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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.09.2016

Krimi und Roman zugleich

Am Abend des Mordes
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Das Buch "Am Abend des Mordes" ist mehr als ein Krimi. Zum einen gibt es da den Handlungsstrang mit Ellen Bjarnebo. Sie hat eine Haftstrafe hinter sich, weil sie, um sich und ihren debilen Sohn vor dem ...


Das Buch "Am Abend des Mordes" ist mehr als ein Krimi. Zum einen gibt es da den Handlungsstrang mit Ellen Bjarnebo. Sie hat eine Haftstrafe hinter sich, weil sie, um sich und ihren debilen Sohn vor dem trunksüchtigen, überaus gewalttätigen Ehemann zu schützen, ihn ermordet und zerstückelt haben soll. Einige Jahre später verschwindet ihr nächster Lebensgefährte spurlos und der Verdacht fällt automatisch wieder auf sie, doch man kann ihr nichts nachweisen.

Dann gibt es die Kommissarin Eva Backman, die die undankbare Aufgabe hat, den Mord an dem unsympathischen Volkspopulisten Fängström aufzuklären.

Und eine weitere Geschichte windet sich um den durch den plötzlichen Tod seiner Frau traumatisierten Kommissar Barbarotti. Er soll die Akte Bjarnebo neu aufrollen. Anfangs deutet noch alles darauf hin, daß es so eine Art Schonprogramm sein soll, um ihm dem Wiedereinstieg in die Arbeit zu erleichtern, doch es steckt wesentlich mehr dahinter. Gegen Ende des Buches laufen alle Wege wie bei Rom zusammen. Als Deus ex machina gleicht ein Zeuge einem Schulfreund der angeblichen Mörderin und schon greifen die Zusammenhänge ineinander. Für mein Verständnis ein etwas weit hergeholter Kunstgriff. Auch dass Barbarotti mit Gott spricht und Erscheinungen seiner verstorbenen Ehefrau hat, finde ich befremdlich. Nun gut, das sei dichterische Freiheit von Hakan Nesser!
Mir gefällt ausnehmend gut, wie einzigartig die Charaktere sind. Der Leser dringt tief in deren Gedankenwelt ein, kann den Handlungsverlauf nachvollziehen, erlebt wie die Kriminalfälle sich näherkommen, wittert die Gefahr schon vor den Kommissaren. Eben weil es zum Gegensatz der wirklich spannenden Kriminalhandlung auch ein inneres Leben und Sichweiterentwickeln der Akteure gibt, halte ich diesen Roman für absolut lesenswert.

Veröffentlicht am 31.03.2026

Ein zauberhafter Schwan

Verrat der Schwäne
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Verrat der Schwäne von A. B. Poranek ist ein atmosphärischer Fantasyroman, der mich insgesamt gut unterhalten hat, auch wenn er kleine Schwächen zeigt.
Das Cover ist auf den ersten Blick kein typischer ...

