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Veröffentlicht am 14.05.2026

Ein Buch zum Abtauchen

Der Club der Unbeugsamen
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Kathryn Stockett legt ein neues Buch vor, ganze 17 Jahre nach ihrem Riesenerfolg mit „The Help“, das allein ist schon ein Grund für höchstes Interesse. Für mich führt kein Weg daran vorbei!

Hier landet ...

Kathryn Stockett legt ein neues Buch vor, ganze 17 Jahre nach ihrem Riesenerfolg mit „The Help“, das allein ist schon ein Grund für höchstes Interesse. Für mich führt kein Weg daran vorbei!

Hier landet man in einer amerikanischen Kleinstadt, Oxford, Mississippi, mitten in der Wirtschaftskrise der 30er Jahre. Überall wird das Geld knapp und die, die eh schon wenig hatten, verzweifeln oder werden erfinderisch. Birdie soll zum Beispiel nach Oxford fahren, um ihre Schwester um Geld für die überfällige Steuerzahlung zu bitten. Die meldet sich nicht mehr bei ihrer Familie, hat aber immerhin reich geheiratet.

Und die kleine Meg ist tatsächlich im Waisenhaus gelandet, nachdem ihre Mutter einfach verschwand. Sie lebt jetzt schon seit zwei Jahren dort und kann noch immer nicht glauben, dass ihre Mutter nicht wiederkommt. Die Schikanen der Leiterin des Hauses erträgt sie tapfer, sucht aber heimlich nach einem Ausweg.

Mit ganz viel Humor wird hier von ausweglosen Situationen erzählt. Man amüsiert sich köstlich, während einfach alles immer schlimmer wird. Es gibt jede Menge originelle Figuren, die liebevoll und lebendig geschildert werden. So eine Wirtschaftskrise fordert jeden heraus, arm oder reich. Manch einer verliert alles, obwohl er nie Geldsorgen hatte und andere mussten schon immer ums Überleben kämpfen. Mitten in Oxford bildet sich eine skurrile Zweckgemeinschaft mit einem ungewöhnlichen Geschäftsmodell.

Dieses Buch ist intensiv und unterhaltsam, ein Buch zum Abtauchen, voller Überraschungen. Es erzählt von einer schlimmen Zeit, von Not, Prohibition und Polizeigewalt, Snobismus und Bigotterie, aber auch von Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen.

Zum Ende hin wurde es mir ein klein wenig zu gewollt, da geht einiges zu glatt, aber das hat auch eine Art märchenhaften Charme, eine irre Geschichte ist es allemal. Es ist ein wildes Abenteuer über 848 Seiten, das einen maximal fesselt, rührende und tragische Momente hat, auch viel Schwarz und Weiß, dabei aber absolute Sogwirkung entwickelt und großen Spaß macht.

Ich freue mich schon auf die Verfilmung!

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Verstörend realistisch

Ins fahle Herz des Sommers
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Dieses Buch ist ein verstörender Blick in eine wohl nicht allzu weit entfernte Zukunft.

Fausto hat noch eine ganz andere Welt gekannt, als noch nicht ewiger Sommer war, als noch viele Menschen lebten ...

Dieses Buch ist ein verstörender Blick in eine wohl nicht allzu weit entfernte Zukunft.

Fausto hat noch eine ganz andere Welt gekannt, als noch nicht ewiger Sommer war, als noch viele Menschen lebten und es Regen, Jahreszeiten, Geschäfte und Leben überall gab. Er ist noch nicht alt, hat aber persönlich miterlebt, wie allmählich alles anders wurde und eine Pandemie den Rest erledigte. Sehr eindringlich zeigt uns Andreas Eschbach was sein könnte, wenn wir so weitermachen.

