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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2026

Unterhaltsamer Roman mit tiefen und interessanten Einblicke in das bäuerliche Leben

Tage des Wandels
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Bereits der 1. Band der Saga konnte mich begeistern und auch die Fortsetzung konnte mich überzeugen. Man muss den 1. Band nicht kennen, um der Handlung folgen zu können. Die Autorin nimmt Zeitsprünge vor, ...

Bereits der 1. Band der Saga konnte mich begeistern und auch die Fortsetzung konnte mich überzeugen. Man muss den 1. Band nicht kennen, um der Handlung folgen zu können. Die Autorin nimmt Zeitsprünge vor, so dass die Hauptpersonen des 1. Bandes nur kurze Gastauftritte haben.

Im Mittelpunkt steht dieses Mal Eva, die auf dem Kalmulehof aufgewachsen ist und ihn dann verlässt, weil sie mit den eingeheirateten Frauen nicht zurecht kommt. So wird sie Hauserin , zuerst bei der Tochter ihrer Patin, die mit einem Vikar zusammenlebt und später bei dessen Nachfolger.

Mir hat gut gefallen, dass ich die historischen Ereignisse und Beschwernisse des täglichen Lebens erneut aus Frauensicht miterleben kann. Weiterhin verbreiten marodierende Söldner Angst und Schrecken und in ihren Gefolge die Pest. Auch die Hexenverfolgung erhebt noch stärker ihr hässliches Haupt. Eine noch größere Bedrohung zeichnet sich ebenfalls ab. Die Machtkämpfe zwischen den katholischen und protestantischen Herrschern haben begonnen. Die Autorin schildert lebendig, welche Auswirkungen das alles auf die einfache Landbevölkerung hat, denen die wechselnden Machtverhältnisse herzlich egal sind und dennoch die Hauptlast der negativen Folgen zu tragen haben. Das einzige, was sie dagegen setzen können, ist der dörfliche und familiäre Zusammenhalt.

Mit Eva hatte ich jemanden, die mir dies alles näher brachte und mit der ich mitleiden oder auch freudige Situationen erleben durfte. Auch den ruhige Erzählstil, der zeitweise an einen Bericht erinnert, fand ich angemessen. Mich hat die Geschichte sehr gut unterhalten und ich konnte in die damalige Zeit völlig eintauchen, was mein Verständnis für die historischen Gegebenheiten vertieft hat.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Humorvoll, liebenswerte Figuren und unglaublich herzerwärmend

The House Witch 1
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Im Schloss von Daxaria hält ein neuer Koch , Fin Ashowan, Einzug und macht sich sofort unbeliebt, indem er neue Sitten in seiner Küche durchsetzt und launige Antworten gibt. Für ihn spricht sein phantastisches ...

Im Schloss von Daxaria hält ein neuer Koch , Fin Ashowan, Einzug und macht sich sofort unbeliebt, indem er neue Sitten in seiner Küche durchsetzt und launige Antworten gibt. Für ihn spricht sein phantastisches Essen und dass er immer zu wissen scheint, was sein Gegenüber gerade braucht. Für seine Mägde und Helfer ist ein guter Beschützer und legt sich, wenn es sein muss, auch mit Höhergestellten an. Ein besonderes Verhältnis hat er zum kleinen Prinzen Eric, der ein regelmäßiger Gast in Fins Küche ist und für den immer ein Leckerbissen bereit steht.

Schwieriger gestaltet sich sein Verhältnis zur bildschönen, intelligenten und etwas undurchsichtigen Adligen Lady Annika Jenoure. Fin findet sie faszinierend und um so mehr ist er bemüht, sie aus seiner Küche fernzuhalten. Zum einen ist eine Beziehung zu ihr aus Standesunterschieden undenkbar und zum anderen ist er auf das äußerste darauf bedacht, dass niemand erfährt, dass er eine Haushexe ist. Zu oft wurde er deswegen beleidigt . Trotzdem schleichen die beiden umeinander wie die Katze um den heißen Brei. Ihre Wortgefechte sind beim Personal legendär und verraten mehr, als die beiden ahnen. Das Spannungselement ergibt sich daraus, dass Daxaria von Krieg bedroht wird, was Spione auf den Plan ruft und einige Intrigen auslöst.

Ich war nach den ersten Seiten in das Buch verliebt und von der Geschichte verzaubert. Ich konnte verstehen, dass das weibliche Personal trotz seiner Bärbeißigkeit ein wenig in Fin verliebt war - so wie ich. Wortgefechte, egal mit wem, waren jedes Mal ein Quell der Freude und voller Humor.

