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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Hallt noch lange im Herzen nach!

Pina fällt aus
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Darum geht es:
Im Mittelpunkt steht eine Situation, in der gewohnte Abläufe plötzlich unterbrochen werden. Pina, die ihren Sohn Leo allein versorgt, bricht unerwartet zusammen und wird auf die Intensivstation ...

Darum geht es:
Im Mittelpunkt steht eine Situation, in der gewohnte Abläufe plötzlich unterbrochen werden. Pina, die ihren Sohn Leo allein versorgt, bricht unerwartet zusammen und wird auf die Intensivstation gebracht. Dadurch entsteht eine Lücke, die unmittelbar spürbar ist.

Der 20-jährige Leo lebt in festen Mustern und orientiert sich an wiederkehrenden Abläufen. Diese Struktur prägt seinen Alltag und bestimmt, wie er sich in seiner Umgebung bewegt. Für die Menschen, seinen Nachbarn bleibt sein Verhalten zunächst schwer einzuordnen, da es nicht ihren eigenen Gewohnheiten entspricht.

Durch Pinas Ausfall verändert sich die Situation für alle Beteiligten. Die Nachbarn sehen sich mit einer Aufgabe konfrontiert, die zuvor klar geregelt war. Der bisherige Abstand wird dadurch infrage gestellt und es entstehen neue Berührungspunkte im gemeinsamen Alltag.

Mein Leseeindruck:
Letztes Jahr gehörte „Ava liebt noch“ zu meinen absoluten Jahreshighlights und auch mit #pinafälltaus muss sich Vera Zischke überhaupt nicht verstecken. Ganz im Gegenteil: Dieser Roman ist eine Wucht.

Die Autorin kann einfach schreiben. Ihre Worte sind wie ein leiser Sturm, sanft und doch voller Kraft, und sie hinterlassen etwas, das lange nachhallt. Sie schreibt nicht einfach, sie fühlt, und genau das spürt man in jeder einzelnen Zeile. Zwischen ihren Sätzen entsteht eine Nähe, die fast greifbar ist. Man liest nicht nur, man erlebt. Es ist, als würde sie mit ihren Worten eine eigene Welt erschaffen, in der man sich vollkommen verliert.

Beim Lesen habe ich mir tatsächlich gewünscht, ich wäre selbst Teil dieser besonderen Hausgemeinschaft, am liebsten wäre ich der vierte Vogel für Leo gewesen. Die etwas skurrilen Bewohner der Hansastraße 22 sind mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen, und ich bin mir sicher, dass ich sie so schnell nicht vergessen werde. Mehr als einmal ist mir beim Lesen das Herz schwer geworden.

Der Roman greift dabei tiefgründige Themen auf: Gemeinschaft, Zusammenhalt, Verantwortung, Nächstenliebe, Behinderung und Inklusion. All das wird auf eine Weise erzählt, die berührt und lange nachklingt.

Fazit:
5/5 ⭐️ Ein Roman, der leise beginnt, tief berührt und noch lange im Herzen nachhallt.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Highlight!

Alt genug
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Darum geht es:
Die Autorin Ildikó von Kürthy beschreibt in diesem Buch das Ankommen bei sich selbst im Laufe des Älterwerdens. Mit wachsender Lebenserfahrung entsteht die Fähigkeit, klarer zu sehen, ehrlicher ...

Darum geht es:
Die Autorin Ildikó von Kürthy beschreibt in diesem Buch das Ankommen bei sich selbst im Laufe des Älterwerdens. Mit wachsender Lebenserfahrung entsteht die Fähigkeit, klarer zu sehen, ehrlicher zu fühlen und bewusster zu handeln. Äußere Erwartungen und alte Gewohnheiten verlieren an Bedeutung, während Selbstakzeptanz und innere Freiheit stärker werden. Die Lebensmitte erscheint als eine Phase, in der Gegensätze gleichzeitig bestehen können, etwa Verletzlichkeit und Stärke, Zweifel und Gelassenheit sowie Abschied und Neubeginn. Daraus entwickelt sich ein ruhiger und tröstlicher Blick auf das eigene Leben und die Erkenntnis, mit den eigenen Gedanken und Gefühlen nicht allein zu sein.

