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JohannaMaus

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2026

Zwischen Krieg, Hoffnung und Selbstbestimmung

Tage des Wandels
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Mit „Tage des Wandels” setzt Ulrike Renk ihre eindrucksvolle Kalmule-Trilogie fort und knüpft nahtlos an die Stärken des ersten Bandes an.

Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Eva und Adam, deren Lebenswege ...

Mit „Tage des Wandels” setzt Ulrike Renk ihre eindrucksvolle Kalmule-Trilogie fort und knüpft nahtlos an die Stärken des ersten Bandes an.

Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Eva und Adam, deren Lebenswege schon bei der Geburt durch die damaligen gesellschaftlichen Regeln bestimmt werden. Besonders spannend fand ich den Tausch ihres Status: Während Adam den Hof übernehmen kann, erhält Eva die Chance auf ein selbstbestimmteres Leben, das jedoch mit vielen Unsicherheiten und Herausforderungen verbunden ist.

Die Autorin schafft es wieder einmal, die Schrecken der Zeit – geprägt vom Achtzigjährigen Krieg, von Armut, Seuchen und ständiger Angst – greifbar zu machen. Gleichzeitig verliert sie nie den Blick für das Menschliche. Zusammenhalt, Hoffnung und der Wunsch nach einem besseren Leben stehen immer im Vordergrund.

Besonders gut gefallen hat mir die Entwicklung von Eva. Sie wirkt stark, reflektiert und zugleich sehr nahbar. Man begleitet sie gerne auf ihrem Weg, leidet mit ihr und freut sich über ihre kleinen Erfolge. Auch die Einblicke in das Leben der einfachen Leute im Münsterland sind sehr authentisch und detailreich beschrieben, ohne trocken zu wirken.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und bildhaft, sodass ich schnell in die Geschichte eintauchen konnte. An einigen Stellen waren mir die politischen und historischen Ausführungen etwas zu ausführlich. Dennoch tragen sie zur Tiefe des Romans bei und zeugen von der intensiven Recherche der Autorin.

Fazit: Eine gelungene, emotionale und gut recherchierte Fortsetzung, die das Leben vergangener Zeiten lebendig werden lässt. Wer historische Romane mit starken Figuren und einem realistischen Hintergrund mag, wird auch diesen Band sehr gerne lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 05.03.2026

Windkraft, Machtspiele und ein Wettlauf gegen die Zeit

Anne Munk und der geraubte Wind
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Mit „Der geraubte Wind” legt Ernest Nyborg einen hochaktuellen Krimi vor, der politische Intrigen mit einem brisanten Wirtschaftsthema verknüpft.

Ein führerloses Boot in der Bucht von Aarhus, ein toter ...

Mit „Der geraubte Wind” legt Ernest Nyborg einen hochaktuellen Krimi vor, der politische Intrigen mit einem brisanten Wirtschaftsthema verknüpft.

Ein führerloses Boot in der Bucht von Aarhus, ein toter Umweltsprecher der Liberalen Partei – und schnell wird klar: Hier geht es um mehr als nur ein persönliches Motiv. Ermittlerin Anne Munk vom NID Aarhus stößt auf ein Geflecht aus Macht, Geld und skrupellosen Interessen rund um die Vergabe von Offshore-Windparkflächen. Ein finnischer Energiekonzern, ein dänischer Finanzier und Milliardenbeträge stehen im Raum. Als zusätzlich eine Journalistin verschwindet, die zu illegalen Machenschaften recherchiert hat, nimmt der Fall rasant an Fahrt auf.

Der Einstieg in die Geschichte ist atmosphärisch dicht und spannend. Besonders gut gefällt mir die Verknüpfung eines klassischen Mordfalls mit wirtschaftspolitischen Hintergründen. Das Thema Windenergie wirkt dabei nicht konstruiert, sondern erschreckend realistisch. Nyborg zeichnet ein glaubwürdiges Bild von Konzernstrukturen, Lobbyarbeit und juristischen Winkelzügen.

Anne Munk ist eine starke, entschlossene Ermittlerin mit Gespür für Zusammenhänge. Sie handelt mutig und manchmal risikoreich, bleibt dabei aber stets nachvollziehbar. Die kurzen Kapitel und die klar strukturierte Erzählweise sorgen für ein angenehmes Lesetempo, während überraschende Wendungen die Spannung konstant hochhalten. Besonders die Szenen auf der abgewrackten Bohrinsel erzeugen eine beklemmende, fast filmreife Atmosphäre.

Ein spannender, zeitgemäßer Krimi über Korruption, Macht und die Schattenseiten der Energiewende, der packend erzählt ist und bis zum Schluss fesselt.