Verrat der Schwäne von A. B. Poranek ist ein atmosphärischer Fantasyroman, der mich insgesamt gut unterhalten hat, auch wenn er kleine Schwächen zeigt.
Das Cover ist auf den ersten Blick kein typischer Hingucker, passt aber im Nachhinein betrachtet erstaunlich gut zur Geschichte und ihrer Stimmung. Im Mittelpunkt steht Odile, ein Waisenkind mit magischen Fähigkeiten, das vom Zauberer und Theaterdirektor Regnault aufgezogen wurde. Ihre Beziehung zu ihm ist von Gehorsam und Angst geprägt. Sie führt seine Befehle ohne zu hinterfragen aus, selbst wenn es bedeutet, für ihn zu stehlen.
Die Handlung nimmt Fahrt auf, als Odile darauf vorbereitet wird, die magische Königskrone zu stehlen, um die Magie im Land wieder zu befreien. Besonders spannend wird es durch den Konflikt mit ihrer ehemaligen Freundin Marie, die inzwischen zur Feindin geworden ist und die in einen wunderschönen Schwan verwandelt wird. Ab diesem Punkt entwickelt sich die Geschichte zunehmend komplexer, vor allem als Regnault mehr und mehr sein wahres Gesicht zeigt.
Die Atmosphäre ist dicht und teilweise düster, was gut zur Thematik passt. Die Figuren, insbesondere Odile, sind interessant angelegt und ihre innere Zerrissenheit wird nachvollziehbar dargestellt. An manchen Stellen hätte ich mir jedoch noch etwas mehr Tiefe oder Tempo gewünscht.
Besonders hervorheben möchte ich auch das Hörbuch: Es wird hervorragend von Rebecca Veil gelesen. Sie verleiht den Figuren viel Ausdruck und bringt die Stimmung der Geschichte sehr gut rüber, sodass das Zuhören wirklich Spaß macht.
Insgesamt ein gelungener Fantasyroman mit einer spannenden Grundidee, starken Motiven und einer besonderen Stimmung. Auch wenn nicht alles perfekt ist: verdiente 4 Sterne!

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Wie ein riesiger Escaperoom

Darkly
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Darkly von Marisha Pessl hat mich als Hörbuch insgesamt sehr gut unterhalten. Ein klares Vier-Sterne-Erlebnis.

Die Geschichte rund um Dia, die ein Praktikum bei einem legendären Online Spiele Entwickler ...

Darkly von Marisha Pessl hat mich als Hörbuch insgesamt sehr gut unterhalten. Ein klares Vier-Sterne-Erlebnis.

Die Geschichte rund um Dia, die ein Praktikum bei einem legendären Online Spiele Entwickler bekommt, ist von Anfang an spannend aufgebaut. Die Spiele der Firma haben Kultstatus und die seltenen Erstausgaben sind Millionen wert, aber die mysteriöse Erfinderin Veda ist schon lange verschwunden. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen reist Dia auf eine abgelegene Insel, wo sie Schritt für Schritt komplexe und teils lebensgefährliche Rätsel lösen müssen. Das Ganze fühlt sich an wie ein riesiger Escaperoom und bleibt durchgehend packend.

Die Plot Idee ist wirklich hervorragend und hebt sich angenehm von typischen Jugendthrillern ab. Besonders das methodische Vorgehen beim Rätsellösen hat mir gut gefallen.

Als Hörbuch hatte ich allerdings gelegentlich Schwierigkeiten den Überblick zu behalten. Die vielen Figuren, und vor allem die trickreichen Handlungsorte, waren für mich akustisch nicht immer leicht nachzuvollziehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Ganze als Printversion noch besser funktioniert hätte.

Ein großes Plus ist die Sprecherin Nina Reithmeier. Mit ihrer jugendlichen und lebendigen Stimme bringt sie die Atmosphäre und die Figuren wirklich perfekt zur Geltung.

Fazit ein originelles spannendes Hörbuch mit kleinen Schwächen in der Übersichtlichkeit, aber definitiv hörenswert. Vier von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Düstere Familiensaga

Wintertöchter Trilogie
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„Wintertöchter“ von Mignon Kleinbek ist ein beeindruckendes, episches Werk, das mit seinen 1234 Seiten und drei Bänden im wunderschönen Schuber sofort ins Auge fällt. Die stimmigen Cover mit ihren winterlichen ...

„Wintertöchter“ von Mignon Kleinbek ist ein beeindruckendes, episches Werk, das mit seinen 1234 Seiten und drei Bänden im wunderschönen Schuber sofort ins Auge fällt. Die stimmigen Cover mit ihren winterlichen Motiven passen perfekt zur Atmosphäre der Geschichte und machen das Buch auch optisch zu etwas Besonderem.

Die Handlung spielt in einem abgelegenen österreichischen Gebirgsdorf und erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte – von 1940 bis 2004. Im Mittelpunkt steht Anna, deren Leben bereits mit einer dramatischen Geburt beginnt. Wie alle Frauen ihrer Familie besitzt sie seherische Fähigkeiten, die jedoch weniger ein Geschenk als vielmehr ein Fluch sind – besonders in der Zeit des Nationalsozialismus, in der solche „Gaben“ schnell zur Gefahr werden können.

Man begleitet Anna durch ihr gesamtes Leben und erlebt hautnah ihre zahlreichen Schicksalsschläge. Die Autorin versteht es, die Geschichte unglaublich mitreißend und emotional zu erzählen. Besonders hervorzuheben sind die eindrucksvollen Beschreibungen der rauen Gebirgslandschaft und der harten Lebensbedingungen – man spürt förmlich die Kälte, die Entbehrungen und die Isolation.

Die drei Bände unterscheiden sich dabei deutlich in ihrer Wirkung: Der erste Band ist für mich der stärkste – fesselnd, atmosphärisch und sehr stimmig. Der zweite Band ist extrem bedrückend und stellenweise kaum auszuhalten, da die Ereignisse emotional sehr schwer wiegen. Der dritte Band fällt im Vergleich leider etwas ab und konnte mich nicht mehr ganz so überzeugen.

Trotz kleiner Schwächen im letzten Teil ist „Wintertöchter“ insgesamt eine intensive, bewegende und eindrucksvolle Familiensaga, die lange nachwirkt. Wer sich auf eine emotionale und teilweise sehr düstere Reise einlassen möchte, wird hier definitiv fündig.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Eine wilde Piratin

Nightweaver
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Nightweaver von R. M. Gray hat mir insgesamt wirklich gut gefallen. Schon das Cover ist ein echter Hingucker. Die Farbkombination aus Schwarz und Blau wirkt sehr mysteriös und passt gut zur Atmosphäre ...

Nightweaver von R. M. Gray hat mir insgesamt wirklich gut gefallen. Schon das Cover ist ein echter Hingucker. Die Farbkombination aus Schwarz und Blau wirkt sehr mysteriös und passt gut zur Atmosphäre der Geschichte. Besonders schön finde ich, dass der Dolch auf dem Cover nicht nur ein dekoratives Element ist, sondern im Verlauf der Handlung auch tatsächlich eine Rolle spielt. Ich mag es sehr, wenn das Cover einen Bezug zum Inhalt hat.
Die Hauptperson der Geschichte ist die Piratin Aster Oberon. Sie ist wild, mutig und hat einen starken eigenen Willen. Als ihre Familie von einem Nightweaver gefangen genommen wird, gerät sie in eine gefährliche Situation. Die Nightweaver gelten seit Jahrhunderten als ihre Feinde, haben sie vom Land vertrieben und zum Piratendasein gezwungen. Doch im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass vieles von dem, was man ihr über sie erzählt hat, nicht der ganzen Wahrheit entspricht.
Besonders interessant fand ich, wie sich Aster mit diesen neuen Erkenntnissen auseinandersetzen muss. Sie bleibt lange trotzig und weigert sich, ihre Einstellung zu ändern, selbst als sie Gefühle für ihren Retter entwickelt. Diese innere Spannung macht die Figur sehr lebendig.
Die Handlung ist insgesamt sehr aufregend. Es passiert ständig etwas und die Geschichte bleibt durchgehend spannend. Allerdings war es für mich stellenweise etwas unübersichtlich. Es gibt neben den Nightweavern noch andere übernatürliche Wesen und nicht immer war ganz klar, welche es genau gibt, in welche Körper sie schlüpfen können und wie man sie erkennt oder tötet.
Mit etwas mehr Übersicht in der Weltbeschreibung hätte mir das Buch noch besser gefallen. Trotzdem ist es eine spannende Geschichte mit einer starken Hauptfigur und vielen Wendungen, deshalb vergebe ich gute vier Sterne.

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