Hier passiert nicht sehr viel, das Leben ist karg und aufs Wesentliche beschränkt. Trotzdem liest man es fasziniert, die Schilderungen sind verstörend realistisch. Viele Andeutungen suggerieren, dass uns genau das ganz bald bevorsteht, da war ein Klimawandel, den niemand ernst genommen hat, bis es zu spät war. Das macht es nochmal extra beklemmend.

Der Text liest sich ganz wunderbar, die düstere Atmosphäre wird sehr anschaulich und poetisch geschildert, man fühlt die Hitze, schmeckt den Staub und mag kaum aufhören zu lesen.

Im Grunde ist dies genau das Buch, was die Welt jetzt braucht. Es ist kurz, aber allerhöchst eindringlich, es fesselt, verstört und macht nachdenklich. Zum Ende hin gibt es sogar noch eine böse Überraschung, ein kleines, fieses Sahnehäubchen. Dies ist ein geniales Geschenk für eigentlich jeden, besonders für alle, die noch irgendwie am Klimawandel zweifeln. Ich hoffe, es wird verfilmt!

Das Hörbuch liest Matthias Koeberlin ganz wunderbar. Er gibt diese beklemmende Atmosphäre perfekt wieder und verleiht dem Text damit echten Mehrwert. Ein bisschen schade ist, dass dieses eh schon kurze Buch als Hörbuch auch noch gekürzt wurde. Mir hat beim Hören nichts gefehlt, aber der Text ist wirklich schön geschrieben, intensiv und poetisch, da ist es bedauerlich, wenn etwas herausgestrichen wird. Es dauert 5 Stunden und 14 Minuten.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Intensiv, eindringlich und verstörend

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Dieses Buch ist intensiv, eindringlich und verstörend.

Da werden 40 Frauen in einem Keller im Käfig gehalten, niemand weiß warum und die Kleine, die Jüngste von ihnen, hat sogar nie etwas anderes gekannt. ...

Dieses Buch ist intensiv, eindringlich und verstörend.

Da werden 40 Frauen in einem Keller im Käfig gehalten, niemand weiß warum und die Kleine, die Jüngste von ihnen, hat sogar nie etwas anderes gekannt. Alle anderen haben Namen und eine blasse Erinnerung an ein anderes Leben, das Mädchen nicht. Sie weiß nur, was die Frauen ihr erzählen und das ist nicht viel. Lohnt es sich, über eine Welt zu reden, die es nicht mehr gibt? Oder gibt es sie noch irgendwo draußen, wohin keine der Frauen mehr gelangen kann… bis eines Tages alle Wächter verschwunden sind und die Tür offen steht.

Das alles erzählt sie uns aus einem weit späteren Blickwinkel. Jahre später ist sie alt, krank und ganz alleine und schreibt ihre Erlebnisse nieder, selbst wenn ihr Leben sich immer nur ums blanke Überleben gedreht hat.

„Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist bestimmt „so existentiell wie »Die Wand«“, genauso fesselnd, obwohl nicht wirklich viel passiert, genauso intensiv und nachdenklich, die Grenzen auslotend und sich fatalistisch seinem Schicksal stellend. Den feministischen Aspekt konnte ich allerdings nicht ausmachen, der Vergleich zu »Der Report der Magd« hinkt stark.

Die Hörbuchversion ist besonders empfehlenswert. Vera Teltz findet genau den richtigen Ton, um diese finstere aber berührende Geschichte vorzutragen, verleiht dem Geschehen noch einen zusätzlichen sehr authentischen Touch. Es dauert 6 Stunden und 26 Minuten.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Anstrengend aber auch zu Herzen gehend

Gelbe Monster
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Wie sollte man mit seiner Wut umgehen? Wut ist irrational, kann man überhaupt damit umgehen? Charlie soll das in einem Kurs lernen, Antiaggressionstraining, obwohl sie das natürlich nicht braucht. Aber ...

