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Veröffentlicht am 04.08.2025

🚫 Kein Krimi. Kein True Crime. 🕯️ Sondern ein Akt von Widerstand, Erinnerung, Liebe

Lilianas unvergänglicher Sommer
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Kurzinhalt – ohne Spoiler, mit einer Träne im Auge und Wut im Bauch:
Dieses Buch ist ein intimes und aufwühlendes Erinnerungsstück. Cristina Rivera Garza schreibt über ihre jüngere Schwester Liliana, die ...

Kurzinhalt – ohne Spoiler, mit einer Träne im Auge und Wut im Bauch:
Dieses Buch ist ein intimes und aufwühlendes Erinnerungsstück. Cristina Rivera Garza schreibt über ihre jüngere Schwester Liliana, die 1990 von ihrem Ex-Freund ermordet wurde – ein Femizid, wie er überall passieren kann. Auch heute noch. Auch hier.
Doch dieses Buch erzählt keine Tätergeschichte. Es geht nicht um das Verbrechen, sondern um das Leben davor. Um Lilianas Geschichte. Wer sie war, was sie dachte, wofür sie kämpfte.

Rivera Garza versucht, ihre Schwester zurückzuholen – durch Tagebücher, Briefe, Notizen und Gespräche mit den Menschen, die Liliana liebten. „Lilianas unvergänglicher Sommer“ bewahrt Lilianas Existenz in all ihrer Fülle: ihre Gedanken, ihr Lachen, ihre Wut, ihr Ringen mit gesellschaftlichen Erwartungen. Und beim Lesen wird klar: Liliana war keine Fremde. Sie hätte eine von uns sein können.

📖 Ein Buch gegen das Vergessen – und gegen das Schweigen.

Meine Leserillen:
Ich wollte dieses Buch eigentlich nicht lesen. Nicht, weil es nicht gut wäre – sondern weil das Thema Femizid so schwer auszuhalten ist. Aber: Wir haben ein Problem. Weltweit. Auch hier. Und dieses Buch zwingt uns zum Hinsehen – mit Worten, die treffen.

Liliana wurde mir nahegebracht – in all ihrer Stärke, Unsicherheit, Freiheit und Wut. Sie war so viel mehr als das, was ihr angetan wurde.

Der Einstieg fiel mir nicht leicht. Der Stil ist fragmentarisch, suchend, manchmal fast poetisch – aber genau das passt. Denn wie soll man über etwas schreiben, das einem das Herz zerreißt? Gerade deshalb ist dieses Buch so wichtig.

🚫 Kein Krimi. Kein True Crime.
🕯️ Sondern ein Akt von Widerstand, Erinnerung, Liebe.

Rivera Garza schreibt nicht über das Verbrechen – sie schreibt über das Leben. Über das, was war. Und das, was uns bleibt.

„Der einzige Unterschied zwischen meiner Schwester und mir ist, dass ich nie einem Mörder über den Weg gelaufen bin.“

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Sie ist nicht mehr dieselbe. Sie will mehr.

Zwischen zwei Leben
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🧨 "Dir ist schon immer wichtig gewesen, anderen zu gefallen, und du dachtest, das sei dein eigener Wille. Doch auch in deinem Inneren gibt es einen tosenden Sturm der Gefühle und eine Wüste, die es nach ...

🧨 "Dir ist schon immer wichtig gewesen, anderen zu gefallen, und du dachtest, das sei dein eigener Wille. Doch auch in deinem Inneren gibt es einen tosenden Sturm der Gefühle und eine Wüste, die es nach der Befriedigung ihrer Bedürfnisse dürstet – doch es ist noch nicht zu spät." – Word Dornröschen!

Jenny lebt ein Leben, das von außen stabil wirkt: Ehe, Termine, erwachsene Kinder, Alltag. Doch in ihr beginnt etwas zu rutschen. Die Kinder sind ausgezogen, der Rhythmus fehlt, und in der neu entstandenen Leere meldet sich ein Gefühl, das lange verschüttet war. Und sie geht den Schritt… den entscheidenden Schritt für sich.

Jenni wird zu Jenny. Und dieser eine neue Name sagt alles: Sie ist nicht mehr dieselbe. Sie will mehr. Mehr vom Leben, mehr von sich selbst. Inmitten von innerem Sturm und alter Selbstaufgabe erwacht eine Stimme, die lange geschwiegen hat. Und mit ihr tauchen auch Stimmen aus einer anderen Dimension auf: die Ajattaras - die Märchenfiguren Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, Gretel, Rapunzel und Rotkäppchen. Nur… ihre Geschichten klingen ganz anders, wenn sie sie selbst erzählen.

