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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2026

Wrestling, Wahnsinn und der American Dream

Sunset Flip
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Obwohl mich Wrestling eigentlich kaum interessiert, hat mich die Geschichte um Augustine „Auggie“ Schnuck schnell gepackt. Der Roman startet 1989, als Auggie als Wrestler „The Aug“ in Kalifornien unterwegs ...

Obwohl mich Wrestling eigentlich kaum interessiert, hat mich die Geschichte um Augustine „Auggie“ Schnuck schnell gepackt. Der Roman startet 1989, als Auggie als Wrestler „The Aug“ in Kalifornien unterwegs ist. In den folgenden Kapiteln begleitet man ihn durch seine Karriere, seine Beziehung zu Nadine und den immer größer werdenden Druck innerhalb dieser exzentrischen Wrestling-Welt.

Besonders stark fand ich, wie Joey Goebel den amerikanischen Traum thematisiert „Vom Tellerwäscher zum Millionär - durch harte Arbeit“. Auggie kommt aus einfachen Verhältnissen und träumt von einem besseren Leben – Haus, Familie, vielleicht sogar Hollywood. Gleichzeitig zeigt das Buch aber auch gnadenlos, was dieser Traum Menschen abverlangen kann. 300 Tage im Jahr unterwegs zu sein, ständig Erwartungen erfüllen zu müssen und dabei immer mehr die eigene Identität zu verlieren, wird hier eindringlich dargestellt.

Auggie selbst ist dabei eine spannende Figur. Eigentlich eher ruhig und sympathisch, verwandelt er sich als „The Aug“ zunehmend in jemanden, bei dem die Grenzen zwischen Rolle und Realität verschwimmen. Gerade dieser psychologische Aspekt war für mich das Highlight des Romans. Man merkt früh, dass die Geschichte wahrscheinlich nicht gut enden wird, fiebert aber trotzdem mit ihm und Nadine mit, weil ihre Wünsche und Träume so bodenständig und nachvollziehbar wirken.

Das Einzige, was mich manchmal etwas rausgebracht hat, war die sprunghafte Erzählweise. Trotzdem bleibt „Sunset Flip“ für mich ein sehr besonderes, ungewöhnliches und psychologisch dichtes Buch, das weit mehr ist als nur ein Roman über Wrestling.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Zwischen Überforderung und bedingungsloser Liebe

Sie wollen uns erzählen
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„Sie wollen uns erzählen“ von Birgit Birnbacher ist ein Roman, der die Vielfalt unseres Denkens, unserer Emotionen und unserer Eigenarten aufzeigt. Im Mittelpunkt steht Oz, ein Junge, der mit ADHS lebt ...

„Sie wollen uns erzählen“ von Birgit Birnbacher ist ein Roman, der die Vielfalt unseres Denkens, unserer Emotionen und unserer Eigenarten aufzeigt. Im Mittelpunkt steht Oz, ein Junge, der mit ADHS lebt und dadurch in der Schule und im Alltag immer wieder aneckt. Sein seine Impulsivität und seine Eigenheiten machen es seiner Umwelt und seinen Eltern nicht leicht, ihn wirklich zu verstehen.

Besonders stark fand ich die Figur der Ann. Sie kämpft gefühlt ständig: gegen Vorurteile, gegen Zuschreibungen von außen und auch mit sich selbst. Man merkt, wie sehr sie ihren Sohn schützen will – und gleichzeitig, wie überfordert sie dabei oft ist. Genau diese Ambivalenz macht sie unglaublich menschlich. Ich konnte mit beiden Figuren richtig gut mitfühlen.

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als die Zilly-Oma plötzlich verschwindet und gefühlt alles gleichzeitig ins Wanken gerät: Schule, Familie, das ganze bisherige Leben. Ab da wird es stellenweise ziemlich turbulent, fast schon chaotisch – aber genau das passt auch zur Geschichte und zu Oz’ Wahrnehmung der Welt.

Was mir besonders gefallen hat: ADHS steht gar nicht so sehr im Mittelpunkt, wie man vielleicht erwarten würde. Vielmehr geht es um Familie, um Zusammenhalt und um die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Und die ist – trotz aller Schwierigkeiten – letztlich sehr stark und berührend.

Birnbacher erzählt das Ganze mit viel Feingefühl und einem angenehm trockenen Humor. Es gibt viele kleine Momente, die zeigen, wie anstrengend, schräg, aber eben auch schön das Leben sein kann – gerade in den Details, die man sonst leicht übersieht.

Auch das Cover ist mir positiv aufgefallen: Dieser Blick in einen lichtdurchfluteten Wald, zusammengesetzt aus vielen kleinen Farbpunkten, passt wunderbar zur Geschichte. Es spiegelt auf schöne Weise wider, dass auch Menschen aus vielen Facetten bestehen und Vielfalt etwas ganz Natürliches ist.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Über den Mut und die Chance, das eigene Schicksal neu zu schreiben

Zweimal Karma und zurück
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„Zweimal Karma und Zurück“ ist ein Roman, der mich auf eine unerwartet unterhaltsame und anregende Reise mitgenommen hat. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, Anne und Cathy, die sich in Indien bei einem ...

