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Veröffentlicht am 19.02.2024

TRAURIG

Himmelwärts
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Dieses Buch sollte man unbedingt mit einem Warnhinweis versehen: Achtung, TRAURIG!!!

„Es war einmal, da war die Schwerkraft noch nicht so schwer. Da war unser Lachen noch ohne das Summen zwischen den ...

Dieses Buch sollte man unbedingt mit einem Warnhinweis versehen: Achtung, TRAURIG!!!

„Es war einmal, da war die Schwerkraft noch nicht so schwer. Da war unser Lachen noch ohne das Summen zwischen den Atomen.“

Toni-Pepperoni ist 10 Jahre alt und ihre Mutter ist gestorben. Sie ist traumatisiert und tieftraurig und erzählt sie uns hier höchst persönlich, was sie so denkt, während sie mit ihrer Freundin Yum Yum im Garten zeltet. Mit ihrem selbstgebauten kosmischen Radio wollen sie versuchen, mit Mama im Himmel zu reden.

Es ist toll erzählt, warmherzig, poetisch und durchweg herzzerreißend. Spätestens wenn Toni die wichtigen Momente mit Mama notiert, damit sie sie nicht vergisst, bleibt kein Auge trocken. Das wirft aber auch die Frage auf: Für wen ist dieses Buch geeignet? Es ist als Kinderbuch ab 10 Jahren ausgewiesen. Ich würde aber unbedingt empfehlen, dieses Buch mit einem Kind gemeinsam zu lesen. Das Thema „Mama ist tot und ich bin traurig“ wird hier höchst plastisch behandelt. Möglicherweise kann das Kindern, die in dieser Situation sind, ein wenig helfen, alle anderen triggert es maximal.

Dies ist ein wunderschönes Buch mit einer originellen Idee, wunderbarer Sprache und kunstvollen Illustrationen, das ich meinem Kind eher nicht kaufen würde. Erstaunlich, oder?

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Veröffentlicht am 13.01.2022

Ein leidvolles Durcheinander mit genialer Auflösung

Hundepark
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Ich habe inzwischen schon mehrere Bücher dieser genialen Autorin gelesen und stelle fest, jedes ist ganz und gar anders, thematisch, aber auch stilistisch. Dieses hier ist emotional, wütend und verzweifelt, ...

Ich habe inzwischen schon mehrere Bücher dieser genialen Autorin gelesen und stelle fest, jedes ist ganz und gar anders, thematisch, aber auch stilistisch. Dieses hier ist emotional, wütend und verzweifelt, direkt. Ihre geschliffene Sprache und der wunderbare Humor blitzen auf, kommen aber nicht so zum Tragen wie z. B. in „Fegefeuer“.

Hier geht es um das Leben in der Ukraine nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems. Die plötzlich gewonnene Freiheit bietet Raum für kreative Geschäftsmodelle. Während Babuschka Galina in ihrem Garten Mohn zur Opiumgewinnung züchtet, entsteht anderswo ein Kinderwunschzentrum, das junge, attraktive Eizellenspenderinnen vermittelt, gerne mit Stammbaum. Damit hatte auch Olenka zu tun, die inzwischen in Helsinki lebt und Angst hat. Täglich beobachtet sie im Hundepark die spielenden Kinder.

Der Aufbau des Buches ist anspruchsvoll und fordernd. Erst weiß man nur, dass Olenka verzweifelt ist und nicht mehr leben will. Wie es dazu kam, wird nach und nach geklärt. Ihre Geschichte umfasst gut 30 Jahre. In zahlreichen Zeitsprüngen wird das Geschehen eingekreist.


Das allein wäre schon verzwickt genug, die Autorin legt aber noch nach. Kaum meint man, der Handlung folgen zu können, bekommt man unvermittelt ein paar Erinnerungen, Anekdoten oder ausführliche Beobachtungen geliefert, bis man kaum noch weiß, wo man sich befindet. Man bekommt immer nur kleine Zipfel zu fassen und schwimmt durchs Geschehen. Auf dem Weg zur Auflösung hat man Mühe, sich die Probleme zu merken, ein schrecklich leidvolles Durcheinander. Das Lesen ist fordernd und sehr anstrengend. Dieses Buch bringt einen an seine Grenzen. Wenn ich nicht in der Rezensionspflicht gewesen wäre, hätte ich es abgebrochen.


Allerdings lohnt sich das Durchhalten dann doch. Zum Ende hin mausert sich der Wirrwarr tatsächlich zu einem handfesten Thriller mit genialem Plot. Ich bin ein bisschen ratlos, wie ich das bewerten soll. Grundsätzlich empfand ich das Buch als sehr ärgerlich, habe aber doch viel ukrainische Atmosphäre und Geschichte mitbekommen und die Auflösung ist großartig. Ich vergebe vier freundliche Sterne, aber der Vierte wackelt ein bisschen.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Brillant erzählt aber unfassbar kleinteilig

Eisen
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Ich bin großer Fan von Gusel Jachina und lese alle ihre Bücher. Die meisten davon liebe ich sogar, nur dieses hier macht es einem etwas schwer.

