Profilbild von klaraelisa

klaraelisa

Lesejury Star
offline

klaraelisa ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit klaraelisa über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2026

Rätselhafte Giftmorde

Noch fünf Tage
0

Lis Castrop hat viele Jahre lang im Londoner Gourmetrestaurant ihres Chefs Quirin gearbeitet, bevor sie die Stelle der Köchin bei der sehr reichen Familie Harman in Davos annahm. Dann passiert bei dem ...

Lis Castrop hat viele Jahre lang im Londoner Gourmetrestaurant ihres Chefs Quirin gearbeitet, bevor sie die Stelle der Köchin bei der sehr reichen Familie Harman in Davos annahm. Dann passiert bei dem von Lis vorbereiteten Silvesteressen eine Katastrophe. Das Ehepaar Harman und seine zwei Kinder werden vergiftet und sterben. Lis hat eine geringere Dosis des Gifts abbekommen. Man sagt ihr, dass ihr noch fünf Tage bleiben. In der Klinik stehen ihr Schwester Esme und Chrysanthema, eine sogenannte Death Dula zur Seite. Lis will unbedingt herausfinden, wer hinter dem Giftanschlag steckt, zumal sie als Hauptverdächtige gilt. Immerhin hat sie das Essen zubereitet. Außerdem will Lis möglichst viele Stunden mit ihrer Tochter Cosima verbringen und ihre Zukunft sicherstellen. Ihr Ex-Mann Anton soll nicht das Sorgerecht bekommen, sondern Damon Harmon, der andere Sohn der Harmons, und sein Partner Stuey. Zu beiden hat Cosima ein sehr gutes Verhältnis. Mit Esmes Hilfe untersucht Lis die Hintergründe mehrerer verdächtiger Personen, um den Täter noch vor ihrem Tod zu finden, auszuschalten und damit zugleich ihre Tochter zu schützen. Wird ihr das vom Krankenhausbett aus gelingen?
Der Roman wurde ausgesprochen gut recherchiert, sei es zu den Gerichten und diversen Zutaten, sei es zu den Gepflogenheiten in der Modewelt der High Society.
Die Zeitangaben zu Beginn der jeweiligen Kapitel erhöhen die Spannung. Die Protagonistin Lis ist ausgesprochen sympathisch, und nach anfänglichen Schwierigkeiten mit ihrer Palliativschwester Esme, werden beide ein richtig gutes Team. Ich habe den Roman in einem Rutsch durchgelesen, weil er anders ist und ohne Gewaltexzesse das Spannungslevel auf einem hohen Niveau bis zum Ende gehalten wird. Ich bin begeistert und wünsche mir, dass Helena Falcke noch weitere Bücher veröffentlicht.

Veröffentlicht am 22.03.2026

Eine Frau lässt sich nicht unterkriegen

Der Gesang der See
0

Nach ihren großen Erfolgen erscheint mit “Der Gesang der See“ zum ersten Mal Trude Teiges Debütroman in deutscher Übersetzung. Im Mittelpunkt steht Kristiane, die im 19. Jahrhundert mit ihrer Familie auf ...

Nach ihren großen Erfolgen erscheint mit “Der Gesang der See“ zum ersten Mal Trude Teiges Debütroman in deutscher Übersetzung. Im Mittelpunkt steht Kristiane, die im 19. Jahrhundert mit ihrer Familie auf einer Insel an der norwegischen Westküste lebt. Seit Generationen haben die Männer der Familie das Lotsenamt inne. Nach dem Tod ihres Vaters arbeitet Kristianes Ehemann Anders als Lotse. Dann kommt ihr Mann bei einem Sturm ums Leben und hinterlässt eine schwangere Frau. Kristiane muss sich schnell einen neuen Partner suchen, denn Frauen dürfen dieses Amt nicht ausüben, obwohl ihr Vater ihr alles Nötige beigebracht hat. Sie war das Papa-Mädchen, das ihm versprochen hat, dass das Lotsenmandat in der Familie bleibt. Kristiane heiratet schließlich Lars, ihren besten Freund seit der Kindheit, der nicht nur die Lotsenprüfung besteht, sondern auch ein guter Vater für ihren inzwischen geborenen kleinen Sohn wird. Mit Lars heiratet Kristiane ihre zweitgrößte Liebe, denn seit der Begegnung mit Fredrik ist sie in diesen attraktiven Mann aus einer anderen Gesellschaftsschicht verliebt, und diese Liebe wird leidenschaftlich erwidert. Lange gelingt es ihr, diese Affaire geheim zu halten.
Kristiane ist eine sehr sympathische Protagonistin, die mit ihrem Kampfgeist und ihrem Mut ihrer Zeit voraus ist. Sie kämpft nicht nur für sich selbst, sondern auch für die armen, schwer arbeitenden Fischer vor Ort, sowie für ihre jüngere Schwester Eline, die wegen ihrer Hasenscharte keinerlei Selbstbewusstsein hat und nicht in der Lage ist, sich zu schützen. Eline heiratet einen Witwer mit sechs Kindern, der schon seine erste Ehefrau misshandelte. Kristiane mischt sich überall ein, lässt sich von Männern nichts vorschreiben, auch nicht vom Pastor, der ihr beibringen will, was sich für eine Frau schickt und was gegen Sitte und Anstand verstößt. Das offene Ende erhöht die Spannung, so dass der Leser unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Mir hat die spannende und berührende Geschichte genauso gefallen wie die Sprache. Ich werde mit Sicherheit weitere Romane der Autorin lesen.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Die Überlebenden