Wenn ich etwas an Fin kritisieren wollte, dann ist es sein mangelndes Selbstvertrauen. Ans Herz gewachsen ist mir auch seine Katze Kraken, die versucht Fin zu unterstützen. Besonders gelungen fand ich , wie Fin ein paar Ritter in die Schranken weist, die seine Magd Hannah bedrängen, auf den rechten Weg bringt. Es dauert etwas, bis sich alle zusammen gerauft haben, aber als es drauf ankommt, ist die Küchenbrigade ein verschworener Haufen.

Ich wünschte, das Buch hätte mehr Seiten gehabt, so begeistert war ich von der Handlung mit den vielen tollen Einfällen und den liebenswerten Personen. Das Ende ist so gestaltet, dass eine Fortsetzung möglich wäre. Darauf hoffe ich ganz fest.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Freundschaft, Liebe, Gewalt und ein Funken Hoffnung

Der Fährmann
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Annemarie, Elisabeth, Hannes und Josef, alle nur wenige Jahre auseinander, wachsen auf nur verschiedenen Seiten der Salzach auf und doch trennen sie Welten, auch wenn sie das als Kinder nicht wissen und ...

Annemarie, Elisabeth, Hannes und Josef, alle nur wenige Jahre auseinander, wachsen auf nur verschiedenen Seiten der Salzach auf und doch trennen sie Welten, auch wenn sie das als Kinder nicht wissen und später schmerzhaft begreifen. Wer Geld hat, hat das Sagen . Die anderen und besonders die Frauen müssen sich ducken alle Ungerechtigkeit stoisch ertragen. Annemarie ist die Wirtstochter, die bereits früh lernt, immer zu lächeln, sich zufügen, damit die meist männlichen Gäste zufrieden sind und dadurch der Unterhalt der Familie gesichert ist. Elisabeth ist die Tochter eines reichen Bauern und wird verschachert wie Vieh an den reichen Bauernsohn Josef. Von dem Moment an wird ihr Leben zur Hölle, denn nun ist sie seine Ehefrau, sein Eigentum ohne Rechte und den Launen ihres Mannes ausgeliefert. Elisabeths Herz schlägt von Kindesbeinen an für Hannes, den mittellosen Fährmann, der der Tradition gemäß ledig bleibt. Zumal er auch keine Frau ernähren könnte. Er ist der Gegenentwurf zu Josef - sanftmütig, verständnisvoll und zugewandt. Das zusammen ergibt eine hochexplosive Mischung aus Neid, Eifersucht, Rache und ungestillter Sehnsucht. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges verschafft der Schicksalsgemeinschaft eine kleine Atempause. Dann kehrt der Teufel zurück. Die hoch kochenden Emotionen bringen ein blutiges Ende. Der Roman hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann geschlagen. Zunächst war es die Sprachgewalt und eher antiquierter Erzählstil, die mich begeistert haben. Zunehmend hat mich dann das Schicksal der vier Menschen bewegt, die abwechseln zu Wort kommen. Ich wusste oft nicht, wessen Schicksal ich mehr bedauern, welches mich wütender gemacht hat. Am schlimmsten traf es in meinen Augen die beiden Frauen, deren Leben von Anfang an fremd bestimmt ist. Sie erfahren ständig psychische und physische Gewalt, ohne dass sie sich wehren können oder Hilfe bekommen. Hannes wird zum mittelosen Fährmann, weil seine Familie es so beschlossen hat. Tradition verwehrt ihm ein erfülltes Liebes-und Familienleben. Wen ich von Herzen verabscheut habe, ist Josef . Er verkörpert für mich all die schlechten Dinge jener Zeit. Bei genauem Hinschauen hatte ich trotzdem den Eindruck, dass auch er ein Opfer ist . Die Autorin schildert alles schonungslos und gerade die Gewalt gegen die Frauen ist fast nicht auszuhalten und schildert die damaligen Verhältnisse sehr realitätsnah. Manchmal muss man unangenehme Dinge deutlich benennen, wenn man sie sichtbar machen und damit eine Veränderung herbeiführen will. Das ist der Autorin beeindruckend gelungen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Ein verwirrender Todesfall beschert unruhige Ostern

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Zwar ist dies meine erste Ermittlung mit dem neapolitanischen Commissario Gaetano, aber der Einstieg fiel mir leicht. Der Krimi hatte mich bereits am Haken mit seiner lebendigen Schilderung des neapolitanischen ...

