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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2026

Mit Elfenkreide ist alles möglich

Heute fahren wir nach Anderswo
3

Als wir „Heute fahren wir nach Anderswo“ aufschlugen, legte sich die Stirn meiner Tochter in Falten: Wer hatte denn da schon in das neue Buch gemalt? Schönstes Krikelkrakel auf den Vorsatzseiten! Doch ...

Als wir „Heute fahren wir nach Anderswo“ aufschlugen, legte sich die Stirn meiner Tochter in Falten: Wer hatte denn da schon in das neue Buch gemalt? Schönstes Krikelkrakel auf den Vorsatzseiten! Doch schnell wurde klar: In diesem Buch sieht ganz viel wie von Kinderhand gemalt aus. Und wird es auch: Elfi zeichnet nämlich mit Elfenkreide. Dem kleinen Oscar war ganz langweilig, bis er sie traf, aber Elfi verkündet gleich, verreisen zu wollen und malt dann ein tolles rotes Rennauto. Und schon geht es los. Die beiden flitzen nur so durch die Seiten und haben abenteuerliche Begegnungen mit kleinen und großen Tieren, Einhörnern und Drachen. Und ein Riese ist erst furchterregend groß und dann furchtbar nett. Für den nächsten Tag verabreden sich Elfi und Oscar erneut, doch ein Regen droht ihrem Wiedersehen einen Strich durch die Rechnung zu machen …

Ein wirklich wunderhübsches Bilderbuch über einen kleinen Jungen, der seine Vorstellungskraft entdeckt. Es kommt mit wenig Text aus und beinhaltet toll illustrierte, großformatige Bilder – vor allem die Kreide- bzw. Buntstiftzeichnungen faszinieren meine Kinder sehr. Es gibt viel zu entdecken, das Buch regt zum Gespräch genauso wie zum Selbermalen an. Die Botschaft ist ebenfalls gelungen: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Uns gefällt dieses Buch von Anfang bis Ende supergut und wird immer wieder angeschaut. Ich denke, man könnte es auch schon ab 3 Jahren empfehlen.

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  • Handlung
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  • Bilder/Illustrationen
  • Cover
Veröffentlicht am 30.01.2026

The Sky is the limit

Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte
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Was für ein tolles Bilderbuch! Meine Kinder lieben es. Auf jeder Doppelseite erzählt ein kleines Vögelchen seiner Mutter oder seinem Vater, was es später, wenn es mal groß ist, werden will: der kleine ...

Was für ein tolles Bilderbuch! Meine Kinder lieben es. Auf jeder Doppelseite erzählt ein kleines Vögelchen seiner Mutter oder seinem Vater, was es später, wenn es mal groß ist, werden will: der kleine Spatz eine Amsel, die kleine Amsel eine Taube, die kleine Taube eine Möwe … Das jeweilige Elternteil (erfreulicherweise überwiegend Papas – oft sind ja die Mamas in Kinderbüchern präsenter) dämpft dann die Erwartungen, wovon sich die kleinen Vögel aber nicht irritieren lassen. Und am Ende fliegen sie alle gemeinsam zum Mond.

Was meinen Kindern besonders gut gefällt: Die Gespräche, die alle recht ähnlich ablaufen, aber kleine Unterschiede haben: Das Graugans-Küken wird Schnucki genannt, der kleine Spatz denkt sich „Du hast keine Ahnung“, die kleine Amsel macht „Pfff“. Was ich super finde: Wie alle kleinen Vögel unbeirrt an ihren Zielen festhalten (obwohl der kleine Spatz doch wirklich keine große Amsel werden kann? Aber was weiß ich schon, ich bin ja erwachsen …).

Wir alle sind außerdem von den Illustrationen begeistert. Diese sind wunderbar bunt und recht großflächig. Jede Seite bietet ein paar Details, über die wir reden – bei jedem einzelnen Vorlesen. Dadurch, dass nicht so viele Einzelheiten zu sehen sind, reden wir sogar mehr über die Bilder – das ist mir so noch bei keinem anderen Buch aufgefallen. Der Spatz beim Essen, die Pfützen im Amselwohnzimmer, die Graugans, die ein Buch mit dem gleichen Cover liest und die Piñata auf der Vogelparty – alles spannend. Und auch die Vorsatz- und Nachsatzseiten, die die Vogelinsel jeweils bei Tag und Nacht zeigen und so die einzigen kleinteiligeren Bilder bieten, werden bestaunt. Dieses Kinderbuch besteht mit seinem gleichförmigen Aufbau, dem enthaltenen Schalk, der kraftvollen Botschaft und dem überraschenden Ende aus einer ungewöhnlichen Mixtur. Eine tolle Entdeckung!

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Zwei starke Geschichten, zart verbandelt

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Seit ich Kinder habe, fallen mir abends beim Lesen immer schnell die Augen zu. Aber nicht bei diesem Buch – ich konnte es kaum weglegen. Autorin Alena Schröder erzählt zwei Geschichten parallel: Die der ...

Seit ich Kinder habe, fallen mir abends beim Lesen immer schnell die Augen zu. Aber nicht bei diesem Buch – ich konnte es kaum weglegen. Autorin Alena Schröder erzählt zwei Geschichten parallel: Die der 1931 geborenen Marlen und die von Hannah, Jahrgang 1989. Marlen ist zu Kriegsende Vollwaise und landet eher zufällig bei der Güstrower Malerin Wilma. Diese hat bisher im Schatten ihres inzwischen in Russland vermissten Mannes gestanden und beginnt nun, eine eigene Karriere zu verfolgen. Marlen wächst in die Rolle ihrer Assistentin hinein und wird für Wilma unentbehrlich.

