Ich habe das Buch angefordert, weil mich das Cover fasziniert und weil es nach einem launigen Sommertag in London klang. Letztlich habe ich mit dem Buch bekommen, was ich erwartet habe. Es war trotzdem ...
Ich habe das Buch angefordert, weil mich das Cover fasziniert und weil es nach einem launigen Sommertag in London klang. Letztlich habe ich mit dem Buch bekommen, was ich erwartet habe. Es war trotzdem anstrengend.
Worum geht es?
Der Text zeigt das Leben mehrerer Figuren, überwiegend an einem Tag. Alle leben in London und sind mehr oder weniger miteinander verknüpft. Der Großteil behandelt Ed und Phil, zwei Jugendfreunde, die ein Geheimnis teilen.
Wie hat mir das Buch gefallen?
Das Buch hat einen roten Faden, wirkte aber stellenweise sehr unübersichtlich. Gefühlt kommen ständig neue Figuren hinzu, auf zwei davon hätte man aus meiner Sicht verzichten können. Der Grundkonflikt zwischen Ed und Phil treibt das Buch voran.
Alle Figuren eint, dass sie aus einem Londoner Vorort kommen und mit ihrem Leben hadern. Es war interessant zu sehen, wie sich nach und nach immer mehr das Leben der Charaktere zeigt. Letztlich wollen sich alle Figuren verändern, tun es aber nicht.
Vieles bleibt unausgesprochen. Viele Probleme könnt man lösen, wenn man miteinander redet.
Ich fand das stellenweise langatmig und deprimierend, die ewigen Beschreibungen durch die Straßen Londons habe ich überflogen. Aber auch das ist eine Geschmacksfrage: Leute, die sowas mögen, die sogar mal in London waren, werden ihre Freude haben.
Ein paar queere Figuren gibt es, Generationenkonflikte und Irland wird angesprochen. Fand ich gut.
Außerdem sind an manchen Stellen Lebensweisheitn versteckt. Es ist, obwohl personal erzählt, ein sehr langer Gedankenstrom. Leider ähneln sich die Stile, sodass die Figuren etwas an Profil verlieren.
Fazit
Für mich ist es ganz knapp ein Flop. Die Idee ist nicht neu, aber es gibt interessante Figuren. Man kann viel entdecken. Trotzdem liest es sich langsam und fühlt sich tatsächlich wie ein sehr, sehr langer Tag mit viel Sonne, aber auch viel Ödnis an.
Ein Wort zum Titel
Im Original heißt der Text "Evenings and Weekends", was die Austauschbarkeit der Erlebnisse besser betont - an jedem Wocheneende passiert etwas anderes, Bedeutsames. Der deutsche Titel verweist auf den Sommer, er erinnert an Schwere und Erschöpfung. Ich finde beide Titel gut.
Jonah hat gerade einen Preis gewonnen und spielt eine Hauptrolle in "The wooden horse", einem Theaterstück (oder Musical) über Troja. Als Konkurrent Dexter eine Rolle im selben Stück bekommt, befürchtet ...
Jonah hat gerade einen Preis gewonnen und spielt eine Hauptrolle in "The wooden horse", einem Theaterstück (oder Musical) über Troja. Als Konkurrent Dexter eine Rolle im selben Stück bekommt, befürchtet Jonah um seinen Status. Außerdem leidet Jonahs Mutter unter der Alzheimer-Erkrankung des Vaters, was zusätzliche Problem verursacht.
Wie hat mir das Buch gefallen?
Erstmal: Diesmal finde ich den Titel, obwohl englisch, sehr einprägsam. Das Cover ist schön, ich guck das gerne an. Aber für die stellenweise düstere Thematik ist es etwas zu fröhlich.
Mein größtes Problem sind die Figuren. Ich habe lange kein Buch gelesen, bei dem ich eine Hauptfigur wirklich unsympatisch fand. Bei Dexter habe ich aber ständig Red Flags gesehen. Auch wenn das am Ende grob mit seiner Vergangenheit erklärt wird und Dexter sich entschuldigt, habe ich ein schlechtes Gefühl gehabt. Dexter ärgert Jonah ständig, übt Kritik an seinem Schauspiel, gibt ihm die Schuld, wenn dieser sich schlecht fühlt. Und Jonah ist eine Person, die sich, so habe ich das empfunden, gern unterordnet. Er beneidet viele Leute um deren Aussehen, hat ständig Angst, nicht gut genug zu sein. Er lässt sich aber gern von Dexter leiten und beschützen. Am Ende macht auch Jonah eine Entwicklung durch. Aber ich fand die Dynamik der beiden nicht so gut.
