Profilbild von Forti

Forti

Lesejury Star
offline

Forti ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Forti über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Absolut abgefahren

Willkommen in Night Vale
0

Denis Scheck hat das Buch in einer Ausgabe von Druckfrisch empfohlen und ich wurde neugierig. Zuerst habe ich mir den englischen Podcast angehört, bin da aber sprachlich schnell an meine Grenzen gelangt. ...

Denis Scheck hat das Buch in einer Ausgabe von Druckfrisch empfohlen und ich wurde neugierig. Zuerst habe ich mir den englischen Podcast angehört, bin da aber sprachlich schnell an meine Grenzen gelangt. Angefixt hat mich die Geschichte um die Stadt Night Vale aber trotzdem.
Und so habe ich mich sehr gefreut, "Willkommen in Night Vale" zu lesen. Das Buch ist wirklich toll. Es ist absolut abgefahren, verrückt, seltsam - wer so etwas gerne liest, dem kann ich das Buch nur empfehlen.
Night Vale hat zwar Merkmale einer Stadt, wie sie für uns normal ist - ein Diner, eine Bibliothek, die Menschen gehen zur Arbeit, es gibt einen lokalen Radiosender -, aber im Detail ist dann dort nichts mehr normal. Die Bibliothek ist einer der vielen gefährlichen Orte dieser Stadt, die Menschen leben mit Engeln zusammen und werden im Diner von Bäumen bedient, immer wieder ist von der Geheimpolizei die Rede. Das alles ist für die Menschen in Night Vale normal - sie kennen es nicht anders und gehen deshalb ohne übertriebene Aufregung mit der Situation um.
Beim Lesen wurde mir klar, warum ich im Podcast so vieles nicht verstanden habe - es ist einfach zu abgefahren: alle Details sind dann als Nicht-Muttersprachlerin schwer zu fassen.
Die eigentliche Geschichte rund um Diane und Jackie war jetzt ehlich gesagt nicht soooo fesselnd, aber das Drumherum fand ich super und ich will mehr über Night Vale wissen und werde dem Podcast eine weitere Chance geben - auch ohne alle Details zu verstehen.

Veröffentlicht am 29.01.2026

Ein Leben zwischen Glamour und Tragik

Oscar Wilde – die Comic-Biografie
0

Oscar Wilde war eine schillernde Persönlichkeit mit einem Leben zwischen Glamour und Tragik. Die Graphic-Novel-Biographie von Autor Tommaso Vitiello und Zeichnerin Licia Cascione schafft es, dieses Leben ...

Oscar Wilde war eine schillernde Persönlichkeit mit einem Leben zwischen Glamour und Tragik. Die Graphic-Novel-Biographie von Autor Tommaso Vitiello und Zeichnerin Licia Cascione schafft es, dieses Leben auf 124 Seiten zusammen zu fassen. Dabei wird auf einleitende oder abschließende erklärende Texte verzichtet (evtl. wäre das für die handelnden Personen sinnvoll gewesen). Dennoch hat man nach der Lektüre einen guten (ersten) Eindruck von Oscar Wilde. Sein Charme, sein Witz, sein Genie, sein Selbstbewusstsein, seine Ambivalenz, sein Fall - all das klingt gut gewichtet an. Immer fließen Original- oder leicht abgewandelte Zitate Oscar Wildes in den Text ein, was das ganze noch authentischer macht.
Auch die Bildsprache gefällt mir gut. Wirkt der Oscar Wilde auf dem Cover eher jugendlich, ist er im Buch (auch optisch) weitestgehend ein erwachsener Mann. Emotionen werden eindrücklich verdeutlicht. Die Farben sind stimmig zu Geschichte und Zeit.
Rundum ein tolles Buch, das Oscar Wilde sehr gut vorstellt.

Veröffentlicht am 26.12.2025

Zeitreise

Was vor uns liegt
0

Rom, 1934. Das Grimaldi ist eine Art Wohnheim für junge Studentinnen, das von einem Kloster betrieben wird. Die acht im Fokus des Buches stehenden jungen Frauen befinden sich alle in dem Spannungsfeld ...