Viele Jahrzehnte später, 2023, weiß die 34-jährige Hannah nicht so recht, was sie mit sich anfangen soll, als sie plötzlich von ihrem Erzeuger kontaktiert wird – zum ersten Mal in ihrem Leben. Martin van der Kampen will plötzlich eine Beziehung zu ihr aufbauen und behauptet, das sei ihm von ihrer verstorbenen Mutter und Großmutter früher verboten worden. Seine Frau und Söhne wären schon voller Vorfreude. Eher skeptisch gibt Hannah der Familienzusammenführung eine kleine Chance. Und dann entwickelt sich alles ganz anders als erwartet.

Schröder erzählt zwei komplett unterschiedliche Geschichten, immer abwechselnd, Kapitel für Kapitel. Der Prolog macht die zarte Verknüpfung klar, doch beide Handlungsstränge stehen komplett für sich und spielen zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Welten. Und beide haben mich nicht losgelassen. Alena Schröder macht Emotionen wunderbar greifbar, ohne viele Worte zu verlieren. Ihre beiden Protagonistinnen und das undurchsichtige Beziehungsgeflecht um sie herum haben mich komplett in ihren Bann gezogen. Die Entwicklung des Ganzen war dabei unvorhersehbar und doch sehr stimmig. Mit Titel und Cover konnte ich erst nach der Lektüre etwas anfangen, aber auch das passt nun perfekt. Einfach ein großartiger Roman – und der dritte Teil einer Trilogie, wie ich jetzt erst bemerkt habe. Ganz offensichtlich kann man „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ auch unabhängig von den beiden früher erschienenen Büchern lesen. Ich freue mich jetzt auf Teil eins und zwei und bin gespannt, in welche Winkel von Hannahs Familiengeschichte sie mich führen werden.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Voller Wärme und Weisheit

Ins hohe Gras
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Trevor Noah hat mit „Ins hohe Gras“ eine zauberhafte Fabel geschrieben, die von Illustratorin Sabina Hahn kongenial umgesetzt wurde. Text und Bild ergänzen sich hier aufs Wunderbarste.
Es geht um einen ...

Trevor Noah hat mit „Ins hohe Gras“ eine zauberhafte Fabel geschrieben, die von Illustratorin Sabina Hahn kongenial umgesetzt wurde. Text und Bild ergänzen sich hier aufs Wunderbarste.
Es geht um einen namenlosen Jungen – nach dem persönlichen Vorwort Trevor Noahs ihm vermutlich nachempfunden – und seinen Teddy namens Walter. Walter ist die Stimme der Vernunft; er mahnt zum Zähneputzen, Haare kämmen und Bett machen, denn das sind die morgendlichen Pflichten, die die Mutter dem Jungen auferlegt hat. Doch der Junge will raus „Ins hohe Gras“ und zieht den widerstrebenden Teddy mit sich. Sie verlassen den sicheren Garten und erleben kleine Abenteuer, bei denen streitende Schnecken und fröhlichen Münzen ihnen erstaunliche Wege zu Konfliktlösungen zeigen. Das liest sich sowohl locker-flockig als auch weise. Und ab und zu kommen kleine Passagen, die wirklich berührend sind – wenn der Junge beispielsweise fragt: „Meinst Du, es ist zu spät, nach Hause zu gehen?“ und Walter antwortet: „Wenn du’s noch Zuhause nennst […] kannst du immer zurück.“
Bei diesem Buch stellt sich nicht die Frage, für wen oder welche Altersgruppe es geeignet ist, sondern eher, wen die Geschichte nicht verzaubert. Ich denke, dass sehr unterschiedlich geartete Leser*innen ihre Freude an Trevor Noahs neuestem Werk haben werden. Definitiv ein All-Age-Buch, das sich auch bestens als Weihnachtsgeschenk eignet.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Zauberhafte Wintergeschichte

Das Haus mit der kleinen roten Tür
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Dieses großformatige Bilderbuch kommt schon auf den ersten Blick sehr wertig daher: ein geprägter, rotglänzender Titel, Klappen aus hauchdünner Pappe (die schon etwas Fingerspitzengefühl bei den kleinen ...

Dieses großformatige Bilderbuch kommt schon auf den ersten Blick sehr wertig daher: ein geprägter, rotglänzender Titel, Klappen aus hauchdünner Pappe (die schon etwas Fingerspitzengefühl bei den kleinen Leserinnen und Lesern voraussetzen) in ganz unterschiedlichen Formaten und viel Platz für die wunderschönen, detaillierten Illustrationen.

„Das Haus mit der kleinen roten Tür“ handelt von einem Mädchen namens Olivia und „einer Maus namens Maus“, die an einem verschneiten Wintermorgen ins Gespräch kommen und zusammen spielen, bis plötzlich der Baum, in dem das Mäuschen lebt, unter der Schneelast zusammenbricht. Olivia will der plötzlich obdachlosen Maus helfen, doch es ist gar nicht so leicht, eine passende neue Bleibe für sie zu finden. Bis die beiden schließlich auf die beste aller Lösungen kommen …
Weihnachten kommt in der Geschichte gar nicht vor, doch sie mutet trotzdem wie eine Weihnachtsgeschichte an. Es geht um die Suche nach einer Unterkunft, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Freundschaft, und am Ende wird Klein und Groß ganz warm ums Herz. Auch Bilderbücher können ein Licht in die dunkle Jahreszeit tragen – dieses Exemplar macht das auf jeden Fall.

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