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Veröffentlicht am 09.03.2026

Lebenskampf

Der Schrein der Könige
13

Nicolaus von Verdun beherrscht sein Handwerk der Goldschmiedekunst wie kein anderer zu jener Zeit des ausklingenden 12. Jahrhunderts und des beginnenden 13. Jahrhunderts. Die in Mailand eroberten Gebeine ...

Nicolaus von Verdun beherrscht sein Handwerk der Goldschmiedekunst wie kein anderer zu jener Zeit des ausklingenden 12. Jahrhunderts und des beginnenden 13. Jahrhunderts. Die in Mailand eroberten Gebeine der Heiligen Drei Könige sollen im Kölner Dom in einen prunkvollen Schrein aufbewahrt werden, um die Pilger anzulocken, die der Stadt zu Ansehen aber auch zu weiterem Reichtum verhelfen sollen. Nicolaus wird mit diesem Auftrag betraut, obwohl er nicht in dieser Stadt beheimatet ist. Das sorgt für Neid und Missgunst unter den einheimischen Goldschmieden, gegen deren Widerstand er sich zur Wehr setzen muss, um für seine Kinder und sich ein neues Heim zu schaffen. Es erfordert sehr viel Kraft und mentale Stärke sich gegen diese ablehnende Haltung der Bruderschaft zu behaupten und dem über die Jahre immer wieder sich verändernden Willen der kirchlichen und weltlichen Macht zu gehorchen, ohne seine künstlerischen Ambitionen ganz und gar aufzugeben.
Die Differenzen mit seinem ältesten Sohn Louis, den es in die Welt hinaus und in den Kampf zieht, anstatt die Werkstatt seines Vaters eines Tages zu übernehmen, bringen Nicolaus in arge Bedrängnis. Anne und Bastien, seine beiden anderen Kinder, hingegen sind der Sonnenschein im Kampf seines Lebens.
Sabine Weiss liefert mit ihrem Historischen Roman ‘Der Schrein der Könige‘ eine fesselnde, lebendige Fiktion rund um die Entstehung des Dreikönigsschreins im Kölner Dom, die das Leben und Wirken der Menschen jener Zeit authentisch wiedergibt. Ihre bildhafte Sprache lässt den Leser tief eintauchen in das Geschehen. Hilfreich für ein tieferes Verständnis der Geschichte sind das vorangestellte Personenregister, ein Glossar als auch historische Anmerkungen.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Geld, Macht und Rock ‘n Roll

Die Reise ans Ende der Geschichte
0

In seinem exzentrischen Roman ‘Die Reise ans Ende der Geschichte‘ legt Kristof Magnusson den Finger in die schmerzliche Wunde menschlicher Unvernunft.
Anfang der Neunzigerjahre mit der Auflösung der gesellschaftlichen ...

In seinem exzentrischen Roman ‘Die Reise ans Ende der Geschichte‘ legt Kristof Magnusson den Finger in die schmerzliche Wunde menschlicher Unvernunft.
Anfang der Neunzigerjahre mit der Auflösung der gesellschaftlichen und politischen Strukturen des Völkerbundes Sowjetunion setzt ein erbitterter Kampf um die Neuverteilung materieller Ressourcen ein. Das Zeitalter der Oligarchen ist angebrochen. Der Kalte Krieg zwischen den politischen Ausrichtungen kommunistischer Träume und Marktwirtschaft scheint zu Gunsten der westlichen Gesellschaftsformen entscheiden worden zu sein. Das Spiel der Spione und Agenten der Geheimdienste hat einen gefährlichen, herausfordernden Punkt der Neuorientierung erreicht. Verunsicherung bleibt da nicht aus. Doch das Ziel ist klar. Es geht immer nur um Geld, Macht und Rock ‘n Roll.
Die Absurdität menschlicher Gier, ihre unglaublichen Ausmaße zum persönlichen Vorteil ausgebaut, beschreibt der Autor mit einer großen Portion Humor, indem er langgediente Geheimdienstler mit einem abenteuerlustigen, in gewisser Weise auch naiven Poeten anzuerkennender Erfolge bei seinen Lesern, ins Spiel bringt, der die alte Garde durch seine humanistischen Überlegungen aufmischt. Hier darf sich jeder seine ganz eigene Meinung bilden, ob Idealismus als eine Wunschvorstellung oder knallharte Kalkulation einer bevorzugten Wertevorstellung zum Tragen kommen.
Kristof Magnusson vermag es, mit Witz und Verstand die großen Herausforderungen unserer Zeit auf unterhaltsame Weise mit konstruktiven Denkanstößen darzustellen.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Gefährliche Nachkriegsjahre in Berlin

Im Schatten der Ruinen
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Einer äußerst entbehrungsreichen und noch immer ungeheuer gefährlichen Zeit des Nachkriegsjahres von 1948 müssen sich die Menschen in Berlin stellen. Die vier Besatzungsmächte haben die Stadt unter sich ...

Einer äußerst entbehrungsreichen und noch immer ungeheuer gefährlichen Zeit des Nachkriegsjahres von 1948 müssen sich die Menschen in Berlin stellen. Die vier Besatzungsmächte haben die Stadt unter sich aufgeteilt. Die Entnazifizierung läuft auf Hochtouren. Der Hunger ist allgegenwärtig, die Wohnungen größtenteils zerbombt. Die Schwarzmärkte haben Hochkonjunktur und sind in fester Hand von kriminellen Banden. Die ‘Brandenburger‘ spielen hier eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Captain Matthew Wallet degradiert und strafversetzt ist mit der Aufgabe betraut, für Ordnung und Sicherheit im amerikanischen Sektor zu sorgen und die bedrohlichen Schwarzmarkaktivitäten im Auge zu behalten. Doch er bekommt es mit einer weitaus größeren Herausforderung zu tun, einer straff organsierteren und skrupelloseren Vereinigung, die ihn arg in Bedrängnis bringt, es nicht nur auf sein Leben abgesehen hat. Lange bleibt unklar, wer die intriganten Fäden im Hintergrund zieht und welches Ziel damit verfolgt wird.
Peter Klisa legt mit ‘Im Schatten der Ruinen‘ einen fesselnden, turbulenten und aktionsgeladenen historischen Thriller vor, der in seiner unterhaltenden Art ganz nebenbei gut recherchierte historische Fakten in einer bis zum Schluss interessanten Fiktion verarbeitet. Das offensichtlich feindselige Verhältnis zwischen der östlichen und den westlichen Besatzungszonen bringt zusätzliches Konfliktpotenzial in die Geschichte, das zu eskalieren droht. Hervorragend ausgebaute menschliche Charaktere erzeugen ein intensives Spannungsfeld, welches das Geschehen vorantreibt und damit eine sogartige Wirkung erzeugt.
Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung der Verbrecherjagd, denn noch sind die Übertäter nicht gestellt.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Heilendes Vergessen

Ein weites Leben
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In ihrem großartigen Roman ‘Ein weites Leben‘ erzählt M.L. Stedman die Geschichte der Familie MacBrides, die seit Generationen auf ihrer Farm Meredith Downs im Westen Australiens erfolgreich die Schafzucht ...

In ihrem großartigen Roman ‘Ein weites Leben‘ erzählt M.L. Stedman die Geschichte der Familie MacBrides, die seit Generationen auf ihrer Farm Meredith Downs im Westen Australiens erfolgreich die Schafzucht betreibt. Es ist ein hartes, arbeitsreiches, einsames Leben, dass von der Liebe zu ihrem Land geprägt ist. Bei einem Autounfall kommen der Vater Phil und sein Sohn Warren ums Leben. Matthew, der jüngere Sohn, erleidet schwerste Verletzungen. Unter anderem verliert er sein Gedächtnis, was ihm besonders schwer belastet. Seine Mutter Lorna und seine Schwester Rose tun ihr Möglichstes, um Matthew wieder zurück in ein normal geführtes Leben zu holen. Sie leiden natürlich zutiefst unter dem Verlust der Familienmitglieder. Doch so schwer es auch fällt – das Leben muss weitergehen, die Farm bewirtschaftet werden. Pragmatische Gedanken sind der Schlüssel für ihr Überleben, trotz der seelischen Schmerzen. Doch ein weiterer Vorfall erschüttert das einst so harmonische Leben der MacBrides und immer wieder drängt sich die quälende Frage nach dem heilenden Vergessen nicht rückgängig zu machender Geschehnisse aus der Vergangenheit auf, die eine erdrückende Last in der Gegenwart darstellt. Ist das sich erinnern das Gegenteil des Vergessens und warum gibt es neben der Möglichkeit der Erinnerung nicht die Vergesserung im Wortschatz der Menschen?
Sehr fein und äußerst lebendig zeichnet die Autorin ihre Charaktere, die Tag für Tag mit ihrem quälenden Schmerz umgehen, zeigt wie schwer es ist, in persönlichen Krisensituationen Antworten zu finden auf zermürbende Fragen und welch ungeheuer große Verantwortung jeder in sich trägt, durch seine Worte und Taten den anderen unbelastet sein Leben zu gestalten.
Mich hat dieser Roman in seiner wunderschönen bildhaften Darstellung und seinem emotionalen Sprachgefühl überzeugt, in den Bann gezogen. Er ist ausdrucksstark und hat mich durch seine Lebendigkeit und erzählerische Dichte in eine Welt eintauchen lassen, die durch menschlichen Zusammenhalt scheinbar unüberwindbare Herausforderungen versucht bestmöglich zu meistern, in einem Teil unserer Erde, den ich bisher nicht bereist habe, der jedoch einen tiefen Eindruck von Land und Leuten bei mir hinterlassen hat.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein unvergesslicher Sommer

Sommer auf Perigo Island
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Der kanadische Schriftsteller Perry Chafe schafft es mit seinem Roman ‘Sommer auf Perigo Island‘ die Gefühle in Wallung zu bringen, Erinnerungen an die eigene Jugend zu wecken und damit eine riesige Leselust ...

Der kanadische Schriftsteller Perry Chafe schafft es mit seinem Roman ‘Sommer auf Perigo Island‘ die Gefühle in Wallung zu bringen, Erinnerungen an die eigene Jugend zu wecken und damit eine riesige Leselust zu entfachen, die bei mir den steten Wunsch nach mehr davon auslöste. Der lebhafte und lebendige Schreibstil entfaltet eine Sogwirkung, immer tiefer in eine Welt einzutauchen, die ebenso fremd wie vertraut erscheint, die mich herzhaft hat lachen lassen, nachdenklich stimmte und traurig machen konnte.
Der zwölfjährige Pierce erzählt wie er den Sommer gemeinsam mit seinen gleichaltrigen Freunden Thomas, Bennie und Bennies Cousine Emily verbringt. Auf Perigo Island, einer kleinen Insel Neufundlands, leben die Menschen schon so lange sie denken können vom Fischfang. Es ist ein hartes, entbehrungsreiches Dasein, was sie führen. Die Gefahr nicht wieder nach Hause zu kehren, begleitet die Fischer bei jeder Fahrt hinaus auf die wilde, raue See. Pierce lebt mit dieser schmerzlichen Erfahrung, weiß was Verlust und unendliche Einsamkeit im Herzen bedeuten. Als seine Freundin Anna eines Tages als vermisst gilt, macht er sich gemeinsam mit seinen Freunden auf die Suche nach ihr. Dabei lernen sie den Meeresbiologen Salomon näher kennen und erfahren wie die Natur um sie herum im Wandel begriffen ist, welche Auswirkungen das auf ihr Leben haben wird.
Die Geschichte zeigt wie die Teenager erste Gefühle für das andere Geschlecht entwickeln, wie sie denken, welche Kämpfe sie untereinander austragen, welche Sorgen sie sich machen, wie liebevoll fürsorglich sie miteinander umgehen und in welche Gefahren sie sich völlig unbedarft begeben. Es ist ein Sommer voller Abenteuer, tiefgreifender Erkenntnisse, zarter Empfindungen und das Erkennen von Verantwortung.

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