Es geht um den Wunsch nach einem Kind, aber nicht um die Erfüllung des Wunsches
Hör mir zu, auch wenn ich schweigeMit der Rezension zu dem Buch "Hör mir zu, auch wenn ich schweige" von Abbie Greaves tue ich mich etwas schwer. Dieser Roman gehört für mich in das Genre, was allgemein als "typisches Frauenbuch ohne großen ...
Mit der Rezension zu dem Buch "Hör mir zu, auch wenn ich schweige" von Abbie Greaves tue ich mich etwas schwer. Dieser Roman gehört für mich in das Genre, was allgemein als "typisches Frauenbuch ohne großen Tiefgang" bezeichnet wird. Ich habe den Roman gelesen, am Ende den Deckel geschlossen und bin zur Tagesordnung bzw. auch zu dem nächsten Buch übergangen. In meinem Denken hat es mich keinen Schritt weitergebracht.
Wer zu den Fans dieser Art von Frauenliteratur gehört, der wird wahrscheinlich begeistert sein, denn die Schreibweise der Autorin hat was. Zuerst erzählt Frank seine Sicht auf die Ereignisse, danach lesen wir von Maggie, wie es sich ihr darstellte. Der Autorin gelang es auch, einige gute Gedanken in die Handlung einzubringen. Seite 265: "Er hat sich immer schon gewundert, warum wir Menschen so gern unser Leid mit dem der anderen vergleichen". Oder Seite 266: "Man kann ein Pferd zur Tränke führen, aber trinken muss es selbst".
Der Inhalt des Romans dreht sich im Grunde um Frank und Maggie und ihre persönlichen Befindlichkeiten. Dass Frank seit 6 Monaten nicht mehr mit Maggie gesprochen hat, wird als großes Geheimnis apostrophiert. Und als sich dieses große Geheimnis am Ende auflöst stellte ich als Leserin fest, es war eher eine Verheimlichung vor dem Partner, als ein großes Geheimnis.
Immer wieder wurde die übergroße Liebe zwischen Frank und Maggie in den Mittelpunkt dieses Buches gestellt. Nach einiger Zeit ging mir das ganz gewaltig auf den Keks. In einem normalen Leben gibt es auch ganz viel andere Dinge die passieren und wichtig sind, vor allem, wenn man als Krankenschwester oder wie Frank als Wissenschaftler arbeitet. Solch ein Satz wie (Seite 251) "Wir denken immer, Liebe würde ausreichen, doch manchmal stimmt das nicht, oder?" Würde ich eher einem Teenagerroman zuordnen, als einem Buch für Erwachsene. Dass Liebe allein nie reicht - auch nicht in der Kindereziehung - dürfte sich doch langsam mal rumgesprochen haben.
Maggie und Frank waren und sind sich im Grunde selbst genug. Dass Maggie dann doch ungewollt schwanger wurde, das Kind aber verlor und darunter litt, wird in der ansonsten eher süßlichen Handlung von der Autorin wiederum einfühlend dargestellt. Es hat etwas Realistisches und als Leserin (dieses Buch wird eher keine männl. Leser haben) fühlt man mit der Protagonistin. Kann ihren Schmerz verstehen. Kein Kind zu haben wird gedanklich für Maggie sowas wie ein Makel. Unerfüllter Kinderwunsch. Als sich nach vielen Jahren dann doch noch der Nachwuchs einstellt, ergeht es Maggie wie so vielen Menschen, wenn sich ein sehnlichster Wunsch erfüllt. Es ging um den Wunsch, aber nicht um die Erfüllung des Wunsches. Die Gefühle für das kleine Wesen sind bei Mags nicht wie erhofft. Kindbettdepression?
Im Grunde hatte sich das Ehepaar das Leben ohne Kind eingerichtet und durch die Geburt von Eleonor wurde alles anders. Sie wurden keine guten Eltern, auch wenn sie sich völlig auf diesen neuen Erdenbürger einstellten. Eleonor dürfte diese Schwäche ihrer Eltern wohl schon ganz früh bemerkt haben und nützte diese immer mehr aus. Wenn Eltern akzeptieren, dass die 13jährige Tochter kommt und geht wie sie will, der Vater feststellen muss, dass sie bekifft von einer Party nach Hause kommt und dann nur eines denken, die Mutter soll davon nichts mitbekommen und die Freunde und Nachbarn natürlich auch nicht - also da hört es für mich auf. Das eigentliche Opfer ist Eleonor. Der Teil des Buches, der sich hauptsächlich mit ihrem Leben beschäftigt, war für mich der interessanteste. Irgendwie konnte ich ihren Absturz begreifen - wenn auch nicht gutheißen oder entschuldigen. Es war vergessen worden, ihr einen festen Boden unter die Füßen zu geben.
Frank sagte nichts um Maggie zu schützen und Maggie sagte nichts um Frank zu schützen. Hallo, die Beiden sind miteinander verheiratet, sind erwachsene Menschen und keine Kinder mehr, die man vor den schlechten Seiten des Lebens bewahren muss. Das Ende - na ja. Fast kitschig.
Jedoch, wer so ein Genre gerne liest, dem wird der Roman gefallen und auch mit den drei Personen mitleiden.