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Revolutions. Wie Frauen auf dem Fahrrad die Welt veränderten"Das Gefühl, in die Pedale zu treten, den Wind in den Haaren zu spüren, sich beim Bergabfahren ein wenig vorzukommen, als könne man fliegen - all das wird einfach nie langweilig."
Mit diesem gleichermaßen ...
"Das Gefühl, in die Pedale zu treten, den Wind in den Haaren zu spüren, sich beim Bergabfahren ein wenig vorzukommen, als könne man fliegen - all das wird einfach nie langweilig."
Mit diesem gleichermaßen unterhaltsamen wie informativen Werk über die (aus weiblicher Sicht erzählte) Geschichte des Radfahrens hat Autorin Hannah Ross ein wirklich ungewöhnliches Sachbuch geschrieben, das mich während der Lektüre immer wieder überrascht hat.
Es ist weit mehr als ein Buch über Fahrräder - vielmehr erzählt es von Frauen, die mit Mut, Entschlossenheit und zwei Rädern ein Stück gesellschaftlichen Wandel mitgestaltet haben. Sie wehrten sich gegen gesellschaftliche & politische Einschränkungen und erkämpften sich - aller Widerstände zum Trotz - ihre persönliche Freiheit.
"[…] die Schriftstellerin Evelyn Everett-Green musste feststellen, dass sie durch ihre Fahrt auf dem Rad Taxifahrer zu verärgern schien, die sie regelmäßig als »Flittchen« bezeichneten, und auch manche Frauen nannten sie ekelhaft«. Ihre Freunde und ihre Familie versuchten, ihr vom Radfahren in London abzuraten, da sie es für »nicht sehr schicklich« hielten."
"Andere Radfahrpionierinnen sahen sich mit echter körperlicher Gewalt konfrontiert. Lady Dorothea Gibb wurde mit Steinen beworfen, als sie auf ihrem Safety durch York fuhr […]. Emma Eades, angeblich eine der ersten Frauen, die in London Rad fuhr, wurde von Männern wie Frauen ebenfalls mit Steinen beworfen."
Besonders beeindruckt hat mich die große Bandbreite an Geschichten, die die Autorin zusammengetragen hat. Man begegnet außergewöhnlichen Frauen aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Ländern, Pionierinnen, Abenteurerinnen, Rennfahrerinnen oder schlicht mutigen Menschen, die sich nicht davon abhalten ließen, ihren eigenen Weg zu gehen. Viele dieser Episoden lesen sich wie kleine historische Erzählungen, und doch weiß man beim Lesen: All das ist tatsächlich passiert.
"Frauen sollten zu Hause bleiben und sich um ihre Familien kümmern, anstatt sich für alle sichtbar herumzutreiben; in dieser Rolle, in der sie weder über politische Macht noch wirkliche Bewegungsfreiheit verfügten, waren Frauen viel leichter zu kontrollieren, sie waren praktisch Gefangene in ihren eigenen Häusern. Zudem wurde ihnen als dem »schwachen Geschlecht« gesagt, dass sie einen völligen Zusammenbruch riskierten, sollten sie sich geistig oder körperlich zu sehr anstrengen. Vor dem Gesetz gehörten sie, solange sie ledig waren, ihren Vätern, und wenn sie heirateten, mussten sie ihren Besitz und ihren Körper dem Ehemann überlassen, ebenso wie ihren Lohn, falls sie arbeiteten. Die Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens, wie Arbeit, Politik und Bildung, waren eine reine Männerdomäne."
Der Schreibstil hat mir insgesamt prima gefallen - ich empfand ihn als angenehm zugänglich und es war offensichtlich, wie viel Recherche und Leidenschaft in diesem Werk stecken. Historische Entwicklungen, gesellschaftliche Hintergründe und persönliche Geschichten wurden geschickt miteinander verbunden, wodurch ein lebendiges Bild davon entsteht, welche Bedeutung das Fahrrad für Freiheit, Mobilität und die Frauenbewegung hatte.
Auch die persönliche Note des Buches ist ein großes Plus. Gerade im Nachwort wird spürbar, welche Rolle das Radfahren im eigenen Leben der Autorin spielt. Diese Offenheit macht das Buch noch greifbarer und verleiht ihm eine sehr authentische, nahbare Atmosphäre.
Für mich war die Lektüre vor allem deshalb so interessant, weil ich die erwähnten Persönlichkeiten und Ereignisse zuvor überhaupt nicht gekannt habe.
𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Nicht nur für Radfans ein ganz tolles Sachbuch über Frauen, die mit ihrem Mut und zwei Rädern die Welt ein kleines Stück verändert haben. Für mich war es definitiv eine besondere Leseerfahrung.