Profilbild von LaCalaveraCatrina

LaCalaveraCatrina

Lesejury Star
offline

LaCalaveraCatrina ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LaCalaveraCatrina über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Das lebensverändernde Studium der Schmetterlinge

Das Jahr der Schmetterlinge
0

In ihrem Buch «Das Jahr der Schmetterlinge» schreibt die dänische Journalistin, Autorin und Chefredakteurin Lea Korsgaard über ihren Vorsatz, in einem festgelegten Zeitraum die 64 heimischen Schmetterlingsarten ...

In ihrem Buch «Das Jahr der Schmetterlinge» schreibt die dänische Journalistin, Autorin und Chefredakteurin Lea Korsgaard über ihren Vorsatz, in einem festgelegten Zeitraum die 64 heimischen Schmetterlingsarten zu finden und etwas über ihre Lebensräume und Geschichte zu lernen. Strukturiert ist das Buch von Januar bis August und es geht nicht nur um Schmetterlinge. Es fließen auch andere Erfahrungen, Beobachtungen, Recherchen und aktuelle Bezüge ein, die sich für mich so anfühlten, als würde Lea Korsgaard weit abschweifen und sich von der mir erhofften Leichtigkeit entfernen. Das Buch ist also komplexer und anspruchsvoller als erwartet, weil Lea Korsgaard sich philosophisch und reflektiert zeigt – was mich, einmal darauf eingestellt, zunehmend angesprochen hat. „Er (mein Großvater) begriff, dass wir die Erkenntnis über die tiefsten Zusammenhänge unseres Daseins nicht in erster Linie aus Büchern, Worten und Ideen gewinnen, sondern aus allem Lebendigem.“
Es gibt eine besondere Verbindung ihrer Mutter zu Schmetterlingen. Es ist eine berührende Geschichte, die ins Frühjahr 1975 zurückgeht und einen Wendepunkt darstellte. Der Kleine Fuchs als Zeichen der Hoffnung. Das gehört zu den schönen Details des Buches, die ich besonders mochte. Außerdem fand ich die Begeisterung ansteckend, wenn Lea Korsgaard ihre Exkursionen plant und dann tatsächlich eine Schmetterlingsart sieht. Ihr Antrieb ist Wissensdurst, Neugier und sich mit der Natur zu verbinden. Es ist ein geistiges Sammeln, das sich auch in ihren schönen Illustrationen widerspiegelt, die im Buch zu finden sind. „Er erzählte mir, dass er bereits als junger Mann in den Siebzigerjahren mit dem Sammeln von Schmetterlingen aufgehört hätte. Er hätte festgestellt, dass es ihm größere Freude bereitete, die Tiere lebend und in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, als sie tot in einer Schachtel liegen zu sehen.“
Ein persönlich erzähltes Sachbuch für Naturinteressierte – nicht nur über das Studium der Insekten, sondern auch über das Leben als ein Wunder.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Umfassend, klar und aufbauend

Deinen Selbstwert bestimmst nur du
0

«Selbstwert ist unsere wertvollste Resource.»

Ich habe diesen Ratgeber aus Neugier angefangen und war überrascht, wie alles mit dem Selbstwert zusammenhängt. Der koreanische Autor Yoon Hong Gyun möchte ...

«Selbstwert ist unsere wertvollste Resource.»

Ich habe diesen Ratgeber aus Neugier angefangen und war überrascht, wie alles mit dem Selbstwert zusammenhängt. Der koreanische Autor Yoon Hong Gyun möchte nicht nur dabei helfen, Selbstwert zu entwickeln, sondern auch Werkzeug an die Hand geben, welches in stürmischen Zeiten hilft, den Selbstwert zu schützen, da er Schwankungen unterliegt und jeder über Angewohnheiten verfügt, die den Selbstwert schwächen. Das dürfte auch für jene interessant sein, die ihren Selbstwert hoch einschätzen.

Ich würdige die Ausführungen des Autors Yoon Hong Gyun vor allem wegen seiner sachlichen Klarheit, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Er profitiert von seiner Erfahrungen als Psychiater, aber erzählt auch als Mensch, der selbst lernen musste, sich einen Selbstwert aufzubauen und diesen stets zu stärken. Ich fand es sympathisch, wie er bereits früh seine eigenen Denkfehler thematisiert und begründet, warum er sein Wissen erst nicht teilen wollte. Deshalb hat mir das erste Drittel noch am besten gefallen, während zum Ende die Distanz wächst. Streckenweise wurde es mir zu oberflächlich, wobei es umfassend und interessant bleibt.

Die Theorie hilft bei der Einordnung und gibt Zuständen einen Namen, die vorher vielleicht diffus waren. Das macht bewusster, woran man arbeiten kann und hilft, Probleme besser zu verstehen. Erst im letzten Teil gibt es fünf Methoden zur Stärkung des Selbstwerts, während es vorher viel um Hinternisse und schwächende Angewohnheiten geht. Jedes Kapitel hat abschließend eine Übung und jeder Teil wird einmal kurz zusammengefasst – sehr praktisch.

