Ein blauer Aquamarin
Heimliche ZeilenChristopher Flinders ist noch jung und steht vor einer Entscheidung, die alles bestimmen könnte: einen sicheren, respektablen Beruf ergreifen oder den riskanten Weg des Schriftstellers wählen. Als er dem ...
Christopher Flinders ist noch jung und steht vor einer Entscheidung, die alles bestimmen könnte: einen sicheren, respektablen Beruf ergreifen oder den riskanten Weg des Schriftstellers wählen. Als er dem berühmten Lektor Owen Goddard begegnet, scheint sich eine Tür zu öffnen. Owen glaubt an Christophers Exposé, ermutigt ihn, die Geschichte zu Ende zu schreiben, und verspricht, sich für eine Veröffentlichung einzusetzen. Mehr noch: Er nimmt Christopher unter seine Fittiche, führt ihn in sein privates Umfeld ein, stellt ihn seiner Frau Clare und seinem Freundeskreis vor. Christopher geht bald bei den Goddards ein und aus – bis ein Ereignis alles verändert und das fragile Gleichgewicht zerbricht.
Aus dem Englischen wurde das Buch von Wibke Kuhn übersetzt.
Clare Chambers gelingt es von der ersten Seite an, eine Atmosphäre entstehen zu lassen, in der man sich augenblicklich wohlfühlt. Sofort ist man mitten im Geschehen und hat den Eindruck, den Ort und seine Menschen schon seit längerer Zeit zu kennen.
Besonders eindrucksvoll ist die Genauigkeit, mit der die Autorin ihre Figuren erschafft. Die Charaktere wirken durchweg authentisch, fast greifbar. Kleidung, Gesten und Eigenarten fügen sich zu klaren Bildern vor dem inneren Auge. Manche Figuren schließt man schnell ins Herz, anderen begegnet man mit einer gewissen Zurückhaltung. Diese Nähe und gleichzeitige Distanz entsteht ganz nebenbei, ohne jemals gezwungen zu wirken.
Auch der Aufbau der Geschichte ist klug gewählt. Wenn Christopher in einem Brief einen Blick zurück in die Vergangenheit gewährt, verschieben sich Perspektiven, Zusammenhänge werden sichtbar, und das, was zuvor nur undeutlich zu erahnen war, bekommt Konturen. Clare Chambers versteht es, Emotionen zu lenken, ohne sie mit Erklärungen zu überfrachten. Man fiebert mit, leidet mit, liebt mit, manchmal leise, aber immer intensiv.
Der Schreibstil der Autorin ist insgesamt sehr einnehmend und ruhig spannungsvoll. Man fühlt sich wohl beim Lesen und bleibt dennoch aufmerksam, getragen von der Frage, wie es weitergehen wird. Unerwartete Wendungen halten die Spannung hoch, auch wenn sich die Handlung gegen Ende des zweiten Teils kurzzeitig etwas dehnt. Doch die Geschichte findet rasch wieder zu ihrem Rhythmus zurück und mündet in ein stimmiges, gelungenes Ende.
Fazit:
Clare Chambers schenkt uns Zeit mit interessanten, authentischen Charakteren, die man nur sehr ungern am Ende der letzten Seite zurücklässt.