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Veröffentlicht am 14.03.2026

Interessanter Read

Revolutions. Wie Frauen auf dem Fahrrad die Welt veränderten
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"Das Gefühl, in die Pedale zu treten, den Wind in den Haaren zu spüren, sich beim Bergabfahren ein wenig vorzukommen, als könne man fliegen - all das wird einfach nie langweilig."

Mit diesem gleichermaßen ...

"Das Gefühl, in die Pedale zu treten, den Wind in den Haaren zu spüren, sich beim Bergabfahren ein wenig vorzukommen, als könne man fliegen - all das wird einfach nie langweilig."

Mit diesem gleichermaßen unterhaltsamen wie informativen Werk über die (aus weiblicher Sicht erzählte) Geschichte des Radfahrens hat Autorin Hannah Ross ein wirklich ungewöhnliches Sachbuch geschrieben, das mich während der Lektüre immer wieder überrascht hat.

Es ist weit mehr als ein Buch über Fahrräder - vielmehr erzählt es von Frauen, die mit Mut, Entschlossenheit und zwei Rädern ein Stück gesellschaftlichen Wandel mitgestaltet haben. Sie wehrten sich gegen gesellschaftliche & politische Einschränkungen und erkämpften sich - aller Widerstände zum Trotz - ihre persönliche Freiheit.

"[…] die Schriftstellerin Evelyn Everett-Green musste feststellen, dass sie durch ihre Fahrt auf dem Rad Taxifahrer zu verärgern schien, die sie regelmäßig als »Flittchen« bezeichneten, und auch manche Frauen nannten sie ekelhaft«. Ihre Freunde und ihre Familie versuchten, ihr vom Radfahren in London abzuraten, da sie es für »nicht sehr schicklich« hielten."

"Andere Radfahrpionierinnen sahen sich mit echter körperlicher Gewalt konfrontiert. Lady Dorothea Gibb wurde mit Steinen beworfen, als sie auf ihrem Safety durch York fuhr […]. Emma Eades, angeblich eine der ersten Frauen, die in London Rad fuhr, wurde von Männern wie Frauen ebenfalls mit Steinen beworfen."

Besonders beeindruckt hat mich die große Bandbreite an Geschichten, die die Autorin zusammengetragen hat. Man begegnet außergewöhnlichen Frauen aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Ländern, Pionierinnen, Abenteurerinnen, Rennfahrerinnen oder schlicht mutigen Menschen, die sich nicht davon abhalten ließen, ihren eigenen Weg zu gehen. Viele dieser Episoden lesen sich wie kleine historische Erzählungen, und doch weiß man beim Lesen: All das ist tatsächlich passiert.

"Frauen sollten zu Hause bleiben und sich um ihre Familien kümmern, anstatt sich für alle sichtbar herumzutreiben; in dieser Rolle, in der sie weder über politische Macht noch wirkliche Bewegungsfreiheit verfügten, waren Frauen viel leichter zu kontrollieren, sie waren praktisch Gefangene in ihren eigenen Häusern. Zudem wurde ihnen als dem »schwachen Geschlecht« gesagt, dass sie einen völligen Zusammenbruch riskierten, sollten sie sich geistig oder körperlich zu sehr anstrengen. Vor dem Gesetz gehörten sie, solange sie ledig waren, ihren Vätern, und wenn sie heirateten, mussten sie ihren Besitz und ihren Körper dem Ehemann überlassen, ebenso wie ihren Lohn, falls sie arbeiteten. Die Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens, wie Arbeit, Politik und Bildung, waren eine reine Männerdomäne."

Der Schreibstil hat mir insgesamt prima gefallen - ich empfand ihn als angenehm zugänglich und es war offensichtlich, wie viel Recherche und Leidenschaft in diesem Werk stecken. Historische Entwicklungen, gesellschaftliche Hintergründe und persönliche Geschichten wurden geschickt miteinander verbunden, wodurch ein lebendiges Bild davon entsteht, welche Bedeutung das Fahrrad für Freiheit, Mobilität und die Frauenbewegung hatte.

Auch die persönliche Note des Buches ist ein großes Plus. Gerade im Nachwort wird spürbar, welche Rolle das Radfahren im eigenen Leben der Autorin spielt. Diese Offenheit macht das Buch noch greifbarer und verleiht ihm eine sehr authentische, nahbare Atmosphäre.