Es wird an mehreren Stellen darauf hingewiesen, dass es nicht reicht, dieses Buch nur zu lesen, sondern schon währenddessen zu überlegen, was man verändern möchte und dies auch umzusetzen, was definitiv hilfreich ist. Übungen sind überschaubar, aber es lässt sich auch aus dem Text ablesen, wie man diese Veränderungen gestalten kann. «Der Schlüssel zur Veränderung ist immer der Wille (…) Entscheidend ist, dass man sich selbst besser kennt als alle anderen.» Dass Figuren aus Serien als Beispiele dienen, fand ich eine ansprechende Idee. Insgesamt hätte ich mir mehr praktische Anwendung gewünscht, jedoch konnte ich einige Erkenntnisse mitnehmen, die einen Unterschied machen und mir mehr geholfen haben, als die geläufigen Selbstliebe-Übungen.

Ich würde es allen empfehlen, die sich Veränderung und Klarheit wünschen – fernab von fröhlich-bunten Selbstliebe-Ratgebern.

Veröffentlicht am 03.03.2026

Grundzüge der Demokratie für Kinder ab 10 Jahren

Alexander
0

Das erste Kinderbuch von Ferdinand von Schirach ist eine philosophische Reise in die Vergangenheit: Alexander soll in der Hauptstadt gerechte Gesetze für die antike Stadt Kaliste finden, in der Hoffnung, ...

Das erste Kinderbuch von Ferdinand von Schirach ist eine philosophische Reise in die Vergangenheit: Alexander soll in der Hauptstadt gerechte Gesetze für die antike Stadt Kaliste finden, in der Hoffnung, dass es in einer gut und gerecht geführten Stadt keinen Tyrannen geben kann. Nur ein unvoreingenommener und kluger Kopf kann dies bewerkstelligen, und so wird Alexander ausgewählt, diese bedeutende Aufgabe zu übernehmen.

Das Schicksal der Stadt liegt damit in den Händen eines Jungen, der in sieben Tagen herausfinden muss, wie man friedlich miteinander leben kann. Wem wird er begegnen? Was wird er lernen? Auf seiner Reise begegnet Alexander ganz unterschiedlichen Menschen und fragt sie, was ihnen wichtig ist. Diese Gespräche sind bedeutend, weil sie dem Jungen Wissen, Orientierung oder wichtige Einsichten geben, die für die Entwicklung der Handlung entscheidend sind. Es sind unterhaltsame und amüsante Gespräche, aus denen sich grundlegende Rechte wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und Schutz der Menschenwürde ergeben – kindgerecht und in einfacher Sprache erklärt, eingebunden in eine interessante Geschichte, bei der man hofft, dass Alexander am Ende das Schlimmste verhindern kann.

Die ruhige und distanziert nüchterne Erzählweise passt zu Alexanders Besonnenheit und der enormen Verantwortung, die auf seinen Schultern lastet. Mit großer Klarheit und verständlichen Worten bleibt Ferdinand von Schirach beim Wesentlichen und veranschaulicht das Thema in gut verträglichen Abschnitten. Dadurch hebt sich die Geschichte mit einer ausgewogenen Mischung aus Unterhaltung und Wissensvermittlung hervor und bietet für Klein und Groß Anregungen zum Austausch und Nachdenken – gemeinsames Lesen wird empfohlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2026

Ungewöhnlich fordernde Oktopussuche

Das White Octopus Hotel
0

«Alles war so rätselhaft, dass er Kopfschmerzen bekam, wenn er versuchte, die Puzzleteile zusammenzufügen.»

Das Leben von Eve Shaw, deren Kindheit früh durch ein tragisches Familienunglück seine Unschuld ...

«Alles war so rätselhaft, dass er Kopfschmerzen bekam, wenn er versuchte, die Puzzleteile zusammenzufügen.»

Das Leben von Eve Shaw, deren Kindheit früh durch ein tragisches Familienunglück seine Unschuld verlor, und sie zu einer distanzierten, einsamen und freudlosen Frau werden ließ, verändert sich, als ein älterer Herr sie als Kunstgutachterin aufsucht und sie auf das White Octopus Hotel aufmerksam macht. Als Eve recherchiert, erfährt sie, dass das Hotel nur noch ein «vermooster Palast für Geister» ist. Sie lernt Menschen kennen, die das Grandhotel besucht haben und erfährt von Schlüsseln, deren Zimmer nicht auffindbar sind und einem magischen Briefpapier, mit dem man die Vergangenheit ändern kann.