Mein Leseeindruck:
Ich hatte zunächst ein wenig Respekt davor, dieses Buch zu beginnen. Ich war unsicher, ob es meinen Geschmack treffen würde und ob der Humor der Autorin mich wirklich erreichen kann. Doch all diese Zweifel haben sich bereits nach wenigen Seiten vollständig aufgelöst. Ich habe das Buch von Anfang an geliebt. „Alt genug“ ist ein kluges, ehrliches und zugleich humorvolles Buch. Es ist offen, selbstkritisch, mutig, aufrichtig und voller Stärke. Die Liste ließe sich mühelos noch weiter fortsetzen, denn dieses Buch vereint so viele Facetten, dass man es kaum auf wenige Worte reduzieren kann.
Besonders eindrücklich ist, dass diese Geschichte eine sehr persönliche Geschichte der Autorin ist. Gerade diese Offenheit und Nähe machen das Buch so glaubwürdig und berührend.

Beim Lesen habe ich mich unzählige Male wiedergefunden. Ich habe so oft zustimmend genickt, dass ich es am Ende tatsächlich im Nacken gespürt habe. Gleichzeitig musste ich immer wieder herzlich lachen. Es war eine große Freude, dieses Buch zu lesen.

Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr ich mich in den Gedanken der Autorin wiedererkenne. Auch ich bin inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem ich für mich selbst einstehe, meine Bedürfnisse ernst nehme und Entscheidungen treffe, die mir guttun. Wenn ich müde bin, gehe ich. Wenn ich etwas tun möchte, dann tue ich es, auch allein.

Das Buch von Ildikó von Kürthy ist für mich weit mehr als nur eine Geschichte für Frauen in der Lebensmitte. Es ist ein Buch für alle Menschen, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Jeder kann daraus etwas für sich mitnehmen.

Für mich ist dieses Buch ganz klar ein Jahreshighlight.

Fazit:
5/5 ⭐️ Jahreshighlight. Ein ehrliches, kluges und zutiefst persönliches Buch, das lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Meisterhaft erzählt!

Spiegelland
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Darum geht es:
Elias weiß, dass er einen schweren Fehler begangen hat. Um Abstand zu gewinnen, verbringt er den Sommer bei seiner Großmutter Catharina in einem abgelegenen Haus im Moor. Dort merkt er bald, ...

Darum geht es:
Elias weiß, dass er einen schweren Fehler begangen hat. Um Abstand zu gewinnen, verbringt er den Sommer bei seiner Großmutter Catharina in einem abgelegenen Haus im Moor. Dort merkt er bald, dass auch sie etwas verschweigt, ein Geheimnis, das vieles infrage stellt, was er bisher über seine Familie zu wissen glaubte.

Fünfundzwanzig Jahre zuvor hatte Catharina selbst Zuflucht an diesem Ort gesucht. Gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter war sie vor ihrem Ehemann geflohen und versuchte, sich als freie Journalistin ein neues Leben aufzubauen. Bei ihren Recherchen stößt sie auf die Spur eines alten Verbrechens und einer Liebe, die die Zeit überdauert hat. Diese Entdeckung könnte alles verändern, ihre Zukunft, ihre Vergangenheit und das Leben ihrer Familie.

Mein Leseeindruck:
Ich liebe Romane, die auf mehreren Zeitebenen erzählt werden. Spiegelland geht sogar noch einen Schritt weiter und entfaltet seine Geschichte über drei verschiedene Zeiten. Für mich war das ein reiner Lesegenuss. Es hat etwas Besonderes, zwischen den Jahren und Jahrhunderten hin und her zu wechseln. Man folgt nicht nur einer Handlung, sondern mehreren Geschichten, die sich nach und nach berühren.