Ich fühlte mich stellenweise zurückversetzt in die 2000er, als latent-toxistische Beziehungen im Bereich Boys Love romantisiert wurden.
Dazu kommt, dass die harmonischen Momente der beiden eher spärlich gesäht sind. Der Wechsel von Abneigung zum Freundschaft wird mit zwei Sätzen erklärt und wirklich unterstützen tun sie sich nicht. Dafür wirken die Neckereien eher verkrampft. Die Liebensszenen sind da, aber sie wirkten auf mich nicht stimmig.
Gut geworden ist das Kollektiv: Die Figuren am Theater, überwiegend queer, sind plastisch gestaltet und Jonah hat eine wirkliche Verbindung zu ihnen. Die Beziehung zu BFF Bash hätte etwas mehr sein können, aber ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Jede Figur hat ihre Eigenheiten, auch ihre eigene Sprache, ein paar Antipatie-Träger:innen gibt es auch. Und zwei Bösewichte, von denen einer für die Handlung nicht wichtig war, aber für die Erklärung der Figuren.
Einen großen Teil nimmt die Geschichte um Jonahs Vater ein. Dieser lebt zu Beginn bei der Mutter, 6 Stunden entfernt von London. Das Buch zeigt in einigen Momenten die Erkrankung, aber vor allem die Folgen für die Mutter. Ich fand das realistisch, mehr hätte gern sein können. Das Thema schafft einen gute Ausgleich zur Liebesgeschichte, hat sogar mehr Raum eingenommen als diese. Und es macht Jonah sympatisch. Der Kreis wird am Ende des Buches gut geschlossen, die Rolle des Vaters noch einmal aufgegriffen. Die Autorin arbeitet hier mit Musik als Anker, das war wirklich gut.
Das Thema Theater konnte mich nur halb abholen, was vor allem daran liegt, dass ich das fiktive Stück nicht kannte und mit der Vorlage nicht vertraut bin. Menschen, die sich mit der Sage um Troja beschäftigt haben, werden sicher mehr Spaß haben. Ich fand die Zitate am Anfang der Kapitel gut gewählt und mochte, dass das Buch am Ende dem eher "klassischen" Musical eine erneuerte Variante mit Publikum gegenüber stellt. Auch davon hätte ich gern mehr gesehen. Vom Theater-Umfeld selbst sieht man wenig. All die Gewerke werden nicht sichtbar, und trotz vieler Beschreibungen fehlte mir der Theater-Geist. Meistens sieht man die Figuren am Bühnenausgang Autogramme schreiben. Letztlich ist es aber eine Geschmacksfrage.
Die Dramaturgie ist ok. Obwohl das Buch 313 Seiten hat, passiert relativ wenig. Die Rivalität der beiden ist nicht so spritzig, weil die Figuren nicht gleichwertig sind. Dazu kommen zwei Ex-Freunde, die es für's Drama und den Hintergrund braucht, die aber rückblickend nicht notwendig gewesen wären. Denn ihre Handlungsstränge sind erstaunlich kurz.
Sehr schleppend machen das Buch auch die langen Beschreibungen von Personen und der Umgebung - es gibt Leute, die das mögen, ich mochte es nicht so. Außerdem gibt es einige Bandwurmsätze, bei denen ich den Überblick verloren habe. Die Übersetzung von Emilia Stemmler fand ich nicht immer gut. Über deutsch-englische Konstruktionen wie "Seid ihr ok damit, diese zu beantworten?" (29 %) oder "needy" (bedürftig) kann man streiten. Aber "Das Glitzerspry, mit dem sie sich übergossen hatte" (30 %), "Sein Gesagtes klang plötzlich viel zusammenhängender" (34 %) oder "jetzt können wir es mindestens sieben Werktage lang nicht adressieren" (71 %) war etwas holprig.
Was mir im Buch aufgefallen ist, dass sich die Figuren häufig betrinken. An einer Stelle wird das kritisch hinterfragt, aber es gibt einige Situationen, in denen Alkohol nicht notwendig gewesen wäre.
Die Liebesszenen sind nicht so explizit; warm, aber nicht heiß. Es fällt aber auf, dass die Figuren meistens mündlich aktiv werden. Dazu passt, dass die Autorin im Nachwort erwähnt, dass sie Panik vor Liebesszene gehabt hat. Aus meiner Sicht wären sie nicht nötig gewesen, aber für Leute, die keine detailreichen Beschreibungen haben wollen, ist das Buch gut.
Fazit
"Jonah goes off script" besticht mit dem Theater-Thema und hat mit dem Vater eine gute Nebenhandlung. Mit der Liebesgeschicht hatte ich aber Probleme. Daher für mich eher Flop.
