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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.05.2026

Das perjekte Popcorn

Laute Nächte
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Das perfekte Popcorn kann nur Kenny machen. Mit genau der richtigen Zuckermenge. Popcorn als perfekter Begleiter für großes Kino. Und genau das ist auch das Buch – großes Kino! Anne Freytag hat mich auch ...

Das perfekte Popcorn kann nur Kenny machen. Mit genau der richtigen Zuckermenge. Popcorn als perfekter Begleiter für großes Kino. Und genau das ist auch das Buch – großes Kino! Anne Freytag hat mich auch mit dieser Geschichte restlos überzeugt, diese Frau kann einfach schreiben!
Kenni war gerade mit der Schule fertig und wollte gemeinsam mit seiner Freundin Jasmin auf große Abenteuertour gehen. Dafür haben sie in unzähligen Stunden Arbeit einen alten Camper ausgebaut. Der steht jetzt eingelagert in München denn Jasmin verunglückt tödlich. Kenni zerbricht an diesem Tod fast, er weiß überhaupt nicht mehr wohin mit sich selbst. Und wer Trauer schon einmal selbst erlebt hat, fühlt all das zwischen den Zeilen. Schließlich verlässt Kenni Vater und Bruder und zieht in eine WG in Wien. Diese WG fühlt sich nach einem Zuhause an, gesellig, lebendig aber auch tiefgründig. Ich habe die Mitbewohner geliebt, vor allem Paul! Ihre Gespräche, die Musik, den Kater. Der übrig geblieben ist, genau wie Kenni.
Ich habe den Jungen sofort ins Herz geschlossen, seine Trauer, seine Verzweiflung aber auch sein Zweifeln ging mir richtig tief unter die Haut. Der reduzierte Stil hat einen großen Teil dazu beigetragen, es gibt keine großen Gesten sondern wahrhafte und kluge Dialoge, die manchmal witzig sind, manchmal traurig. Die Figuren sind vielschichtig und trotz der Emotionalität wird es nie kitschig.
„Laute Nächte“ ist ein Buch über Freundschaft, Familie, Erwachsenwerden und … Trauer. Für mich war es ein großes Highlight.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Mutige Entscheidungen

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Die 25jährige Studentin Sophie war schon immer eine, „aus der mal was wird“. Während sie aber in ihrem Praktikum vor Exceltabellen dahindümpelt, trifft sie eine ziemlich spontane und unüberlegte Entscheidung ...

Die 25jährige Studentin Sophie war schon immer eine, „aus der mal was wird“. Während sie aber in ihrem Praktikum vor Exceltabellen dahindümpelt, trifft sie eine ziemlich spontane und unüberlegte Entscheidung – sie kauft auf ebay-Kleinanzeigen ein verfallenes Haus in der ostdeutschen Pampa. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, bricht sie alle Brücken hinter sich ab, kündigt ihr WG-Zimmer und macht sich nur mit einem Rucksack und ihrem Fahrrad mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg. Im Laufe der Geschichte begleiten wir Sophie nicht nur beim Streichen von Wänden, Schleifen von Dielen, Anlegen eines Kartoffelackers und dem Verpflegen von Hühnern, sondern auch bei ihrem inneren Wachstum. Dieses zu verfolgen, hat mir großes Vergnügen bereitet. Ich habe Sophies Mut bewundert, ihr Durchhaltevermögen, ihr Angst-Besiegen. Sie erkennt, dass sie was mit den Händen machen will und ihren eigenen Intentionen vertrauen muss, weil die sie schon auf den richtigen Weg führen werden.
Mir hat an dem Buch fast alles gefallen (den Nazi-Part hätte man sich schenken können) - der direkte, witzige, unbeschwerte Schreibstil, mit vielen leisen Tönen, die Charaktere – allen voran Sophie, mit der ich wirklich mitfühlen konnte -, die Landschaft, die Geschichte! Nichts wird beschönigt: Das Aussteigen ist hier nicht Vanlife pur mit Lichterketten und Traumfängern am Strand bei Sonnenuntergang, sondern die Angst, die Unsicherheit, der Dreck und die harte Arbeit werden genau als das benannt, was sie sind.
Nur, dass Sophie ihre Eltern so außen vorlässt, schmerzt mich als Mutter 2er fast erwachsener Kinder sehr, zumal sie selbst sagt, dass ihre Eltern sie mit Sicherheit unterstützt hätten. Ich wünsche mir sehr, dass meine Kinder mehr Vertrauen zu mir haben werden, wenn es mal so weit sein sollte.
Am Ende steht die Erkenntnis:
„Ich muss gar nichts, außer zu leben.“ Seite 340
Für diesen wirklich außergewöhnlichen Debütroman vergebe ich gern 5 Sterne und eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Wie sehr prägt uns unser Name?

Die Namen
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Das Buch hat mich in ein wahres Gefühlschaos geschickt! „Die Namen“ erzählt drei komplett unterschiedliche Geschichten, ausgehend von derselben Basis - Cora, die Mutter, Gordon, der Vater und Maia, die ...

Das Buch hat mich in ein wahres Gefühlschaos geschickt! „Die Namen“ erzählt drei komplett unterschiedliche Geschichten, ausgehend von derselben Basis - Cora, die Mutter, Gordon, der Vater und Maia, die 9jährige Schwester. Jeder wünscht sich einen anderen Namen für das Baby und je nachdem, welchen Namen der kleine Junge bekommt, ergeben sich drei völlig unterschiedliche Leben - nicht nur des Jungen, sondern auch von Mutter, Vater und Schwester. Die Geschichte wird in Sieben-Jahresschritten über insgesamt 35 Jahre erzählt, dieser Aufbau hat mir sehr gut gefallen, er ist komplex und die 3 Geschichten sind klug konstruiert.

Es passiert wahnsinnig viel! Dadurch bleibt zwar die Tiefe der Figuren auf der Strecke - es ist eher so, als würde der Leser immer mal wieder vorbeischauen und einen Blick auf die Personen erhaschen - aber das wertet die Geschichte mitnichten ab. Gerade weil man für die Zwischenjahre seine eigene Phantasie bemühen muss, dafür von der Autorin allerdings viele Hinweise bekommt, die sie so unglaublich gut in die Erzählung einfließen lässt, macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem! Dazu die clevere Verflechtung der drei Erzählstränge... Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum dieser Roman als der beste Debütroman seit langem beworben wird.
Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, jedes Mal, wenn ich das Gefühl hatte, dass jetzt das Schlimmste passiert ist, kam eine neue überraschende Wendung
Das Buch ist keine leichte Kost, der Inhalt ist schwer verdaulich, und doch empfehle ich dieses komplexe Buch! Ich werde den liebenswerten Bear, den sensiblen Künstler Julien, Gordon jun., der am Ende der Geschichte über sich hinauswächst, Cora, die immer ihre Kinder beschützt und Gordon sen., der so ein unglaublich manipulatives gewalttätiges Ekelpaket ist, auch so nicht vergessen.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Der Zauber des Menschseins

Alt genug
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„Alt genug“ zu sein, davon schreibt Ildiko von Kürthy in ihrer neuesten Veröffentlichung. Alt genug… aber wofür? Nun unter anderem dafür, nun bequeme Unterwäsche zu tragen, zu seinen Falten zu stehen, ...

