesiedelten Reihe in Zusammenarbeit der Autoren Michael Hjorth und Bjarni Thorsson. Für die junge Polizistin Helga ist es die erste Mordermittlung, bei der sie die Leitung übernimmt. Sie fühlt sich unsicher und unerfahren, muss aber schnell Entscheidungen treffen, als sie feststellt, dass es sich bei der in einem Reitstall tot aufgefundenen jungen Frau um eine allein erziehende Mutter handelt, deren zehnjähriger Sohn verschwunden ist. Hat er den Mörder gesehen, und ist vor ihm geflohen? Spuren im Haus deuten darauf hin.
Der Verkehrspolizist Bjarki, erfahren in Rettungseinsätzen, begleitet sie gemeinsam mit seinem Spürhund Salka auf der Suche nach dem verschwundenen Jungen. Der Druck auf die Ermittler wächst, als kurz darauf ein weiterer Mord geschieht nach dem gleichen systematischen Muster.
Helga und Bjarki sind ein ungleiches Team, ergänzen sich jedoch während der Ermittlung, erreichen bald einige Fortschritte, müssen andererseits auch die Folgen von Fehlentscheidungen verdauen.
Den Beginn des Thrillers fand ich etwas holprig, die Dialoge wirkten steif, von Michael Hjorth bin ich vielschichtigere Handlungen und Charaktere gewohnt. Im Verlauf wurde die Geschichte allerdings etwas flüssiger und hat mehr Spannung aufgebaut. Die Hauptcharaktere erscheinen im Verlauf jedoch weiterhin eher klischeehaft und hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. Hier ist noch viel Luft für folgende Bände.
Helga und Bjarki jagen einen skrupellosen psychopathischen Täter, dessen frauenfeindliche Gesinnung verstörend und abstoßend wirkt. Eine Trigger-Warnung wäre aus meiner Sicht angebracht, denn einige Szenen und Erzählungen sind in ihren Beschreibungen sehr detailliert und brutal.
Insgesamt ist dieser Band ein solider Thriller mit einer in sich schlüssigen Handlung, er erscheint allerdings nicht herausragend. Die isländische Szenerie passt zu der Geschichte, es sind interessante Hintergrundinformationen eingebaut, die einerseits auflockernd wirken, andererseits die Spannung ab und an ausbremsen. Ich bin noch unschlüssig, ob ich die Reihe weiter verfolge.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2026

Ist Erfolg ein Garant für Glück?

Die Mitternachtsreise
0

Mit seinem Roman ‚Die Mitternachtsreise’ versucht der Autor Matt Haig an seinen Erfolg mit ‚Die Mitternachtsbibliothek’ anzuknüpfen. Aber reicht ein ähnlich klingender Titel für eine erfolgreiche Geschichte?
Auch ...

Mit seinem Roman ‚Die Mitternachtsreise’ versucht der Autor Matt Haig an seinen Erfolg mit ‚Die Mitternachtsbibliothek’ anzuknüpfen. Aber reicht ein ähnlich klingender Titel für eine erfolgreiche Geschichte?
Auch diesmal spielen Bücher wieder eine wichtige Rolle; schon als Kind findet die Hauptfigur Wilbur in Büchern einen Zufluchtsort aus seinem problembehafteten Leben. Als Erwachsener erschafft er mit einer expandieren Kette von Buchhandlungen ein wirtschaftlich erfolgreiches Imperium, allerdings bleibt dabei sein besonderes Verhältnis zu Büchern ebenso auf der Strecke wie die Liebe seines Lebens.
Wilbur ist über 80 Jahre alt, als er unerwartet stirbt und sich plötzlich in Erscheinung seines eigenen Ichs in jungen Jahren in einem sehr besonderen Zug wiederfindet, in dem sein Leben noch einmal an ihm vorüber zieht. Die Buchhändlerin Agnes Bagdale, die seine Liebe zu Büchern maßgeblich geprägt hat, begleitet ihn und erklärt ihm die Spielregeln. Denn der Zug lässt Wilbur an bedeutsamen Stationen seines Lebens aussteigen und Zeuge prägender Ereignisse der Vergangenheit werden, ohne dass er in diese eingreifen darf.
Ähnlich wie in der Mitternachtsbibliothek geht es auch in diesem Roman um die Frage, wie Entscheidungen unser Leben beeinflussen und in wieweit wir selbst auf den Verlauf unseres Lebens einwirken können. In diesem Fall ist Wilburs Leben jedoch bereits vorbei, die Reise durch die Vergangenheit zeigt ihm schöne und schmerzliche Erinnerungen, die ihm nach und nach klar machen, wie viel er in seinem Leben verloren hat und welche Entscheidungen er im Nachhinein bereut.
Für mich wirkt dieser Roman weniger ermutigend als sein Vorgänger. Ich habe es beim Lesen eher als traurig und deprimierend empfunden, dass Wilbur erst die Fahrt im Mitternachtszug braucht um zu begreifen, wie sehr er sich in die Idee verrannt hat, im Leben finanziellen Erfolg zu erlangen, und dabei sein persönliches Glück auf der Strecke geblieben ist. Es bleibt jedoch die Erkenntnis, dass es sich an jeder Station des Lebens lohnt inne zu halten und zu überdenken, in welche Richtung man sich zukünftig entwickeln möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2026

