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Veröffentlicht am 02.01.2025

Vielversprechender Auftakt, doch am Ende fehlt die Tiefe

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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"Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben" von Anika Decker beginnt mit einer Leichtigkeit, die den Leser sofort in die Geschichte hineinzieht. Humorvoll, charmant und mit einem modernen ...

"Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben" von Anika Decker beginnt mit einer Leichtigkeit, die den Leser sofort in die Geschichte hineinzieht. Humorvoll, charmant und mit einem modernen Schreibstil versehen, verspricht der Auftakt ein kurzweiliges und unterhaltsames Leseerlebnis. Leider kann das Buch diesen anfänglichen Charme nicht über die gesamte Länge aufrechterhalten.

Besonders gelungen fand ich zu Beginn die Perspektivwechsel, die die Handlung zunächst frisch und spannend erscheinen ließen. Vor allem Lenas Sicht hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Doch je mehr Protagonistenperspektiven und Themenfelder eingeführt wurden, desto mehr verlor sich der Fokus der Erzählung und die emotionale Bindung zur Hauptfigur. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen - sei es durch eine stärkere Konzentration auf die Schwestern oder auf das Liebespaar.

Als enttäuschend fand ich, dass die sich entwickelnden Konflikte, insbesondere die Zerrissenheit der Protagonistin zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und den eigenen Gefühlen zwar angedeutet, aber nie wirklich greifbar gemacht wurden. Hierbei fehlten die leisen Zwischentöne, die inneren Monologe, die uns tiefer in Ninas Gedanken- und Gefühlswelt hätten eintauchen lassen.

Ein weiterer Schwachpunkt lag in der oberflächlichen Art, mit der zentrale Themen behandelt wurden. Insgesamt blieben viele Themen nur am Rande gestreift, vor allem die angesprochene Doppelmoral in Beziehungen hätte noch stärker in den Vordergrund gerückt werden können. Es ist nach wie vor ein gesellschaftliches Faktum, dass Frauen mit jüngeren Männern kritischer gesehen werden, während es für Männer gesellschaftlich akzeptiert zu sein scheint, sich jüngere Partnerinnen zu suchen. Diese Dynamik wird zwar angerissen, aber im Zusammenhang mit Ninas Familie und Kindern, vor allem im Kontext der neuen Partnerin des Ex-Mannes, nie vertieft.

Positiv hervorzuheben ist der Ansatz, Tabus wie die Menopause zu beleuchten. Leider wird aber auch dieses Thema nur oberflächlich gestreift, anstatt hier mutig in die Tiefe zu gehen. Schade, denn gerade hier hätte das Buch mit mehr Substanz und der veränderten Sexualität von Frauen punkten können.

Leider wirkt das Finale der Geschichte hastig komprimiert und zu einem klischeehaften Ende gebracht. Die Vielzahl an Konflikten und Themen, die vorher lange aufgebaut wurden, werden auf wenigen Seiten schnell und meiner Meinung nach nicht überzeugend abgehandelt.

Trotzdem möchte ich anerkennen, dass die Autorin sich an Themen wagt, die selten behandelt werden. Allein der Ansatz, Tabus wie die Menopause oder die gesellschaftliche Doppelmoral zu thematisieren, ist mutig und verdient Respekt. Auch die leichten, humorvollen Momente im Buch haben ihren Charme und sorgen dafür, dass die Geschichte insgesamt angenehm zu lesen bleibt.

Alles in allem ist „Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben“ ein Roman mit viel Potenzial, das jedoch nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Es bleibt eine nette Lektüre für zwischendurch, die unterhaltsam ist, aber keine bleibenden Eindrücke hinterlässt.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Ein faszinierender Tauchgang in die Tiefsee – mit kleinen Wellen der Kritik

Leuchten am Meeresgrund
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Das Buch "Leuchten am Meeresgrund" von Brad Fox besticht sofort durch sein kunstvoll gestaltetes Cover, auf dem Zeichnungen von Else Bostelmann zu sehen sind. Diese Illustrationen passen nicht nur hervorragend ...

