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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.06.2026

Gleichgewicht

Nebelbeute
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Da es sich um den dritten Teil einer Thriller-Reihe handelt, empfehle ich die beiden vorigen Teile zuerst zu lesen, damit man mit den Hauptcharakteren und ihren Vorgeschichten vertraut ist und dann auch ...

Da es sich um den dritten Teil einer Thriller-Reihe handelt, empfehle ich die beiden vorigen Teile zuerst zu lesen, damit man mit den Hauptcharakteren und ihren Vorgeschichten vertraut ist und dann auch im aktuellen Fall mehr Lesespaß hat.
Der Einstieg ist nahezu sanft, es wird nochmals kurz zusammengefasst, was vorher geschehen ist und warum Mila sich auf die Suche nach einem Serientäter macht, was ihr persönliches Anliegen dazu. Die Anreise von Mila in das abgelegene Dorf mit den vielen Wäldern und Wanderrouten und die anfängliche Routine hat fast schon einen gemütlichen Urlaubscharakter, auch wenn sie dort als Einzelgängerin und Außenseiterin auffällt.
Schon bald taucht der erste Tote auf und ab diesem Zeitpunkt wird es spannend und gefährlich für Mila und plötzlich ist sie selbst mittendrinnen im Geschehen und dann auch verschwunden. Dies ruft ihre Kolleginnen aus der Gruppe 4 auf den Plan, die sofort ohne zu Zögern anreisen und nicht nur nach Mila suchen, sondern auch die örtlichen Ermittlerinnen in der Aufklärung der Todesfälle unterstützen. Die Inszenierungen haben ein persönliches Motiv und einen psychologischen Hintergrund, der zum Miträtseln einlädt.
Gut gelungen finde ich die Atmosphäre, denn durch die ungemütlichen, kalten Temperaturen und vor allem durch den lästigen Dauernebel bekommt die Stimmung noch einen zusätzlichen Dämpfer. Die Wilderei und die Aktionen um das Sägewerk samt Umweltschutzaktivistinnen finde ich eine gelungene und wertvolle Nebenerzählung und ergänzt den Hauptstrang auch sehr gut. Generell sind die Natur und die örtlichen Gegebenheiten und die Eigenheiten des Dorfes und deren Bewohnerinnen eine schöne Ergänzung, sodass man sich auch als Leser*in sehr gut einfinden kann.
Am Ende gibt es ein paar Wendungen und die Anzahl an Aktionen und das Tempo nehmen zu, sodass sich die Spannung zum Schluss hin steigert. Sehr gut gelungen finde ich auch den Epilog, in dem zwar vieles aufgeklärt wird, auch aus den vorigen Teilen, aber ein kleiner Faktor bleibt dennoch offen.

Veröffentlicht am 10.06.2026

düster und beklemmend

Home Before Dark
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Der Psychothriller lebt sehr stark von der düsteren, unheilvollen Atmosphäre und einer Familiengeschichte, in der mehr verschwiegen als ausgesprochen wird. Vor zehn Jahren ist die Schwester von Marsi in ...

Der Psychothriller lebt sehr stark von der düsteren, unheilvollen Atmosphäre und einer Familiengeschichte, in der mehr verschwiegen als ausgesprochen wird. Vor zehn Jahren ist die Schwester von Marsi in der Nacht unter mysteriösen Umständen am Heimweg von ihren Freunden verschwunden. Es konnte nie aufgeklärt werden, was damals wirklich passiert ist. Marsi belasten dies auch heute noch sehr stark und als sie wieder für ein paar Tage in ihr Elternhaus zurückkehrt und alte Bekannte wiedertrifft, ist sie überzeugt davon, dass ihr etwas Verschwiegen wird und sie sich selbst auf die Suche nach alten und neuen Spuren machen muss. Marsi kämpft stark mit ihren inneren Dämonen und mit Schuldgefühlen, zudem kann sie ihren eigenen Erinnerungen nicht immer vertrauen. Das Thema rund um Schlafwandeln und nächtlichen Aktivitäten scheint in der Familie ebenfalls ein großes Thema zu sein. Die Spannung ist durchgehend hoch, bis zum Schluss und dieser hat es in sich. Obwohl ich schon in etwa geahnt habe, wie sich das Ende entwickeln wird, war ich dennoch überrascht und auch etwas schockiert von der emotionalen Tiefe der Ereignisse.

