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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Unterhaltsam

Das White Octopus Hotel
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Das White Octopus Hotel ist längst geschlossen und verfällt. Die Kunstgutachterin Eve Shaw ist mit diesem Hotel verbunden. Sie trägt ein Oktopus-Tattoo, das über ihren Körper zu wandern pflegt. Außerdem ...

Das White Octopus Hotel ist längst geschlossen und verfällt. Die Kunstgutachterin Eve Shaw ist mit diesem Hotel verbunden. Sie trägt ein Oktopus-Tattoo, das über ihren Körper zu wandern pflegt. Außerdem trägt sie eine schwere Schuld mit sich herum. Als sie das Hotel betritt, wird sie in die Vergangenheit versetzt. Kann sie sich auf diesem Weg von ihrer Schuld befreien?
Eve ist eine sympathische Heldin, die zu Beginn verletzlich und unsicher wirkt. Doch sie ist etablierte Gutachterin in einem Museum, und ihre Expertise ist gefragt. Sie wird mit Geheimnissen konfrontiert, auf die sie nicht vorbereitet ist. Auch die zweite Hauptperson, ein Soldat aus den Schützengräben des ersten Weltkrieges, wirkt glaubhaft und lebendig.
Der Stil ist sehr ansprechend und bildhaft. Es entsteht eine mystische, gruselige Atmosphäre, voller Emotionalität und Spannung. Es ist nicht immer alles leicht zu verstehen, da die Zeitreisen auch Schleifen bilden. Da ist es hilfreich, dass beinahe jedes Kapitel mit den Namen der jeweiligen Hauptperson und der Zeit überschrieben ist, in der es spielt. Immer neue Rätsel sind zu lösen. Das Ende fand ich allerdings unbefriedigend. Nach so viel Verwirrung hätte es mir besser gefallen, wenn sich die einfache Wirklichkeit wieder eingestellt hätte.
Ich hätte Eve lieber in einem rein realistischen Setting weiter begleitet. Die Zeitreisen kamen mir doch ein bisschen konstruiert vor. Außer der Pracht des Luxushotels ist mir wenig in Erinnerung geblieben. Am besten gefielt mir der Kleiderschrank, der immer nur ein einziges Outfit enthielt: das Passende.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Komplex und brutal

Kala
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In einem kleinen Ort an der irischen Küste wachsen Anfang der 2000er Jahre sechs Jugendliche zusammen auf. Eine von ihnen verschwindet spurlos, ein anderer wird schwer verletzt, ein dritter stirbt. Fünfzehn ...

In einem kleinen Ort an der irischen Küste wachsen Anfang der 2000er Jahre sechs Jugendliche zusammen auf. Eine von ihnen verschwindet spurlos, ein anderer wird schwer verletzt, ein dritter stirbt. Fünfzehn Jahre später werden die damaligen Ereignisse wieder aufgerollt, als ein menschliches Skelett gefunden wird.
Die vier Hauptpersonen in diesem Buch berichten alle aus ihrer jeweils eigenen Sicht, und zwar sowohl die Geschichte von damals als auch die von heute. Sie alle sind glaubwürdig dargestellt, besonders als die pubertierenden Jugendlichen im kleinen Dorf der Vergangenheit. Das ist schön zu lesen. Doch es sind ja insgesamt acht verschiedene Storys. Viel zu viele Perspektiven, als dass man dem aktuellen Geschehen gut folgen könnte, obwohl es nur wenige Tage umfasst. So wird das Lesen zu einer komplexen Ermittlungsarbeit, die die Spannung zerstört. In welche Richtung das Ganze geht, wird erst auf den letzten 50 Seiten klar. Bis dahin herrscht eine zunehmend dichte Atmosphäre von Angst und Ungewissheit, was es durchaus spannend machen könnte, wenn man immer genau wüsste, wer gerade was weiß und denkt und getan hat usw. Es gibt viel Brutalität in der Geschichte, die beschriebenen Grausamkeiten hätten eine Triggerwarnung verdient.
Insgesamt eher enttäuschend und manchmal etwas länglich.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Sinnlich

Halber Stein
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Sine stammt aus Siebenbürgen, was die meisten wohl erst einmal googeln müssen. Nun ist ihre Großmutter verstorben, und sie reist mit ihrem Vater in die alte Heimat, um Abschied zu nehmen.
Heimat ist das ...