Zwar ist dies meine erste Ermittlung mit dem neapolitanischen Commissario Gaetano, aber der Einstieg fiel mir leicht. Der Krimi hatte mich bereits am Haken mit seiner lebendigen Schilderung des neapolitanischen Karfreitags, der so ganz anders ist, als ich ihn kenne . Und auch für Gaetano läuft das Osterfest so ganz anders als geplant.

Seine junge Kollegin Beppa Bellucci sieht sich einer Wasserleiche gegenüber und ist voller Eifer, ihren ersten Mordfall zu lösen. Nur schießt sie mit ihren Aktionen etwas über das Ziel hinaus, was Gaetano auf den Plan und aus dem Urlaub holt. Er neigt dazu, den Fall als Unfall oder Selbstmord zu betrachten. Bellucci beharrt auf Mord. Um sicher zu gehen, ordnet Gaetano nun doch umfangreiche Ermittlungen an. Das war unterhaltsam und spannend zu lesen und gab immer wieder auch Einblicke in die neapolitanische Seele. Die Fakten sprechen mehr für Selbstmord, aber es gibt auch Ungereimtheiten. Gaetanos Hartnäckigkeit schreckt seinen Vorgesetzten auf, denn der Tote war Mitarbeiter eines erfolgreichen Start-ups, das kurz vor dem Börsengang steht. Alles andere als ein Selbstmord würde das gefährden.

Im Laufe der Nachforschungen gibt es mehr Lügen als Wahrheiten. Mich hat das genauso aufgeregt wie das Team und manchmal hatte ich den Eindruck, Gaetano verrennt sich in was. Zumal er durch den menschlichen Aspekt des Falles auch persönlich berührt ist.

Die Auflösung des Falles war richtig gute Teamarbeit und hat mich komplett überzeugt. Der Krimi hat mich sehr gut unterhalten . Die Handlung war fesselnd und perfekt in die örtlichen Gegebenheiten eingebettet. Das Ermittlungsteam ist eine gute Mischung aus unterschiedlichen Temperamenten und war mir sehr sympathisch. Für mich ein sehr gelungener und lesenswerter Krimi

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Ein Agentenroman aus der Zeit der Perestroika

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Rom zu Beginn der 90ziger Jahre. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr . Endlich beginnt das Zeitalter ewigen Friedens und der Kalte Krieg ist Geschichte .Jakob Dreiser, Anfang 20, Poet , lebt in Rom und ...

Rom zu Beginn der 90ziger Jahre. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr . Endlich beginnt das Zeitalter ewigen Friedens und der Kalte Krieg ist Geschichte .Jakob Dreiser, Anfang 20, Poet , lebt in Rom und ist erleichtert über die Zeitenwende. Da trifft er auf einem Sommerfest in der russischen Botschaft Dieter Germershausen . Der kann der neuen Weltordnung nichts gutes abgewinnen, denn er war Doppelagent und fürchtet nun , enttarnt zu werden . Ein letzter großer Coup soll ihm Geld und damit ein neues Leben bescheren. Dafür braucht er Jakob mit seinem offenen gewinnenden Wesen. Es beginnt ein wahnwitziges Abenteuer, das so nur in einer Welt möglich ist, die sich neu erfinden muss.

Gemeinsam reisen die beiden nach Kasachstan. Dort will Germershausen sein großes Geschäft abwickeln. Das führt zu absurd anmutenden Begegnungen , Dialogen und Wendungen. , die ich so nicht erwartet habe. Und immer bleibt die Frage, wer arbeitet für welchen Geheimdienst und wer ist Freund und wer Feind.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Sprachlich ist es ein Fest mit wunderbaren Bildern und herrlichen Dialogen. Wer die Zeit nicht miterlebt hat, dem wird die Geschichte wie ein modernes Märchen anmuten. Wer die Umbrüche miterlebt hat, weiß , dass vieles einen realen Hintergrund hat. Auch in dieser Hinsicht hatte der Roman seinen Reiz für mich. Gut gefallen hat mir, dass sowohl Jakob als auch Germershausen im Grunde in etwas hinein gestolpert sind, womit sie beide nicht gerechnet haben. Improvisieren ist angesagt und das beherrscht Jakob perfekt., sehr zum Ärger vom Berufsagenten Germershausen. Das Ende lässt in meinen Augen Raum für Spekulationen und das fand ich auch angemessen . Für mich bietet der Roman gute Unterhaltung mit einer guten Portion Tragikkomik.

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