Das Buch "Leuchten am Meeresgrund" von Brad Fox besticht sofort durch sein kunstvoll gestaltetes Cover, auf dem Zeichnungen von Else Bostelmann zu sehen sind. Diese Illustrationen passen nicht nur hervorragend zum Thema, sondern schaffen auch eine visuelle Verbindung zur faszinierenden Welt der Tiefsee, die im Buch beleuchtet wird.

Besonders positiv hervorzuheben ist die anschauliche und verständliche Darstellung der komplexen wissenschaftlichen Hintergründe. Der Schreibstil von Brad Fox ist zugänglich, sodass auch Leserinnen ohne Vorwissen in die Thematik eintauchen können. Was Beebe und Barton auf ihrer waghalsigen Expedition in der Bathysphäre erleben und welche Entdeckungen sie machen, wird spannend und fesselnd geschildert. Leider schweift die Erzählung stellenweise ab. Einige Passagen scheinen sich vom eigentlichen Thema, den Tiefseeexpeditionen, zu entfernen, was dem Buch die nötige Stringenz nimmt.

Ein weiterer Aspekt, der mich nachdenklich stimmte, war die eher knappe Darstellung von Gloria Hollister. Gerade in ihrer Rolle als Wissenschaftlerin in einer von Männern dominierten Zeit hätte sie meiner Meinung nach mehr Raum in der Erzählung verdient, um weitere Perspektiven zu eröffnen.

Ein echtes Highlight des Buches sind die Illustrationen. Es ist kaum zu glauben, dass diese nur anhand der Beschreibungen der Forscher
innen entstanden sind, ohne dass die Künstler*innen die Meereslebewesen je mit eigenen Augen gesehen haben. Allerdings hätte ich es besser gefunden, wenn die Illustrationen direkt bei den Textstellen eingefügt worden wären, die die jeweiligen Tiere beschreiben. So hätte sich ein noch stärkerer Zusammenhang zwischen Text und Bild ergeben.

Trotz dieser Kritikpunkte ist das Buch ein fesselndes Werk, das spannende Einblicke in die Tiefseeforschung und die Herausforderungen dieser Expeditionen bietet. Wer sich für die geheimnisvolle Welt der Tiefsee interessiert, wird hier bestens unterhalten und inspiriert.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Hund, Herz und Hektik

Das letzte Kind hat Fell
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Angelika und Hans wollen ihren Ruhestand in Portugal genießen – Sonne, Meer und endlich Zeit füreinander. Doch dann läuft ihnen die quirlige Mischlingshündin Fellina zu und bringt ihr beschauliches Leben ...

Angelika und Hans wollen ihren Ruhestand in Portugal genießen – Sonne, Meer und endlich Zeit füreinander. Doch dann läuft ihnen die quirlige Mischlingshündin Fellina zu und bringt ihr beschauliches Leben gehörig durcheinander. Als Tochter Sandra mit Enkel Finn zu Besuch kommt, wird aus dem geplanten Ruhestand ein turbulentes Familienabenteuer voller neuer Gefühle, alter Konflikte und überraschender Entscheidungen.

Normalerweise versprechen Romane von Tessa Hennig eine lebendige Urlaubskulisse, die Fernweh weckt und zum Mitträumen einlädt. Auch dieses Mal hatte ich mich auf portugiesische Sonne, Meer und Leichtigkeit gefreut. Doch das besondere Lebensgefühl blieb für mich überraschend oberflächlich. Anstatt Atmosphäre zu schaffen, wurden viele Eindrücke nur erwähnt, ohne dass sie wirklich erlebbar gemacht wurden. Dadurch konnte das Setting nicht die Tiefe entfalten, die ich mir erhofft hatte.

Ein weiterer Kritikpunkt, den ich leider auch schon bei anderen Büchern der Autorin bemängelt habe, ist das Zeitgefühl der Geschichte. Innerhalb einer einzigen Urlaubswoche verlieben sich mehrere Figuren, überdenken ihr gesamtes Leben und treffen weitreichende Entscheidungen. Dadurch wirken diese Entwicklungen sehr überhastet und wenig authentisch. Gefühle, Zweifel und echte Veränderungen brauchen Zeit, um glaubwürdig zu entstehen. Hier hatte ich erneut das Empfinden, dass vieles konstruiert wirkt, statt sich organisch aus den Situationen herauszuentwickeln.