beklemmende Zukunftsvision

Ins fahle Herz des Sommers
0

Wie hat mir „Ins fahle Herz des Sommers“ gefallen? Üblicherweise ziehen mich die Romane von Andreas Eschbach schnell in ihren Bann, hier habe ich mich etwas schwer getan. Die 240 Seiten wirken eher wie ...

Wie hat mir „Ins fahle Herz des Sommers“ gefallen? Üblicherweise ziehen mich die Romane von Andreas Eschbach schnell in ihren Bann, hier habe ich mich etwas schwer getan. Die 240 Seiten wirken eher wie ein Gedankenspiel, wie eine Mahnung, was unserer Gesellschaft droht, wenn wir die deutlichen Zeichen der Klimaveränderung nicht Ernst nehmen.
Der Beginn versetzt den Leser direkt in ein düsteres Szenario einige Jahre in der Zukunft. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, tagsüber ist die Hitze kaum erträglich, die Natur ist ausgedörrt. Die Gegend, in der die Geschichte spielt, ist nur noch sporadisch besiedelt, viele sind nach Norden geflohen, eine Pandemie hat ein paar Jahre zuvor hat das Leben vieler Menschen ausgelöscht.
In dieser unwirtlichen Umgebung versucht der junge Fausto zu überleben, in Vollmondnächten fährt er mit einem Fahrrad in benachbarte Orte, um in verlassenen Häusern nach nützlichen Dingen zu suchen. Soziale Kontakte hat er kaum, um so mehr ist er begeistert, als in das Nachbarhaus die junge Valeria einzieht, der die Hitze erstaunlicherweise kaum etwas auszumachen scheint.
Die Geschichte ist dystopisch und zeichnet eine niederschmetternde Zukunft. Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, wie realistisch eine solche Entwicklung ist. Es steht zumindest unbestreitbar fest, dass der Klimawandel, den große Teile der Weltbevölkerung immer noch ignorieren, uns schon jetzt in immer stärkerem Maße betreffen.
Die Geschichte ist spannend erzählt und macht mit ihren philosophischen Themen nachdenklich, Eschbach versteht es auch in dieser sehr reduzierten Erzählung die Dinge auf den Punkt zu bringen. Dennoch erscheinen die Schilderungen distanziert, der Erzähler beschreibt Faustos Handlungen und Gedanken, wirklich nahe habe ich mich ihm nie gefühlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2026

das Känguru ist zurück

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
0

Das Känguru rebelliert? Da bin ich als Fan der Reihe ganz klar mit dabei.
Ein wenig skeptisch war ich schon, als ich die Ankündigung einer Fortsetzung der Känguru-Klassiker gesehen habe. Kann das nach ...