„Alt genug“ zu sein, davon schreibt Ildiko von Kürthy in ihrer neuesten Veröffentlichung. Alt genug… aber wofür? Nun unter anderem dafür, nun bequeme Unterwäsche zu tragen, zu seinen Falten zu stehen, zu grauen Haaren oder auch mehr Gewicht, sich nicht mehr klein zu machen vor anderen, ehrlich seine Meinung zu sagen, auch wenn die nicht jedem gefällt. Die Autorin hat sich zur Recherche des Buches viele kleine und große Aufgaben gestellt, unter anderem hat sie sich bei „Germany’s next Topmodel“ beworben, ist alleine nach New York geflogen, hat ein Festival besucht. Es geht ums Älterwerden, um eine Art Bestandsaufnahe. Man sollte vielleicht wissen, dass das Buch kein Roman, sondern eher ein persönlicher Einblick in das Leben und die Vergangenheit der Autorin. Ich habe den Entstehungsprozess des Buches neugierig bei Instagram verfolgt und so kamen mir einige Stellen des Buches bereits vertraut und bekannt vor und ich habe mich von Seite 1 wohl gefühlt wie bei einem Gespräch mit einer guten Freundin. Aber wie toll ist bitte die Umsetzung, ihre Biografie in eine Rahmenhandlung einzubetten? So im Sinne von „Ein Tag im Leben von Ildiko von Kürthy“!
Ildiko’s Bücher lese ich schon seit langem mit Begeisterung, ich mag ihre Art des Erzählens, ihre Alltagsbeobachtungen, ihren Humor und ihre Ehrlichkeit und übrigens höre ich die von ihr eingesprochenen Bücher auch unheimlich gern. Altersmäßig hinke ich ihr 6 Jahre hinterher, was man aber bei unserer grundsätzlichen Lebenssituation sicherlich vernachlässigen kann und so fühle ich mich beim Lesen ihrer Bücher einfach gut verstanden. Ihre Gedanken kommen mir bekannt vor. An der Stelle, wo sie ihre Familie beschimpft, um dann fortzulaufen und später zu bemerken, dass es gar niemanden kümmert, habe ich laut aufgelacht und mich hinterher gefreut, dass ich nun drüber lachen kann, während ich so oft in den Situationen einfach nur sauer bin.
Mir gefällt an „Alt genug“ unheimlich gut, dass es neben den vielen witzigen Begebenheiten auch die weniger schönen Dinge beschreibt: Krankheiten, Verluste, Abschiede. Und so habe ich gelacht und auch geweint. Weil mir vieles davon auch bekannt vorkommt. Ich mag ihre Botschaft, dass man als sogenannter „Bestager“ (natürlich auch vorher schon aber da fällt es den meisten von uns ja so unheimlich schwer) ruhig ehrlich sein darf. Und egoistischer.
Mein Fazit: Ich habe das Buch geliebt und bereits an die 2. Freundin verliehen. Aber ich will es zurückhaben, denn es bekommt einen festen Lieblingsplatz in meinem Bücherregal.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Die Sehnsucht hinter der Wut

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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In "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve an ihren verstorbenen Ehemann, den Juristen und Journalisten Arend Jan Heerma van Voss. Christien Brinkgreve ...

In "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve an ihren verstorbenen Ehemann, den Juristen und Journalisten Arend Jan Heerma van Voss. Christien Brinkgreve ist Professorin für Soziologie und Autorin, ihr Mann war Journalist, beide lebten in Amsterdam und die Autorin zeichnet ein sehr persönliches und komplexes Bild ihrer komplizierten Ehe.
Die Erzählung beginnt im März 2022 mit dem Begräbnis ihres Ehemanns, den sie in ihrem Buch „A“ nennt. Er verstirbt an Krebs und es hat mich sehr berührt, wie sehr er sich gegen dieses Gehenmüssen gesträubt hat. Die folgenden 42 Kapitel wechseln zwischen Erinnerungen und Gegenwart und unterstreichen damit das Aufräumen, die Ruhelosigkeit, das Verarbeiten der Trauer. Ich empfand das Buch als sehr anspruchsvoll, schonungslos ehrlich und klug. Christien Brikgreve beschreibt die Verwahrlosung des Hauses, in dem sich umfangreiche Sammlungen und Listen ihres Mannes befinden und das als gutes Symbol zum Zustand ihrer Ehe steht.
Mich faszinierte die Karriere von Brinkgreve, die innerhalb weniger Jahre promovierte, 2 Kinder bekommt und als Professorin für Frauenforschung arbeitet. Ihren Mann hat das offensichtlich nachhaltig verschreckt, Unterstützung im Haushalt hat sie von ihm nicht bekommen, er besteht auf die alten Rollenklischees. Brinkgreve musste an allen Fronten stark sein, damit steht sie stellvertretend für eine ganze Generation, die sich zwar beruflich ausleben durften, gleichzeitig aber im familiären Umfeld schön bescheiden im Hintergrund bleiben sollten. Brinkgreve schreibt, dass sie nicht gegen ihren Mann ankam und es braucht einen schmerzhaften Trauerprozess, um sich mit der komplizierten Persönlichkeit ihres Mannes und seiner Wahrnehmung ihrer Berufstätigkeit und ihrer Unabhängigkeit als Bedrohung zu versöhnen. Ich habe beim Lesen auch Parallelen zu meiner eigenen Ehe, zu meiner Rolle innerhalb der Familie, zu meinem eigenen Verhalten und Funktionieren gefunden und wurde dazu angeregt, darüber nachzudenken.
Auf das Buch muss man sich einlassen, das hier ist kein Roman, den man schnell mal zwischendurch liest. Aber wenn man sich die Zeit nimmt, trifft der Inhalt der Geschichte kraftvoll und mit voller Wucht jeden einzelnen Nerv. Mir ging das Buch richtig unter die Haut, auch wegen der Parallelen zu meinem eigenen Leben.

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