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Veröffentlicht am 12.03.2026

Ruhige Internatsgeschichte über Zugehörigkeit und Selbstzweifel

Prep
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Lee Fiora wechselt als Teenager auf ein Eliteinternat und verbringt dort mehrere prägende Schuljahre. Der Roman begleitet sie durch diese Zeit und zeigt ihren Alltag, Freundschaften, Unsicherheiten und ...

Lee Fiora wechselt als Teenager auf ein Eliteinternat und verbringt dort mehrere prägende Schuljahre. Der Roman begleitet sie durch diese Zeit und zeigt ihren Alltag, Freundschaften, Unsicherheiten und erste Beziehungen. Man hat beim Lesen das Gefühl, ihr über mehrere Jahre hinweg beim Erwachsenwerden zuzusehen.

Besonders spannend fand ich den Einblick in das Internatsleben. Da die Jugendlichen ständig zusammen sind, werden soziale Unterschiede, Cliquen und auch Klassismus sehr deutlich sichtbar. Lee stammt aus einem eher normalen Elternhaus und fühlt sich in dieser privilegierten Umgebung oft unsicher. Dieser Konflikt zwischen Herkunft und Elite-Blase wird sehr nachvollziehbar dargestellt.

Der Schreibstil ist angenehm und detailreich, wodurch sowohl Lee als auch die Nebenfiguren gut greifbar werden. Gleichzeitig ist Lees geringes Selbstwertgefühl manchmal schwer auszuhalten – man wünscht sich beim Lesen häufig, dass sie mehr Selbstvertrauen entwickelt.

Sehr gelungen fand ich die Passagen, in denen die erwachsene Lee auf ihr jüngeres Ich zurückblickt. Sie reflektiert ihr Verhalten von damals mit Verständnis, aber auch mit Selbstkritik. Dadurch bekommt die Geschichte eine zusätzliche Tiefe.

Insgesamt ist der Roman eher ruhig erzählt und nimmt sich viel Zeit für Beobachtungen. Für meinen Geschmack hätte er stellenweise etwas kürzer sein können. Trotzdem ist „Prep“ ein interessantes Porträt des Erwachsenwerdens und besonders für Leser*innen empfehlenswert, die Coming-of-Age-Geschichten oder Internatsromane mögen.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Zwei Leben, zwei Perspektiven – eine spannende Idee

Im Leben nebenan 
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In Im Leben nebenan von Anne Sauer erwacht Toni in zwei parallelen Lebensrealitäten: Einmal lebt sie mit ihrem Partner in der Stadt, wo der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, und einmal im Heimatdorf mit ihrer ...

In Im Leben nebenan von Anne Sauer erwacht Toni in zwei parallelen Lebensrealitäten: Einmal lebt sie mit ihrem Partner in der Stadt, wo der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, und einmal im Heimatdorf mit ihrer Jugendliebe und einem Baby – obwohl sie diese Entscheidung nie bewusst getroffen hat. Die Idee, ein Leben aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven zu zeigen, ist spannend und bietet viel Potenzial.

Die Sprecherin Chantal Busse bringt die Figuren frisch und einfühlsam zum Leben. Den Wechsel zwischen den Parallelwelten und den Szenen habe ich manchmal ein bisschen verloren, da Toni/Antonia in beiden Welten die gleiche Stimme hat. Dennoch ließ sich das Hörbuch gut verfolgen.

Inhaltlich werden wichtige Themen wie Kinderwunsch, Mutterschaft und die Überforderung frischgewordener Mütter realistisch dargestellt. Besonders interessant ist der Kontrast, wie sich für den Mann das Leben gefühlt nahezu unverändert weiterentwickelt.

Obwohl die Geschichte nachvollziehbar und spannend ist, konnte sie mich emotional nicht vollständig mitreißen – der Erzählfluss blieb eher gleichmäßig, ohne einen echten Sog zu erzeugen. Für Leserinnen, für die das Thema Kinderwunsch aktuell ist, ist das Hörbuch sehr empfehlenswert. Persönlich würde ich die Geschichte eher im Buchformat empfehlen, da man dort die beiden Welten noch klarer unterscheiden kann.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Winterliche Second-Chance in Schottland

Weihnachten mit Tony
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„‚Weihnachten mit Tony‘ ist eine warmherzige Second-Chance-Geschichte, die in einem winterlichen Schottland spielt und die Vorweihnachtszeit dezent einbettet. Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven ...

„‚Weihnachten mit Tony‘ ist eine warmherzige Second-Chance-Geschichte, die in einem winterlichen Schottland spielt und die Vorweihnachtszeit dezent einbettet. Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven von Carrie und Marc, gelegentlich ergänzt durch Tierperspektiven – ein kleiner, feiner Kniff, der Freude bereitet und den Tierschutzgedanken liebevoll einbindet. Dabei erhält man auch interessante Einblicke, wie Tierrettung und der Schutz von Tieren in Schottland organisiert sind, und lernt nebenbei ein wenig über Land, Natur und Kultur.