Veröffentlicht am 31.05.2026

Horrorzug

Komm spielen
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Der Thriller hat nicht nur die Elemente eines spannenden Thrillers, sondern zusätzlich einen Horror-Einschlag inklusive, der mit der Zeit immer stärker hervortritt. Zuerst beginnt die Geschichte rund um ...

Der Thriller hat nicht nur die Elemente eines spannenden Thrillers, sondern zusätzlich einen Horror-Einschlag inklusive, der mit der Zeit immer stärker hervortritt. Zuerst beginnt die Geschichte rund um Annie, einer Kinderbuchautorin und ihrer Familie erzählend, wie ein Familienroman, aber schon bald ändert sich die Stimmung und die negativen Ereignisse überwiegen. Annie und Charlie können der negativen Energie auch nicht entkommen, indem sie in ein abgelegenes Sommerhäuschen ziehen, um sich dort eine Auszeit von ihrer schwierigen Zeit zu gönnen, im Gegenteil, hier beginnt der Horror erst so richtig. Die Gegenstände, vor allem rund um die gefundene Lokomotive beginnen ein Eigenleben zu entwickeln und man verfällt als Leser*in in einen Sog von Ängsten, Sorgen, Anspannung davor, was als nächstes passieren könnte. Die gruselige Stimmung mit der unterschwelligen Bedrohung ist so stark ausgeprägt, dass man sie beim Lesen durchgehend spürt. Als Charakter mag ich Annie gerne, sie wirkt authentisch, mutig und lässt sich durch keine Lebenskrise unterkriegen. Auch der zweite Handlungsstrang, der abwechselnd vorkommt, ist gleich spannend und mitreißend, vielleicht sogar noch um etwas Grausamer in den tatsächlich passierten Handlungen. Mehr möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten, am Ende werden die zwei Stränge perfekt zusammengefügt und alle offenen Fragen aufgeklärt. Der Horror wirkt allerdings auch nach dem Lesen noch lange nach und Lust auf eine Spielzeugeisenbahn habe ich durch das Buch nicht gerade bekommen.

Veröffentlicht am 08.05.2026

langsame Eskalation

Meeresdunkel
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Der Thriller vermittelt schon von Beginn an eine düstere, unheilvolle Atmosphäre, sodass man als Leser*in angespannt ist und in Erwartung, dass jeden Moment etwas passieren wird. Zuerst werden die beiden ...

Der Thriller vermittelt schon von Beginn an eine düstere, unheilvolle Atmosphäre, sodass man als Leser*in angespannt ist und in Erwartung, dass jeden Moment etwas passieren wird. Zuerst werden die beiden Familien eingeführt, die völlig unterschiedlich sind, aber mit dem gleichen Reiseziel und dann auch noch in der gleichen Finca landen. Die renovierungsbedürftige Finca strahlt etwas Mystisches aus und schon bald bröckelt nicht nur die Fassade der Villa, sondern auch die Fassaden der einzelnen Charaktere. Als sich dann auch noch die Wetterbedingungen verschlechtern, eskaliert die Situation in der Finca ebenfalls. Mit der Zeit wird immer klarer, dass es kein Zufall war, warum genau diese beiden Familien hier gleichzeitig gelandet sind. Die Situationen werden psychologisch sehr gut aufgebaut, strategisch vorbereitet und die Spannung immer weiter gesteigert, bis die Szenen eskalieren. Dies finde ich sehr gelungen und spannend und vor allem in Kombination mit der düsteren Atmosphäre und der Hintergrundgeschichte äußerst interessant. Auch wenn zu Beginn noch nicht so viel passiert, so wartet man schon darauf, weil man es vermutet. Durch die Abgeschiedenheit müssen sich die zwei Familien mit ihrer Situation und mit sich selbst auseinandersetzen, es gibt kein Entkommen und auch kaum Rückzugsmöglichkeiten. Für mich bleibt es spannend bis zum Schluss.

