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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2026

Zwischen Schweigen und Herkunft

Niemands Töchter
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Mit Niemands Töchter legt Judith Hoersch einen Debütroman vor, der leise beginnt – und genau dadurch eine erstaunliche emotionale Wucht entwickelt. Es ist ein Buch über Herkunft, über das Schweigen in ...

Mit Niemands Töchter legt Judith Hoersch einen Debütroman vor, der leise beginnt – und genau dadurch eine erstaunliche emotionale Wucht entwickelt. Es ist ein Buch über Herkunft, über das Schweigen in Familien und über Frauen, die versuchen zu verstehen, wo sie eigentlich hingehören.
Im Zentrum stehen mehrere Frauenfiguren, deren Leben sich über Generationen hinweg miteinander verknüpfen. Alma wächst in den 1980er-Jahren in der Eifel auf und spürt früh, dass etwas in ihrer Familie nicht ausgesprochen wird. Parallel dazu begleitet man Isabell, die viele Jahre später in Berlin lebt und ebenfalls mit einer schmerzhaften Lücke in ihrer Familiengeschichte ringt. Erst nach und nach entfaltet der Roman das Geflecht aus Beziehungen, Entscheidungen und Geheimnissen, das diese beiden Lebenswege miteinander verbindet.
Besonders eindrucksvoll ist dabei, wie der Roman seine Geschichte erzählt. Die Handlung entwickelt sich nicht geradlinig, sondern in Fragmenten: Erinnerungen, Perspektivwechsel und Zeitsprünge fügen sich Stück für Stück zusammen. Diese Struktur spiegelt das zentrale Thema des Buches wider – das bruchstückhafte Wissen über die eigene Herkunft. Als Leserin tastet man sich gemeinsam mit den Figuren an eine Wahrheit heran, die lange verborgen blieb.
Thematisch bewegt sich der Roman im Spannungsfeld von Familie, Mutterschaft und Identität. Dabei zeigt Hoersch sehr differenziert, wie komplex und widersprüchlich Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern sein können. Neben Liebe und Fürsorge stehen auch Verlust, Schuldgefühle und unerfüllte Wünsche im Raum. Besonders berührend ist, wie der Roman das Weiterwirken vergangener Verletzungen schildert: Nicht laut oder dramatisch, sondern leise und oft erst auf den zweiten Blick spürbar.
Auch sprachlich bleibt die Autorin dieser Zurückhaltung treu. Der Stil ist ruhig, klar und stellenweise fast poetisch, ohne jemals ins Sentimentale zu kippen. Vieles bleibt bewusst angedeutet, sodass zwischen den Zeilen eine eigene Spannung entsteht. Gerade dieses Spiel mit dem Ungesagten verleiht der Geschichte ihre Intensität. Man liest nicht nur, was passiert – man spürt auch, was unausgesprochen im Raum steht.
Das Erzähltempo ist eher gemächlich und verlangt etwas Geduld, besonders zu Beginn. Doch je näher das Ende rückt, desto mehr fügen sich die einzelnen Handlungsstränge zusammen und entfalten ihre emotionale Wirkung. Die Figuren gewinnen dabei zunehmend an Tiefe, und die lange angedeuteten Geheimnisse erhalten schließlich eine Erklärung.
Für mich ist „Niemands Töchter“ kein klassischer Familienroman und auch kein reines Drama. Es ist vielmehr eine literarische Suche nach Identität – nach den Geschichten, die uns geprägt haben, und nach denen, die nie erzählt wurden.
Ein stiller, nachdenklicher Roman über Familie, Verlust und Zugehörigkeit, der nicht laut auftrumpft, aber lange im Kopf bleibt. ⭐⭐⭐⭐☆ (4/5)

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.01.2026

Ein Nein, das nachhallt – und eine ganze Stadt in Bewegung setzt

Hazel sagt Nein
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Was passiert, wenn man im falschen Moment das einzig Richtige tut? Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross ist genau dieser Roman: einer, der leise beginnt, dann unaufhaltsam Kreise zieht – durch eine ...

