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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.03.2026

Ein Italien-Krimi, der nicht so wirklich zündet

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Fabio Nola schickt Commissario Gaetano in "Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl" erneut auf Spurensuche.
Als Beppa Bellucci, die junge Kollegin des Commissario, an Karfreitag im Hafen statt des ...

Fabio Nola schickt Commissario Gaetano in "Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl" erneut auf Spurensuche.
Als Beppa Bellucci, die junge Kollegin des Commissario, an Karfreitag im Hafen statt des erwarteten Fangs eine Leiche entdeckt, beginnt ein Fall, der sich rasch als komplexer und trügerischer entpuppt, als zunächst gedacht.Mit der Osterruhe ist es für den Commissario schlagartig vorbei. Zwischen falschen Zeugenaussagen, rätselhaften Spuren, Algen und einem immer dichter werdenden Netz aus möglichen Motiven versucht Gaetano, Licht ins Algendickicht zu bringen.

Der Kriminalfall selbst ist von der Idee her clever konstruiert und besitzt durchaus Spannungspotenzial. Nola zeigt Gespür für das Genre, doch der erzählerische Rhythmus kann dieses Potenzial nicht durchgehend tragen. Vor allem im Mittelteil verliert der Roman deutlich an Tempo – die Handlung plätschert dahin, ohne dass die Spannung spürbar wächst. Erst gegen Ende zieht das Erzähltempo wieder leicht an, doch der Effekt bleibt begrenzt.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Autor zu viele Handlungsstränge öffnet. Nach dem ersten Mord werden später weitere Todesfälle eingeführt – unter anderem mehrere Pizzabäcker – was zwar für Abwechslung sorgt, aber letztlich die Glaubwürdigkeit der Geschichte untergräbt. Die Vielzahl an Motiven und Nebenschauplätzen wirkt eher verwirrend als vertiefend.

Auch atmosphärisch kann der Roman nicht ganz überzeugen. Trotz italienischer Schauplätze und des kulinarischen Settings will das typische "Bella Italia"-Gefühl nicht recht aufkommen. Zu stereotype Figurenzeichnungen, vor allem in Bezug auf Frauen, und ein gemächlicher Erzählton nehmen der Geschichte die Lebendigkeit, die man sich von einem Italien-Krimi wünscht.

Insgesamt ist der zweite Band der Reihe solide, aber unausgewogen: interessant in der Idee, jedoch zu zäh im Mittelteil und zu hektisch im Finale. Wer ruhige Ermittlungen mag, wird hier fündig – für Fans spannungsgeladener Neapel-Krimis bleibt hingegen ein fader Nachgeschmack.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Gefährliche Machtspiele, die nicht die erhoffte Wirkung entfalten

Ultramarin
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Ann-Christin Kumms psychologischer Spannungsroman Ultramarin beginnt mit vielversprechender Intensität: Das Setting an der dänischen Küste und das fein beobachtete Innenleben der Protagonistin Lou deuten ...

Ann-Christin Kumms psychologischer Spannungsroman Ultramarin beginnt mit vielversprechender Intensität: Das Setting an der dänischen Küste und das fein beobachtete Innenleben der Protagonistin Lou deuten auf ein fesselndes Spiel zwischen Macht, Abhängigkeit und verborgenen Emotionen hin.
Kumm versteht es, gleich zu Beginn eine dichte, fast beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die neugierig macht auf die sich entfaltende Dynamik zwischen Lou und Raf.

Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit eröffnet Einblicke in Lous Beziehungsgeschichte – vom anfänglichen Kennenlernen bis zu den ersten alarmierenden Anzeichen von Rafs Kontrolle und Aggression. Diese Rückblenden geben der Handlung psychologische Tiefe, verlieren jedoch im weiteren Verlauf etwas an Klarheit und Stringenz. Gerade dadurch, dass vieles nur angedeutet wird, bleibt zwar Raum für Interpretation, gleichzeitig entsteht aber stellenweise Verwirrung, da zentrale Fragen unbeantwortet bleiben.

Mit der Figur Nora kommt ein weiterer spannender Aspekt ins Spiel: Sie verschiebt die Machtverhältnisse zwischen Lou und Raf und sorgt für neues Spannungspotenzial.
Doch mit der Zeit zerfällt die anfänglich geschickte Balance zwischen psychologischer Spannung und atmosphärischer Dichte zunehmend, sodass das Ende nicht die Schärfe und emotionale Wirkung entfaltet, die der Roman zu Beginn verspricht.

Kumm zeigt in "Ultramarin" ihr erzählerisches Potenzial und Gespür für komplexe Beziehungsdynamiken, doch am Ende bleibt der Eindruck eines Romans, der viele starke Ansätze bietet, diese aber nicht konsequent zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenführt.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Detailreicher historischer Roman über den 30-jährigen Krieg

TINTE und SCHWERT
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Mit "Tinte und Schwert – Verwandlung" legt Matthias Söder den ersten Band eines historischen Romans vor, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass der ...

Mit "Tinte und Schwert – Verwandlung" legt Matthias Söder den ersten Band eines historischen Romans vor, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass der Autor über fundiertes Wissen zu dieser Epoche verfügt: Das Leben der Soldaten, die Härten des Kriegsalltags und die Kampfhandlungen werden mit beeindruckender Authentizität geschildert.

