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Veröffentlicht am 29.03.2023

Die unfassbaren Folgen eines richtig schlechten Tags

Institut für gute Mütter
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Ja, Frida hat einen Fehler gemacht. An ihrem richtig schlechten Tag war das. Als ihr alles zu viel wurde. Sie hat ihre kleine Tochter unbeaufsichtigt gelassen.
Und dies bleibt nicht unbeobachtet. In einer ...

Ja, Frida hat einen Fehler gemacht. An ihrem richtig schlechten Tag war das. Als ihr alles zu viel wurde. Sie hat ihre kleine Tochter unbeaufsichtigt gelassen.
Und dies bleibt nicht unbeobachtet. In einer Stadt, in der Menschen andere anzeigen, weil sie in ihren Augen Fehler machen. Oh, wie nah ist das an der Realität!
Auch Frida wird angezeigt. Und was dann passiert, ist so grausam, so unvorstellbar und doch phasenweise gar nicht so weit weg von der heutigen Welt. Nur konsequent zu Ende gedacht, was passiert, wenn die einen die Regeln machen und die anderen sie um jeden Preis einhalten müssen, so sinnfrei sie auch manchmal sind.
Frida kommt in das Institut der guten Mütter. Hier soll sie mit einer KI-Puppe lernen, wie sich gute Mütter verhalten. Und wenn das nicht klappt? Dann gibt es Entzug des letzten Bindeglieds zu den eigenen Kindern. Man darf nicht einmal mehr mit Ihnen telefonieren. Damit hat die Schule das größtmögliche Druckmittel überhaupt.
Die Beobachtungen in dieser Dystopie sind auf den Punkt. Fridas Gefühle und Gedanken, ihre Erinnerungen an ihre Tochter, ihre Sehnsucht, ihre Verzweiflung und Hoffnung sind sehr greifbar beschrieben. Teilweise hat man das Gefühl, mitten in dieser abstrusen Schule zu sein. Für mich wird dieses Gefühl durch das Schreiben in der Gegenwart verstärkt. Manchmal bleibt mir fast die Luft weg, so bedrückend sind die Szenen.
Ein paar Längen hat das Buch. Vielleicht hätte ich nicht jede Lerneinheit des „Instituts der guten Mütter“ so ausführlich gebraucht. Andererseits spürt man dadurch die Grausamkeit dieses einen Prüfungsjahrs für die Mutter um so mehr.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Über Liebe, Trauer und Freundschaften

Eine Liebe ohne Sommer
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Mit „eine Liebe ohne Sommer“ hält man ein optisch und haptisch wunderschönes Buch in der Hand, dessen Farbgebung gegen Ende sogar noch eine Rolle spielt.

Doch nicht nur das Außen stimmt, auch das Lesevergnügen ...

Mit „eine Liebe ohne Sommer“ hält man ein optisch und haptisch wunderschönes Buch in der Hand, dessen Farbgebung gegen Ende sogar noch eine Rolle spielt.

Doch nicht nur das Außen stimmt, auch das Lesevergnügen ist groß. Rosa und Nikolos kennen sich noch nicht lange, als Nikolos verunglückt. Ja, Rosa trauert um diese verlorene Liebe. Doch gleichzeitig fragt sie sich, wieviel sie überhaupt schon über Nikolos weiß. Sie fühlt sich nicht als „trauernde Witwe“ und hat doch einen Mann verloren, den sie sehr mag. Durch das Aufspüren der Menschen aus Nikolos Vergangenheit versucht sie, Nikolas kennenzulernen und gleichzeitig loszulassen.

Mir war der Teil des Buches, in dem es um das (vergangene) Aufeinandertreffen von Nikolos und Rosa geht, etwas zu lang. Dafür mochte ich die Anteile im hier und jetzt, als Rosa posthum in Nikolos’ Leben eintaucht und so viel dazu gewinnt, um so mehr.
Timothy Paul schreibt einfühlsam und mit einem guten Gespür für Humor, ohne dabei je kitschig zu werden. Die zentralen Figuren haben Charakter. Besonders Rosa wird greifbar, da wir ihre Gedanken als eine Art Tagebucheintrag lesen dürfen- auch das Durchgestrichene, was man normalerweise nicht teilt. Ein tolles Stilmittel!

Insgesamt nähert sich das Buch dem Thema Trauer auf eine besondere, absolut lesenswerte Weise.

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Veröffentlicht am 01.10.2024

Gelungenes Debüt

Kein Land in Sicht
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Was für ein tolles Cover. Durch ein Bullauge schauen wir (fast) dreidimensional auf die hohe See. Und genau dort findet – sehr zum Leidwesen der Protagonistin, die zu Wasser eine schwierige Verbindung ...

Was für ein tolles Cover. Durch ein Bullauge schauen wir (fast) dreidimensional auf die hohe See. Und genau dort findet – sehr zum Leidwesen der Protagonistin, die zu Wasser eine schwierige Verbindung hat – das ganze Drama statt.
Ein Kreuzfahrtschiff eignet sich hervorragend für ein böses Versteckspiel. Passagiere, Crew und Außenstehende können ein falsches Spiel treiben. Eigentlich geschützte Räume können für Schrecken sorgen. Und dass man als Neuling auf dem Schiff öfter mal die Orientierung verliert, ist ohnehin klar. Christina Pertl nutzt dieses Setting weidlich aus.
In einer wunderbar genauen Sprache (da sitzt jeder Satz!) enthüllen wir Leser gemeinsam mit der Hauptfigur das grausame Geheimnis des Schiffs. Doch zunächst muss sie herausfinden, wer sie selbst ist. Erwachend aus einem Alptraum kommt Stephanie irgendwie alles falsch vor: ihr Name, ihr Job, sie kann sich an nichts erinnern. Bruchstückhaft und durch aufblitzende Momente nähert sie sich selbst und ihrem eigentlichen Ziel an. Manchmal kommt mir der Zufall ein bisschen arg zu Hilfe, manchmal ist es ein wenig blauäugig, was die Protagonistin so treibt, aber in Summe ist der Krimi absolut lesenswert und vermutlich gar nicht so weit weg von einer möglichen Realität.
Das Buch liest sich flüssig, die Kapitel sind eher kurz. Und weils wirklich spannend war, habe ich das Buch auch ruckzuck durchgelesen und freue mich auf weitere Fälle.
Nicht ganz stringent war für mich die Schriftsetzung. Die kursive Schrift wird für mehrere Zwecke eingesetzt, was mich anfangs verwirrt hat.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Spannender Einblick in politische Intrigen

Die Stockholm-Protokolle
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Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen ...

Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen Alltag beschrieben. Das ist ganz großartig zu verfolgen, wenn zum Beispiel ein Minister nach einem eigentlich unverzeihlichen Fehltritt wieder aufgebaut wird als politische Person. Von diesem Streben um Macht und Einfluss hätte ich ein ganzes Buch lesen können.
Doch hier geht es um mehr (und manchmal ist das vielleicht sogar ein bisschen zu viel). Julia ist Investigativjournalistin und entdeckt Anzeichen, dass im Umfeld des Ministerpräsidenten etwas Ungutes vor sich geht. Mit allen Mitteln versucht sie dem auf die Spur zu kommen. Die Figur ist gut gezeichnet, denn auch sie kommt nur durch Skrupellosigkeit und ohne Rücksichtnahme auf ihre Informanten an ihre Geschichten.

Parallel dazu ernennt die Regierung ihren Lebensgefährten Alfred als Pressesprecher des Ministerpräsidenten. Nicht nur, weil er brillant argumentieren kann, sondern vor allem, um Julia am Recherchieren zu hindern. Durch Alfreds Rolle bekommt man diese wunderbaren Einblicke in die Machtspielchen des politischen Alltags. Ob der künstliche Spannungsbogen zum „Ruhigstellen“ von Julia nötig war, sei dahingestellt.

Das Buch besticht lange durch eine ruhige Erzählweise. Die Dramatik im letzten Teil ändert dann die Dynamik der Geschichte, aber leider auch deren Glaubwürdigkeit.
Mir gefällt das Cover sehr gut. Da das Buch der Auftakt einer Reihe ist, würde ich mir wünschen, dass weitere Buchtitel ähnlich gestaltet sind.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Schweden in den späten 80ern

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Mattias Edvardsson führt in „Tatort Trelleborg“ seine neue Hauptfigur Gunni mit viel Liebe zu Details ein. Sie ist den Zeugen Jehovas entflohen, ihre Schwester steckt noch im System und diese Geschichte ...

Mattias Edvardsson führt in „Tatort Trelleborg“ seine neue Hauptfigur Gunni mit viel Liebe zu Details ein. Sie ist den Zeugen Jehovas entflohen, ihre Schwester steckt noch im System und diese Geschichte bekommt doch sehr viel Raum im Buch. Es hat fast aufklärerische Züge, wie der Autor die Lebensumstände beschreibt.

Diese Details täten der Ermittlung bisweilen gut. Ein kleiner Junge wird ermordet und irgendwie ist jeder in der kleinen südschwedischen Siedlung verdächtig. Diesen Spuren wird jedoch nur mäßig gründlich nachgegangen und alle sind froh, als das Verbrechen unter seltsamen Rahmenbedingungen aufgeklärt wird. Fast alle, denn Gunni behält Restzweifel und fordert vehement eine Überprüfung, als sich ein ähnlicher Fall ergibt.

Besonders gelungen finde ich die Momente, in denen beschrieben wird, wie es Menschen ergeht, die zu Unrecht (vor-)verurteilt werden. Und das gerade in kleinen Gemeinschaften, wo sie fast keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen.

Matthias Edvardsson zeichnet ein interessantes Bild über Schweden in den späten 80ern. Man fühlt sich durch Kleinigkeiten wie das permanente Rauchen oder den Begriff Teletext sofort in diese Zeit zurückversetzt.

Kurze Kapitel, eine sympathische Hauptfigur und die bisweilen doch sehr berührende story lassen einen schönen Lesefluss entstehen.

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