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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2026

typisches Coming-of-Age-Buch

Little Hollywood
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Leo hat gerade ihr Abitur gemacht und möchte eigentlich gern nach Köln zum Studieren. Doch ihr gewalttätiger Vater sucht nach Kontakt mit ihr und da ihre Mutter depressive Schübe hat, kümmert sie sich ...

Leo hat gerade ihr Abitur gemacht und möchte eigentlich gern nach Köln zum Studieren. Doch ihr gewalttätiger Vater sucht nach Kontakt mit ihr und da ihre Mutter depressive Schübe hat, kümmert sie sich zeitweise um ihren kleinen Bruder.

Ihr Hobby sind Filme, die sie in der örtlichen Videothek ausleiht. Dort arbeitet Jo, mit dem sich eine vorsichtige Romanze anbahnt.

Wir begleiten Leo über die Sommerwochen, in denen sie langsam ihren Weg findet. Die Atmosphäre kommt ganz gut rüber. Es gibt Partys und Schwimmausflüge und einen geheimnisvollen love interest. Alles was man eben so in einem sommerlichen Coming-of-Age-Buch erwartet.

Ich bin auch in den 90ern groß geworden und kannte die Referenzen, die gemacht werden, aber komplett gefühlt habe ich es nicht. Die Figuren waren mir nicht interessant genug, gerade über die Nebenfiguren hätte ich gern mehr erfahren und mehr authentische Szenen gehabt.

Ich habe mich sehr an „22 Bahnen“ erinnert gefühlt und fand es nicht ganz so gut, gerade auf der emotionalen Ebene. Fairerweise muss man dazusagen, dass einfach in beiden Büchern dysfunktionale Familien und typische Coming of Age-Themen behandelt werden. Abgeschrieben also sicherlich nicht.

Insgesamt nett, man kann als sich jüngere Person selbst wiederfinden und als ältere Person in Nostalgie schwelgen. Ein schönes Sommerbuch.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Familiengeheimnisse

Real Americans
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Die Autorin erzählt die Geschichte von drei Generationen einer Familie aus drei verschiedenen Perspektiven.
Zunächst lernen wir Lily kennen. Sie wurde in den USA geboren, spricht kaum Chinesisch, hat aber ...

Die Autorin erzählt die Geschichte von drei Generationen einer Familie aus drei verschiedenen Perspektiven.
Zunächst lernen wir Lily kennen. Sie wurde in den USA geboren, spricht kaum Chinesisch, hat aber aufgrund ihrer chinesischen Eltern asiatische Gesichtszüge. Somit fühlt sie sich immer wie eine Außenseiterin. Als sie den Spross eines Familienunternehmens kennen und lieben lernt, zeigen sich schnell Probleme.
Danach lernen wir Lilys Sohn Nick kennen. Als Jugendlicher macht er sich auf die Suche nach seinem Vater, den er nie kennengelernt hat. Nick sieht ihm so ähnlich, dass er als „echter Amerikaner“ und nicht als Person mit chinesischer Herkunft durchgeht.
Schließlich lüftet die Großmutter Mei das Familiengeheimnis und erzählt, warum sie China zur Zeit der Kulturrevolution verlassen hat.

Bei der Bewertung des Buches bin ich zwiegespalten. Einerseits mochte ich die durchaus wichtigen Themen und auch, dass man das Familiengeheimnis erst nach und nach erfährt. Es wird deutlich, wie schädlich jahrzehntelanges Schweigen für die Beziehungen in einer Familie ist.
In der Umsetzung wirkt es jedoch unfertig. Die Handlung bricht oft unvermittelt ab und es folgt ein Zeitsprung oder Perspektivwechsel, der einen aus dem Zusammenhang reißt. Wichtige Entwicklungen werden nicht zu Ende erzählt, sondern finden außerhalb des Erzählrahmens statt.
Das fand ich sehr schade, denn dadurch entsteht eine emotionale Distanz. Die Handlungen und Charaktereigenschaften der Nebenfiguren blieben blass und schwer verständlich, und selbst die Hauptpersonen wurden mir nicht so recht sympathisch.
Insgesamt ist das Buch durchaus interessant und lesenswert, aber weniger berührend, als es hätte sein können.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Experimentell

Die Enthusiasten
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Der Literaturwissenschaftler Vincent erhält die mysteriöse Nachricht, dass ein bisher verschollenes Buch seines Lieblingsautors Laurence Stern aufgetaucht sei. Während er versucht Geld aufzutreiben, um ...

