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Veröffentlicht am 19.03.2026

Der Zauber des Menschseins

Alt genug
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„Alt genug“ zu sein, davon schreibt Ildiko von Kürthy in ihrer neuesten Veröffentlichung. Alt genug… aber wofür? Nun unter anderem dafür, nun bequeme Unterwäsche zu tragen, zu seinen Falten zu stehen, ...

„Alt genug“ zu sein, davon schreibt Ildiko von Kürthy in ihrer neuesten Veröffentlichung. Alt genug… aber wofür? Nun unter anderem dafür, nun bequeme Unterwäsche zu tragen, zu seinen Falten zu stehen, zu grauen Haaren oder auch mehr Gewicht, sich nicht mehr klein zu machen vor anderen, ehrlich seine Meinung zu sagen, auch wenn die nicht jedem gefällt. Die Autorin hat sich zur Recherche des Buches viele kleine und große Aufgaben gestellt, unter anderem hat sie sich bei „Germany’s next Topmodel“ beworben, ist alleine nach New York geflogen, hat ein Festival besucht. Es geht ums Älterwerden, um eine Art Bestandsaufnahe. Man sollte vielleicht wissen, dass das Buch kein Roman, sondern eher ein persönlicher Einblick in das Leben und die Vergangenheit der Autorin. Ich habe den Entstehungsprozess des Buches neugierig bei Instagram verfolgt und so kamen mir einige Stellen des Buches bereits vertraut und bekannt vor und ich habe mich von Seite 1 wohl gefühlt wie bei einem Gespräch mit einer guten Freundin. Aber wie toll ist bitte die Umsetzung, ihre Biografie in eine Rahmenhandlung einzubetten? So im Sinne von „Ein Tag im Leben von Ildiko von Kürthy“!
Ildiko’s Bücher lese ich schon seit langem mit Begeisterung, ich mag ihre Art des Erzählens, ihre Alltagsbeobachtungen, ihren Humor und ihre Ehrlichkeit und übrigens höre ich die von ihr eingesprochenen Bücher auch unheimlich gern. Altersmäßig hinke ich ihr 6 Jahre hinterher, was man aber bei unserer grundsätzlichen Lebenssituation sicherlich vernachlässigen kann und so fühle ich mich beim Lesen ihrer Bücher einfach gut verstanden. Ihre Gedanken kommen mir bekannt vor. An der Stelle, wo sie ihre Familie beschimpft, um dann fortzulaufen und später zu bemerken, dass es gar niemanden kümmert, habe ich laut aufgelacht und mich hinterher gefreut, dass ich nun drüber lachen kann, während ich so oft in den Situationen einfach nur sauer bin.
Mir gefällt an „Alt genug“ unheimlich gut, dass es neben den vielen witzigen Begebenheiten auch die weniger schönen Dinge beschreibt: Krankheiten, Verluste, Abschiede. Und so habe ich gelacht und auch geweint. Weil mir vieles davon auch bekannt vorkommt. Ich mag ihre Botschaft, dass man als sogenannter „Bestager“ (natürlich auch vorher schon aber da fällt es den meisten von uns ja so unheimlich schwer) ruhig ehrlich sein darf. Und egoistischer.
Mein Fazit: Ich habe das Buch geliebt und bereits an die 2. Freundin verliehen. Aber ich will es zurückhaben, denn es bekommt einen festen Lieblingsplatz in meinem Bücherregal.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Die Sehnsucht hinter der Wut

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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In "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve an ihren verstorbenen Ehemann, den Juristen und Journalisten Arend Jan Heerma van Voss. Christien Brinkgreve ...