Sine stammt aus Siebenbürgen, was die meisten wohl erst einmal googeln müssen. Nun ist ihre Großmutter verstorben, und sie reist mit ihrem Vater in die alte Heimat, um Abschied zu nehmen.
Heimat ist das zentrale Thema des Romans, in dem sonst nicht viel passiert. Es werden Kindheitserinnerungen geschildert, meist sehr sinnlich, die eng mit der Landschaft verbunden sind. Erinnerungen und Gegenwartseindrücke gehen dabei absatzlos ineinander über. In den poetischen Naturbeschreibungen vermischen sich Gedanken und Träume mit Sines Suche nach eigener Identität. Sie ist gerade mit dem Studium fertig und hat noch nicht entschieden, was sie weiter machen möchte. Sie führt Gespräche mit Menschen, die sie kaum kennt, und die ihr von ihrer Herkunft erzählen. Das wird manchmal auch philosopisch.
Insgesamt ist das nicht leicht zu lesen. Für soviel Nachdenklichkeit, Sinnsuche und auch Poesie muss man schon etwas Geduld haben. Menschen, denen Heimat aktuell ein wichtiges Thema ist, könnten hier Inspiration finden. Auch wenn sie nicht aus Siebenbürgen stammen.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Etwas unklar

Spielverderberin
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Sophie, Lotte und Romy sind Schulfreundinnen in einem kleinen Dorf. Vier Jahre später haben sie fast vollständig den Kontakt zueinander verloren und treffen sich erstmals wieder. Sophie erzählt in Ich-Form.
Die ...

Sophie, Lotte und Romy sind Schulfreundinnen in einem kleinen Dorf. Vier Jahre später haben sie fast vollständig den Kontakt zueinander verloren und treffen sich erstmals wieder. Sophie erzählt in Ich-Form.
Die Personen sind lebensnah und glaubhaft geschildert, der Stil ist sehr angenehm zu lesen. Sophie muss eine Menge Verwirrungen durchstehen: will sie weiter auf dem Land leben oder in die Stadt ziehen? Ein Studium aufnehmen oder eine Ausbildung anfangen? Ist sie homosexuell? Nicht nur Sophie weiß nicht, was sie will, muss in dieser Lebensphase aber wichtige Entscheidungen über ihr Leben und ihre Zukunft treffen. Was sie wirklich ausbremst, wird aber nicht klar. Die Freundinnen sind einander da keine Hilfe.
Immer wieder wird Spannung aufgebaut. Irgend etwas ist passiert, das die Beziehungen der drei belastet. Eine von ihnen ist offenbar psychisch krank, es gibt Schuldgefühle, deren Ursache nicht erklärt wird.
Eine richtige Auflösung gibt es nicht. Auch eine gute Entscheidung, mit der alle leben können, wird nicht getroffen. Wie im richtigen Leben.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Etwas verwirrend

Real Americans
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Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA, macht nach dem Studium ein Praktikum in einem angesagten Gentechnik-Startup. Im zweiten Teil des Buches steht ihr Sohn im Mittelpunkt, im dritten Teil ...

Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA, macht nach dem Studium ein Praktikum in einem angesagten Gentechnik-Startup. Im zweiten Teil des Buches steht ihr Sohn im Mittelpunkt, im dritten Teil dann ihre Mutter, eine Bauerntochter, die aus ärmlichsten Verhältnissen geflohen war.
Die Personen sind sehr lebensnah geschildert. Was es bedeuten kann, zwischen zwei Kulturen zu leben, hat die Autorin selbst erfahren. Neben der Herkunft spielt auch das Geld eine wichtige Rolle. Und, was hier später noch dazukommt, ist die genetische Veranlagung und der Einfluss, den Wissenschaft heute darauf nehmen kann, die Epigenetik.
Was macht einen Menschen aus? Welche Rolle spielen die Gene für die Persönlichkeit? Kann man destruktive Merkmale mit epigenetischen Methoden unterdrücken, und was folgt daraus für den Menschen? Je klarer es wird, was genau hier an Kindern manipuliert wurde, umso gruseliger erscheint das Gelesene im Nachhinein.
In dieser Gemengelage Orientierung zu finden, ist Thema des Romans. Eine solche Menge an Einflüssen ist ganz und gar amerikanisch – Real American. Das Land ist ein Schmelztiegel unterschiedlichster Lebensweisen und Herkünfte. Mir war das etwas zuviel auf einmal.

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