Für mich war die Lektüre vor allem deshalb so interessant, weil ich die erwähnten Persönlichkeiten und Ereignisse zuvor überhaupt nicht gekannt habe.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Nicht nur für Radfans ein ganz tolles Sachbuch über Frauen, die mit ihrem Mut und zwei Rädern die Welt ein kleines Stück verändert haben. Für mich war es definitiv eine besondere Leseerfahrung.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Packende Fantasy mit beeindruckendem Worldbuilding

Fateless. Die Diebin
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"Das Schicksal konnte man nicht überlisten. Es war allwissend. Man konnte sich nicht unbemerkt an das Schicksal heranschleichen, konnte ihm keinen Sand in die Augen streuen. Es kannte all unsere Ziele, ...

"Das Schicksal konnte man nicht überlisten. Es war allwissend. Man konnte sich nicht unbemerkt an das Schicksal heranschleichen, konnte ihm keinen Sand in die Augen streuen. Es kannte all unsere Ziele, all unsere Pläne, noch bevor man selbst auch nur die Idee dazu hatte."



Dieser mitreißende Fantasy-Schmöker hat mich wirklich positiv überrascht! Schon nach wenigen Seiten war ich komplett fasziniert von dem unglaublich gut durchdachten, komplexen, atmosphärischen und bis ins Detail ausgearbeiteten Worldbuilding. Die Welt mit ihren Zwillingssonnen, die Staubwüste, das klar strukturierte Klassensystem, die strengen gesellschaftlichen Regeln und Glaubenssätze … All das verleiht der Geschichte eine intensive, greifbare Kulisse, die mich immer tiefer in die Handlung hineingezogen hat.



"[…] das große Staubmeer - endlose, in ewiger Bewegung befindliche Sandwogen, die alles verschluckten, was schwerer war als eine Schriftrolle. Durchqueren konnte man das Staubmeer nur mithilfe großer Sandschiffe oder gigantischer mechanischer Apparaturen, die als Sandläufer bekannt waren. Sie waren es auch, die exotische Güter und wilde Geschichten aus den fernen Ländern jenseits des Meeres in die Stadt brachten: Gerüchte über Menschen, die auf dem Rücken riesiger Käfer die Wüste durchquerten und diese monströsen Insekten als Nutztiere hielten wie wir unsere Esel und Ochsen. Erzählungen von Clans, deren Krieger zur Hälfte Katzenwesen waren, mit scharfen Krallen, spitzen Zähnen und so scharfen Augen, dass sie selbst bei Dunkelheit alles sahen."



Die Autorin erschafft gekonnt Bilder, die sich mühelos im Kopf entfalten und zu einem Film zusammensetzen. Was mich dabei besonders begeistert hat, ist die gelungene Mischung aus Magie, Action und emotionalen Momenten. Die Geschichte bleibt durchgehend spannend und entwickelt einen richtigen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.



Auch die Figurenzeichnung hat mir sehr gut gefallen - die weibliche Hauptfigur wirkt weder hilflos noch übertrieben heroisch, sondern angenehm authentisch und nahbar: Sparrow ist stark, mutig, clever, entschlossen … und doch mit Zweifeln und Gefühlen ausgestattet. Gerade ihre Reaktion auf den Verrat und auf die erschütternden Wahrheiten in ihrem engsten Umfeld fand ich sehr glaubwürdig dargestellt. Man spürt förmlich, wie sich ihre Perspektive verändert und sie langsam beginnt, die Wahrheit hinter den Ereignissen zu begreifen.



Der Romance-Aspekt ist ebenfalls vorhanden, bleibt jedoch angenehm dosiert und entwickelt sich in einem Tempo, das perfekt zur Geschichte passt. Für mich stand hier ganz klar die allgemeine Handlung und die Charakterentwicklung im Mittelpunkt.



Ein weiteres schönes Detail ist das Cover mit der Sanduhr (- als Serien-Fan musste ich beim ersten Anblick direkt an das Intro von "Days of our Lives" denken, hihi -), das wunderbar zum zentralen Thema von Schicksal, Bestimmung und Zeit passt.