Diese Detailfülle ist zugleich Stärke und Schwäche des Romans. Während sie die Welt glaubwürdig und greifbar macht, gerät das Erzähltempo stellenweise ins Stocken. An manchen Passagen verliert sich Söder zu sehr in minutiösen Beschreibungen, während an anderer Stelle Wendungen und Entwicklungen überraschend rasch eintreten. Auch die Zeitsprünge innerhalb der Handlung tragen dazu bei, dass die Chronologie gelegentlich schwer nachvollziehbar wird.

Besonders Jakobs Entwicklung vom gläubigen Priesteranwärter zum rachsüchtigen jungen Mann kommt etwas zu abrupt. Dadurch leidet die emotionale Tiefe dieser zentralen Figur, was schade ist, da das Potenzial für eine komplexe Charakterzeichnung deutlich erkennbar ist.

Trotz dieser Schwächen gelingt es Söder, eine fesselnde und atmosphärisch dichte Geschichte zu erzählen. Die wechselnden Erzählperspektiven und vielfältigen Handlungsstränge verleihen dem Roman eine lebendige Dynamik, die ihn von vielen anderen historischen Kriegsromanen abhebt. Wer sich für Intrigen, Machtspiele und die moralischen Grauzonen des Krieges interessiert – und keine Scheu vor gelegentlich drastischen Szenen hat – wird hier spannende Lektüre finden. Besonders die offene Frage, wie es mit Jakob und Anna weitergeht, macht neugierig auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Nicht so stark wie die restlichen Bände

Schattenmädchen
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Mit "Schattenmädchen" legt Frida Skybäck den dritten Band ihrer schwedischen Krimireihe rund um das Ermittlerduo Frederika Storm und Henry Calment vor. Doch im Vergleich zu den beiden Vorgängern bleibt ...

Mit "Schattenmädchen" legt Frida Skybäck den dritten Band ihrer schwedischen Krimireihe rund um das Ermittlerduo Frederika Storm und Henry Calment vor. Doch im Vergleich zu den beiden Vorgängern bleibt die Geschichte dieses Mal etwas hinter den Erwartungen zurück.

Zwar überzeugt Skybäck erneut mit ihrem angenehm flüssigen Schreibstil. Die kurzen Kapitel und die wechselnden Erzählperspektiven sorgen für ein kurzweiliges Leseerlebnis, und das Verschwinden der Studentin Isabelle Karlsson an der Elite-Universität Lund verspricht zunächst eine fesselnde Ausgangssituation. Die Verbindungen zu einem Technologieunternehmen und zu einem alten Mordfall an einer Studentin verleihen dem Roman zudem einen spannenden und aktuellen Bezug.

Allerdings verliert die Handlung im Mittelteil deutlich an Tempo. Die anfänglich vielversprechende Spannung weicht Passagen, in denen nicht wirklich viel Neues passiert, die den Erzählfluss unnötig bremsen. Besonders gegen Ende verschiebt sich der Fokus zunehmend vom Kriminalfall hin zum Privatleben der Ermittler – ein Ansatz, der zwar Charaktertiefe bringen könnte, hier jedoch eher den Spannungsbogen stört.
Das Finale fällt schwach aus und kannauch vergleichsweise schwach aus und kann den zuvor entstandenen Spannungsabfall wettmachen.

"Schattenmädchen" liest sich somit eher wie ein Übergangsband, der die Reihe fortsetzt, ohne wirklich neue Akzente zu setzen.
Für eingefleischte Fans von Frederika und Henry bleibt das Buch sicherlich lesenswert, doch im direkten Vergleich zu den Vorgängern fehlt es an der Dynamik und Intensität, die die Reihe bislang ausgezeichnet haben.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Leichtgängig erzählt, aber das verbindende Glied fehlt

Unser Haus mit Rutsche
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Safia al Bagdadi erzählt in „Unser Haus mit Rutsche“ vom Familienleben der Ich-Erzählerin Layla – mit einem Ton, der zunächst leicht und spielerisch wirkt. Die kurzen Kapitel, versehen mit kleinen, oft ...

Safia al Bagdadi erzählt in „Unser Haus mit Rutsche“ vom Familienleben der Ich-Erzählerin Layla – mit einem Ton, der zunächst leicht und spielerisch wirkt. Die kurzen Kapitel, versehen mit kleinen, oft ironischen Titeln, tragen dazu bei, dass man angenehm durch die Episoden gleitet. Der Roman wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was grundsätzlich für Dynamik sorgt, aber leider nicht immer zu einem klaren Gesamtbild führt.

Ich hatte beim Lesen das Gefühl, nicht wirklich nah an die Figuren heranzukommen. Laylas Familie blieb mir fremd, ihre Gedanken und Gefühle schienen nur angedeutet statt entfaltet. Besonders die Rückblenden wirkten wie lose Puzzleteile, die sich nicht zu einem übergeordneten Bild zusammenfügen wollten. Damit fehlte mir letztlich der rote Faden, der die vielen kleinen Beobachtungen zu einer emotionalen Erzählung verbindet.

Spannend fand ich jedoch die Passagen, in denen der Golfkrieg zur Sprache kommt – insbesondere die unterschiedlichen Haltungen innerhalb der Familie und Laylas Enttäuschung über die unerfüllten Träume ihres Vaters. Diese Momente gaben dem Buch Tiefe und gesellschaftliche Relevanz.
Schade nur, dass der Roman am Ende so abrupt abbricht, dass man etwas unzufrieden zurückbleibt.

Insgesamt ist „Unser Haus mit Rutsche“ leicht zu lesen, atmosphärisch interessant und stellenweise klug beobachtet – doch mir fehlte das verbindende Element, das alles zu einer wirklich berührenden Geschichte gemacht hätte.

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