Das Land der erfundenen Biografien
Landschaft ohne ZeugenSie war 14 Jahre alt, als sie zum ersten Mal den Ort des Verderbens besuchte: Buchenwald. Damals noch das stotternde Kind, welches das Wort Katze kaum aussprechen konnte. Ines Geipel, die Autorin von "Landschaft ...
Sie war 14 Jahre alt, als sie zum ersten Mal den Ort des Verderbens besuchte: Buchenwald. Damals noch das stotternde Kind, welches das Wort Katze kaum aussprechen konnte. Ines Geipel, die Autorin von "Landschaft ohne Zeugen" wuchs in der DDR auf. Als sie sich näher mit den Verbrechen während des zweiten Weltkriegs befasst kommt sie zu dem Schluss, dass zu viele Ereignisse am liebsten vergessen werden. Das Bemühen der Aufarbeitung fand zwar im Westen statt, es blieb aber leider nur bei einem Bemühen. Zu viele Täter wurden nach dem Krieg mit hohen Positionen in Politik und Öffentlichkeitsarbeit „belohnt“.
Frau Geipel besuchte etliche Archive und las unendlich viele Zeitzeugenberichte. Danach war für sie klar, dass eine umfangreiche Aufarbeitung nie gewünscht war. Im Osten noch weniger als im Westen. Sie erläutert das unter anderem an dem Buch „Nackt unter Wölfen“. Aber auch die Einweihung des Erinnerungsortes Buchenwald stößt bitter auf. Außenstehende sahen viele Menschen und es schien ihnen, dass dort ein Volksfest stattfand. Heute heißt es wohl „Katastrophentourismus“, was damals dort ablief.
Das Buch ist für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse nominiert. Für mich ein sehr gutes Sachbuch das eindringlich über die Morde während des Krieges aufklärt. Nach jedem Kapitel gibt es exakte Quellenangaben zu den hier dargestellten Taten. Das sind unter anderem Befragungen, die während einer Inhaftierung geführt wurden. Dieses Werk von Frau Geipel, in dem sie übrigens auch die Handlungen innerhalb ihrer Familie thematisierte, ist ein wichtiges Zeugnis unserer Geschichte. Auch wenn es nicht allen Deutschen gefällt und sie einen Schlussstrich ziehen möchten. Das darf niemals geschehen und Bücher wie dieses gehören auf alle Bestsellerlisten.