Spannend und melancholisch baut die Autorin Alexandrea Bell eine mystische Atmosphäre auf, und beschreibt die auffälligen und versteckten Elemente so, dass ich tief in die eigene Vorstellungskraft eintauchen konnte, und den Besuch im historisch-stilvollem White Octopus Hotel mit dem festlich, eleganten Ambiente genoss. Der Roman ist voller Feinheiten und Puzzlestücke, die sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Unterschiedliche Zeitdistanzen und undurchschaubare Strukturen schaffen Konflikte und Herausforderungen, durch die Eve und Max wachsen, voneinander lernen und neue Seiten an sich entdecken. Die differenzierte Darstellung ist bewegend, emotional und einnehmend. Für mich waren Eve und Max tiefgründige Figuren, die in einem komplexen Gefüge agieren. Die traumatischen Schilderungen vom ersten Weltkrieg waren schwer auszuhalten und sicherlich einer der sichtbarsten Kontraste, die ich nicht erwartet hätte. Obwohl es auflockernde Elemente gibt, geht es doch vermehrt um herausfordernde Emotionen und belastende Ereignisse in der Vergangenheit. Möglicherweise belastend, wenn man sich magische Leichtigkeit erhofft hat. Umso schöner fand ich die magischen Details, wie das Oktopustattoo, welches lebendig ist und mehr verkörpert, als Eves Faszination für die Meereskreatur. Mehr Magie hätte der Geschichte nicht geschadet, aber darüber hinaus beschreibt die Autorin auch die Magie, die für uns alle zugänglich ist, wenn uns Erinnerungen, Musik oder Kunst tief bewegt.

Wenn am Ende die Zusammenhänge sichtbar werden, zeigt sich die meisterhafte Erzählkunst der Zeit als formbares Element, verwebt mit Geheimnissen, dem Setting eines Grandhotel in den Schweizer Alpen und einen Hauch Magie. Es ist eine Liebesgeschichte, die Spannung durch Zeitreise-Paradoxie bietet und zum Nachdenken über Vergänglichkeit, Geschichte und Schicksal anregt. Unerwartet neuartig und fordernder als angenommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.02.2026

Gerissen und skrupellos beim Hauskauf

Tödliches Angebot
0

Es ist kurz nach der Corona-Pandemie, die umkämpfte Immobilien-Marktlage ist schwierig. Die 37-jährige Margo und ihr Mann Ian wohnen im Westen der USA und suchen seit 18 Monaten ein Haus, in einem bevorzugtem ...

Es ist kurz nach der Corona-Pandemie, die umkämpfte Immobilien-Marktlage ist schwierig. Die 37-jährige Margo und ihr Mann Ian wohnen im Westen der USA und suchen seit 18 Monaten ein Haus, in einem bevorzugtem Baustil, in einer bevorzugten Wohngegend. Als Margo ihr Traumhaus findet, will sie es haben, egal, was sie dafür tun muss.

Es beginnt harmlos, aber es wird schnell deutlich, dass Margo besessen von ihrer Vorstellung vom Familienglück im Traumhaus ist. Lügen gehen ihr leicht über die Lippen, und ihre Ehe ist von Kontrolle, Manipulation sowie dem Verlangen nach einem gehobenen Lebensstil belastet. »Dass ich mich manchmal so fühle, als könne mein Zorn sich jeden Moment durch meine Haut brennen und alles in ein Inferno verwandeln.« Der ist mit steigendem Druck alles zuzutrauen, dachte ich, und war trotzdem schockiert, wie sich alles hochschaukelt, wobei der Buchtitel schon erahnen lässt, dass Eskalation droht. Die Intensität nimmt ab einem bestimmten Punkt zu, an dem alles (noch mehr) kippt. Absolut verrückt und so gut geschrieben, dass es sich trotzdem nachvollziehen lässt, wo Margo falsch abgebogen ist, was sie antreibt und warum sie ist, wie sie ist, und ich richtig mitfiebern konnte. »Kein Haus, kein Baby. Kein Haus, keine Familie. Kein Haus, kein Leben. Ich bin hier, um meinen Traum wahrzumachen. Nichts ist wichtiger als das.« Ein bisschen Sympathie, für die moralisch sehr fragwürdige Margo, hatte ich trotzdem irgendwie, denn sie ist aufmerksam, liebt den Hund Fritter, was sie nahbar wirken lässt, und dann ist da die ehrliche Verzweiflung, trotz Kinderwunsches nicht schwanger zu werden und sich mit der Care-Arbeit im Stich gelassen zu fühlen. Auch ihr Wunsch nach einem schönen Zuhause ist nachvollziehbar, während ihr für all das die Zeit wegläuft. Trotzdem habe ich gehofft, dass diese Verrückte mit allem scheitert, aber die Hilfe bekommt, die sie braucht. Im Mittelteil gabs zugegebenermaßen ein paar Längen, die Spannung rausnehmen, aber plausibel sind.

Für mich ein packender Psychothriller, der trotzdem glaubhaft ist, und den ich wunderbar wegsacken konnte. Diese Frau ist gefährlich, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Intensiv spannend, eskalierend und hochaktuell.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere