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Veröffentlicht am 24.03.2026

✎ Phoebe Wahl - Ein Küken für Frieda

Ein Küken für Frieda
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„Ein Küken für Frieda“ von Phoebe Wahl hat mich direkt erwischt. Diese leise, fast zärtliche Art zu erzählen wirkt lange nach. Es ist keine Geschichte, die nur unterhält, sondern eine, die auf eine sanfte, ...

„Ein Küken für Frieda“ von Phoebe Wahl hat mich direkt erwischt. Diese leise, fast zärtliche Art zu erzählen wirkt lange nach. Es ist keine Geschichte, die nur unterhält, sondern eine, die auf eine sanfte, kindgerechte Weise konfrontiert. Leben und Sterben stehen hier nicht als Gegensätze nebeneinander, sondern greifen ineinander - ganz selbstverständlich, so wie es in der Natur eben passiert.

Beim Lesen wurde schnell klar, dass dieses Buch mehr auslöst als einen kurzen schönen Moment. Es öffnet Gespräche. Bei uns ging es bald nicht mehr nur um die Tatsache, dass Tiere andere Tiere fressen, um zu überleben, sondern um größere Zusammenhänge. Auch wir Menschen essen Tiere - nur geschieht das in unserer Welt versteckter, distanzierter. Im Gegensatz dazu zeigt die Geschichte diesen Vorgang unmittelbar. Dieser Unterschied hat unsere Gespräche spürbar vertieft. Es fühlte sich richtig an, diesen Gedanken Raum zu geben, statt sie auszuklammern.

Was besonders hängen bleibt, ist diese stille Achtung vor allem Lebendigen. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts unnötig dramatisiert. Das Buch traut Kindern und Vorlesenden zu, Traurigkeit wahrzunehmen und auszuhalten. Diese Haltung wirkt konsequent und ehrlich.

Für mich liegt genau in dieser Ehrlichkeit die Stärke. Kinder spüren ohnehin, dass nicht alles glatt und einfach ist - dieses Buch gibt ihnen Worte und Bilder, um das einzuordnen.

Ein Detail, welches dem Ganzen zusätzliche Tiefe verleiht, steht gleich am Anfang: die Danksagung der Autorin an ihre Familie „für die Kindheit in Freilandhaltung“. Dieser Satz wirkt unscheinbar, verändert jedoch den Blick auf die Geschichte. Plötzlich liest man sie nicht mehr nur als Erzählung, sondern auch als Erinnerung, als etwas Erlebtes. Das macht die Atmosphäre greifbarer, echter.

Am Ende bleibt ein schwer greifbares Gefühl zwischen Wärme und Nachdenklichkeit. Genau daraus bezieht das Buch seine Wirkung. Es vermeidet Vereinfachung und lässt Raum für das, was sonst oft ausgespart wird.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.03.2026

✎ Steve Setford - Weshalb? Deshalb! 10 Wetter

Weshalb? Deshalb! Wetter
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Die klare Gestaltung, die Mischung aus kurzen Texten und starken Bildern sowie das direkte Beantworten typischer Kinderfragen haben uns überzeugt. Seitdem steht der Band griffbereit im Regal und wird hin ...

Die klare Gestaltung, die Mischung aus kurzen Texten und starken Bildern sowie das direkte Beantworten typischer Kinderfragen haben uns überzeugt. Seitdem steht der Band griffbereit im Regal und wird hin und wieder herausgezogen.

Als ich dann „Weshalb? Deshalb! Wetter“ von Steve Setford entdeckte, war die Entscheidung schnell getroffen. Wetterphänomene sorgen bei uns seit Jahren für Gesprächsstoff. Kaum zieht ein Sturm auf oder prasselt Hagel gegen die Scheiben, folgt zuverlässig die Frage: Wie entsteht das eigentlich? Meine inzwischen Achtjährige will es genau wissen. Nicht oberflächlich, sondern mit Ursache und Wirkung.

Der neue Band liefert Antworten - mehr, als ich erwartet hatte. Auf rund 130 Seiten werden grundlegende Zusammenhänge verständlich erklärt: von der Entstehung atmosphärischer Prozesse über typische Erscheinungen wie Gewitter oder Regenbögen bis hin zu globalen Klimazonen, Naturkatastrophen und den Herausforderungen des Klimawandels. Die thematische Struktur reicht von der Frage, wie Luftdruck und Temperatur zusammenwirken, über weltweite Besonderheiten bis hin zu extremen Ereignissen und dem menschlichen Umgang mit Umweltveränderungen.

Besonders eindrücklich fand ich die Doppelseite zur Zukunft unserer Sonne. Dort wird erklärt, dass sie etwa 4,5 Milliarden Jahre alt ist und sich ungefähr in der Mitte ihres Lebenszyklus befindet. Dieser nüchterne Fakt löste bei mir ein mulmiges Gefühl aus. Die Vorstellung, dass unser Zentralgestirn eines Tages verglühen wird und damit die Grundlage für Leben auf der Erde entfällt, wirkt gleichzeitig abstrakt und beunruhigend. Es betrifft uns nicht unmittelbar - und doch rückt es die eigene Existenz in einen größeren Zusammenhang.

Visuell setzt das Buch stark auf großformatige Fotografien, die jede Doppelseite dominieren. Ergänzt werden sie durch erklärende Illustrationen, die komplexe Abläufe vereinfachen. Diese Kombination spricht nicht nur lesesichere Kinder an, sondern holt auch jüngere Geschwister ab, die vor allem über Bilder lernen.

Gleichzeitig ist der Text inhaltlich anspruchsvoll. Trotz der Altersempfehlung ab sechs Jahren eignet sich das Buch eher für gemeinsames Lesen oder für Kinder, die bereits geübt mit Sachtexten umgehen.
Der Band ist gehaltvoll. Er will erklären, nicht nur unterhalten. Genau das macht ihn für mich wertvoll. Es ist kein Buch für einmaliges Durchblättern, sondern eines, das immer wieder zur Hand genommen wird - bei konkreten Fragen, für Referate oder einfach aus Neugier. Auch ich habe Neues gelernt, Zusammenhänge verstanden, die mir vorher nicht bewusst waren.

Für uns ist „Weshalb? Deshalb! Wetter“ mehr als ein weiterer Titel im Kinderbuchregal. Es ist ein fundiertes Nachschlagewerk für junge Entdeckende und große Mitlesende, das Wissen greifbar macht und dabei nie den Respekt vor der Komplexität der Natur verliert.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 19.02.2026

✎ Alfred Wellm - Das Mädchen Heika

Das Mädchen Heika
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Ich weiß nicht mehr genau, wie „Das Mädchen Heika“ von Alfred Wellm bei uns gelandet ist, aber es wird unsere Bücherwand so schnell nicht verlassen. Das Buch passt bei uns gerade perfekt zur Lebensrealität: ...

Ich weiß nicht mehr genau, wie „Das Mädchen Heika“ von Alfred Wellm bei uns gelandet ist, aber es wird unsere Bücherwand so schnell nicht verlassen. Das Buch passt bei uns gerade perfekt zur Lebensrealität: mein Kind ist, wie Heika, in der zweiten Klasse und die Geschichte greift genau die Themen auf, die im Alltag präsent sind - Lernen, Ausdauer und das Gefühl, gut genug zu sein.

Heika ist kein Überflieger, sie ist nicht die Beste in der Klasse und sie stolpert immer wieder über Aufgaben, die anderen scheinbar mühelos gelingen. Zu Beginn war ich skeptisch, ob der Autor Kindern ein realistisches Bild vom Lernen vermittelt oder eine verklärte Botschaft transportiert.

Doch die Auflösung der Geschichte hat mich überrascht. Es gibt kein magisches Pulver und kein übernatürliches Heilmittel, das Heika auf einmal zur Besten macht. Entscheidend sind Übung, Mut und der Blick für andere. Kinder erfahren, dass Fähigkeiten durch Ausdauer wachsen und dass sie - wenn sie erst einmal etwas gut können - anderen helfen können, das Gleiche zu lernen. Die Erzählung wirkt dabei ruhig und direkt, ohne aufdringliche Belehrung. Gerade diese Bodenständigkeit hat meinen eigenen Zweifel aufgehoben.

Die Illustrationen sind einfach und etwas antiquiert, was aber einen interessanten Gesprächsanlass über Stil, Zeitgeist und die Rolle von Bildern in Kinderbüchern bietet. Sie ergänzen die Fantasie der jungen Lesenden, anstatt sie zu ersetzen.

Für mich bleibt „Das Mädchen Heika“ ein Buch mit einer klaren, menschlichen Botschaft und einer Umsetzung, die genau das aussagt, was ich auch meinem eigenen Kind vermitteln möchte: Lernen ist kein Zauber, sondern ein Weg. Und manchmal hilft es am meisten, gemeinsam kleine Schritte zu gehen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 22.01.2026

✎ Lilli Tollkien - Mit beiden Händen den Himmel stützen

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Vor mir liegt „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien, ein autofiktiver Roman, er sich in meinem Kopf wie ein schwerer Stein festgesetzt hat. Nicht, weil er laut wäre, sondern weil er ...

Vor mir liegt „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien, ein autofiktiver Roman, er sich in meinem Kopf wie ein schwerer Stein festgesetzt hat. Nicht, weil er laut wäre, sondern weil er unter die Haut geht. Dieses Buch erzählt von einer Kindheit im Chaos, von einem Mädchen, das in einer Berliner Kommune der 80er Jahre aufwächst, wo politische Träume, wilde Partys und ein stetes Gefühl von Freiheit durch permanente Grenzüberschreitungen begleitet werden.

Die Geschichte spart nichts aus. Verbale und psychische Gewalt, sexualisierte Übergriffe an Kindern, Alkohol- und Drogenmissbrauch gehören ebenso dazu wie die Schattenseiten eines Lebens, das nach außen frei wirkt, im Inneren jedoch Halt vermissen lässt. Wer zu diesem Buch greift, sollte sich dessen bewusst sein.

Von der ersten Seite an hat mich die Intensität der Sprache gepackt. Mareike Fallwickl bringt es treffend auf den Punkt: »Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt - und gerade deshalb lesen muss.« Ich habe das Buch nicht einfach gelesen, ich habe es ausgehalten. Abends bin ich darüber eingeschlafen, nur um am nächsten Tag weiterzumachen, weil ich wissen wollte, ob Lale einen Weg für sich findet.

Dabei ist es keine Lektüre, die man verschlingt - und doch konnte ich mich ihr kaum entziehen. Starker Ausdruck, authentische, verletzliche Figuren und eine intensive Auseinandersetzung mit einer Kindheit, die alles andere als behütet verläuft. Die Erlebnisse sind kompromisslos und lassen kaum Raum für eine gemütliche Lektüre. Genau das macht dieses Buch aus, aber zugleich fordert es von uns Lesenden eine stabile Verfassung.

Besonders berührt hat mich, wie real sich alles anfühlt. Immer wieder war ich wütend: auf Erwachsene, die wegsehen, auf Strukturen, die versagen, auf ein Umfeld, das ein Kind alleinlässt. Gleichzeitig empfand ich tiefes Mitgefühl für Lale, deren Suche nach Geborgenheit von Anfang an unter schlechten Vorzeichen steht. Unweigerlich stellen sich Fragen: Warum fällt niemandem ihr Leid auf? Wie kann ein Kind in einem Umfeld überleben, in dem Grenzen verschwimmen und Verantwortung diffus bleibt? Diese Fragen sind unangenehm, weil sie eine Realität spiegeln, die es noch immer gibt.

Zwar blitzt zwischendurch Hoffnung auf, etwa durch die Schule, die Lale kurzzeitig Halt verspricht, doch auch sie bleibt nicht von Dauer. Stattdessen rutschen Drogen, falsche Nähe und das ständige Ringen um Selbstwert in den Mittelpunkt. Die Geschichte wird dadurch mehr als eine persönliche Erzählung - sie hält unserer Gesellschaft einen Spiegel vor.

In dieser Schonungslosigkeit erinnerte mich das Buch stark an Jeannette Walls’ „Schloss aus Glas“. Nicht nur wegen des autobiografischen Flairs, sondern weil beide Texte zeigen, wie dünn der Grat zwischen Überleben und Zerbrechen sein kann.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Leben selbst die härtesten Geschichten schreibt. Ungefiltert, schmerzhaft und zugleich durchzogen von einer tiefen Sehnsucht nach Liebe und einem Ort, den man Zuhause nennen kann. Genau deshalb lässt mich dieses Buch nicht los - und wird noch lange in mir nachhallen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 20.01.2026

✎ Astrid Lindgren - Lustiges Bullerbü

Lustiges Bullerbü
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Ich bin spät bei Astrid Lindgren gelandet. Erst im letzten Jahr habe ich mit „Ronja Räubertochter“ mein erstes Buch von ihr gelesen, zwei weitere warten noch ungelesen. Vorgelesen wurde mir Lindgren als ...

Ich bin spät bei Astrid Lindgren gelandet. Erst im letzten Jahr habe ich mit „Ronja Räubertochter“ mein erstes Buch von ihr gelesen, zwei weitere warten noch ungelesen. Vorgelesen wurde mir Lindgren als Kind nicht, eine emotionale Bindung aus dieser Zeit existiert also nicht. Was geblieben ist, sind die Pippi-Langstrumpf-Filme, die ich mochte und heute deutlich kritischer betrachte. Vielleicht lese ich ihre Bücher gerade deshalb ohne nostalgischen Filter.

„Lustiges Bullerbü“ entwirft das Bild einer Kindheit, die heute fast wie ein Gegenentwurf wirkt. Kinder sind viel draußen, bewegen sich frei, streifen ohne Erwachsene durch ihr Dorf, getragen von einer Gemeinschaft und einer Natur, die keinen Spielplatz braucht. Darin erkenne ich Teile meiner eigenen Kindheit wieder. Auch wir waren ständig unterwegs, allein im Dorf, im Ried, beschäftigt mit uns selbst. Vergleiche ich das mit der Lebensrealität meiner achtjährigen Tochter, entsteht ein deutlicher Bruch. Wir leben zwar in einer grünen Kleinstadt, doch allein losziehen lassen würde ich sie nicht. Zu viele Risiken, zu viele Unwägbarkeiten. Wiesen gibt es, aber sie sind oft vermint mit Hundehaufen. Einen Wald auch, doch der taugt eher als Mückenbiotop denn als Abenteuerschauplatz. Bullerbü fühlt sich dadurch wie eine ferne Welt an.

Genau an diesem Punkt setzt berechtigte Kritik an. Die in Bullerbü gezeigte Kindheit ist idealisiert und kaum auf heutige Lebensrealitäten übertragbar. Das Buch bildet keine Gegenwart ab, sondern einen Zustand, der längst vergangen ist. Gleichzeitig liegt darin seine Stärke. Lindgren zeigt, was möglich war und was vielleicht immer noch möglich wäre, wenn Kinder mehr Freiräume hätten. Sie schreibt über Freundschaft, Zusammenhalt, kleine Mutproben und die Schönheit der Natur, ohne sie kitschig zu überhöhen, sondern mit einem ruhigen, klaren Blick.

Dabei blendet sie Verantwortung nicht aus. Tiere sind keine Spielzeuge, sie bedeuten Arbeit. Freiheit existiert nicht ohne Konsequenzen. Die Mutproben der Kinder sind nicht immer harmlos, manches wirkt aus heutiger Sicht sogar riskant. Das fordert Einordnung und Gespräche. Gleichzeitig muss ich mir eingestehen, dass auch meine eigene Kindheit voller Dinge war, die heute vermutlich Stirnrunzeln auslösen würden. Der Unterschied liegt weniger im Verhalten der Kinder als im gesellschaftlichen Rahmen, der sich verändert hat.

Die Illustrationen von Ilon Wikland unterstützen diesen Eindruck. Die Kinder sind klar gezeichnet, während der Hintergrund oft verschwimmt. Die Welt tritt zurück, die Figuren rücken in den Fokus. Das verstärkt die kindliche Perspektive und lenkt den Blick konsequent auf das Erleben, nicht auf die Kulisse.

Erzählt wird die Geschichte aus Lisas Sicht - und das spürt man. Der Ton ist kindlich, die Sprache einfach, manchmal mit diesen typischen Aufzählungen, bei denen ein „und“ das nächste jagt. Das wirkt nicht unbeholfen, sondern ehrlich. Es klingt nach einem Kind, das erzählt, wie es denkt und fühlt, ohne literarischen Filter.

Für uns ist „Lustiges Bullerbü“ eine warmherzige, emotionale Geschichte, die gerade durch ihre zeitliche Distanz zum Nachdenken anregt. Sie weckt Sehnsucht, provoziert aber auch Diskussionen darüber, wie Kindheit heute aussieht und aussehen darf. Ob uns „Michel aus Lönneberga“ ähnlich berühren wird, wird sich zeigen.

©2026 Mademoiselle Cake