Zwischen Krieg, Hoffnung und Selbstbestimmung
Tage des WandelsMit „Tage des Wandels” setzt Ulrike Renk ihre eindrucksvolle Kalmule-Trilogie fort und knüpft nahtlos an die Stärken des ersten Bandes an.
Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Eva und Adam, deren Lebenswege ...
Mit „Tage des Wandels” setzt Ulrike Renk ihre eindrucksvolle Kalmule-Trilogie fort und knüpft nahtlos an die Stärken des ersten Bandes an.
Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Eva und Adam, deren Lebenswege schon bei der Geburt durch die damaligen gesellschaftlichen Regeln bestimmt werden. Besonders spannend fand ich den Tausch ihres Status: Während Adam den Hof übernehmen kann, erhält Eva die Chance auf ein selbstbestimmteres Leben, das jedoch mit vielen Unsicherheiten und Herausforderungen verbunden ist.
Die Autorin schafft es wieder einmal, die Schrecken der Zeit – geprägt vom Achtzigjährigen Krieg, von Armut, Seuchen und ständiger Angst – greifbar zu machen. Gleichzeitig verliert sie nie den Blick für das Menschliche. Zusammenhalt, Hoffnung und der Wunsch nach einem besseren Leben stehen immer im Vordergrund.
Besonders gut gefallen hat mir die Entwicklung von Eva. Sie wirkt stark, reflektiert und zugleich sehr nahbar. Man begleitet sie gerne auf ihrem Weg, leidet mit ihr und freut sich über ihre kleinen Erfolge. Auch die Einblicke in das Leben der einfachen Leute im Münsterland sind sehr authentisch und detailreich beschrieben, ohne trocken zu wirken.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig und bildhaft, sodass ich schnell in die Geschichte eintauchen konnte. An einigen Stellen waren mir die politischen und historischen Ausführungen etwas zu ausführlich. Dennoch tragen sie zur Tiefe des Romans bei und zeugen von der intensiven Recherche der Autorin.
Fazit: Eine gelungene, emotionale und gut recherchierte Fortsetzung, die das Leben vergangener Zeiten lebendig werden lässt. Wer historische Romane mit starken Figuren und einem realistischen Hintergrund mag, wird auch diesen Band sehr gerne lesen.