Was passiert, wenn man im falschen Moment das einzig Richtige tut? Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross ist genau dieser Roman: einer, der leise beginnt, dann unaufhaltsam Kreise zieht – durch eine Familie, eine Kleinstadt, durch moralische Gewissheiten, die plötzlich brüchig werden.
Die Blums lassen Brooklyn hinter sich und hoffen in Riverburg auf einen Neuanfang. Mehr Platz, weniger Lärm, eine sichere Professur für den Vater, neue Möglichkeiten für die Mutter, ein überschaubares Leben. Doch gleich an Hazels erstem Schultag kippt diese Hoffnung. Der Schulleiter bittet sie ins Büro – und offenbart ein Machtspiel, das so ungeheuerlich wie erschreckend routiniert ist. Hazel sagt Nein. Kein großes Pathos, kein heroischer Monolog. Einfach ein Nein. Und genau darin liegt die Wucht dieses Romans.
Jessica Berger Gross erzählt nicht die Geschichte eines einzelnen Übergriffs, sondern die Geschichte seiner Folgen. Der Fokus verschiebt sich: weg vom Täter, hin zu den Erschütterungen, die sein Handeln auslöst. Hazel wird nicht zur Projektionsfläche eines Skandals gemacht, sondern bleibt eine junge Frau mit Plänen, Ängsten, Zweifeln. Gleichzeitig bekommen auch Mutter, Vater und Bruder ihre eigene Stimme. Diese Perspektivwechsel sind klug gesetzt: Sie zeigen, wie unterschiedlich Menschen mit Ohnmacht, Wut, Schuldgefühlen und öffentlichem Druck umgehen – und wie wenig kontrollierbar die Dynamiken einer vermeintlich „netten“ Kleinstadt sind.
Der Ton des Romans ist bemerkenswert: ernst, aber nicht erdrückend. Es gibt feinen Humor, absurde Momente, Alltag, der weiterläuft, obwohl nichts mehr ist wie zuvor. Gerade das macht die Geschichte so glaubwürdig. Nicht alles explodiert, nicht alles wird gelöst. Manche Dinge verlaufen im Sande, andere hinterlassen Spuren. Und genau so fühlt sich Realität an.
Hazel sagt Nein ist Bookclub-Fiction im besten Sinne: ein Roman, der Diskussionen provoziert, der Fragen stellt nach Macht, Glauben, Wegsehen – und nach dem Mut, sich selbst treu zu bleiben, auch wenn die Konsequenzen unüberschaubar sind. Kein reißerisches MeToo-Drama, sondern ein vielschichtiges Familienporträt mit gesellschaftlichem Nachhall.
Ein Debüt, das lange im Kopf bleibt. Und ein Nein, das man nicht mehr überhört.

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  • Handlung
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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 06.12.2025

Zwischen Flimmerlicht und Fernweh

This isn't happiness
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Dieser Roman brachte mich zum Lachen und zum Durchatmen zugleich…. This Isn’t Happiness von Mary Newnham (wunderbar übersetzt von Johanna Czerny) tat genau das. Der Ton ist leicht, der Humor sitzt, und ...