Das Känguru rebelliert? Da bin ich als Fan der Reihe ganz klar mit dabei.
Ein wenig skeptisch war ich schon, als ich die Ankündigung einer Fortsetzung der Känguru-Klassiker gesehen habe. Kann das nach so einer langen Zeitspanne und Pause noch funktionieren?
Der Einstieg ist etwas zäh und wärmt alte Geschichten auf, doch es wird schnell interessanter und vor allem politischer. Man merkt, dass sowohl Marc-Uwe Kling als auch das Känguru älter und reifer geworden sind. Der Klamauk, der mir im dritten Band offen gestanden schon zu dominant war, fehlt hier ebenso wie einige der früheren Charakter. Lediglich Herta spielt diesmal eine größere Rolle und läuft meiner Meinung nach zu Hochform auf, während Friedrich-Wilhelm, Otto-Von und Krapotke zu Randfiguren werden. Die kleinen Kabbeleien zwischen Marc-Uwe und dem Känguru sorgen für Abwechslung und machen immer noch Spaß, auch den „falschen“ Zitaten zum Kapitelauftakt bleibt der Autor treu.
Insgesamt ist dieser Band sehr politisch, zeigt aber weniger Aktionismus als die früheren Bände - Rebellion statt Revolution. Die Rebellion bildet einen roten Faden für einige Anekdoten, witzige Wortspiele und Gleichnisse, sowie einer großen Portion Kritik an Gesellschaft und der aktuellen politischen Führung. Marc-Uwe Kling und das Känguru bringen viele Probleme auf anschauliche Weise auf den Punkt und halten der Gesellschaft einen Spiegel vor. Einiges wirkt übertrieben und überspitzt, aber vielleicht muss man manchmal überdeutlich werden, um die Menschen aufzuwecken. Und als Kleinkünstler ist es sein gutes Recht, mit Satire und Ironie zu provozieren. Wobei in vielen angesprochenen Punkten mehr Wahrheit steckt, als einem lieb ist.
Auch diesen Band habe ich als Live-Lesung gehört, etwas anderes kommt für mich bei dieser Reihe nicht infrage, denn erst die pointierte Lesung mit den verschiedenen Stimmen und Dialekten runden das Werk ab.
Dieser Band ist nicht das Highlight der Reihe, bietet aber 6,5 Stunden großartige Unterhaltung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.02.2026

spannend und skurril

Die Reise ans Ende der Geschichte
0

Kristof Magnusson erzählt in seinem Roman ‚Die Reise ans Ende der Geschichte‘ eine ganz besondere Spionagegeschichte, die weniger auf Spannung setzt als auf Humor und skurrile Handlungsverläufe.
Der Roman ...

Kristof Magnusson erzählt in seinem Roman ‚Die Reise ans Ende der Geschichte‘ eine ganz besondere Spionagegeschichte, die weniger auf Spannung setzt als auf Humor und skurrile Handlungsverläufe.
Der Roman spielt kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetrepublik, als die Weltordnung neu geschrieben wurde und die Geheimdienste sich neu erfinden müssen. Für Dieter Germeshausen, der jahrelang als Geheimdienstmitarbeiter und Doppelagent in diesem Metier unterwegs war, ist eine Welt zusammengebrochen. Er braucht dringend eine Gelegenheit, um seine finanziellen Mittel aufzustocken und unterzutauchen. Da kommt ihm der junge und erfolgreiche Dichter Jakob Dreiser gerade Recht, der auf einem festlichen Empfang in der russischen Botschaft feiern lässt und seine weitreichenden Kontakte pflegt. Jakob Dreiser ist ebenso eloquent wie naiv, er sieht in Germeshausens Plänen die Chance auf ein Abenteuer, und begleitet ihn begeistert auf der Reise nach Almaty in Kasachstan.
Der Roman lebt von seinem Sprachwitz, turbulenten Wendungen und den überspitzt dargestellten Charakteren. Die scheinbare Leichtigkeit der Ereignisse wird schnell von der Realität eingeholt, vieles entpuppt sich als eine Täuschung, und die Figuren sind nicht immer das, was sie dem flüchtigen Betrachter vorgeben zu sein.
Die Geschichte liest sich kurzweilig, für meinen Geschmack ist sie jedoch an vielen Punkten etwas sehr überzogen und damit zu unglaubwürdig. Auch wenn ich mich gut unterhalten gefühlt habe, wirkte die Handlung auf mich insgesamt zu seicht und oberflächlich, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Für mich ist der Roman eine nette Lektüre für Zwischendurch, man verpasst aber auch nicht viel, wenn man den Band liegen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere