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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Bewegende Familiensaga

Villa Rivolta
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Mit Villa Rivolta ist Daniel Speck wieder eine große epische Erzählung gelungen, die den Leser vom ersten Moment an gefangen nimmt. Atmosphärisch dicht versetzt er uns in das Italien der 1960er Jahre, ...

Mit Villa Rivolta ist Daniel Speck wieder eine große epische Erzählung gelungen, die den Leser vom ersten Moment an gefangen nimmt. Atmosphärisch dicht versetzt er uns in das Italien der 1960er Jahre, in die Villa des Mailänder Großindustriellen Renzo Rivolta. Zwischen Valeria, der Tochter der Hausangestellten, und Piero, dem Sohn des Industriellen, entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die Klassengrenzen überwindet und ein Leben lang trägt.
Speck lässt Nachkriegszeit und Aufbruchsstimmung lebendig werden, zeichnet soziale Gegensätze zwischen dem Norden und Süden Italiens und verbindet italienisches Flair mit einer Familiengeschichte und der Erfolgsgeschichte von Iso Rivolta. Basierend auf Erinnerungen von Piero und Lele Rivolta wirkt der Roman besonders authentisch. Ein einfühlsamer, spannender, berührender 600-Seiten-Schmöker, der viel zu schnell endet.

Veröffentlicht am 26.02.2026

Faszinierendes Gedankenspiel

Die Namen
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In »Die Namen« von Florence Knapp steht eine interessante Frage im Zentrum: Welche Bedeutung hat für uns der Name, der uns ein Leben lang begleitet? Früher wählte man oft Heiligennamen in der Hoffnung ...


In »Die Namen« von Florence Knapp steht eine interessante Frage im Zentrum: Welche Bedeutung hat für uns der Name, der uns ein Leben lang begleitet? Früher wählte man oft Heiligennamen in der Hoffnung auf Schutz; mancherorts wird noch heute der Namenstag gefeiert. Florence Knapp inspiriert diese Frage zu einem faszinierenden Gedankenspiel: Sie entwirft drei Versionen desselben Lebens - der einzige Unterschied in der Ausgangssituation: der Name, den die Mutter für ihren Sohn eintragen lässt. Dabei gelingt es der Autorin, logisch und nachvollziehbar darzustellen, wie diese Entscheidung Entwicklung und Selbstbild des Jungen und sogar das Schicksal der Familie prägt. Vor dem Hintergrund häuslicher Gewalt, teils schonungslos geschildert, verändert sich in jeder Version das Beziehungsgeflecht, es entstehen drei komplett verschiedene Lebenswege. Diese werden mit Zeitsprüngen von jeweils sieben Jahren parallel erzählt, wobei man durch die klare Trennung nach den drei Namen gut folgen kann. Florence Knapp schreibt emphatisch, feinfühlig und in angenehm lesbarer Sprache - ein bewegender, fesselnder Roman. Absolut lesenswert!

Veröffentlicht am 24.02.2026

Eindrückliches Gesamtbild

Real Americans
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Der Roman "Real Americans" von Rachel Khong überzeugt weniger durch seine spektakuläre und unerwartete Handlung, sondern durch seine starke Figurenzeichnung und seine gelungene sprachliche Komposition. ...

Der Roman "Real Americans" von Rachel Khong überzeugt weniger durch seine spektakuläre und unerwartete Handlung, sondern durch seine starke Figurenzeichnung und seine gelungene sprachliche Komposition. Khong hat den Roman in einer zurückhaltenden und klaren Sprache verfasst. Mit kleinen Details erzeugt sie immer wieder aufs Neue eindrückliche Stimmungen. Die verschiedenen Erzählperspektiven sind nicht nur durch ihre Handlung, sondern auch durch ihre Erzählsprache gut unterscheidbar und durch ihre eigene Charakteristik lebendig. Inhaltlich ergänzen sich die einzelnen Handlungsabschnitte überzeugend und erschaffen in ihrer Verknüpftheit und Verbundenheit ein starkes und eindrückliches Gesamtbild. "Real Americans" ist ein Roman, der ohne Abstriche zu überzeugen weiß und lange im Gedächtnis bleibt.

Veröffentlicht am 04.09.2025

Spannend bis zur letzten Seite

Schattengrünes Tal
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Kristina Hauff versteht es meisterhaft, mit klarer und angenehmer Sprache eine geheimnisvolle Atmosphäre zu erschaffen. Ein mysteriöser Stromausfall an der Geburtstagsfeier von Lisas Mann, eine hilflose, ...

Kristina Hauff versteht es meisterhaft, mit klarer und angenehmer Sprache eine geheimnisvolle Atmosphäre zu erschaffen. Ein mysteriöser Stromausfall an der Geburtstagsfeier von Lisas Mann, eine hilflose, rätselhafte Frau als Gast im Hotel ihres Vaters – schon der Einstieg fesselt. Lisa, die sich um jeden und alles kümmert, bietet der Fremden ihre Hilfe an. Doch während die Fremde immer mehr im Mittelpunkt des Dorfgeschehens steht, beginnen sich ihre Freunde von Lisa abzuwenden. Was steckt dahinter? Die Autorin erzählt psychologisch feinfühlig. Die Perspektiven wechseln und so erfährt der Leser immer neue Details, die sich wie bei einem Puzzle nach und nach zu einem Ganzen zusammenfügen. Die authentischen Figuren und die subtilen Verstrickungen ziehen den Leser immer tiefer in das Geschehen hinein. Ein spannender, atmosphärischer Roman, der bis zur letzten Seite fesselt. Nicht unerwähnt bleiben soll außerdem das wunderschöne Cover.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Amüsant und klug

Das Geschenk
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Gaea Schoeters’ -Das Geschenk- ist ein schmales, aber sehr pointiertes Buch, das von einer grotesken Idee ausgeht: 20.000 Elefanten in Berlin. Als Reaktion auf das Einfuhrverbot von Jagdtrophäen nach Deutschland ...

Gaea Schoeters’ -Das Geschenk- ist ein schmales, aber sehr pointiertes Buch, das von einer grotesken Idee ausgeht: 20.000 Elefanten in Berlin. Als Reaktion auf das Einfuhrverbot von Jagdtrophäen nach Deutschland und um auf die Elefantenüberpopulation in seinem Land hinzuweisen, machte der botswanische Präsident den zynischer Vorschlag, diese Elefanten Deutschland zu schenken. Schoeters greift diesen Gedanken auf und entwickelt daraus eine herrliche Satire. Mit detailreicher Beobachtungsgabe zeichnet sie so lebendige Szenen, dass man die Tiere fast durch die Straßen stapfen sieht. Doch hinter dem vordergründigen Humor steckt kluge Gesellschaftskritik: Sie entlarvt politische Schachzüge und Medieninszenierungen, legt Abgründe frei und verbindet dies mit trockenem Humor. Das Buch macht Vergnügen, regt zum Nachdenken an und zeigt, wie man mit literarischer Fantasie globale Probleme auf den Punkt bringen kann. Für mich ein Highlight dieses Sommers.

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