In "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve an ihren verstorbenen Ehemann, den Juristen und Journalisten Arend Jan Heerma van Voss. Christien Brinkgreve ist Professorin für Soziologie und Autorin, ihr Mann war Journalist, beide lebten in Amsterdam und die Autorin zeichnet ein sehr persönliches und komplexes Bild ihrer komplizierten Ehe.
Die Erzählung beginnt im März 2022 mit dem Begräbnis ihres Ehemanns, den sie in ihrem Buch „A“ nennt. Er verstirbt an Krebs und es hat mich sehr berührt, wie sehr er sich gegen dieses Gehenmüssen gesträubt hat. Die folgenden 42 Kapitel wechseln zwischen Erinnerungen und Gegenwart und unterstreichen damit das Aufräumen, die Ruhelosigkeit, das Verarbeiten der Trauer. Ich empfand das Buch als sehr anspruchsvoll, schonungslos ehrlich und klug. Christien Brikgreve beschreibt die Verwahrlosung des Hauses, in dem sich umfangreiche Sammlungen und Listen ihres Mannes befinden und das als gutes Symbol zum Zustand ihrer Ehe steht.
Mich faszinierte die Karriere von Brinkgreve, die innerhalb weniger Jahre promovierte, 2 Kinder bekommt und als Professorin für Frauenforschung arbeitet. Ihren Mann hat das offensichtlich nachhaltig verschreckt, Unterstützung im Haushalt hat sie von ihm nicht bekommen, er besteht auf die alten Rollenklischees. Brinkgreve musste an allen Fronten stark sein, damit steht sie stellvertretend für eine ganze Generation, die sich zwar beruflich ausleben durften, gleichzeitig aber im familiären Umfeld schön bescheiden im Hintergrund bleiben sollten. Brinkgreve schreibt, dass sie nicht gegen ihren Mann ankam und es braucht einen schmerzhaften Trauerprozess, um sich mit der komplizierten Persönlichkeit ihres Mannes und seiner Wahrnehmung ihrer Berufstätigkeit und ihrer Unabhängigkeit als Bedrohung zu versöhnen. Ich habe beim Lesen auch Parallelen zu meiner eigenen Ehe, zu meiner Rolle innerhalb der Familie, zu meinem eigenen Verhalten und Funktionieren gefunden und wurde dazu angeregt, darüber nachzudenken.
Auf das Buch muss man sich einlassen, das hier ist kein Roman, den man schnell mal zwischendurch liest. Aber wenn man sich die Zeit nimmt, trifft der Inhalt der Geschichte kraftvoll und mit voller Wucht jeden einzelnen Nerv. Mir ging das Buch richtig unter die Haut, auch wegen der Parallelen zu meinem eigenen Leben.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Wieviel Zeit bleibt uns noch

Wir Freitagsmänner
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„Wir Freitagsmänner“ von Hand-Gerd Raeth hat mir außerordentlich gut gefallen. Die Geschichte ist sehr unterhaltsam, witzig und klug. Mir war gar nicht bewusst, dass auch Männer mit den Wechseljahren zu ...

„Wir Freitagsmänner“ von Hand-Gerd Raeth hat mir außerordentlich gut gefallen. Die Geschichte ist sehr unterhaltsam, witzig und klug. Mir war gar nicht bewusst, dass auch Männer mit den Wechseljahren zu kämpfen haben, aber da wurde ich eines Besseren belehrt. Aber auch ich, als Frau im mittleren Alter, konnte Henris Problemchen und Handlungen sehr gut nachvollziehen.
Es geht um den 55jährigen Henri, der seine Ehe in den Sand gesetzt hat und es demzufolge nur gerecht findet, dass seine Frau ihn hat bluten lassen. So gehören Haus und Vermögen nun ihr, während er allein in einer kleinen Mietwohnung lebt. Seine letzte Datingerfahrung war eher lau und nun attestiert ihm sein Hausarzt auch noch, in den Wechseljahren zu sein. Was ein bisschen klingt wie bei Ellen Berg, ist keinesfalls kitschig, realitätsfern und überzogen, es gibt keine nervigen Charaktere, sondern ganz im Gegenteil, ich konnte alle Handelnden gut verstehen, egal ob es sich um die Exfrau handelt, seine Arbeitskollegen oder um Freund Felix. Gerade die Männerfreundschaft hat so etwas Herzliches, Rührendes! Hat mir unheimlich gut gefallen! Henri ist auf der Suche nach Liebe und Sinn. Die Metapher, dass das Leben eine Woche ist, man am Montag geboren wird und am Sonntagabend stirbt, hat mir sehr gut gefallen und auch mich zum Nachdenken angeregt. Henri ist der Freitagsmann und ich als Leserin frage mich automatisch, wo ich stehe, wieviel Zeit mir noch bleibt und mit welchen Inhalten ich diese Zeit füllen will.
Henri war für mich ein großartiger Charakter: ehrlich, nahbar, menschlich, mit Ecken und Kanten und sehr sympathisch! Ich musste oft herzlich lachen und doch zeigt uns Raeth viele ernste Wahrheiten auf. Genau diese Mischung macht das Buch so toll! Ich werde es jetzt an meinen Mann weitergeben und freue mich schon darauf, wenn er demnächst beim Lesen laut auflacht. Wunderbar fände ich auch eine Verfilmung!