Veröffentlicht am 03.03.2026

Mut, Licht und Schatten im Wald

Foxfighter - Rivalen des Waldes
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Mit „Foxfighter – Rivalen des Waldes” legt Akram El-Bahay den zweiten Band seiner Tierfantasy-Reihe vor und führt die Geschichte um den jungen Silberfuchs Finn konsequent, spannend und emotional weiter.

Die ...

Mit „Foxfighter – Rivalen des Waldes” legt Akram El-Bahay den zweiten Band seiner Tierfantasy-Reihe vor und führt die Geschichte um den jungen Silberfuchs Finn konsequent, spannend und emotional weiter.

Die Handlung setzt unmittelbar nach den Ereignissen des ersten Teils ein. Finn lebt inzwischen bei den Nachtpfoten, doch der Wald kommt nicht zur Ruhe. Kralle sammelt erneut Schatten um sich, die dunklen Waldgeister drohen zurückzukehren – und schnell wird klar: Nur eine Allianz aller Fuchsfamilien kann dieses Mal den Untergang verhindern. Doch alte Rivalitäten sitzen tief, Hierarchien sind streng und nicht jeder ist bereit zuzuhören – schon gar nicht einem jungen Fuchs.

Besonders gelungen ist die Verbindung von Spannung und Emotion. Der zweite Band wirkt noch intensiver als der erste. Die Versammlung der Fuchsfamilien, das gegenseitige Misstrauen und schließlich der große Showdown auf der Lichtung sorgen für echtes Mitfiebern. Zwischenzeitlich überschlagen sich die Ereignisse, und doch bleibt der rote Faden immer klar erkennbar.

Im Mittelpunkt steht dabei Finns Entwicklung. Er ist kein makelloser Held. Er zweifelt, handelt überstürzt und fühlt sich hin- und hergerissen zwischen seiner Herkunftsfamilie und seiner neuen Heimat. Gerade diese innere Zerrissenheit macht ihn so greifbar. Seine besondere Gabe, das Leuchten des Silberfuchses, ist dabei nicht einfach eine mächtige Waffe, sondern ein Symbol. Licht kann erlösen und nicht nur besiegen. Die Botschaft, dass Finn am Ende nicht durch reine Stärke, sondern durch Zusammenhalt und Mitgefühl siegt, ist stark.

Auch die Nebenfiguren bereichern die Geschichte enorm. Solo bringt eine spannende Dynamik hinein, während Fabelfell mit Mut und Entschlossenheit überzeugt. Und natürlich sorgt Stachel, der kleine Igel mit großer Klappe, immer wieder für humorvolle Momente, die die düstere Atmosphäre auflockern. Diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit funktioniert hervorragend.

Thematisch geht es um Familie, Zugehörigkeit, Verantwortung und die Frage, ob Dunkelheit immer gleichbedeutend mit Bösem ist. Gerade für Kinder ab zehn Jahren sind diese Aspekte nachvollziehbar und sensibel umgesetzt, ohne belehrend zu wirken. Gleichzeitig bietet das Buch genug Tiefe, sodass auch Erwachsene Freude daran haben.

Das Finale ist rund und stimmig. Offene Konflikte werden glaubwürdig gelöst, Figuren erhalten zweite Chancen und Finn findet seinen Platz – nicht zwischen, sondern in beiden Welten zugleich.

Fazit: Ein spannender, emotionaler und atmosphärisch dichter Abschluss der Reihe. „Foxfighter – Rivalen des Waldes” verbindet Abenteuer mit Herz, vermittelt wichtige Werte und zeigt, dass wahre Stärke im Zusammenhalt liegt. Eine klare Empfehlung für alle Fans von Tierfantasy und für alle, die Geschichten über Mut, Freundschaft und Licht in dunklen Zeiten lieben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasie
Veröffentlicht am 27.02.2026

Mythisch, finster und von beeindruckender Wucht

Der Aufstieg Thions
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„Der Aufstieg Thions“ von Lorenz Fleischhauer und T. J. Albrecht ist kein Fantasyroman für zwischendurch, sondern ein Werk, das gelesen, durchdrungen und beinahe studiert werden möchte. Schon nach wenigen ...

„Der Aufstieg Thions“ von Lorenz Fleischhauer und T. J. Albrecht ist kein Fantasyroman für zwischendurch, sondern ein Werk, das gelesen, durchdrungen und beinahe studiert werden möchte. Schon nach wenigen Seiten wurde mir klar, dass hier nicht einfach eine Geschichte erzählt wird, sondern ein Mythos zum Leben erwacht.

Das Multiversum Yî wirkt gewaltig und bis in seine tiefsten Wurzeln durchdacht. Götter, uralte Mächte, Fragmente göttlichen Lichts, Parallel- und Schattenwelten – alles greift wie Zahnräder eines kosmischen Plans ineinander. Besonders beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich sich Mythologie, Symbolik und Handlung verweben. Nichts wirkt zufällig, alles scheint Bedeutung zu tragen.