Sie werden zu Jennys imaginärer Peer-Group. Keine Zauberwelt, sondern Realität mit Märchenstaub: feministisch, roh, tief. Und erstaunlich befreiend. Mein Highlight des Buches.

Jennys Therapeutin empfiehlt ihr, zu schreiben. Das Ergebnis: Briefe an Brigitte Macron. Diese Briefe haben mir dann den Zugang zu Jenny geöffnet, denn dieser war nicht gleich zu Beginn da.

Fazit:
Puh, ehrlich, am Anfang habe ich ein wenig gebraucht. Nicht, um Jenny zu verstehen (die hatte ich direkt), sondern um das Zusammenspiel aus Jenny, den Märchenprinzessinnen und Brigitte Macron zu greifen. Aber dann hat es Klick gemacht – und ich war im Game.

Ein kraftvoll leises Buch über das Aufwachen. Nicht aus einem hundertjährigen Schlaf, sondern aus dem Funktionieren. Für alle, die irgendwann merken: Das Leben, das ich lebe, war mal meins… aber jetzt will ich ein neues Kapitel schreiben.

In “Zwischen zwei Leben” zeigt sich Stärke nicht in Lautstärke, sondern im mutigen Abwenden. Begleitet von den leisen, magischen Ajattaras, die ihr wie innere Stimmen zur Seite stehen.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Eine Alltagsheldinnen-Story mit Herz, Humor und einer Portion Wiener Charme.

Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es genauso gemacht
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Melanie lebt nicht das perfekte Insta-Life (nicht mehr) – eher das Gegenteil: alleinerziehend ohne Kind (Adele ist in Neuseeland!), pleite, Ex-Frau Nummer zwei. Aber sie hält sich über Wasser, mit Humor, ...

Melanie lebt nicht das perfekte Insta-Life (nicht mehr) – eher das Gegenteil: alleinerziehend ohne Kind (Adele ist in Neuseeland!), pleite, Ex-Frau Nummer zwei. Aber sie hält sich über Wasser, mit Humor, viel Herz und einem feministischen Hotel, das mehr Zuhause ist als Arbeitsplatz. Ihre Freundinnen? Goldwert. Und wenn alles zu viel wird, gibt’s da noch ihren Cousin, ein in die Jahre gekommener Surfer-Dude mit einer Alm, die wie ein kleiner Reset-Knopf funktioniert.
Mieze Medusa nimmt uns mit in ein Leben, das unperfekt, wild und wackelig ist, aber genau deshalb so lebendig.

Das Buch fühlte sich an wie ein Kaffee mit einer langjährigen Freundin. So einer, bei dem man sich sofort verstanden fühlt, auch wenn man sich ewig nicht gesehen hat. Melanie ist chaotisch, nicht immer logisch, aber sowas von echt. Ihre Sehnsucht nach Tochter Adele, die einmal um den Globus entfernt ist (geht es denn noch weiter?), tat beim Lesen richtig weh. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen, genauso wie ihre beiden Seelenfreundinnen Sam und Irene.

Die Szenen im Hotel Adele? Fast ein bisschen heimelig für mich. Ich war gedanklich sofort wieder mittendrin in meinen eigenen 15 Jahren Hotellerie und wenn wieder Hotellerie, dann so ein Hotel. Ganz toll beschrieben und speziell. Liebs. Und das Setting in Wien? Perfekt. Urban, manchmal schroff, manchmal charmant. Eben wie Melanie selbst.

Keine riesigen Plottwists, kein Drama deluxe, aber dafür so viel Atmosphäre, Wärme und Lebensnähe, dass man sich einfach fallen lassen kann in dieser kleinen großen Geschichte.

Eine Alltagsheldinnen-Story mit Herz, Humor und einer Portion Wiener Charme. Für alle, die das Leben feiern wollen auch (oder gerade), wenn’s mal schiefgeht.

"Manchmal ist Scheitern einfach nur eine andere Form von Mut." 💛

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Bauch, Beine, Poesie und damit 15 Autor:innen in Bewegung

Bauch, Beine, Poesie
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Okayyyy. Ich liebe ja Kurzgeschichten… ab und zu. Und noch mehr die Buchcover des Kanon-Verlages.

In Bauch, Beine, Poesie dreht sich alles um unseren Körper und um das, was er leistet, was wir ihm ...



Okayyyy. Ich liebe ja Kurzgeschichten… ab und zu. Und noch mehr die Buchcover des Kanon-Verlages.