„Zweimal Karma und Zurück“ ist ein Roman, der mich auf eine unerwartet unterhaltsame und anregende Reise mitgenommen hat. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, Anne und Cathy, die sich in Indien bei einem Palmblatt-Reading begegnen. Was dort vorhergesagt wird, wirkt zunächst wie ein Schatten über ihrem Leben – und wird gleichzeitig zum Auslöser für eine Reise, die für eine deutliche Horizonterweiterung sorgt.

Besonders spannend fand ich die Entwicklung der beiden Hauptfiguren. Anne klammert sich an das, was schon lange nicht mehr gut für sie ist. Cathy hingegen zeigt mehr Mut und versucht bewusst, ihr Leben in eine neue Richtung zu lenken. Gerade diese Gegensätze machen die Dynamik zwischen den beiden so interessant. Man begleitet sie dabei, wie sie alles daran setzen, ihr Leben wieder in die richtige Bahn zu lenken. Dabei treffen sie auf Menschen, die ihnen dabei helfen, auf den neuen Lebenswegen Fuß zu fassen.

Mich hat vor allem die Botschaft des Buches berührt: wir dürfen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen - egal, was die Vergangenheit hervorgebracht hat. Die Mischung aus spirituellen Gedanken, Selbstreflexion und den sehr menschlichen Momenten macht das Buch absolut lesenswert - auch für jene, die spirituellen Themen noch distanziert gegenüber stehen.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Ein stiller Blick hinter die Kulissen

Letzter Akt
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„Letzter Akt“ von Andreas Schäfer ist ein nachdenklicher Roman, der sich Zeit für seine Figuren nimmt. Schon das Cover – ein abstraktes Gemälde – passt richtig gut zum Inhalt des Buches und zur künstlerischen ...

„Letzter Akt“ von Andreas Schäfer ist ein nachdenklicher Roman, der sich Zeit für seine Figuren nimmt. Schon das Cover – ein abstraktes Gemälde – passt richtig gut zum Inhalt des Buches und zur künstlerischen Atmosphäre der Geschichte.

Im Mittelpunkt steht Dora, eine Schauspielerin Anfang vierzig, die nach vielen Jahren beim Film wieder auf der Theaterbühne steht. Nach einer Premiere lernt sie in einer Bar den Maler Victor kennen. In ihrer Begegnung sieht Dora auch eine Möglichkeit, sich ein Stück weit vor ihrem eigenen Leben zu verstecken: vor der ständig anrufenden Mutter aus Frankfurt, der ehrgeizigen Agentin und einem unangenehmen Kollegen.

Der Roman ist in drei Akte gegliedert und entfaltet seine Geschichte eher leise. Besonders gelungen fand ich die emotionale Tiefe der Figuren. Nach und nach erfahren wir mehr über Doras Jugend in den 1980er-Jahren – eine Zeit voller verdrängter Erinnerungen und alter Wunden. Victors Porträt von ihr wird dabei zu einer Art Spiegel ihrer Seele und verbindet Kunst und Vergangenheit auf spannende Weise.

Allerdings ist das Tempo sehr ruhig. Gerade im Mittelteil musste ich mich manchmal etwas motivieren weiterzulesen, weil wenig Handlung passiert. Gegen Ende gewinnt die Geschichte aber wieder an Intensität, und die Rückblicke wirken plötzlich wie ein starker Schnitt im Leben der Protagonistin.

Insgesamt ein sensibler Roman über Schuld, Erinnerung und ein Künstlerleben zwischen Erfolg, Selbstzweifeln und Befreiung. Kein Pageturner, aber ein Buch, das nachwirkt.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Magisch, nachdenklich und voller Fantasie

Flora Brimble und der verlorene Frühling
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Im englischen Küstenort Rye scheint der Winter einfach kein Ende nehmen zu wollen. Alles wirkt grau und ein bisschen trostlos – und genau so fühlt sich auch Flora Brimble. Zu ihrem 13. Geburtstag kauft ...

Im englischen Küstenort Rye scheint der Winter einfach kein Ende nehmen zu wollen. Alles wirkt grau und ein bisschen trostlos – und genau so fühlt sich auch Flora Brimble. Zu ihrem 13. Geburtstag kauft sie sich eine besondere Tinte, und damit nimmt eine Reihe seltsamer Ereignisse ihren Lauf. Auf ihrer Suche nach dem Frühling trifft sie die unterschiedlichsten Kreaturen und viele Abenteuer entstehen.

Sprachlich schlägt Marcus Raffel eher leise, stimmungsvolle Töne an. Die Atmosphäre ist oft ein wenig melancholisch, und viele Passagen sind fast schon poetisch formuliert. Manche Kapitel wirken wie kleine, verwunschene Märchen. Dazwischen sorgen Floras ungewöhnliche Weggefährten immer wieder für ein paar lockerere Momente. Besonders das redselige Eichhörnchen und der etwas kauzige Kobold bringen gelegentlich Humor hinein – auch wenn die Geschichte insgesamt eher nachdenklich bleibt.

Inhaltlich geht es dabei sehr fantasievoll zu. Figuren verschwinden in Wandteppichen, springen in Brunnen, die einfach auf dem Boden stehen, und landen in einer Welt voller skurriler Einfälle.

Die Illustrationen von Maximilian Meinzold fügen sich wunderbar in die märchenhafte Stimmung ein. Zusammen mit dem Farbschnitt wird das Buch damit auch äußerlich zu einem echten Schmuckstück.

Fazit: Eine magische, fantasievolle Geschichte für ältere Kinder.

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