Rom, 1934. Das Grimaldi ist eine Art Wohnheim für junge Studentinnen, das von einem Kloster betrieben wird. Die acht im Fokus des Buches stehenden jungen Frauen befinden sich alle in dem Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen des jeweiligen Studiums, den Erwartungen, die sie selbst und ihre Familien haben, und den Vorgaben des Klosters. Sie leben im Kloster in einer Art Paralleluniversum mit noch strengeren Regeln und Erwartungen. Man bekommt einen guten Eindruck von der Zeit, muss dabei aber auf die Feinheiten achten, denn Alba de Céspedes beschreibt sehr pointiert.
Auch sonst ist "Was vor uns liegt" ein Buch, das man aufmerksam lesen sollte, um die unterschiedlichen jungen Frauen und das Nebenpersonal immer auseinander halten zu können.
Das Buch las sich für mich über weite Strecken sehr distanziert. Ansonsten sprachlich sehr eingänglich und gut lesbar.
Für mich war es eine interessante Zeitreise, da das Buch aus der Zeit stammt, die es beschreibt. Es wird auch klar, warum die Autorin mit ihrem Buch angeeckt ist bzw sogar der Zensur zu Opfer fiel (trotzdem hätte ich mir hierzu eine kleine Einordnung des Verlags gewünscht): man merkt, dass das Buch von einer selbstbewussten Feministin stammt.

Veröffentlicht am 18.11.2025

Schmerz und Schuld

Erde
0

Ein Buch, das mehrere heiße Eisen anfasst und dabei erstaunlich ruhig bleibt. Protagonist Evan erzählt seine Geschichte mit Distanz, was am Ende wohl auch Sinn ergibt. Dabei ist sein junges Leben durchaus ...

Ein Buch, das mehrere heiße Eisen anfasst und dabei erstaunlich ruhig bleibt. Protagonist Evan erzählt seine Geschichte mit Distanz, was am Ende wohl auch Sinn ergibt. Dabei ist sein junges Leben durchaus ereignisreich bis tragisch, mit Höhen und Tiefen, Erfolg und Misserfolg, Schmerz und Schuld.
Dabei geht "Erde" so weit in die Tiefe, wie es bei der Vielzahl der Themen und der gleichzeitigen Kürze des Umfangs sein kann. Das ist halt nicht allzu tief, somit aber auch nicht plakativ. Es werden Punkte, manchmal eher Andeutungen gesetzt. Und am Ende bleibt manches vielleicht offen. Manchen könnte das also nicht reichen, ich fand es aber gut so.
Ich habe nur dieses Buch der Elemente-Quadrologie von John Boyne gelesen. Dass die titelgebende Erde, die dem Protagonisten unter den Nägeln klebt und als Geruch in der Nase hängt, als Synonym für die Herkunft steht, liegt wohl auf der Hand. Das erfindet das Rad nicht neu, ist aber doch mit guten Bildern umgesetzt.

Veröffentlicht am 03.11.2025

Vielfältig

Ich bin der beste Freund des Menschen
0

Christian Schnalke hat 100 Cartoons über Bücher gestaltet. Die jeweils einbildrigen Cartoons bilden eine große Bandbreite: Bücher als Protagonist oder als Objekt, ohne oder mit Text, sofort eingängig oder ...

Christian Schnalke hat 100 Cartoons über Bücher gestaltet. Die jeweils einbildrigen Cartoons bilden eine große Bandbreite: Bücher als Protagonist oder als Objekt, ohne oder mit Text, sofort eingängig oder zum Nachdenken anregend, eigentlich immer witzig, aber selten flach, sondern oft hintergründig. Es ist dadurch trotz Monothematik vielfältig und wird nie langweilig. Mir hat das sehr gut gefallen. Ein schönes, abwechlsungsreiches Geschenk für Buchliebhaber*innen.