Dieser Roman brachte mich zum Lachen und zum Durchatmen zugleich…. This Isn’t Happiness von Mary Newnham (wunderbar übersetzt von Johanna Czerny) tat genau das. Der Ton ist leicht, der Humor sitzt, und trotzdem schwingt da eine unterschwellige Schwere mit, die mich erwischte. Dieses eigenwillige Gleichgewicht zwischen Witz und Melancholie fühlt sich an wie der Moment, in dem man lächelt, obwohl man innerlich längst ahnt, dass etwas nicht stimmt. Und genau dort lebt Amy: zwischen Haltung bewahren und Zähne zusammenbeißen. Sehr gelungen!
Ich mochte sie von der ersten Sekunde an. Ihr freundliches, leicht chaotisches „Ich krieg das schon hin“-Mantra wirkt unglaublich nahbar, und gleichzeitig möchte man sie immer wieder schütteln, weil sie Konflikte lieber weglächelt, statt sie auszusprechen. Zum Haare raufen. Besonders die kleinen Alltags-fluchten, mit denen sie versucht, ihre wachsende Unzufriedenheit zu überdecken, haben mich mitten ins Herz getroffen – vielleicht weil sie so echt sind, so menschlich.
Das Großartige an diesem Buch ist, dass es keine künstliche Dramatik braucht, um zu fesseln. Die Autorin beobachtet Beziehungen mit einem so scharfen, liebevollen Blick, dass schon alltägliche Momente emotional treffen. Es sind die Zwischentöne, die unausgesprochenen Dinge, die winzigen Verschiebungen im Miteinander – genau die, die man im eigenen Leben oft viel zu spät bemerkt. Und diese Ehrlichkeit tut weh, aber sie tut auch unglaublich gut.
Was mich ebenfalls begeistert hat, ist der Humor: intelligent, manchmal bissig, immer genau getimt. Ich habe oft gelacht, obwohl die Szene darunter einen ernsten Kern hatte – und genau dieses Gleichgewicht macht den Roman so stark. Er ist nie deprimierend, aber auch nie seicht. Er schenkt Leichtigkeit, ohne etwas schönzureden.
Besonders schön fand ich, wie sich im Hintergrund eine Frage immer deutlicher abzeichnet: Was bedeutet Glück – und wem gehört es eigentlich? Mary Newnham behandelt dieses Thema so zugänglich, so warmherzig und gleichzeitig so klar, dass man automatisch mitdenkt, mitfühlt und sich selbst an ein paar stillen Stellen wiedererkennt.

This Isn’t Happiness ist für mich ein Roman, derds Mut macht, das Herz wärmt und einen mit einem wunderbar hellen Gefühl zurücklässt: dass Veränderung möglich ist, und dass man sich selbst wiederfinden darf.
Eine klare Empfehlung – gerade weil es so echt und so überraschend leichtfüßig erzählt ist.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Ein visueller Schlüssel zur Welt der Anime

Anime – Der ultimative Guide
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Anime ist weit mehr als bunte animierte Bilder in Filmform. Das merkt man recht schnell, wenn man in diesem umfassendem Werk Anime – Der ultimative Guide blättert. Beispielsweise Robotic Angel, der erzählt ...

Anime ist weit mehr als bunte animierte Bilder in Filmform. Das merkt man recht schnell, wenn man in diesem umfassendem Werk Anime – Der ultimative Guide blättert. Beispielsweise Robotic Angel, der erzählt die Geschichte von Tima, einem Roboter, der das Aussehen der verstorbenen Tochter eines mächtigen Mannes hat und als Schlüssel zu einer geheimen Waffe dienen soll. Als der junge Kenichi Tima begegnet, beginnt ein aufregendes Abenteuer voller Gefahren, moralischer Konflikte und menschlicher Emotionen. Kompakt erklärt von Joe O’Connell, der fasziniert ist von Anime und macht sie für Laien wie mich greifbar.
Das Buch präsentiert 100 Anime-Filme und -Serien, von Klassikern bis zu versteckten Juwelen, gespickt mit farbigen Standbildern und Illustrationen, die den Zauber der Geschichten einfangen. Jedes Profil enthält nicht nur grundlegende Informationen wie Erscheinungsjahr, Genre oder Ursprungsquelle – sei es Manga, Light Novel oder Computerspiel – sondern auch spannende Hintergrundinfos, die Regisseure, Studios und spezifische Genres in den Fokus rücken. So erfährt man zum Beispiel, dass Hayao Miyazaki seine Karriere nicht sofort bei den Ghibli Studios begann, sondern zuvor an Projekten wie Heidi und Lupin III mitwirkte. Solche Details machen das Buch zu einem wahren Schatz für Neugierige.
Besonders gelungen finde ich die Empfehlungen für Einsteiger und Kenner. Sie sind ein idealer Leitfaden, um die eigene Entdeckungsreise durch die Anime-Welt zu starten. Ich selbst habe viiiiiele Titel entdeckt, die mir völlig unbekannt waren, und die ich nun gerne sehen möchte. Guter Start mit dem Sohn das anzugehen.
Die Essays und Spotlights schaffen dabei eine Balance zwischen Information und Inspiration, sodass man das Buch nicht nur liest, sondern förmlich darin eintaucht.
Anime – Der ultimative Guide ist ein absolutes Muss für Filmfans und alle, die sich für Anime interessieren. Es öffnet die Tür zu einer faszinierenden Welt voller Geschichten, Kunst und Emotionen. Für mich als Laien war es eine wunderbare Entdeckungsreise, die Lust macht, noch mehr Anime zu erleben und zu verstehen.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