Rebekka Frank gelingt es, die Jahre 2025 und 1995 ebenso lebendig einzufangen wie die ferne Welt des 18. Jahrhunderts. Besonders die historischen Passagen haben mich beeindruckt. Dort spielt die Moorlandschaft eine große Rolle. Auch das Leben rund um das Moor und die Arbeit im Moorgraben werden eindrücklich beschrieben. Die Autorin lässt einen die Zeit so lebendig spüren, dass man sich mühelos dorthin versetzt fühlt. Zwischen den persönlichen Schicksalen schwingt zudem ein ernstes Thema mit. Es geht um Beziehungen, in denen Macht, Angst und Schweigen eine Rolle spielen. Die Autorin deutet diese schwierigen Dynamiken behutsam an und verwebt sie sensibel mit der Handlung. Gerade dadurch gewinnt die Geschichte an Tiefe und Aktualität.

Trotz seines Umfangs von über fünfhundert Seiten verliert der Roman nie an Spannung. Keine Seite wirkt überflüssig. Die verschiedenen Zeitebenen greifen immer stärker ineinander. Nach und nach entsteht ein großes, vielschichtiges Bild. Ich habe das Buch mit einem Lächeln zugeklappt und freue mich schon auf viele weitere Geschichten der Autorin. Für mich war es ein wahrer Lesegenuss.

Fazit:
5/5 ⭐️ Atmosphärisch, spannend, vielschichtig, emotional, meisterhaft erzählt. ❤️

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Highlight!

Niemands Töchter
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Darum geht es:
Der Roman erzählt von zwei Frauen, deren Leben von einer gemeinsamen Leerstelle geprägt ist. Alma wächst in den Achtzigerjahren in der Eifel auf. Sie ist klug und neugierig, fühlt sich jedoch ...

Darum geht es:
Der Roman erzählt von zwei Frauen, deren Leben von einer gemeinsamen Leerstelle geprägt ist. Alma wächst in den Achtzigerjahren in der Eifel auf. Sie ist klug und neugierig, fühlt sich jedoch fremd in ihrer Familie. Über ihre Herkunft wird geschwiegen. Fast vierzig Jahre später lebt Isabell in Berlin. Auch sie trägt einen Verlust in sich, der ihr Denken, Fühlen und ihr eigenes Familienleben nachhaltig prägt.

Alma und Isabell spiegeln gemeinsam das Suchen nach Zugehörigkeit, die Sehnsucht nach Nähe und die Frage nach dem eigenen Platz im Leben. Zwischen Erinnerungen, Bildern und leisen Momenten der Begegnung entsteht ein dichtes Gewebe aus Vergangenheit und Gegenwart. Der Roman zeigt, wie eng Herkunft, Verlust und Selbstfindung miteinander verbunden sind.

Mein Leseeindruck:
Dieses Debüt von Judith Hoersch war für mich ein echtes Highlight. Ein Roman, der mich nicht nur während des Lesens begleitet hat, sondern darüber hinaus. Die Geschichte ist zart und zugleich von großer innerer Kraft. Sie entfaltet sich ruhig, aber mit einer Intensität, die lange nachwirkt.

Im Zentrum stehen Alma und Isabell, zwei Frauen aus unterschiedlichen Zeiten, deren Leben von Verlust, Schweigen und einer schmerzhaften Leerstelle geprägt ist. Die Autorin erzählt ihre Geschichten mit großer Genauigkeit und einem feinen Gespür für Zwischentöne. Besonders die innere Gefühlswelt von Alma und Isabell wird mir sehr nah gebracht. Ihre Gedanken, ihre Unsicherheiten und ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit sind klar spürbar, ohne je überzeichnet zu wirken.

Schon mit den ersten Seiten bin ich in diesen Roman eingetaucht. Ich habe mich schnell mit den Figuren verbunden und mich ihnen emotional sehr nahe gefühlt. Es war eines dieser Bücher, bei denen man liest und merkt, dass man angekommen ist. Die Geschichte trägt, sie hält, und sie lässt nicht mehr los.

Besonders eindrücklich zeigt der Roman, welche Auswirkungen familiäres Schweigen haben kann. Das Ungesagte steht zwischen den Generationen und formt Biografien, oft leise, aber nachhaltig. Der frühe Tod von Isabells Mutter hinterlässt bei ihr eine große Lücke, die ihr Denken, Fühlen und ihr eigenes Familienleben prägt. Diese Leerstelle zieht sich durch den Text und verleiht ihm eine stille Schwere.