Ich, die ich Männer nicht kannte
0

In einem unterirdischen Käfig werden 39 Frauen und ein junges Mädchen seit vielen Jahren gefangen gehalten. Irgendwann ist etwas passiert, was ihr normales Leben beendet hat, aber keiner weiß was. Die ...

In einem unterirdischen Käfig werden 39 Frauen und ein junges Mädchen seit vielen Jahren gefangen gehalten. Irgendwann ist etwas passiert, was ihr normales Leben beendet hat, aber keiner weiß was. Die Frauen haben noch vage Erinnerungen an die Zeit vor der Gefangenschaft, das Mädchen nicht. Es wurde als Kleinkind mit den Frauen eingesperrt und ist jetzt 12-15 Jahre alt. Es kennt nicht einmal seinen Namen. Die Wärter arbeiten in zwei Schichten und bringen ihnen geringe Mengen von Nahrungsmitteln. Gesprochen wird kein Wort. Die Frauen wissen nicht, warum man sie gefangen hält und haben jede Hoffnung auf eine normale Zukunft verloren. Immer brennt das Licht, und sie haben keine Möglichkeit, Tag und Nacht zu unterscheiden. Es fehlt jegliche zeitliche Orientierung. Eines Tages ertönt ein Signal kaum dass die Wärter die Käfigtür geöffnet haben. Als erste verlässt das Mädchen das Gefängnis, später alle anderen. Draußen sehen sie eine karge Wildnis, in der sie nichts wiedererkennen. Das Mädchen ist von allen die Mutigste und erkundet als erste den Bunker und die Umgebung. Später werden sich alle auf immer ausgedehntere Wanderungen machen in der Hoffnung, auf Menschen und Siedlungen zu stoßen. Sie finden im Laufe der Jahre an die Hundert Bunker, aber keine lebenden Menschen. Die Gruppe wird immer kleiner, weil eine Frau nach der anderen stirbt oder so krank und schwach wird, dass das Mädchen Sterbehilfe leistet. Irgendwann ist sie die letzte Überlebende.
Ich habe diese packende Geschichte mit Zügen eines Science Fiction Romans mit großem Interesse gelesen. Mir gefällt die Art, wie die Autorin sie erzählt und welche Themen dabei behandelt werden. Die Frauen lernen mitmenschliches Verhalten und stehen einander bei. Sie fragen sich, welchen Sinn menschliches Leben und speziell ihr Überleben hat. Ihre Fragen werden nicht beantwortet, und niemand weiß, ob das Geschehen überhaupt auf dem Planet Erde anzusiedeln ist. Ein sehr empfehlenswerter Roman, der 31 Jahre nach der Erstveröffentlichung zu recht große Beachtung findet.

Veröffentlicht am 15.02.2026

Noahs neues Leben

Der letzte Sommer der Tauben
0

Der vierzehnjährige Noah lebt mit seinen Eltern im Haus des Großvaters. Weder sein Vater, noch dessen Bruder Ali haben dessen Teppichhandel weitergeführt. Onkel Ali hat ein Café, Noahs Vater verkauft Textilien, ...

