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Veröffentlicht am 26.03.2026

Erschütternd

Die Apotheke der Hoffnung
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Krakau im Jahre 1941, die Spaltung zwischen Juden und Nicht-Juden schreitet voran, Ghettos werden errichtet und die Apothekerin Zosia Lewandowska verliert immer mehr Nachbarn durch zwangsweise Umsiedlungen. ...

Krakau im Jahre 1941, die Spaltung zwischen Juden und Nicht-Juden schreitet voran, Ghettos werden errichtet und die Apothekerin Zosia Lewandowska verliert immer mehr Nachbarn durch zwangsweise Umsiedlungen. Gemeinsam mit einer Studienfreundin arbeitet sie fortan in der Adler-Apotheke im abgeriegelten Viertel, wo sie unter Einsatz ihres Lebens den menschenunwürdig behandelten Juden Hilfe anbietet. Ein erschütternder Bericht, der leider auf wahren Begebenheiten fußt.

In einer nichts beschönigenden und nichts verbergenden sachlichen Schreibweise erzählt Amanda Barratt aus einem der schlimmsten Kapitel unserer Zeitgeschichte. Zosia selbst und ihre junge jüdische Freundin und ehemals Nachbarin Haina berichten in der Ich-Form, wodurch sie eine so realistische Darstellung liefern, dass einem nicht nur einmal ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass historische Figuren ins Geschehen eingeflochten werden, so beispielsweise der Apotheker Tadeusz Pankiewicz oder der Lagerkommandant SS-Untersturmführer Amon Göth. Andere reale Personen dienen als Vorlage für die unterschiedlichsten Charaktere in diesem ausgezeichneten, wenn auch stellenweise schwer aushaltbaren Roman. Wir begleiten unsere liebgewonnen Helden des Alltags über mehrere Jahre, ziehen von beengten Ghettounterkünften in Podgórze in das kaum vorstellbare Arbeitslager Plaszów und weitere unfassbare Stationen und erleben mit, wie dort trotz steter Angst und nagendem Hunger ein letzter Funken Hoffnung glimmt. „Stärke heißt nicht, ohne Angst zu leben, sondern trotz der Angst zu leben.“ [kindle, Pos. 3916]

Mutig und entschlossen stehen Menschen für ihre verfolgten Nachbarn ein, trotzen den schikanösen Vorschriften und werden durch kleine Gesten zu „Leuchtfeuern des Lebens inmitten eines tosenden Sturms.“ [kindle, Pos. 5826] So auch Tadeusz Pankiewicz mit seinen drei unerschrockenen Angestellten in der Apotheke, welche heute zum Historischen Museum der Stadt Krakau zählt.

Dieses Buch ist ein Meisterwerk an Erzählkunst und verknüpft erschütternde Wahrheit mit fiktiven Szenen zu einem Ort des Grauens und einer gleichzeitig nie versiegenden Hoffnung. Mögen die Verbrechen des Naziregimes nie in Vergessenheit geraten. Fünf Sterne samt Leseempfehlung für all jene, denen Recht und Gerechtigkeit ein Anliegen sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2026

Moral

Die Schneiderei in der Fliedergasse - Neue Hoffnung
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„Wenn deine Prinzipien einen Preis haben, dann sind es keine wahren Prinzipien.“ [kindle, Pos. 2011]

Die zwanzigjährigen Zwillinge Susanne und Leonard gehen ihren Berufungen nach, das Mädchen studiert ...

„Wenn deine Prinzipien einen Preis haben, dann sind es keine wahren Prinzipien.“ [kindle, Pos. 2011]

Die zwanzigjährigen Zwillinge Susanne und Leonard gehen ihren Berufungen nach, das Mädchen studiert mit Eifer Jus, während ihr Bruder in der Schneiderei der Mutter flink ans Werk geht. Allein die von der Stadt Tübingen vorgeschriebene Renovierung des Geschäfts- und Wohnhauses wirft Probleme auf, denn dafür fehlt schlicht und einfach das Geld.