Wie sollte man mit seiner Wut umgehen? Wut ist irrational, kann man überhaupt damit umgehen? Charlie soll das in einem Kurs lernen, Antiaggressionstraining, obwohl sie das natürlich nicht braucht. Aber das war die Bedingung, wenn sie weiter bei ihrer Freundin Ella wohnen möchte. Ihre eigene Wohnung ist gerade unbewohnbar, also fügt sie sich. Eine Therapie macht sie auch, na gut, schadet ja nichts.

Nach und nach erfährt man, was passiert ist und welche Probleme Charlie hat. Auch ihre Beziehung zu Valentin lässt sie Revue passieren. Der schönste und klügste Mann der Welt hat seine Freundin für sie verlassen, oder doch nicht?

Charlie lässt uns miterleben, wie schmal der Grad ist zwischen Liebe und Obsession, zwischen Leidenschaft und Besessenheit und auch zwischen Wut und Gewalt. Und was ist überhaupt Gewalt? Manche Menschen sind aufbrausend, ist das schlimm? Ist eine Ohrfeige eine Tätlichkeit? Sie weiß, sie hat überreagiert, mehrfach. Sie weiß, das geht nicht und möchte sich ändern, aber das ist schwer.

Dieses Buch liest man nicht, man durchleidet es. Das ist anstrengend aber auch zu Herzen gehend, meistens traurig, manchmal auch komisch, auf jeden Fall aufwühlend. Charlie ist irgendwie liebenswert auch wenn klar ist, dass sie sich rein gar nicht im Griff hat.

Das Hörbuch liest Lisa Hrdina sehr authentisch, man meint, Charlie schüttet höchst persönlich ihr Herz aus. Es dauert 5 Stunden und 33 Minuten, ist eine aufschlussreiche Analyse zum Thema Selbstkontrolle und absolut herzergreifend.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Intensiv und sehr australisch

Ein weites Leben
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Wenn man dieses Buch aufschlägt ist man direkt mitten in Westaustralien, spürt die Weite, es ist heiß, staubig, karg, es gibt nur wenige Menschen und wenn, dann sind das skurrile Typen.

Da leben die MacBrides ...

Wenn man dieses Buch aufschlägt ist man direkt mitten in Westaustralien, spürt die Weite, es ist heiß, staubig, karg, es gibt nur wenige Menschen und wenn, dann sind das skurrile Typen.

Da leben die MacBrides schon seit Generationen und betreiben Schafzucht. So eine Schaffarm erstreckt sich über Kilometer, ist weit ab von allem, das schweißt eine Familie zusammen.

Als der Vater und der ältere Sohn bei einem Autounfall sterben, sieht das Leben der Familie plötzlich ganz anders aus. Mit einem Schlag steht Lorna MacBride alleine da mit einer Tochter im Teenageralter, einem schwerverletzten Sohn und dann noch der Verantwortung für den Familienbetrieb. Eine Tragödie, die dann tatsächlich noch einen Schicksalsschlag obendrauf bekommt.

Das Buch ist sehr plastisch geschrieben, das Lesen ist intensiv, es ist, als wäre man dabei. Das Schicksal der Familie geht zu Herzen und erfordert Taschentücher. Noch einmal schlimmer wird es durch das schrecklich konservative Frauenbild der 1960er Jahre. Auch das erlebt man hier hautnah. Wer ist der Vater von Roses Kind? Ist es etwa unehelich? Schlimmer kann ein Skandal nicht sein. In der Poststation ihres Gatten schnüffelt Myrtle Eedle durch die Briefe. Der Kängurujäger Pete Peachy ist verdächtig reserviert. Das kann nichts Gutes bedeuten.

Dieses Buch schlägt man auf und taucht ab, ist live dabei von 1960 bis ins Jahr 2000 und erlebt mit, wie sich die Familie MacBride neu aufstellt. Es hat gelegentliche Längen, aber wenn man es beendet hat fühlt es sich an, wie aus dem Urlaub zurückkommen. Man war lange Zeit ganz wo anders und hat viel erlebt.

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