Profilbild von yellowdog

yellowdog

Lesejury Star
offline

yellowdog ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit yellowdog über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2026

Die eigene, wirkliche Stimme finden

Regentropfen fallen langsam
0

Regentropfen fallen langsam ist ein ruhiger Roman, auf den man sich einlassen muss.
Die Protagonistin und Icherzählerin Nina ist hypersensibel und vom Wunsch beseelt, Sängerin zu werden. Sie will es unbedingt ...

Regentropfen fallen langsam ist ein ruhiger Roman, auf den man sich einlassen muss.
Die Protagonistin und Icherzählerin Nina ist hypersensibel und vom Wunsch beseelt, Sängerin zu werden. Sie will es unbedingt schaffen, auch ohne Studium.
Eine großartige Nebenfigur im Buch ist die hochmotivierte Gesangslehrerin Eva. Sie unterstützt und fördert Eva auf ihrem Weg, ihre eigene, wirkliche Stimme zu finden.
Mit Yuko kommt eine weitere interessante Figur hinzu.

Ingrid Kloser hat eine eigenständigen Stil und mit Regentropfen fallen langsam hat sie ein bemerkenswertes Buch geschrieben.

Veröffentlicht am 10.04.2026

Aus dem Banat

Das schönste aller Leben
0

Der Roman besteht aus sich abwechselnden Teilen. Zum einen die Icherzählerin, deren Tochter bei einem Unfall im Gesicht verletzt wurde.
Dann in Rückblicken die Zeit, als sie, Vio, noch als Kind im rumänischen ...

Der Roman besteht aus sich abwechselnden Teilen. Zum einen die Icherzählerin, deren Tochter bei einem Unfall im Gesicht verletzt wurde.
Dann in Rückblicken die Zeit, als sie, Vio, noch als Kind im rumänischen Banat lebte und dann mit der Familie nach Deutschland ging. Schließlich als Drittes die Geschichte von Theresia im 18.Jahrhundert.

Das ist vielleicht etwas viel, denn ich finde, die einzelnen Handlungsstränge sind nicht gut miteinander verknüpft. Für sich gesehen hat jeder Teil seine Berechtigung. Wie Vio sich in Deutschland integriert, hat auch die Folge, dass sie danach strebt, nicht aufzufallen. Der Teil der Gegenwart ist meiner Meinung nach der Stärkste. Vio kann die Schuldgefühle, weil sie den Unfall verursachte, der ihre Tochter verletzte, nicht verwinden und steigert sich immer mehr rein.

Der Handlungspart um Theresia geht ein Stück weit an mir vorbei.

Es ist kein perfektes Buch, aber das sollte man einen Debütroman auch mal zugestehen. Ich habe „Das schönste aller Leben“ dennoch gerne gelesen und ein weiteres Buch der Autorin wäre mir sehr willkommen.

Veröffentlicht am 24.03.2026

Dora und Veit, Stadt und Land

Hauch
0

Eigentlich bin ich kein Fan von Briefromanen, aber die Prosa von Xaver Bayer interessiert mich, seit er mit einem Erzählungsband den Österreichischen Buchpreis gewann.

Dora und Veit schreiben sich Briefe, ...

Eigentlich bin ich kein Fan von Briefromanen, aber die Prosa von Xaver Bayer interessiert mich, seit er mit einem Erzählungsband den Österreichischen Buchpreis gewann.

Dora und Veit schreiben sich Briefe, dabei spielt Stadt versus Landleben eine Rolle. Einerseits Lärm und Gedränge, andererseits Stille und Abgeschiedenheit.
Dieser Aspekt ist dann aber nicht so entscheidend, schliesslich ist Veit kein Bauer. Er ist Schriftsteller und sucht die Ruhe, wobei er auch die Kraft der Natur spürt. Gegenwartsverdossenheit ist bei beiden zu spüren.
Intensiv berichten sie sich gegenseitig ihre Befindlichkeiten und Träume.
Xaver Bayer gelingt es, die Verbundenheit der beiden trotz räumlicher Trennung zu zeigen.

Veröffentlicht am 18.03.2026

Wurzeln aus Böhmen

Elbland
0

Der Prolog zeigt eine Szene, in der eine Familie in den Urlaub fährt. In die Gegend, in der die Mutter geboren wurde. Die Protagonistin des Romans ist ihre Tochter, die damals noch eine junge Studentin ...

Der Prolog zeigt eine Szene, in der eine Familie in den Urlaub fährt. In die Gegend, in der die Mutter geboren wurde. Die Protagonistin des Romans ist ihre Tochter, die damals noch eine junge Studentin war.
Dann geht die Handlung in die Gegenwart. Die Mutter ist gerade gestorben.
Die Handlung springt ziemlich viel in den Zeit und enthüllt so Geschehnisse, die zum Zerfall der Familie führte. Es geht sogar bis ins Jahr 1945 zurück.

Die Eltern trennten sich, die jüngste Tochter haut nach den Abi in den Westen ab und Nina kümmerte sich lange um die kranke Mutter.
Schwierig wird auch die Beziehung zwischen den Geschwistern, obwohl sie als Kinder so eng waren.
Die Autorin arbeit die Spannungen zwischen den Figuren sauber raus.

Claudia Rikl hat auch Kriminalromane geschrieben, aber Elbland ist mehr Familiendrama. Das Buch überzeugt durch seine geschickte Handlungskomposition und der Sensibilität, mit der die Autorin ihre Figuren behandelt.

Veröffentlicht am 17.03.2026

Einladung aus Pjöngjang

Freiwürfe mit einem Diktator
0

Tom Kummers letzte Bücher waren autofiktional. Dieser neue Roman ist da anders, dennoch auch sehr raffiniert.
Die Grundidee wirkt absurd. Ein Basketball-Trainer hat vor 30 Jahren den heutigen Diktator ...

Tom Kummers letzte Bücher waren autofiktional. Dieser neue Roman ist da anders, dennoch auch sehr raffiniert.
Die Grundidee wirkt absurd. Ein Basketball-Trainer hat vor 30 Jahren den heutigen Diktator von Nordkorea, Kim Jong-un, trainiert. Damals war Kim Jong-un ein Junge, der ein paar Jahre in Bern lebte. Das basiert offenbar auf Tatsachen.

Der Trainer fühlt sich heute schuldig, damals einen Jungen unterstützt zu haben,der dann ein Monster wurde. Jetzt bekommt er eine Einladung. Er fragt sich, soll er reisen und was dann tun.

Immer wieder erzählt er seiner sterbenden Mutter davon und von der Vergangenheit. So nimmt eine Mutter-Sohn-Beziehung einen wichtigen Aspekt im Buch ein.
Das Buch ist gut gemacht, auch wenn es mich nicht so berührt hatte, wie seine letzten beiden Bücher. Aber wirklich originelle Bücher sind selten, daher empfehle ich Freiwürfe mit einem Diktator.