Die wechselnden Perspektiven empfand ich als große Stärke. Sie sind klar geführt und fein aufeinander abgestimmt. Dadurch konnte ich mich immer wieder neu in die Figuren hineinversetzen und ihre jeweiligen Sichtweisen verstehen. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander und verdichten sich zu einem stimmigen Gesamtbild.
Für mich ist dieser Roman anspruchsvolle Literatur, die keine lauten Mittel braucht. Er erzählt ruhig, präzise und mit großer emotionaler Tiefe. Ein Buch, das mir im Gedächtnis bleibt und eines der stärksten Leseerlebnisse für mich war.


Fazit:
5/5 ⭐️ Ein leiser, tiefgehender Roman, der mit großer Klarheit von Verlust, Herkunft und der Suche nach Zugehörigkeit erzählt und lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Jahreshighlight!

Die Nachtigall
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Jahreshighlight!
Der Roman erzählt die Geschichte zweier Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs. Vianne versucht verzweifelt, ihre Familie durch Hunger, Angst ...

Jahreshighlight!
Der Roman erzählt die Geschichte zweier Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs. Vianne versucht verzweifelt, ihre Familie durch Hunger, Angst und Unterdrückung zu bringen und im Grauen des Krieges irgendwie zu überleben. Isabelle, jung, rebellisch und mutig, schließt sich der Résistance an und hilft über den geheimen Fluchtweg der Nachtigall Menschen über die Pyrenäen in die Freiheit. Zwei Schwestern, zwei völlig unterschiedliche Wege und doch getragen von derselben Liebe und Menschlichkeit.

Zu Beginn war ich mir erstaunlicherweise nicht sicher, was ich von der Geschichte halten soll. Auf Seite 101 habe ich noch kommentiert, dass ich sie bisher nicht schlecht, aber auch nicht gut finde. Was danach folgte, hat mich jedoch emotional vollkommen überwältigt. Die Geschichte gewann zunehmend an Tiefe, Härte und Intensität und ließ mich nicht mehr los.

Vianne und Isabelle sind zwei wundervoll gezeichnete Protagonistinnen, so grundverschieden, so echt, so menschlich. Beide kämpfen auf ihre Weise, leise oder laut, im Inneren oder im offenen Widerstand. Sie sind tapfer, mutig, entschlossen, widerständig und zutiefst menschlich. Gerade diese Gegensätzlichkeit macht ihre Geschichte so eindringlich und schmerzhaft.

Die Nachtigall ist kein leichtes Buch. Es ist schwer erträglich, aber genau deshalb so notwendig, gerade in der heutigen Zeit. Die Geschichte ist grausam, unmenschlich, barbarisch und verstörend. Beim Lesen war ich verzweifelt, gelähmt und hoffnungslos. Mir war schlicht elendig zumute. Kristin Hannah scheut sich nicht, die grausame Realität des Krieges brutal und ehrlich darzustellen, ohne sie zu beschönigen oder zu romantisieren. Der Schreibstil der Autorin ist dabei außergewöhnlich gelungen. Sie trifft genau die richtigen Töne für diese Geschichte, eindringlich, emotional, schonungslos und gleichzeitig voller Würde. Alles wirkt authentisch, nichts überzogen. Besonders die letzten 150 Seiten haben mich vollkommen gebrochen. Ich habe so viel geweint wie noch nie zuvor bei einem Buch, und genau in diesem Moment stellte sich mir eine Frage, die mich bis heute begleitet: Wie oft kann ein Herz beim Lesen innerhalb einer einzigen Geschichte brechen?

Fazit: 5+/5 ⭐️
Die Nachtigall ist ein Roman, der unter die Haut geht, der schmerzt, der erschüttert und der dennoch Hoffnung trägt. Ein Buch, das man nicht einfach liest, sondern erträgt, durchlebt und lange mit sich trägt.
JAHRESHIGHLIGHT ❤️❤️❤️

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