In Bauch, Beine, Poesie dreht sich alles um unseren Körper und um das, was er leistet, was wir ihm abverlangen und wie eng er mit unseren Gedanken verwoben ist. Die Geschichten erzählen von Selbstoptimierung und Selbstzweifeln, von Stärke und Verletzlichkeit, von Bewegung und das im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Mal geht es um sportliche Disziplin, mal um das leise Unbehagen im eigenen Körper, mal um humorvolle Beobachtungen über gesellschaftliche Erwartungen. Manche Texte sind zerbrechlich und tastend, andere klar und pointiert.
Jede Geschichte ist wie ein kurzer Puls-Moment: ein Gedanke, der nachfühlt. Ein Gefühl, das kurz aufblitzt. Ein Blick in ein anderes Leben, das für ein paar Seiten ganz nah rückt. Es ist dieses literarische “Muskelzittern” nicht laut, nicht dramatisch, sondern fein und spürbar zwischen den Zeilen. ✨
Meine Lesegfalten: Dieses Schlüsselloch-Gefühl bei Kurzgeschichten. Dieses „Ich darf kurz in ein anderes Leben huschen“-Ding. Das ist schon besonders.
Und trotzdem, ich sag’s wie ich es empfunden habe: Mit „Sommersprossen“ vom Kanon Verlag hatte ich mehr dieses Oh wow, das bin ich-Gefühl. Da war ich emotional schneller drin, mehr connected, mehr Herzklopfen.
Bei Bauch, Beine, Poesie war ich stellenweise eher stille Beobachterin am Rand des literarischen Fitnessstudios. 🏋🏻‍♀️ Das wiederum könnte das Problem sein… da war ich schon länger nicht mehr :).
Aber: Es ist ein richtig guter Read für zwischendurch. Für U-Bahn-Fahrten. Für „Ich-les-nur-noch-eine“-Abende. Für dieses kleine literarische Snack-Gefühl. 🍪📖
Nicht jede Story trifft mitten ins Herz, aber das muss es auch nicht und ein paar bleiben. Und manchmal merkt man erst später, dass sie doch was bewegt haben. Wie Muskelkater am nächsten Tag.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Nebensaison-Charme und Espresso-Stimmung

Alle weg
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Grado im Winter. Leere Gassen, geschlossene Hotels, das Meer raunt leise vor sich hin. Und mittendrin: Pinos Bar. Ein Ort, der nie ganz schläft – wo sich Einheimische treffen, über Politik diskutieren, ...

Grado im Winter. Leere Gassen, geschlossene Hotels, das Meer raunt leise vor sich hin. Und mittendrin: Pinos Bar. Ein Ort, der nie ganz schläft – wo sich Einheimische treffen, über Politik diskutieren, Espresso trinken, Alltag teilen. Stefan Maiwald lädt uns ein, einen Blick hinter die Touri-Kulisse zu werfen. Wenn der Sommervorhang fällt und alle „alle weg“ sind, beginnt ein neues Kapitel: stiller, echter, manchmal schräg – aber immer charmant. Eine liebevolle Beobachtung des Lebens abseits der Saison. 🌫🍷

Meine Leserillen
Ich liebe Italien im Sommer! Diese Hitze, das Leben auf der Straße, das ewige „un altro Spritz?“ und das Gefühl, kurz mal in einem anderen Leben zu wohnen.

Deshalb war ich super neugierig: Was passiert eigentlich, wenn wir alle wieder abreisen? Wenn die Sonnenschirme verschwinden und die Strandpromenade plötzlich schweigt?

Dieses Buch hat mir genau das geschenkt – einen Blick hinter die Sommerfassade. Und zwar ganz ohne Kitsch, sondern mit echtem Herz.

✨ Was ich mochte:

Diese Menschen, die bleiben. Ihre Routinen, ihre Ecken, ihre Gespräche.

Die Melancholie der Nebensaison – nicht traurig, sondern fast meditativ.

Dass es ein bisschen so ist, als würde man zufällig in ein Gespräch in der Bar platzen und sich dann nicht mehr losreißen können.

Den Humor, der nicht laut sein muss, um zu wirken.

🌬️ Und gleichzeitig hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass ich Grado jetzt nicht nur im Sommer lieben könnte. Sondern gerade dann, wenn es ruhiger wird. Wenn man das echte Leben spürt.

Klar, es ist kein Page-Turner. Eher ein Slow-Read mit Seele. Aber genau das wollte ich.Charme und Espresso-Stimmung

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