Der Literaturwissenschaftler Vincent erhält die mysteriöse Nachricht, dass ein bisher verschollenes Buch seines Lieblingsautors Laurence Stern aufgetaucht sei. Während er versucht Geld aufzutreiben, um dieses Buch dem mysteriösen Finder abzukaufen, erzählt er von seiner Kindheit in einer literatur- und sprachverrückten Familie.
Die Sprachspielereien des Erzählers werden vom Autor auf die Spitze getrieben. Er hat eine Vorliebe für Schachtelsätze, wenig gebräuchliche Wörter, Wortneuschöpfungen und sprachliche Bilder, die auf gar keinen Fall gewöhnlich sein dürfen.
Der Autor weist teilweise selbst darauf hin, dass Erzähler unzuverlässig sind und Dinge unlogisch. Er spielt bewusst mit sprachlichen Bildern und Klischees. Das muss man mögen. Ich persönlich fand das ganz nett, wenn auch teilweise etwas anstrengend und gewollt besonders zum Ende der Geschichte hin. Gerade die Handlungskonstruktion ist etwas zu sehr auf verschachtelt und intelektuell-absurd gebürstet.
Spaß bei der Lektüre hatte ich aber auf jeden Fall, gerade wenn absurde Alltagsmomente beschrieben werden oder man zwischen den überbordenden Formulierungen schöne Bilder findet.
Man sollte aber auf jeden Fall vor dem Kauf in das Buch hereinlesen, ob einem der Stil zusagt.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Die Riessberger-Frauen

Die Riesinnen
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"Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?" S. 102)

Liese ist in den 60er Jahren unglücklich in ihrer Ehe, einzig ihre Tochter Cora liebt sie über alles. ...

"Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?" S. 102)

Liese ist in den 60er Jahren unglücklich in ihrer Ehe, einzig ihre Tochter Cora liebt sie über alles. In ihrem Heimatdorf im Schwarzwald sind die beiden Außenseiterinnen, können ihrer Verwurzelung dort aber trotzdem nicht entkommen.
Wir begleiten die Familie von der Großmutter bis zur Enkeltochter. Männer sind meist abwesend oder es ergeht ihnen schlecht, die Frauen der Familie hingegen halten zusammen. in poetisch-melancholischer Sprache wird der Alltag beschrieben. Keiner der Protagonistinnen mag der Ausbruch und die Suche nach etwas Größerem irgendwo anders so recht gelingen. Und ist das überhaupt erstrebenswert?
Gerade in der Mitte zieht sich die Handlung etwas. Man kommt den Figuren nicht so recht nah und auch tragische Ereignisse werden lakonisch abgehandelt. Das hängt auch damit zusammen, dass die Protagonistinnen ihre Gefühle nicht zulassen können oder wollen. Als Leserin hat mich das jedoch außen vor gelassen und ich konnte nicht so recht mitfühlen. Es liegt eine melancholische Schwere auf dem Text, die mir die Lektüre nicht leicht gemacht hat, andererseits gibt es auch immer mal wieder poetische Sätze, die zum Nachdenken anregen.
Die Atmosphäre und die Sprache machen das Buch lesenswert, auch wenn es mir ab und an etwas zu schwermütig und distanziert war.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Hatte mir mehr Informationen über die japanische Gesellschaft erhofft, aber es ist vor allem ein persönliches Selbsterfahrungsbuch.

Wie man in Japan Go-go-Girl wird
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Anna ist immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen. Die Deutsche ist nach Japan gezogen, hat eine Ausbildung als (Show-)Ninja aufgegeben und arbeitet nun als eine Art Assistentin auf geringfügiger Basis ...

Anna ist immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen. Die Deutsche ist nach Japan gezogen, hat eine Ausbildung als (Show-)Ninja aufgegeben und arbeitet nun als eine Art Assistentin auf geringfügiger Basis in einer Schule. Aus Neugier fängt sie an in einer Go-go-Bar zu arbeiten und reflektiert ihre Erfahrungen in diesem Buch.

In Japan ist der Rotlichtbezirk (zumindest in Annas Umfeld) stark reguliert. Berührungen sind tabu und für Küsse muss das Go-go-Girl eine Strafe zahlen. Das macht es für Anna zu einem guten Arbeitsplatz, da sie sich darauf konzentrieren kann, Pole Dance zu üben und Neues auszuprobieren. Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen kann sie gelassen reagieren, wenn ihr zu wenig Geld ausgezahlt wird und hat einen Ausweg in der Hinterhand. Diese Privilegien reflektiert sie auch, ich hätte mir allerdings allgemein ein bisschen mehr Tiefe gewünscht.
Bewundernswert fand ich Annas neugierige und positive Art. Sie lässt sich auf Menschen und Erfahrungen ein, ohne sich gleich in Negativem zu verlieren. Schön ist auch, wie sie ihre Kolleg:innen und den Umgang untereinander beschreibt.
Es liest sich gut, ist aber kein literarisches Meisterwerk. Hier und da streut sie Zitate anderer Autoren ein, das wirkte für meinen Geschmack etwas gewollt.

Insgesamt hatte ich mir mehr Informationen über die japanische Gesellschaft erhofft. Das Buch ist aber eher ein persönlicher Selbsterfahrungsbericht. Wenn man mit dieser Erwartung an das Buch herangeht, ist es ein gut lesbarer, amüsanter Lese-Snack mit ein paar Denkanstößen, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen.

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