„Auf Schienen durchs Paradies – mit Train Japan ins Herz der japanischen Zugkultur“

Train Japan
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Wusstet ihr, dass 45 der 50 verkehrsreichsten Bahnhöfe der Welt in Japan liegen? Kein Wunder also, dass kaum ein anderes Land so sehr für seine Bahnleidenschaft bekannt ist wie dieses. Genau dieses Lebensgefühl ...

Wusstet ihr, dass 45 der 50 verkehrsreichsten Bahnhöfe der Welt in Japan liegen? Kein Wunder also, dass kaum ein anderes Land so sehr für seine Bahnleidenschaft bekannt ist wie dieses. Genau dieses Lebensgefühl – die Mischung aus Präzision, Pünktlichkeit und purer Zug-Faszination – fangen Michelle Mackintosh und Steve Wide in Train Japan perfekt ein.
Schon das poppige, stilvoll designte Cover verspricht Reiseglück, und beim Aufschlagen wird klar: Dieses Buch ist eine Einladung, Japan auf Schienen zu entdecken. Ob pfeilschneller Shinkansen oder nostalgischer Lokalzug – das Autorenduo führt mit spürbarer Begeisterung durch die Vielfalt des japanischen Bahnnetzes. Ihre über sechzig Reisen merkt man jeder Seite an: Hier schreiben zwei Menschen, die wirklich wissen, wovon sie sprechen.
Besonders gelungen finde ich die thematische Struktur des Buches. Statt einer nüchternen Auflistung von Routen widmen sich die Kapitel stimmungsvollen Schwerpunkten wie „Beste Jahreszeit“, „Küstenstrecken“ oder „Gourmetreisen“. So lässt sich Japan immer wieder neu entdecken – ob unter Kirschblüten, im Herbstlaub oder beim Ekiben-Lunch mit Blick aufs Meer. Die vielen Fotos und Illustrationen machen das Buch zudem zu einem echten Hingucker – stylish, detailverliebt und einfach schön anzusehen. Besonders nett finde ich die Zeitschiene am unteren Rand der Seiten wie lange die einzelnen Fahrten brauchen und die Stopps.
Natürlich gibt es auch jede Menge nützliche Tipps: zu Tickets, Strecken, Bahnhöfen und kleinen kulturellen Besonderheiten. Eine Karte oder immer mal Karten zwischendrin für die einzelnen Strecken zur besseren Orientierung hätte ich mir zwar gewünscht, doch das ist Jammern auf hohem Niveau.
Train Japan ist ein Buch, das man nicht nur liest, sondern erlebt – ideal zum Verschenken, Schmökern oder als Begleiter bei der Reiseplanung. Für mich weckt es Sehnsucht nach rasenden Zügen, leuchtenden Bahnhöfen und dem Moment, in dem man durch Japans Landschaften gleitet und denkt: So fühlt sich Entdecken an.

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