Der vierzehnjährige Noah lebt mit seinen Eltern im Haus des Großvaters. Weder sein Vater, noch dessen Bruder Ali haben dessen Teppichhandel weitergeführt. Onkel Ali hat ein Café, Noahs Vater verkauft Textilien, doch wie lange noch? Es finden gerade große Veränderungen statt. Die neuen Gesetze des Kalifats verbieten die Fortführung des Cafés genauso wie den Verkauf bunter Kleidung sowie Abbildungen von Frauen, die inzwischen das Haus nur mit dem Hijab bekleidet und in Begleitung verlassen dürfen. Ihnen sind nur noch wenige Berufe erlaubt, zum Beispiel Ärztin für Frauen oder Lehrerin für Mädchen. Generell verboten sind inzwischen Alkohol, Zigaretten und Spiele aller Art. Noahs älterer Bruder Bakir hat sich schon vor langer Zeit radikalisiert und keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Wird er seine Angehörigen retten können, wenn es zum Äußersten kommt?
Noah züchtet mit seinem Onkel Tauben in einem Verschlag auf dem Dach. Jede hat einen Namen, alle werden sehr geliebt. Doch auch die Zucht von Tauben wird verboten, da sie für illegale Aktionen benutzt werden könnten, z.B. für Schmuggel. Die Menschen leben in absoluter Rechtlosigkeit, und gewalttätige Übergriffe durch die Polizei sind Alltag auf den Straßen. Noah wird sogar Zeuge einer Steinigung, bei der die Zuschauer nach Aufforderung gehorsam mitmachen. Dann muss Onkel Ali aus dem Land fliehen, und Noah gerät wegen eines Streichs in Lebensgefahr. Er wird eingesperrt und brutal geschlagen. Es war nicht nur der letzte Sommer der Tauben, sondern auch das Ende jeglicher Normalität, eines glücklichen Lebens in Freiheit.
Khiders neuer Roman ist wieder interessant und lesenswert. Dass er selbst als junger Mann ähnliche Erfahrungen gemacht hat, verleiht der Darstellung eine besondere Authentizität. Sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 15.12.2025

Miriam Crace und Lady Chalfont

Tod zur Teestunde
0

Die Lektorin Susan Ryeland ist nach London zurückgekehrt und übernimmt nun Aufträge von Michael Flynn, dem Verleger des kleinen Verlags Causton Books. Sie soll einen jungen Autor namens Eliot Crace betreuen, ...

Die Lektorin Susan Ryeland ist nach London zurückgekehrt und übernimmt nun Aufträge von Michael Flynn, dem Verleger des kleinen Verlags Causton Books. Sie soll einen jungen Autor namens Eliot Crace betreuen, der die überaus erfolgreiche, neunbändige Reihe um Atticus Pünd beenden soll, deren Autor Alan Conway einige Jahre zuvor ermordet wurde. Susan und Conway mochten sich nicht, und Susan geriet durch ihn zweimal in Lebensgefahr. Trotz aller Bedenken übernimmt sie den Auftrag dann doch. Sie ist überrascht, dass Causton Books Eliot Crace beauftragt hat und merkt sehr schnell, dass Grace über seine eigene Familie schreibt. Zwar spielt sein Roman in einem Schloss an der Côte d´Azur, aber in den Figuren verbergen sich die Mitglieder der englischen Familie Crace unter neuen Namen. In beiden Familien kommen die Großmütter ums Leben – Miriam Crace starb viele Jahr zuvor angeblich eines natürlichen Todes, die reiche Lady Chalfont wurde vergiftet. Eliot Crace will nun öffentlich machen, wer seine Großmutter auf dem Gewissen hat. Bei einer öffentlichen Veranstaltung der Crace-Stiftung verkündet er seine Absicht und kommt kurz danach durch einen Unfall mit Fahrerflucht ums Leben. Merkwürdig ist, dass immer mehr belastende Indizien auftauchen, die auf Susan Ryeland als Täterin deuten. Ihre Verhaftung scheint unmittelbar bevorzustehen. Sie wird bedroht, ihre Wohnung verwüstet und ihr Kater fast getötet. Nur Detective Inspector Ian Blakeney ist nicht von ihrer Schuld überzeugt. Susan versucht aufzuklären, wer für die Morde verantwortlich ist, um nicht das nächste Opfer des Täters zu werden.

Der neue Roman von Anthony Horowitz verbindet die Geschichte zweier Familien auf raffinierte Weise und ist trotz seiner Länge unglaublich spannend. Für den Leser sind die Personenvielfalt und die vielen falschen Spuren eine echte Herausforderung, denn fast jeder hatte ein Motiv für den Mord. Nur widersetzt sich keiner, um nicht den Verlust seines Anteils am Erbe zu riskieren. Die Handlung ist so kompliziert, dass der Leser die Auflösung nicht erraten kann. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, und es wird sicher nicht mein letztes Buch von Horowitz sein.