Auch der Handlungsverlauf erschien mir insgesamt überdreht. Es passiert sehr viel mit sehr vielen Personen, wodurch kaum Zeit bleibt, einzelne Entwicklungen wirklich auszuleuchten. Vieles wird nur angerissen, bevor das nächste Ereignis folgt. Dadurch konnte ich mich nicht emotional in die Geschichte hineinversetzen, sondern empfand sie als ein Zuviel an Handlung.

Besonders schade fand ich die Darstellung der Hündin Fellina. Ich hatte mich sehr auf eine charmante Hundegeschichte gefreut. Zwar sind Hunde klug und sensibel, doch die starke Vermenschlichung ihres Verhaltens wirkte auf mich teilweise befremdlich und wenig glaubwürdig.

Was mir hingegen gefallen hat, ist die Entwicklung zwischen Angelika und Hans. Nach all den Turbulenzen finden sie wieder näher zueinander – dieser Aspekt wirkt versöhnlich und gibt der Geschichte einen warmen Abschluss.

Fazit:
"Das letzte Kind hat Fell" bietet eine unterhaltsame Grundidee mit Familienchaos, Hund und Auswanderer-Setting. Für mich blieb die Umsetzung jedoch zu konstruiert, zu überladen und emotional oberflächlich.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Chaos anstatt Sommerflair – Wenn gute Ideen an der Umsetzung scheitern

Merci Agneta
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Merci Agneta – Sommer auf Französisch klang für mich nach einer leichten, gefühlvollen Sommerlektüre mit französischem Flair. Leider konnte der Roman meine Erwartungen nicht erfüllen.

Das zentrale Problem ...

Merci Agneta – Sommer auf Französisch klang für mich nach einer leichten, gefühlvollen Sommerlektüre mit französischem Flair. Leider konnte der Roman meine Erwartungen nicht erfüllen.

Das zentrale Problem liegt in der starken Fokussierung auf die innere Gedankenwelt der Hauptfigur Agneta. Ihre Selbstgespräche und wirren Gedankenschleifen nehmen so viel Raum ein, dass die eigentliche Handlung kaum noch stattfindet. Die Geschichte, die man als roten Faden bezeichnen könnte, kommt nur schleppend voran.

Man könnte annehmen, dass die ausführlichen inneren Monologe zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Figur führen. Doch das war leider nicht der Fall. Denn obwohl Agnetas Identitätskrise deutlich im Mittelpunkt steht, sind eine erkennbare Entwicklung oder ein innerer Wandel der Protagonistin kaum spürbar. Anstatt eines echten Erkenntnismoments verliert sich die Erzählung in Wiederholungen. Ich hoffte immer wieder auf eine Wendung, auf einen Fortschritt, doch vergeblich, der blieb aus.

Mit der Zeit wurde das Lesen zunehmend anstrengend. Die vielen Seiten voll verwirrter Gedanken wirkten ermüdend. Oft verleiteten sie mich dazu, Abschnitte zu überfliegen, um zur eigentlichen Handlung zurückzufinden. Die Erzählung zog sich hin und meine anfängliche Neugier wich zunehmender Frustration.

Erschwerend kam für mich die sprachliche Gestaltung hinzu: In den Konversationen zwischen den Figuren wechselte der Text ständig zwischen Deutsch, Französisch und Englisch. Teilweise sogar innerhalb eines einzigen Satzes. Zwar ist klar, dass diese Mehrsprachigkeit Agnetas Kommunikationsprobleme spiegeln soll, doch die Umsetzung war schlicht überladen und störte den Lesefluss erheblich. Besonders problematisch empfand ich, dass viele dieser Passagen nicht ins Deutsche übertragen beziehungsweise nicht im Anschluss sinngemäß erklärt wurden. Dadurch blieben Teile des Dialogs unverständlich.
Zusätzlich irritierend waren die Szenen, in denen mithilfe von Google-Übersetzungen Gespräche eingefügt wurden. Diese teils nicht nachvollziehbaren Dialoge waren ebenfalls sehr holprig zu lesen und boten häufig keinen echten Mehrwert.