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Familien

Alle glücklich
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„Alle glücklich“ von Kira Mohn hatte mich ab der 1. Seite! Was für eine authentische, berührende Geschichte!
Es geht um eine Familie, deren 4 Mitglieder alle mit eigenen Problemen zu kämpfen haben. Die ...

„Alle glücklich“ von Kira Mohn hatte mich ab der 1. Seite! Was für eine authentische, berührende Geschichte!
Es geht um eine Familie, deren 4 Mitglieder alle mit eigenen Problemen zu kämpfen haben. Die Geschichte wird jeweils abwechselnd aus Sicht eines Protagonisten erzählt, für mich war das Buch dadurch sehr echt und unglaublich nahbar.
Alexander, der Vater, ist ein bekannter Arzt, der die meiste Zeit in der Klinik verbringt und es völlig normal findet, dass Nina, seine Frau, die komplette Care-Arbeit und den Haushalt erledigt. Er ist der Hauptverdiener der Familie, erwartet dafür die Dankbarkeit seiner Frau und Kinder, hat aber zu allen dreien den Bezug verloren. So merkt er auch erst spät, dass Nina ihre Rolle in der Familie zu hinterfragen beginnt, er weiß nichts von ihrem Zweitjob, den sie nur angenommen hat, um Geld für sich ganz allein zu verdienen. Nina wird durch eine neue Freundin dazu animiert, ihr Leben zu hinterfragen. Emilia, die Tochter der Familie, ist schwer verliebt in einen älteren Jungen aus ihrer Schule, von dem sie im Laufe der Geschichte bitter enttäuscht wird und Ben treibt orientierungslos durch ein Studium, das ihn nicht mehr richtig interessiert und ist ansonsten unglücklich, weil sein soziales Leben ausschließlich vorm Computerbildschirm stattfindet.
Selten kommt es vor, dass mir tatsächlich alle Protagonisten sympathisch bzw. deren Handlungen nachvollziehbar sind, hier ist es so. Jedes Familienmitglied kämpft mit Problemen und mir hat es gezeigt, dass man noch so viel über den anderen zu wissen glaubt, am Ende ist es nicht so und man ist mit seinen Problemen allein. Ich habe selbst 2 Jugendliche in ähnlichem Alter, wahrscheinlich gingen mir die Geschichten, Gedanken und Gefühle von Emilia und Ben deshalb so nah.
Aber auch die Themen des Buches – langjährige Beziehungen, erste Liebe, Selbstfindung, Kommunikation bzw. deren Fehlen interessierten mich sehr. Und der Schreibstil ist wirklich hervorragend zur Geschichte – lebendig und fesselnd, Kira Mohn kann wirklich gut schreiben! Schicht für Schicht zieht sie den Vorhang zur Seite und man beobachtet die Familie dabei, wie sie sich ins Unglück katapultiert. Man liest und liest und mag gar nicht aufhören weil man eigentlich schon von Anfang an, als alles noch ganz ok war, ahnt, dass es zu einer Katastrophe kommen wird. Und als es soweit ist, hat mich das ungemein berührt und mir auch wieder gezeigt, wie wichtig es ist, dass man offen und aufmerksam bleibt. Auch oder gerade den jungen Erwachsenen gegenüber, die nicht mehr alles erzählen, die oft so cool wirken und doch Probleme haben.
Das Buch endet mit einer Träne. Und die lief auch mir übers Gesicht.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

eine aufwühlende Geschichte

Wasser
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Ich habe das Buch begonnen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Die bestürzende Geschichte ist ein feinfühliges Auseinandersetzen mit (Mit)Schuld, Verdrängung, elterlicher Verantwortung und Vergebung, ...

Ich habe das Buch begonnen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Die bestürzende Geschichte ist ein feinfühliges Auseinandersetzen mit (Mit)Schuld, Verdrängung, elterlicher Verantwortung und Vergebung, die mir richtig unter die Haut gegangen ist. Hier ist kein Satz zu viel, die Geschichte ist dicht, jedes Wort sitzt und gerade deshalb hat mich Vanessa Willow Carvins Geschichte so mitgenommen. Die Frau zieht sich nach einem Schicksalsschlag auf eine kleine karge Insel zurück, bereits im 1. Satz berichtet sie davon, dass sie sich ihre Haare abschneidet und ihren Namen ändert. Nach und nach erfährt man mehr von ihrem Leben, von ihrer Ehe mit einem einflussreichen Mann, der nun wegen Missbrauch von Minderjährigen im Gefängnis sitzt.

John Boyne bietet mit diesem relativ schmalen Buch wirklich gute Unterhaltung.

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