Dieses Buch war ein Zufallsfund in einem Buchladen und ich finde das Cover sehr schön. Der graue Hintergrund, das blaustichige Foto, dazu die kraftvolle Schrift. Ich gucke es gern an. Und trotzdem finde ...
Dieses Buch war ein Zufallsfund in einem Buchladen und ich finde das Cover sehr schön. Der graue Hintergrund, das blaustichige Foto, dazu die kraftvolle Schrift. Ich gucke es gern an. Und trotzdem finde ich den Inhalt schwer zu beurteilen.
Worum geht es?
Das Buch beleuchtet die Leben der Töchter Thomas Manns, Erika, Elisabeth und Monika. Allerdings verflechtet der Text nicht drei Biografien, sondern betrachtet anfangs alle sechs Geschwister, im Mittelteil Erika Mann mit geringen Anteilen Monikas und noch weniger Elisabeth, bevor es im letzten Fünftel überwiegend um Elisabeth, ein bisschen um Monika geht.
Wie hat mir das Buch gefallen?
Die Beurteilungen der drei Frauen fand ich erhellend, wirklich nahegekommen sind sie mir nicht.
Das liegt, denke ich, auch an der Quellenlage: Erika Mann war schon sehr früh publizistisch tätig, sie stand den Eltern am nächsten, daher gibt es viel Stoff zu erzählen. Monika hat später belletristische und autobiografisch-geprägte Texte geschrieben, wird aber in den Briefen und Tagebüchern ihrer Verwandten wenig erwähnt. Elisabeth hat überwiegend wissenschaftlich und publizistisch gearbeitet, wenngleich sie als die andere Lieblingstocher Erwähnung von der Familie findet. Um ein umfassendes Porträt zu zeichnen sind vor allem von Monika und Elisabeth zu wenige Fakten da. Von Golo Mann kann man z.B. ein ausführlicheres Bild malen, weil er zahlreiche Briefe und Tagebucheinträge hinterlassen hat.
Vor allem Monikas Versuche sich zu emanzipieren, ihr Veröffentlichungen, wirken immer etwas deplaziert, nicht gut eingeordet. Auch der lange Abschnitt über Elisabeth am Ende. Eine Entwicklung der Frauen von Kindern zu gereiften Persönlichkeiten zeichnet das Buch nicht.
Konflikte mit den anderen Geschwistern werden angerissen, das Buch beschränkt sich aber überwiegend auf die drei Frauen und die Mutter. Erfrischend fand ich die Erwähnung aus Frido Manns "Achterbahn", in der z.B. seine Beziehung zu Elisabeth und Monika kritisch hinterfragt wird.
Davon hätte ich mir im Buch mehr gewünscht: Ein Hinterfragen des Bildes, das die Frauen von sich zeichneten.
Gut fand ich die Einordnung innerhalb der Stellung der Familie, die Rolle, die sie für die "Firma Thomas Mann" verkörpern. Immer wieder kommt Unverständnis darüber auf, dass Monika ausgeschlossen wurde. Ich vermute, dass es Neid war: Während die anderen Mitglieder mit ihrer Melancholie und mit der Kunst kämpften, also vor allem das eigene Leiden celebrierten, war Monika einfacher gestrickt, verliebte sich leicht, konnte sich für keinen beruflichen Weg entscheiden. Trotzdem kommt mir Monika wie eine Außenseiterin vor. An einer Stelle arbeitet die Autorin gut heraus, wie schwierig die Emmigration für die Menschen war, weil sie ihr soziales Umfeld und die Möglichkeit zur Kultur verloren, im Falle der Manns erst in der Schweiz, dann in den USA; Erika konnte damit gut umgehen. Ich mag das Buch an den Stellen, an denen die Erzählerin einen Schritt zurücktritt und das Geschehen beurteilt. Und dennoch waren diesen Stellen so spärlich gesehen, dass es auf mich nicht rund wirkte.
Ich finde auch den Schlussatz etwas überzeichnet: "So kann über die Geschichte der drei Töchter [...] das Spektrum an Entfaltungsmöglichkeiten bürgerlicher Frauen im 20. Jahrhundert sehr prägnant aufgefächert werden" (S. 316). In diesem Kontext wurden die Biografien vorher nicht betrachtet. Man kann sie so beurteilen, denn die Frauen haben sehr unterschiedliche Lebenswege gewählt. Trotzdem empfand ich sie nicht als exemplarisch.
Aus meiner Sicht wäre mit dem Buch mehr möglich gewesen.
