Wem kann man trauen?
Wenn Liebe tötetNalini Singh kenne ich vor allem aus dem Fantasybereich durch ihre Gestaltwandler‑Reihe, die mich viele Jahre begleitet hat und die ich immer gern gelesen habe. Als ich dann gesehen habe, dass sie einen ...
Nalini Singh kenne ich vor allem aus dem Fantasybereich durch ihre Gestaltwandler‑Reihe, die mich viele Jahre begleitet hat und die ich immer gern gelesen habe. Als ich dann gesehen habe, dass sie einen Thriller geschrieben hat, war ich erst überrascht – und gleichzeitig neugierig, wie sie sich in einem ganz anderen Genre schlägt.
Tavish als Protagonist hat mich von Anfang an beschäftigt. Er bewegt sich in einem Umfeld wohlhabender, älterer Frauen, die später unter seltsamen Umständen sterben, und allein das sorgt schon für ein ungutes Gefühl und Misstrauen. Gleichzeitig bleibt er so undurchsichtig, dass ich nie sicher war, wie viel von dem, was er denkt oder erzählt, wirklich stimmt. Dieses ständige Hin‑ und Her zwischen Zweifel und dem Wunsch, ihn zu verstehen, zieht sich durch das ganze Buch und macht einen großen Teil der Spannung aus.
Die Handlung lebt davon, dass sich der Verdacht immer wieder in eine neue Richtung entwickelt. Kaum glaubt man, einer Spur folgen zu können, tauchen neue Hinweise auf, die alles wieder durcheinanderbringen. Dadurch bleibt die Geschichte in Bewegung und wirkt trotzdem glaubwürdig.
Erzählt wird auf zwei Ebenen: In der Gegenwart steht der Angriff auf die Familie Prasad im Mittelpunkt, während Rückblicke auf frühere Ermittlungen und auf Tavishs Vergangenheit nach und nach weitere Puzzleteile liefern. Diese Einschübe bremsen den Lesefluss zwar manchmal ein wenig, sind aber wichtig, weil sie das Gesamtbild Schritt für Schritt erweitern. Gleichzeitig sind sie so eng mit der Handlung verknüpft, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie man sie anders hätte einbauen können, ohne der Spannung etwas zu nehmen.
Der Twist am Ende hat mich wirklich überrascht. Ich hatte viele Vermutungen, aber auf diese Wendung wäre ich nicht gekommen. Plötzlich wirkt alles anders, und ich musste das Gelesene noch einmal für mich sortieren.
Fazit: "Wenn Liebe tötet" ist für mich ein atmosphärischer Thriller, der vor allem durch seine Figuren und die stetige Unsicherheit rund um Tavish funktioniert. Die Mischung aus Gegenwart und Rückblicken ist nicht immer ganz flüssig, gibt der Geschichte aber genau die Tiefe, die sie braucht. Auch wenn mich Singhs Fantasywelten emotional stärker erreichen, hat mich dieser Thriller gut unterhalten und mit seinem unerwarteten Twist wirklich überrascht.