Thion selbst ist kein strahlender Held im klassischen Sinne, sondern ein Krieger, der zwischen Pflicht, Schicksal und freiem Willen zerrieben wird. Seine Begegnung mit dem Lumen, einem Fragment göttlichen Lichts, ist nicht nur Motor der Handlung, sondern auch Auslöser eines tiefen inneren Konflikts. Gerade diese philosophische Dimension hat die Geschichte für mich so intensiv gemacht. Es geht nicht nur um Krieg und Überleben, sondern auch um Identität, Opferbereitschaft und die Frage, ob man ein Werkzeug höherer Mächte ist oder selbst entscheidet.

Die Sprache ist bewusst archaisch und literarisch gehalten. Dadurch erhält der Roman eine zeitlose, fast sakrale Atmosphäre. Man muss sich darauf einlassen, aufmerksam lesen und darf keine schnell konsumierbare Fantasy erwarten. Doch genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Die ruhigen, getragenen Passagen entfalten eine enorme Sogwirkung, während die Schlachten und Begegnungen mit Oths Kreaturen wuchtig und bildgewaltig beschrieben sind.

Das Worldbuilding ist außergewöhnlich dicht. Völker, Götter, Geschichte und Kosmologie bilden ein Fundament, das in dieser Konsequenz selten zu finden ist. Man merkt, wie viel Herzblut und konzeptionelle Arbeit in diesem Epos stecken.

Dieses Werk ist für Fantasy-Einsteiger vermutlich zu anspruchsvoll, für Liebhaber tiefgründiger, mythischer High Fantasy hingegen ein echtes Highlight.

Es ist ein düsteres, literarisches Heldenepos voller Tragik, Größe und metaphysischer Fragen. Wer bereit ist, sich auf eine archaische, symbolreiche Welt einzulassen, wird mit einer außergewöhnlichen Reise belohnt.

Veröffentlicht am 26.02.2026

Zwischen Türschwelle und Welt

Hundertsiebenundachtzig Tage
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Mit Hundertsiebenundachtzig Tagen hat Ludovic Lecomte einen leisen Jugendroman geschrieben, der mit voller Wucht trifft. Es ist kein lautes, dramatisches Buch. Es nähert sich vorsichtig, Satz für Satz, ...

Mit Hundertsiebenundachtzig Tagen hat Ludovic Lecomte einen leisen Jugendroman geschrieben, der mit voller Wucht trifft. Es ist kein lautes, dramatisches Buch. Es nähert sich vorsichtig, Satz für Satz, Gedanke für Gedanke.

187 Tage lang verlässt der 16-jährige Ich-Erzähler das Haus nicht. Allein die Vorstellung, die Türklinke herunterzudrücken, löst in ihm eine kaum greifbare Angst aus. Was genau ihn lähmt, weiß er selbst nicht. Und genau das macht es so eindringlich: diese Unsicherheit, dieses „Es ist doch eigentlich nichts – und doch ist es alles“.

Der ungewöhnliche Schreibstil ist gerade deshalb so passend. Fragmentarisch, tagebuchartig, mit Listen, Gedankenfetzen und inneren Monologen entsteht ein sehr unmittelbares Bild seiner Gefühlswelt. Man liest nicht einfach nur, man steckt mittendrin. Die Gedankenspiralen, das Grübeln und das Kreisen um dieselben Fragen werden sprachlich spürbar.

Besonders berührt hat mich, wie differenziert auch das Umfeld dargestellt wird. Die Eltern, die zwischen Sorge, Überforderung und Hilflosigkeit schwanken. Die Therapeutin, die behutsam begleitet. Und die leise Frage, die mitschwingt: Ist das eine Phase? Ist es „nur“ Schulverweigerung? Oder steckt mehr dahinter? Diese Unsicherheit kennen viele Betroffene und Angehörige.

Das Buch zeigt eindrucksvoll, dass Angststörungen keine Laune sind und man sich nicht einfach zusammenreißen kann. Es macht spürbar, wie real körperliche Angst sein kann, auch wenn es keinen sichtbaren Auslöser gibt. Gleichzeitig bleibt die Geschichte nicht hoffnungslos. Schritt für Schritt tastet sich der Erzähler vor – in seinem Tempo.

Es ist kein Buch, das man nebenbei liest. Es ist eines, das man wirken lassen muss. Kurz, aber intensiv. Und gerade deshalb so nachhaltig.

Für mich ist es ein sehr berührender Jugendroman über Angst, Scham, Druck von außen und den Mut, den ersten kleinen Schritt zu wagen. Eine klare Leseempfehlung!