Veröffentlicht am 25.03.2026

gesehen werden

Mit anderen Augen
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„Wie kann es sein, dass überall auf der Welt Frauen verschwinden und niemand was dagegen unternimmt?“ – Mit dieser Frage und noch vielen weiteren beschäftigt sich der Roman auf kreative Weise, teilweise ...

„Wie kann es sein, dass überall auf der Welt Frauen verschwinden und niemand was dagegen unternimmt?“ – Mit dieser Frage und noch vielen weiteren beschäftigt sich der Roman auf kreative Weise, teilweise mit Humor und einem Augenzwinkern, aber es sind durchwegs auch ernstere Töne dabei und Fragen, die zum Nachdenken und Reflektieren anregen, vielleicht sogar auch einen Anstoß für Veränderungen geben.
Tilda ist 52 Jahre alt, geschieden, hat zwei erwachsene Töchter und ist beruflich mit ihrem eigenen Unternehmen erfolgreich unterwegs. Eines Tages bemerkt sie, wie plötzlich ihr kleiner Finger, dann ihr Ohr, ihre Nase und mit der Zeit weitere Körperteile von ihr verschwinden. Bei ihr wird die Unsichtbarkeitserkrankung – Morbus Invisibilis – diagnostiziert, die vor allem ältere Frauen betrifft. Zuerst fühlt sich Tilda von ihrem langsamen Verschwinden überfordert, ist wütend, will sich noch weiter verstecken, aber durch die Hilfe ihrer besten Freundin Leith und mit therapeutischer Unterstützung beginnt sie hart an sich und ihrer Einstellung und an ihrer Sichtweise über sich selbst zu arbeiten. In einer Selbsthilfegruppe lernt sie weitere Betroffene kennen und es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Frauen mit ihrer Unsichtbarkeit umgehen, teilweise sogar Vorteile darin sehen. Alle Frauen haben ihre eigene Lebensgeschichte und ihre Probleme zu tragen, aber eines haben sie gemeinsam: Sie werden von der Gesellschaft nicht mehr gesehen, nicht mehr wahrgenommen, weil sie auch selbst nicht gut zu sich sind.
Mir gefällt die positive Grundstimmung, trotz der ernsten Themen, die Veränderungen in Gang setzt. Auch wenn jede Frau selbst entscheiden muss, was sie machen möchte und was ihr guttut. Der Ansatz, dass es einen emotionalen, tiefsitzenden Konflikt oder Grund für das Verschwinden geben muss, zeigt auf der anderen Seite auch, dass man diesen überwinden und selbst wieder gestärkt aus der Situation hervorkommen kann. Wichtig ist auch die intensive Beschäftigung mit sich selbst und das neu kennenlernen, was man wirklich möchte und was mich als Person ausmacht, nicht wie andere mich haben möchten oder wie andere das sehen.
Tilda stellt sich mutig ihrer Vergangenheit, ihrer Geschichte mit ihrem verstorbenen Vater, die sie neu schreibt, sie hat Unterstützung von lieben Menschen, die immer zu ihr stehen und sie entwickelt eine Energie, die viele weitere positive Effekte auslöst. Schön finde ich, dass sie sich wieder mehr mit Dingen beschäftigt, die ihr Freude bereiten und die sie gerne macht und zudem auch noch als Vorbild und Unterstützung für viele betroffene Frauen wirkt. Man merkt auch die Kraft, die entsteht, wenn Frauen sich gegenseitig unterstützen, diese nimmt eine außergewöhnliche Stärke an. Den Schluss habe ich besonders schön empfunden und alle vorkommenden Frauen wirken viel präsenter und sind nicht mehr zu übersehen.