Ein neues Abenteuer aus Mirilor
Der Hof der silbernen NachtDie Elfenschwestern Niva und Rienne haben im Krieg zwischen Emberfall und Veloria ihre Eltern verloren. Als Waisen fristeten sie schwere Jahre und wurden dann von der Magistra Selena in Lichtmagie ausgebildet. ...
Die Elfenschwestern Niva und Rienne haben im Krieg zwischen Emberfall und Veloria ihre Eltern verloren. Als Waisen fristeten sie schwere Jahre und wurden dann von der Magistra Selena in Lichtmagie ausgebildet. Um diese Schuld zu begleichen, waren sie gezwungen dem zwielichtigen Zirkusdirektor Borwin den Treueschwur zu leisten. Für ihn erledigt die unerschrockene Lichtwandlerin Niva illegale Aufträge neben ihrer Arbeit im Zirkus. Dieses Mal soll sie ein extrem wertvolles Artefakt stehlen. Niva lehnt ab, den dazu müsste sie sich an den Silberhof von Valerian Kaelvane, dem König der Dunkelelfen begeben. Ihr letztes Zusammentreffen mit dem Herrscher hat sie nur knapp überlebt. Außerdem hasst sie alle Dunkelelfen. Doch Borwin will kein Nein akzeptieren.
Die Autorin entführt uns erneut in ihre Welt Mirilor. „Der Hof der silbernen Nacht“ ist der Auftakt einer neuen Dilogie. Mich hat Nivas Geschichte schnell gefesselt und spannend unterhalten.
Borwin macht Niva ein Angebot, dem sie nicht widerstehen kann. Also schlüpft die Lichtwandlerin in die Rolle der Schriftführerin Milena Rosenthau und bewirbt sich um eine Stelle im Silberschloss. Gimo, ein kleines Seheräffchen, das wenige Sekunden in die Zukunft vorausschauen kann, ist ihre einzige Unterstützung. Der Sonnenelfe Niva fällt es schwer, sich am lichtarmen Hof unter den verhassten Dunkelelfen zurechtzufinden. Zudem sind da noch die Rieden, die Geister Verstorbener, die mit der materiellen Welt interagieren können. Niva/Milena weiß wenig über sie und gerät immer wieder in Schwierigkeiten. Doch letztlich kann sie sich behaupten und das Vertrauen des attraktiven Königs erringen. So weit läuft alles nach Plan, nur Valerians zunehmende Anziehungskraft auf Niva stört. Und er ist so völlig anders als sie ihn sich vorgestellt hat. Hin- und hergerissen zwischen der Zuneigung zu Vale und ihrem lukrativen Auftrag gerät die Lichtwandlerin in eine gefährliche Lage. Das kostbare Artefakt, der magische Dolch Velantra, ist zum Greifen nah, aber da verlässt sie ihr Glück ...
Niva ist eine starke, zielstrebige Frau. Als Waise hat sie schnell gelernt, Rienne und sich zu schützen, da sie auf sich allein gestellt waren. Mittlerweile verfügen die beiden Schwestern über sehr verblüffende, unterschiedliche Fähigkeiten. Sie sind aber durch einen Treueschwur an Borwin gefesselt. Niva ist zu fast allem bereit, um Riennes und ihre Freiheit zu erlangen. Valerian ist eine faszinierende Persönlichkeit. Zunächst distanziert und abweisend, offenbart sich der Dunkelelf und Schattengänger im Lauf der Erzählung als facettenreicher Charakter. Auch die anderen Protagonisten überzeugen, verfügen aber nicht über die Tiefe von Niva und Vale. Der Riede Taren gefällt mir allerdings so gut, dass ich wünschte, er könnte ins Leben zurückkehren.
K. T. Steen erschafft ein spannendes Schattenreich, das düster und gleichzeitig faszinierend wirkt. Wie von ihr gewohnt, stattet die Autorin ihr Setting fantasievoll und originell aus. Mirilor wird gleich um drei Reiche, Emberfall, Nazca und Veloria, erweitert, die sich sehr unterscheiden. Mich fasziniert, mit wie viel märchenhaftem Ambiente und Magie K. T. Steen ihre Welt ausstattet und dabei stets für die passende Atmosphäre sorgt. Neben ihrem erzählerischen Talent verfügt die Autorin über ein besonderes Händchen für tierische Sidekicks, ob Schneeamsel, Drache oder hier das Seheräffchen Gimo. Ein Aspekt, der mir sehr entgegenkommt.
Den Leser erwartet romantische High Fantasy mit Magie, höfischen Intrigen und spannenden Wendungen. Ausgerechnet als die beiden misstrauischen und bindungsscheuen Hauptcharaktere beginnen sich zu öffnen, läuft das Geschehen komplett aus dem Ruder. Natürlich endet Teil eins mit einem fiesen Cliffhanger, der einen spannenden Showdown abschließt. Ich hätte liebend gern weitergelesen, wie es mit Niva, Vale, Taren, Gimo und den anderen weitergeht. So bleibt mir nichts Anderes übrig, als auf eine schnelle Fortsetzung zu hoffen.