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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.10.2024

Gelungenes Debüt

Kein Land in Sicht
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Was für ein tolles Cover. Durch ein Bullauge schauen wir (fast) dreidimensional auf die hohe See. Und genau dort findet – sehr zum Leidwesen der Protagonistin, die zu Wasser eine schwierige Verbindung ...

Was für ein tolles Cover. Durch ein Bullauge schauen wir (fast) dreidimensional auf die hohe See. Und genau dort findet – sehr zum Leidwesen der Protagonistin, die zu Wasser eine schwierige Verbindung hat – das ganze Drama statt.
Ein Kreuzfahrtschiff eignet sich hervorragend für ein böses Versteckspiel. Passagiere, Crew und Außenstehende können ein falsches Spiel treiben. Eigentlich geschützte Räume können für Schrecken sorgen. Und dass man als Neuling auf dem Schiff öfter mal die Orientierung verliert, ist ohnehin klar. Christina Pertl nutzt dieses Setting weidlich aus.
In einer wunderbar genauen Sprache (da sitzt jeder Satz!) enthüllen wir Leser gemeinsam mit der Hauptfigur das grausame Geheimnis des Schiffs. Doch zunächst muss sie herausfinden, wer sie selbst ist. Erwachend aus einem Alptraum kommt Stephanie irgendwie alles falsch vor: ihr Name, ihr Job, sie kann sich an nichts erinnern. Bruchstückhaft und durch aufblitzende Momente nähert sie sich selbst und ihrem eigentlichen Ziel an. Manchmal kommt mir der Zufall ein bisschen arg zu Hilfe, manchmal ist es ein wenig blauäugig, was die Protagonistin so treibt, aber in Summe ist der Krimi absolut lesenswert und vermutlich gar nicht so weit weg von einer möglichen Realität.
Das Buch liest sich flüssig, die Kapitel sind eher kurz. Und weils wirklich spannend war, habe ich das Buch auch ruckzuck durchgelesen und freue mich auf weitere Fälle.
Nicht ganz stringent war für mich die Schriftsetzung. Die kursive Schrift wird für mehrere Zwecke eingesetzt, was mich anfangs verwirrt hat.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Spannender Einblick in politische Intrigen

Die Stockholm-Protokolle
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Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen ...

Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen Alltag beschrieben. Das ist ganz großartig zu verfolgen, wenn zum Beispiel ein Minister nach einem eigentlich unverzeihlichen Fehltritt wieder aufgebaut wird als politische Person. Von diesem Streben um Macht und Einfluss hätte ich ein ganzes Buch lesen können.
Doch hier geht es um mehr (und manchmal ist das vielleicht sogar ein bisschen zu viel). Julia ist Investigativjournalistin und entdeckt Anzeichen, dass im Umfeld des Ministerpräsidenten etwas Ungutes vor sich geht. Mit allen Mitteln versucht sie dem auf die Spur zu kommen. Die Figur ist gut gezeichnet, denn auch sie kommt nur durch Skrupellosigkeit und ohne Rücksichtnahme auf ihre Informanten an ihre Geschichten.
Parallel dazu ernennt die Regierung ihren Lebensgefährten Alfred als Pressesprecher des Ministerpräsidenten. Nicht nur, weil er brillant argumentieren kann, sondern vor allem, um Julia am Recherchieren zu hindern. Durch Alfreds Rolle bekommt man diese wunderbaren Einblicke in die Machtspielchen des politischen Alltags. Ob der künstliche Spannungsbogen zum „Ruhigstellen“ von Julia nötig war, sei dahingestellt.
Das Buch besticht lange durch eine ruhige Erzählweise. Die Dramatik im letzten Teil ändert dann die Dynamik der Geschichte, aber leider auch deren Glaubwürdigkeit.
Mir gefällt das Cover sehr gut. Da das Buch der Auftakt einer Reihe ist, würde ich mir wünschen, dass weitere Buchtitel ähnlich gestaltet sind.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Schweden in den späten 80ern

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Mattias Edvardsson führt in „Tatort Trelleborg“ seine neue Hauptfigur Gunni mit viel Liebe zu Details ein. Sie ist den Zeugen Jehovas entflohen, ihre Schwester steckt noch im System und diese Geschichte ...

Mattias Edvardsson führt in „Tatort Trelleborg“ seine neue Hauptfigur Gunni mit viel Liebe zu Details ein. Sie ist den Zeugen Jehovas entflohen, ihre Schwester steckt noch im System und diese Geschichte bekommt doch sehr viel Raum im Buch. Es hat fast aufklärerische Züge, wie der Autor die Lebensumstände beschreibt.

Diese Details täten der Ermittlung bisweilen gut. Ein kleiner Junge wird ermordet und irgendwie ist jeder in der kleinen südschwedischen Siedlung verdächtig. Diesen Spuren wird jedoch nur mäßig gründlich nachgegangen und alle sind froh, als das Verbrechen unter seltsamen Rahmenbedingungen aufgeklärt wird. Fast alle, denn Gunni behält Restzweifel und fordert vehement eine Überprüfung, als sich ein ähnlicher Fall ergibt.

Besonders gelungen finde ich die Momente, in denen beschrieben wird, wie es Menschen ergeht, die zu Unrecht (vor-)verurteilt werden. Und das gerade in kleinen Gemeinschaften, wo sie fast keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen.

Matthias Edvardsson zeichnet ein interessantes Bild über Schweden in den späten 80ern. Man fühlt sich durch Kleinigkeiten wie das permanente Rauchen oder den Begriff Teletext sofort in diese Zeit zurückversetzt.

Kurze Kapitel, eine sympathische Hauptfigur und die bisweilen doch sehr berührende story lassen einen schönen Lesefluss entstehen.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Unterhaltsames Ankommen im eigenen Leben

Einatmen. Ausatmen.
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Als großer Fan von „Wir werden jung sein“ habe ich auch bei „Einatmen Ausatmen“ ein spannendes Gedankenexperiment erwartet. Doch so weit geht der Autor in diesem Buch nicht. Stattdessen werden Menschen ...

Als großer Fan von „Wir werden jung sein“ habe ich auch bei „Einatmen Ausatmen“ ein spannendes Gedankenexperiment erwartet. Doch so weit geht der Autor in diesem Buch nicht. Stattdessen werden Menschen bei der Suche nach ihrer eigenen Identität, nach dem Sinn ihres Lebens begleitet. Das alles ist untermalt von Abhandlungen zu gesellschaftsrelevanten Themen. Mal geht’s um Führungsstile, mal um die junge Generation und immer wieder um die Erhaltung der unmittelbaren Umwelt. Manches davon ist ein leicht satirischer Blick, der zu lesen Spaß macht, manches wirkt auch ein bisschen zu aufgesetzt.

Das Lesevergnügen entsteht durch eine wunderbar eingängige und leicht zu lesende Sprache und die Charaktere, die jeweils ein bestimmtes Klischee über Menschen und Berufe erfüllen, ohne dabei platt und zu stereotyp zu sein.
Marlene wird zwangsverpflichtet, an einem Achtsamkeitsseminar teilzunehmen, um ihre emotionalen Fähigkeiten zu wecken und so ihre Karriere zu beflügeln. Sie kommt in ein Ressort, in dem Alex die Entwicklung seiner Klienten im Blick hat. Der ist jedoch selbst gefangen in Pflichterfüllung und Zweifeln an seiner Bindungsfähigkeit. Unterhaltsam sind die ersten Kontakte der beiden, treffen doch Vorurteile und Lebenswelten aufeinander. Doch zu schnell löst sich dieser Konflikt auf.

Und das ist auch meine Kritik an dem Buch. Es ist irgendwie alles sehr leicht. Hier ein Anstupser, da ein Gespräch und die Gedanken beginnen sich zu ändern. Dass es nicht zu banal wird, liegt an der Aufrichtigkeit und Liebe, mit der Maxim Leo seine Charaktere behandelt. Auch wenn ich das Buch gern gelesen habe, wirkt es auf mich nicht 100% fertig geschrieben, sondern einige Szenen, besonders die um die Waldrettung, wirken auf mich ein wenig wie Füllmaterial.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Gute Unterhaltung

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Emily Rudolfs Büchern leben von klug angelegten Plots und einem sprachlich und stilistisch wiedererkennbaren Schreibstil. Viele Dialoge und „Selbstgespräche“, versteckte Geheimnisse bei den Protagonisten ...

Emily Rudolfs Büchern leben von klug angelegten Plots und einem sprachlich und stilistisch wiedererkennbaren Schreibstil. Viele Dialoge und „Selbstgespräche“, versteckte Geheimnisse bei den Protagonisten und immer wieder eingestreute Sexszenen. So schließt sich „Die Housesitterin“ nahtlos an die bisher erschienenen Bücher an.
Hier erleben wir die Geschichte aus der Perspektive von 3 Hauptpersonen, die alle einen Grund haben, einander zu schaden. Welche Gründe das sind und wie weit die einzelnen Personen gehen, wird im Buch nach und nach enthüllt. Dabei ist der Leser (fast) immer mit allen Informationen versorgt, so dass man viele Wendungen vorherahnen kann.
Angelegt ist das Buch wie ein Kammerspiel. Die meisten Szenen finden in einem Haus auf einer einsamen Insel statt, wobei immer eine andere Hauptperson ihre Gedanken teilt. Nur bei den Rückblenden (auch ein typisches Stilmittel) verlassen wir den Handlungsort. In dem Wechsel der Perspektiven liegt für mich der Reiz des Buchs, allerdings entstehen dadurch auch Längen, weil man viele Wiederholungen hat und die Handlung manchmal überhaupt nicht vorankommt.
Optisch ist das Buch der Hammer, die Farben des Einbands leuchten. Der Blick aus dem Fenster spielt auch im Buch eine Rolle. Es macht einfach Freude, dieses Buch in die Hand zu nehmen.

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