Die Hauptcharaktere sind gutherzig, idealistisch und manchmal noch etwas unreif, sodass ihre Emotionen oft ihr Handeln bestimmen. Besonders Carrie neigt dazu, impulsiv zu reagieren, was die Kommunikation erschwert und sie zeitweise davonlaufen lässt. Gerade diese menschliche Unvollkommenheit macht die Figuren nahbar und lebendig; man spürt ihre Gefühle, Stärken und Schwächen sehr authentisch. Die Nebencharktere bleiben eher blass. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass der ursprünglich vorhandene Humor die gesamte Geschichte hindurch etwas abnimmt und Tony selbst insgesamt etwas zu kurz kommt – hier hätte ich mir mehr Präsenz und Lebendigkeit gewünscht.

Die Beschreibungen der schottischen Landschaften, verschneiten Dörfer und stillen Seen sind besonders gelungen. Man spürt die Kälte, die Ruhe und die besondere winterliche Atmosphäre – ein echter Pluspunkt für alle, die gern in fremde Länder eintauchen. Wer ein klassisches Cozy-Weihnachtsbuch erwartet, sollte wissen, dass die Geschichte mehr um die zweite Chance von Carrie und Marc kreist als um festliche Weihnachtsstimmung.

Fazit: Unter diesen Umständen ist „Weihnachten mit Tony“ eine charmante und leichte Unterhaltung, die mit liebenswerten Figuren, stimmungsvoller Landschaftsbeschreibung sowie Einblicken in Schottland und Tierschutzthemen punktet. Auch wenn der Humor etwas nachlässt und Tony insgesamt etwas zu kurz kommt, hat das Buch seinen eigenen Reiz. Für Leser*innen, die Second-Chance-Romance mögen und neugierig auf winterliches Schottland sind, ist es daher durchaus eine Empfehlung – 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Aufwachsen zwischen zwei Welten

Unser Haus mit Rutsche
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Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte einer Familie in Saarbrücken, deren Mutter aus Frankreich und deren Vater aus dem Irak stammt. Die Geschichte wird besonders aus der Sicht der Kinder geschildert, ...

Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte einer Familie in Saarbrücken, deren Mutter aus Frankreich und deren Vater aus dem Irak stammt. Die Geschichte wird besonders aus der Sicht der Kinder geschildert, was einen nahbaren und persönlichen Einblick ermöglicht. Die Figuren sind nachvollziehbar und authentisch gestaltet, auch wenn das Familienleben oft turbulent wirkt.

Der Schreibstil ist flüssig, die Perspektivwechsel zwischen Kindheit und Erwachsenwerden der Tochter sind interessant, manchmal aber etwas unübersichtlich. Besonders die kulturellen Einflüsse und die Unterschiede zwischen den Familienmitgliedern werden überzeugend dargestellt. Humorvolle Szenen lockern die ernsteren Themen auf.

Insgesamt war das Buch für mich solide, hat mich aber nicht vollends überzeugt. Es bietet gute Einblicke in interkulturelle Familiensituationen und die Identitätssuche zwischen Kulturen. Wer sich für solche Themen interessiert, kann einen Blick wagen, wer eine rundum packende Geschichte sucht, sollte sich bewusst sein, dass es eher zurückhaltend bleibt.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Zwischen Herkunft, Geschichte und innerer Distanz

Alma
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Alma wächst in Triest auf – einer Stadt, in der unterschiedliche Kulturen und politische Strömungen aufeinandertreffen. Nach dem Tod ihres Vaters beginnt sie, sich intensiver mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen ...

Alma wächst in Triest auf – einer Stadt, in der unterschiedliche Kulturen und politische Strömungen aufeinandertreffen. Nach dem Tod ihres Vaters beginnt sie, sich intensiver mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und reflektiert zugleich ihre eigene Jugend sowie die Beziehung zu Vili.

Sprachlich überzeugt der Roman mit einer dichten, atmosphärischen Erzählweise. Besonders die kulturellen und historischen Einflüsse Triests sind eindrucksvoll geschildert. Die Themen Identität und Entwurzelung werden über Generationen hinweg beleuchtet und geben der Geschichte Tiefe.

Dennoch blieb ich emotional etwas auf Abstand. Zwar fand ich mit der Zeit besser in den Lesefluss, aber eine echte Verbindung zu den Figuren stellte sich für mich nicht ein. Viele Konflikte bleiben innerlich, vieles unausgesprochen – das unterstreicht zwar die Zerrissenheit, erschwert jedoch das Mitfühlen.

Auch meine Erwartungen, die durch Cover und Klappentext geweckt wurden, haben sich nur teilweise erfüllt. Der Fokus auf politische und historische Verknüpfungen war stärker als angenommen.
Insgesamt ein literarisch anspruchsvoller Roman mit relevanten Themen, der jedoch Geduld und Interesse an historischen Zusammenhängen voraussetzt. Für mich persönlich blieb er etwas zu distanziert, auch wenn ich die Qualität des Schreibstils anerkenne.

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