"Wir alle hatten eine uns zugewiesene Rolle, sei sie nun erhaben oder gering, welterschütternd oder unbedeutend. Unsere Bestimmung, unser Schicksal, war so unausweichlich wie der Lauf der Zeit selbst. Schon bei der Geburt legte die Vorsehung den Platz eines jeden auf dieser Welt fest. […] sobald das Schicksal einem eine Rolle zugewiesen hatte, konnte allein der Tod sie wieder von einem nehmen. Was man in der Zwischenzeit tat und wie man sein Leben lebte, bestimmte dann, welche neue Rolle einen nach der Wiedergeburt erwartete."



Dieses Motiv (und die Frage, ob man seinem vorgegebenen Weg wirklich ausgeliefert ist) zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und verstärkt die geheimnisvolle Atmosphäre des Romans.



𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:

Eine wirklich mitreißende Fantasy-Lektüre mit starkem Worldbuilding, spannender Handlung und interessanten Charakteren. Ich bin schon jetzt neugierig auf die Fortsetzung (und liebäugele bis dahin mit der englischsprachigen Ausgabe - "Deathless" erscheint im Sommer 2026). Klare Leseempfehlung für alle Fantasyfans!

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Warmherzige Feel-Good-Romance

Hold me in Summer. Eine berry kissed Romance
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"Wenn er eine Ausbildung in den besten Küchen der Welt überleben konnte, dann kam er auch mit einem kleinen Mädchen zurecht. Richtig? Er hielt ihr die Hand hin, und einige gespannte Herzschläge lang sah ...

"Wenn er eine Ausbildung in den besten Küchen der Welt überleben konnte, dann kam er auch mit einem kleinen Mädchen zurecht. Richtig? Er hielt ihr die Hand hin, und einige gespannte Herzschläge lang sah Olive sie einfach nur an. Dann legte sie schließlich ihre kleine Kinderhand in seine."

"Hold Me in Summer" von Laurie Gilmore ist mein erster Band aus der Dream-Harbor-Reihe - und ganz sicher nicht mein letzter! Schon optisch hat mich das Werk sofort angesprochen: Das fröhliche Cover und der wunderschöne, frühlingshafte Farbschnitt mit Erdbeeren und Schmetterlingen passen einfach perfekt zur warmherzigen Atmosphäre der Geschichte.

Setting: Das charmante Küstenstädtchen Dream Harbor in New England, ein Ort, der mit seinem gemütlichen Kleinstadtflair sofort pure Wohlfühlstimmung verbreitet. Die Karte zu Beginn des Buches habe ich geliebt!

Im Fokus stehen Archer und Iris, deren Geschichte gleich mehrere tolle Tropes vereint: Small Town Romance, Found Family, Single Dad und Grumpy vs. Sunshine. Diese Mischung hat Laurie Gilmore wirklich wunderbar umgesetzt.

Archer kehrt nach Jahren als gefeierter Chefkoch zurück in seine Heimatstadt, allerdings ganz anders als geplant. Statt Michelin-Sternen und erfolgreicher Karriere in exquisiten Restaurants heißt es für ihn nun: Willkommen im lokalen Diner. Warum? Er hat erfahren, dass er - seit Jahren - Vater einer kleinen Tochter namens Olive ist. …die gerade ihre Mutter (Cate) durch einen Unfall verloren hat. Natürlich kommt es nicht infrage, das Kind unter solchen Umständen aus seinem einzig vertrauten Umfeld herauszureißen. Von einem Tag auf den anderen muss Archer sich also in seiner neuen Rolle als Vater zurechtfinden und sein Leben völlig neu ordnen. … und ist dezent überfordert.

"Er war dazu bestimmt, Sternekoch zu werden und Gourmetgerichte für Menschen zu kreieren, die so etwas zu schätzen wussten. Nicht Pancakes in einer amerikanischen Kleinstadt zu backen. […] Er brauchte eine Minute, bevor er sich in dieses Leben begeben konnte, das nicht seines war. In dieses Haus, das nicht sein Zuhause war. Zu diesem Kind, das ihm so fremd war."

Das eigentliche Herzstück des Romans war für mich Olive - eine absolut goldige (und begrüßenswerterweise zentral angelegte) Figur! Ich muss gestehen, als Mama ist mir beim Lesen mehr als einmal das Herz aufgegangen. Die Momente zwischen Archer und seiner Tochter sind so berührend, manchmal unsicher, oft vorsichtig, aber immer authentisch. Es gab Szenen, bei denen ich tatsächlich ein kleines Tränchen im Auge hatte.

Mit Iris, die als lebensfrohe Nanny ins Haus kommt, entsteht eine herrliche Dynamik. Sie bringt Leichtigkeit, Wärme und Humor in Archers ohnehin schon chaotischen Alltag, während er eher der grummelige Gegenpol ist. Diese Konstellation sorgt für viele süße und unterhaltsame Momente.

Die gesamte Atmosphäre der Geschichte hat mir einfach unheimlich gut gefallen - die gemütlichen Szenen im Diner, das Zusammenleben in der kleinen Stadt, die vielen liebenswerten Nebenfiguren, die ein echtes Gefühl von Gemeinschaft vermitteln … Ich freue mich schon jetzt darauf, auch die anderen Bände der Reihe kennenzulernen!

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Berührende Familienmomente, Romantik und himmlisches Kleinstadtflair - ich hatte vorzügliche Lesestunden! Klare Empfehlung für alle Fans von cozy Feel-Good-Reads.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Interessant, anspruchsvoll, berührend

Die Wahrheit über Ann
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Was für ein außergewöhnlicher Read! … über eine Mutter und ihre Tochter, Literatur, Herkunft(sfragen), Erinnerungen und Geheimnisse - und über die schwierige, manchmal schwierige Liebe zwischen zwei Menschen, ...

Was für ein außergewöhnlicher Read! … über eine Mutter und ihre Tochter, Literatur, Herkunft(sfragen), Erinnerungen und Geheimnisse - und über die schwierige, manchmal schwierige Liebe zwischen zwei Menschen, deren Leben untrennbar miteinander verwoben ist.

Im Zentrum steht ein Moment, der alles verändert: Die Erzählerin Julia findet ihre Mutter Ann nach einem Schlaganfall auf dem Badezimmerboden ihrer Wohnung in Paris. Stundenlang hat sie dort gelegen. Voller Selbstvorwürfe seziert Julia gedanklich ihre letzte vorherige Begegnung, ihren letzten Dialog, quält sich mit Fragen à la "Hätte ich nur dies statt jenem gesagt" … Es liest sich schonungslos realistisch und absolut herzzerreißend. Fortan wird es in ihrer beider Leben die Einteilung in ein 'Davor' und ein 'Danach' geben.

Es folgt eine Odyssee durch Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, medizinische Diagnosen, Bürokratie ... inmitten einer ohnehin weltverändernden Pandemie. Parallel dazu erleben wir als Lesende eine Reise zurück in Anns Vergangenheit - in die Geschichte einer Frau, die sich ihr Leben lang neu erfunden hat.

Ann wächst in den 1950er-Jahren in einer englischen Arbeiterfamilie auf. Doch ihre Leidenschaft für Literatur eröffnet ihr Möglichkeiten, die weit über ihre Herkunft hinausgehen. Sie verlässt England, geht nach Frankreich, baut sich ein neues Leben auf … und bleibt dennoch immer ein wenig fremd, überall und nirgends ganz zu Hause. Für ihre Tochter wird sie zugleich Vorbild, Rätsel und Herausforderung.

Was diesen Roman so besonders macht, ist seine Form. Gegenwart und Vergangenheit, Erinnerung und Vermutung, alles greift ineinander. Der Text bewegt sich zwischen persönlicher Chronik, literarischer Reflexion und einer Art behutsamer 'Ermittlungsarbeit': Gibt es eine Wahrheit über Ann, die bisher verborgen geblieben ist? Und was bedeutet Wahrheit überhaupt innerhalb einer Familie, deren Geschichte aus Erzählungen, ominösen Auslassungen und vielleicht auch aus Selbstschutz besteht?

Der Stil ist dabei bemerkenswert klar und präzise, Julia Deck schreibt ohne Pathos, aber mit einer packenden emotionalen Intensität, die sich gleichermaßen intensiv wie soft entfaltet. Besonders in den Passagen rund um den Krankenhausaufenthalt entsteht eine äußerst beklemmende Atmosphäre: die Fassungslosigkeit, das Warten, die Hilflosigkeit, die nüchterne Sprache der Medizin, die sich mit Erinnerungen und Selbstzweifeln mischt.