Nahtlos schließt Teil 2 an den Vorgänger an, wobei das Lesevergnügen mit Vorkenntnissen bestimmt größer ist als ohne, aber auch für Neueinsteiger gibt es ausreichende Details fürs Verständnis der Handlung. Die Themen der 1970er-Jahre werden auch diesmal aufgegriffen: traditionelle Rollenbilder und deren vorsichtiges Aufbrechen, politische Proteste der (linken) Studenten oder (rechte) Burschenschafter, wodurch die fiktive Handlung eine authentische Kulisse bekommt. Die Figuren sind lebendig gezeichnet, gerne möchte man sich als Leser mit der ein oder anderen auf einen Kaffee treffen und über moralische und vernunftorientierte Entscheidungen plaudern. Eines ist klar, einfach fällt es den Zwillingen nicht, das Geld für die Hausinstandsetzung aus einer passenden Quelle aufzutreiben.

Mit ihrem herzlichen Schreibstil punktet das Autorenduo Andrea Bottlinger und Claudia Hornung, welches sich hinter dem Namen Katharina Oswald verbirgt, auch diesmal, die Szenen sind bildhaft und bestens vorstellbar. Ebenso realistisch stellen sich die Gedanken und Gefühle der Zwillinge dar, sodass man sich bestens in ihre Situation hineinversetzen kann, insbesondere, wenn es um die Begegnungen in Strasbourg geht. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, mit einer für die Zeit eher unüblichen Leichtigkeit fließt sogar das Thema Homosexualität ins Geschehen ein. So reiht sich ein kurzweiliges Kapitel ans andere, liefert Informationen ohne erhobenen Zeigefinger und lässt die 1970er-Jahre wieder aufleben sowie Erinnerungen hochkommen. Danke für Leonard Cohens Lied Suzanne oder die Portraits von Rosa Parks und Emma Goldmann, um nur einige stellvertretend zu nennen.

Ein vordergründig locker-leichtes Buch, das aber eine Vielfalt an tiefgründigen Fragen beleuchtet und somit gleichsam unterhält und nachdenklich stimmt. Ich empfehle die beiden Bände daher sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 23.03.2026

Tod der Sorben

Das Camp
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Eine Reihe von Todesfällen beschäftigt die Lausitzer Gegend, während es im belgischen Camp Donkerbloem ruhig geworden ist. Als gemeinsame Auffälligkeit findet sich die Tatsache, dass alle Toten der Gruppe ...

Eine Reihe von Todesfällen beschäftigt die Lausitzer Gegend, während es im belgischen Camp Donkerbloem ruhig geworden ist. Als gemeinsame Auffälligkeit findet sich die Tatsache, dass alle Toten der Gruppe der Sorben angehören, einer slawischen Minderheit in Deutschland. Aufgrund von verschiedenen Indizien gerät die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke ins Visier der Ermittler.

Spannend setzt sich die Trilogie fort, was im Trailer begonnen hat, nimmt im Camp seinen Lauf. Figuren, welche man nicht unbedingt sympathisch nennen kann, begegnen uns wieder und wecken trotz aller Vorbehalte unsere Neugierde, wie es mit ihnen weitergeht. Ein verruchter Barbesitzer in Köln, ein türkischer Campingplatzverwalter in Belgien, dazwischen eine quirlige Kommissarin aus Hamburg und eine junge IT-Expertin, welche bereits im ersten Band aufeinandergetroffen sind. Schräge Szenen, brutale Sequenzen und viele komplizierte Zusammenhänge, welche sich am Ende als gut durchdacht und logisch herausstellen, beherrschen die Handlung. Fesselnd und mitreißend führt Geschke durch die Herausforderungen, die nun gemeistert werden müssen. Der Autor erschafft mit seinen Worten spielerisch eine großartige Atmosphäre, welche sich quer von der Lausitz nach Köln zieht und von Hamburg nach Belgien. Egal, an welchem Schauplatz wir uns gerade befinden, die Spannung ist greifbar, die Luft vibriert. Am Ende schockiert mich ein Ereignis sehr, wird es doch auch den folgenden dritten Band beeinflussen, aber so spielt das Leben eben, nicht nur das wahre, auch das fiktive im Camp. Nichtsdestotrotz fiebere ich aufgeregt der abschließenden Schlucht entgegen.

Auch Das Camp ist eine uneingeschränkte Empfehlung wert, den Ohrwurm Vienna von Ultravox nehme ich gerne mit.

Veröffentlicht am 21.03.2026

Von A (und O) bis Z wie Zwickmühle

Duden – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?
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Heute kann ich aus dem Nähkästchen plaudern, denn ich habe ein großartiges Werk aus dem Verlag Duden in Händen, ein ebenso informatives wie spannendes und unterhaltsames Buch über Redensarten, deren Bedeutung ...

Heute kann ich aus dem Nähkästchen plaudern, denn ich habe ein großartiges Werk aus dem Verlag Duden in Händen, ein ebenso informatives wie spannendes und unterhaltsames Buch über Redensarten, deren Bedeutung und Herkunft – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?

In wunderschönen Farben - Schwarz, Weiß, Grün - gehalten, präsentiert sich dieser 288 Seiten starke Ratgeber, welcher über 700 Einzelnachweise liefert. Wie es sich für einen Duden gehört, erfolgt die Reihung der Redensarten alphabetisch, wobei jedem Buchstaben ein eigenes toll illustriertes Deckblatt vorangestellt ist. Auch sonst weisen grüne Lettern und ein passender Seitenrand dem Leser den Weg, um bei einer gezielten Suche rasch fündig zu werden. Zwischen den einzelnen überaus informativen Artikeln sind außerdem noch Anekdoten eingestreut, die etwa biblische oder mittelalterliche Wendungen erläutern, nicht zuletzt geht es um den Einfluss des Englischen oder um Tierisches. Die Gesamtgestaltung besticht durch Übersichtlichkeit und präzise Darstellung, sodass man das Buch sehr gerne von A bis Z durchkostet, ebenso gut eignet sich der grüne Teufel an der Wand aber auch als Nachschlagewerk, wenn einem einmal eine Wendung nicht geläufig ist. Ab sofort kann hier jederzeit Abhilfe geschaffen werden.

Egal, ob man sich einfach gerne mit Sprache beschäftigt oder ob man schlagfertig mit passenden Redensarten punkten will, hier entdeckt wohl jeder Leser Altbekanntes aus einem vielleicht anderen Blickwinkel oder völlig Neues, das einen überraschen kann. Jedenfalls muss sich dieses Buch nicht mit fremden Federn schmücken, sondern ist sehr gelungen, so, wie es ist!

Veröffentlicht am 16.03.2026

Malia Gold

Moorland. Die Zwillinge
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Kommissarin Malia Gold kehrt nach 15 Jahren in ihre Heimat in der Marsch zurück und wird sofort mit einem kniffligen Fall konfrontiert. Im Moor sind die 18-jährigen Zwillingsmädchen Nike und Jana verschwunden. ...

Kommissarin Malia Gold kehrt nach 15 Jahren in ihre Heimat in der Marsch zurück und wird sofort mit einem kniffligen Fall konfrontiert. Im Moor sind die 18-jährigen Zwillingsmädchen Nike und Jana verschwunden. Es ist nicht klar, ob sie davongelaufen sind, sich im Nebel verirrt haben oder einem Verbrechen anheimgefallen sind. Neben der polizeilichen Arbeit muss Malia auch noch familiäre Probleme klären.

Spannende Szenen vor der atmosphärischen Kulisse einer nebeligen, düsteren Moorlandschaft ziehen den Leser schnell in ihren Bann, die flotte Schreibweise von Andreas Winkelmann tut ihr Übriges, um die Seiten nur so dahinfliegen zu lassen. In der kleinen Gemeinde Riedberg gibt es gefühlt mehr Geheimnisse als Einwohner, wodurch die Ermittlungen nicht gerade einfach verlaufen, Malia mit ihrer recht direkten Art steht immer wieder vor neuen Rätseln. Junge Menschen und Tiktok-Posts, eine sektenähnliche Kirchengemeinde sowie persönliche Zerwürfnisse in Malias Familie beherrschen das Geschehen, das durchgehende Spannung hält und lange ebenso undurchsichtig ist wie der dichte Nebel über dem Land. Die logisch durchdachte Handlung führt nach einigen aufregenden Momenten schlussendlich zu einer gut nachvollziehbaren Auflösung und weckt Neugierde auf die weitere persönliche Entwicklung der sympathischen Kommissarin Gold.

Ein überaus gelungener Start einer neuen Thrillerserie, welche ich auf jeden Fall weiterverfolgen werde. Für Band 1 gibt es schon einmal eine Leseempfehlung.

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