Der Schreibstil ist dazu passend sachlich, aber gut zu lesen. Für mich an manchen Stellen aber zu locker.
Und wirklich Neues erzählt das Buch nicht. Vor allem die Passagen über Erika sind aus anderen Biografien bekannt, ich fand das notwendig für die Chronologie, aber etwas langweilig.
Fazit
Ich finde es nicht die beste Biografie, weil mir ein Stück "Seele" der drei Frauen fehlt. Wenn man das Buch geschenkt bekommt, kann man damit drei tolle Tage verbringen, wirkliche Hänger gibt es nicht. Ich mag den beurteilenden Ansatz und hätte gern mehr davon gehabt. So wirkt der Text irgendwie zwischen den Stühlen. Was aber, wie gesagt, auch am Stoff liegt.
Bei diesem Text hat mich, mal wieder, die Mischung aus Journalismus und dem Handwerker gereizt, der zum Milliardär wird. Letztlich war eine Szene im letzten Drittel sehr beeindruckend - der Rest aber austauschbar.
Worum ...
Bei diesem Text hat mich, mal wieder, die Mischung aus Journalismus und dem Handwerker gereizt, der zum Milliardär wird. Letztlich war eine Szene im letzten Drittel sehr beeindruckend - der Rest aber austauschbar.
Worum geht es?
Max erfährt, dass er der Sohn eines verstorbenen Milliardärs ist, zwei Geschwister hat und seinen Job aufgeben kann. Er muss lernen, mit der Aufmerksamkeit umzugehen. Klatsch-Journalistin Sarah kämpft um die Ehrlichkeit im knallharten Schmierenblatt-Geschäft.
Kurz ein Wort zu Cover und Titel
Oft finde ich die deutsche Variante schlimmer als die englische, hier nimmt sich das aber nichts. Das deutsche Cover hat weder etwas mit dem Straßenbau (in dem Max arbeitet), noch mit dem Millionärs- oder dem Journalismus-Thema etwas zu tun. Es ist total austauschbar. Aber das rote Kleid fällt auf. Beim Titel dachte ich an Reisen. Damit ist der Titel sogar missverständlich. Der englische Titel "The Forgotten One" (der Vergessene) spielt immerhin darauf an, dass erstmal keiner von Max Kenntniss hat. Aber auch hier ist die Uhr auf dem Cover nichtssagend.
Wie hat mir das Buch gefallen?
Es ist leider ein Text, der schnell aus meinem Kopf verschwindet. Die Nebenfiguren, vor allem die Geschwister und die Schwägerin, sind gut ausgearbeitet, ich habe sie ins Herz geschlossen und sie wirkten plastisch. Mehr wäre gut gewesen, aber sie passen in die Story. Leider ist vor allem Sarah ziemlich blass. Von ihrer journalistischen Tätigkeit sieht man fast nichts, es wirkt, als würde sie nur im Internet recherchieren. Es fehlt einiges. Max war mir als Handwerker sympatisch, aber das verläuft sich. Er wird aggressiv beschrieben, ist es aber selten. Obwohl ich vor allem den Aspekt interessant fand, wie er mit den Medien umgeht. Das plätschert nur vor sich hin. Nur am Ende gibt er der Presse ein Statement mit einem guten moralischen Aspekt. Ich fand das toll. Und ich fand es gut, dass es kein Versteckspiel zwischen Sarah und Max gibt. Allerdings hatte ich mir trotzdem etwas Pfeffer gewünscht.
Der Geschichte fehlt es vor allem an einer spannenden Geschichte. Im letzten Viertel gibt es ein Problem, das aber schnell gelöst wird. Auch das zweite, kleinere wird schnell behoben, auch wenn ich den emotionalen Gedanken dahinter toll fand. Schade, dass man das nicht näher ausgeführt hat.
Der Autorin liegt das Grundthema "vernachlässigte Kinder" am Herzen, betont sie im Vorwort, und das taucht an verschiedenen Stellen auf. Trotzdem war das nicht genug. Wenn die Geschichte aus dem Vorwort emotional packender ist, dann spricht das nicht für den Text.
Genretypisch werden zwischen Sarah und Max Körperflüssigkeiten ausgetauscht und Liebe beteuert. Bemerkenswert ist, dass sie eine Spirale nutzt, er sterilisiert ist. Bei 76 % wird aber der Eindruck erzeugt, dass sie keine Kondome benutzen - STDs scheinen im Buch nicht zu existieren.
Fazit
Das Buch lässt sich nett lesen und das Grundthema ist gut. Letztlich ist es aber zu sehr auf die Liebesgeschichte zuschnitten, um zu bewegen.