Immer wieder stellt der Roman auch größere Fragen - über das Verhältnis von Wahrheit und Fiktion, über das Schreiben selbst, und darüber, wie Geschichten innerhalb von Familien entstehen. Literatur ist hier nicht nur Thema, sondern auch Bindeglied zwischen Mutter und Tochter … vielleicht sogar als eine Art gemeinsame Sprache.

Gleichzeitig ist das Werk eine wunderschöne Hommage, denn trotz aller Zweifel, aller Spannungen und ungelösten Fragen spürt man auf jeder Seite die tiefe Zuneigung der Tochter zu ihrer Mutter. … Eine Bindung, die ich mir bei meiner eigenen Mutter immer vergeblich gewünscht habe. Dennoch wird diese Liebe ist nicht durch die rosarote Brille idealisiert: sie ist kompliziert, sie ist widersprüchlich, manchmal sogar schmerzhaft … und wirkt einfach rundum authentisch.

Besonders eindrucksvoll fand ich, wie der Roman das Porträt einer Frau zeichnet, die sich gegen gesellschaftliche Grenzen behauptet hat: eine Arbeiterstochter, die durch Bildung und Literatur ihren eigenen Weg findet. Ann erscheint dabei zugleich stark und verletzlich, entschlossen und rätselhaft. So entsteht ein Buch, das weit über eine persönliche Geschichte hinausgeht. Einziger Wermutstropfen: Eine gewisse Distanz zu den Figuren ließ sich trotz allen Mitgefühls nicht ganz abschütteln … aber das war okay, da es hier das große Ganze und die Erzählkunst der Autorin waren, die mir positiv in Erinnerung bleiben werden.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ein stilles, kluges, stilistisch wundervoll geschriebenes und tief berührendes Buch voller Intelligenz und literarischer Feinheit, das ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Schöne Lesestunden

Nordseeküsse schmecken besser
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Hach, was für ein herrlicher literarischer Ausflug an die Nordsee! Während der Lektüre von Tina Martens' aktuellem Werk fühlte ich mich immer wieder, als würde ich das Rauschen des Meeres hören und mir ...

Hach, was für ein herrlicher literarischer Ausflug an die Nordsee! Während der Lektüre von Tina Martens' aktuellem Werk fühlte ich mich immer wieder, als würde ich das Rauschen des Meeres hören und mir zwischendurch eine kleine Auszeit im Hofladen gönnen. Am Ende hatte ich tatsächlich das Gefühl, einen kleinen Kurzurlaub hinter mir zu haben.

Die Figuren sind mit viel Herz gezeichnet worden, vor allem Sina (aus deren Perspektive in der Ich-Form erzählt wird) war mir schnell sympathisch. Ihre Gedanken, Zweifel und Hoffnungen wirken sehr nahbar und authentisch, sodass man sie gerne durch ihre Geschichte begleitet.

Besonders positiv fand ich zudem die Entwicklung der Handlung in Bezug auf die Glaubwürdigkeit, denn: Sina fällt nicht einfach alles in den Schoß (- etwas, das in vielen Frauenromanen dieser Art leider häufiger vorkommt.) Natürlich gibt es auch hier glückliche Zufälle, doch sie wirken nie übertrieben oder konstruiert. Auch die im Klappentext angedeutete Dynamik zwischen ihr, Benno und Thilo empfand ich als nachvollziehbar und realistisch gelöst.

Ein weiteres Highlight war für mich Sinas Freundschaft zu Fenja. Diese Verbindung fühlt sich einfach ehrlich und warm an - von so einer innigen Freundschaft kann man wirklich nur träumen und sich glücklich schätzen, wenn man sie im eigenen Leben findet.

Das norddeutsche Flair hat die Autorin wunderbar eingefangen. Die Atmosphäre, die Landschaft und das typische Küstengefühl von Weite, Ruhe, Entschleunigung sind sehr stimmungsvoll beschrieben, sodass man sich beim Lesen wie von selbst inmitten der Szenerie wähnt.


𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Eine unterhaltsame Feel-Good-Story mit angenehmem Humor, tollem Küstenflair und liebenswerten Protas. Für mich waren es rundum schöne Lesestunden!

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