Dabei hätte die Geschichte durchaus Potenzial gehabt. Agnetas Lebensgeschichte ist in ihren Grundzügen bewegend und hätte in einem anderen Rahmen vermutlich sehr berühren können. Doch in diesem Buch verlieren sich die wichtigen Themen leider in einem sprachlichen und erzählerischen Chaos, das wenig Raum für echte Emotionen lässt.

Unterm Strich bleibt für mich ein enttäuschender Leseeindruck: Die Grundidee ist interessant, scheitert aber an der Umsetzung. Stil, Struktur und Gewichtung der Inhalte machen den Roman unnötig anstrengend. Schade, das hätte mehr sein können.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Brutal statt berührend – eine enttäuschende Leseerfahrung

Shadow
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Maddies Leben gerät aus den Fugen, als sie kurz vor der Hochzeit ihres besten Freundes Jax merkt, dass ihre Gefühle für ihn viel tiefer gehen, als sie sich je eingestehen wollte. Um sein Glück nicht zu ...

Maddies Leben gerät aus den Fugen, als sie kurz vor der Hochzeit ihres besten Freundes Jax merkt, dass ihre Gefühle für ihn viel tiefer gehen, als sie sich je eingestehen wollte. Um sein Glück nicht zu gefährden, verlässt sie ihn. Doch das Schicksal führt sie erneut zu ihm zurück.
Der Jax, den sie dort antrifft, ist kaum wiederzuerkennen: Er ist ein knallharter Geschäftsmann voller Geheimnisse und dunkler Taten. Und doch entflammt zwischen ihnen eine verbotene Romanze, die sich einerseits so gut und andererseits so verboten anfühlt.

Zunächst möchte ich erwähnen, dass das Cover wunderschön gestaltet wurde und ein echter Blickfang ist. Auch der Klappentext klang für mich echt vielversprechend. Ich war so gespannt auf Jax' Geheimnisse und die Ereignisse, die ihn verändert hatten.
Doch meine anfängliche Neugier wandelte sich schnell in Ernüchterung. Bereits auf den ersten Seiten wird vor Triggerpunkten wie Gewalt, Vergewaltigung, Mord und psychischen Problemen gewarnt. Ich hatte gehofft, dass diese Themen sensibel eingebunden werden, doch stattdessen driftete die Geschichte in eine immer brutalere und für mich geschmacklose Darstellung ab.

Besonders gestört hat mich die Art und Weise, wie Gewalt und Perversionen inszeniert wurden. Die Übergriffe werden nicht nur thematisiert, sondern auch noch auf eine Art und Weise dargestellt, die mich zutiefst erschüttert haben. An manchen Stellen wollte ich das Buch am liebsten abbrechen. Dennoch habe ich es weitergelesen, in der Hoffnung, dass sich die Geschichte noch wendet. Aber je weiter sie ging, desto unangenehmer wurde es.

Doch auch abseits der Thematik konnte Shadow mich nicht überzeugen. Die Figuren blieben trotz gelegentlicher Rückblicke in ihre Vergangenheit oberflächlich. Ich konnte zu ihnen keine emotionale Bindung aufbauen. Das ist ein großes Manko bei einer Geschichte, die so sehr auf Gefühle und Konflikte setzt. Der Schreibstil ist zwar grundsätzlich flüssig, allerdings störten häufige Rechtschreibfehler den Lesefluss. Das Ende war sowohl vorhersehbar als auch verstörend. Insgesamt war ich erleichtert, dass das Buch mit seinen ca. 170 Seiten so kurz war.

Fazit:
Als ich mir das Buch heruntergeladen habe, war mir nicht bewusst, dass es sich hierbei um einen Dark-Romance-Roman handelt. Leider wurde diese Information auch nicht in der Buchbeschreibung angegeben. Shadow ist für mich eine herbe Enttäuschung. Die Mischung aus Gewalt, perversen Darstellungen und blassen Figuren ließ bei mir weder Spannung noch Mitgefühl aufkommen.

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