In ihrem Vorwort sagt sie, sie möchte einen Roman schreiben, ...

Ich bin großer Fan von Gusel Jachina und lese alle ihre Bücher. Die meisten davon liebe ich sogar, nur dieses hier macht es einem etwas schwer.

In ihrem Vorwort sagt sie, sie möchte einen Roman schreiben, der sich zwischen Fiktion und Sachbuch bewegt, der sich der Figur des Sergej Eisensteins respektvoll annähert, Fakten darlegt und fantasievoll ergänzt. Das tut sie in ihrem gewohnt wunderbaren Erzählstil, aber auch mit vielen Gedankensprüngen und Einschüben, die einem die Orientierung sehr schwer machen. Am Anfang kam mir das Buch vor wie ein großes Durcheinander, mit der Zeit gewöhnt man sich dann ein bisschen daran.

Sergei Michailowitsch Eisenstein, von seinen Freunden kurz „Eisen“ genannt, wurde 1898 in Riga geboren. Er hat Propagandafilme für die neu entstandene Russische Sowjetrepublik gemacht und wurde weltberühmt durch den Film „Panzerkreuzer Potemkin“, der noch heute zu den Klassikern der Filmgeschichte zählt.

Grundsätzlich erleben wir hier mit, wie Eisensteins Filme entstanden sind, einer nach dem anderen, vom Auftrag bis zum Kinostart. Dazwischen wird in kleinen Schlenkern das politische Umfeld sowie Eisensteins Kindheit und Privatleben eingeflochten.

Eisenstein hatte einen ganz eigenen künstlerischen Anspruch, wollte Realität zeigen, Realität überzeichnen, echte Gefühle einfangen, lieber Charaktere zeigen als gefällige Schönheit, wollte schockieren, Hässlichkeit zelebrieren, in Kämpfen das Blut fließen sehen. Das erreichte er durch unglaublich aufwändige Filmaufnahmen und seine innovative Montagetechnik. Er war ein Meister im Schneideraum, wo er wochenlang in Klausur ging, um seine Filme zu gestalten.

Gusel Jachina malt ihn als einen Getriebenen, eine tragische Gestalt zwischen Genie und Wahnsinn, exzentrisch, narzisstisch, genial und größenwahnsinnig, jemand der sich aufreibt zwischen Arbeit und Anstalt. Das ist sehr eindrucksvoll, toll erzählt, aber auch wirklich anstrengend zu lesen.

Durch dieses Buch musst ich mich kämpfen. Es erzählt brillant und unfassbar kleinteilig die Geschichte eines sehr komplizierten Menschen. Ja, man bekommt ein plastisches Bild davon, wie sich Eisenstein gefühlt haben mag, nur ein Spaß ist das nicht. Es ist ein anstrengendes Buch über einen anstrengenden Menschen, das mir zwar diesen Ausnahmekünstler nahegebracht hat, das mir aber insgesamt viel zu ausführlich war. Immerhin bin ich jetzt klüger.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Spannende Geschichte mit skurrilem Ansatz und recht eigenem Erzählstil

Immergrün
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Grundsätzlich ist dies ein spannendes Buch mit skurrilem Ansatz. Die Autorin fährt mit zwei Urnen im Gepäck von Deutschland nach Litauen, darüber kann man schon ein Buch schreiben.

Unterwegs denkt sie ...

Grundsätzlich ist dies ein spannendes Buch mit skurrilem Ansatz. Die Autorin fährt mit zwei Urnen im Gepäck von Deutschland nach Litauen, darüber kann man schon ein Buch schreiben.

Unterwegs denkt sie über das Leben ihrer Mutter nach und erinnert sich auch an ihre Kindheit, die nicht sehr glücklich war.

Ihre Mutter war Vida Vaitkuté, eine Sängerin, ein Superstar in Litauen in den 60er Jahren. Es zog sie erst nach Russland, dann nach Israel und schließlich mit Mann und Kind nach Deutschland. Das klingt hoch spannend, darüber würde man sehr gerne mehr erfahren. Leider ist das nur der Rahmen. Hauptsächlich erzählt die Autorin von ihrer eigenen Kindheit in Deutschland mit Eltern, die sich entwurzelt fühlen und einer Mutter, die daran verzweifelt, ein schillerndes Leben hinter sich gelassen zu haben.

Die Erzählweise ist eigen, streckenweise poetisch, wirkt aber distanziert. Während das Ambiente kunstvoll beleuchtet wird, bleiben die Figuren vage und die Handlung geht zügig dahin. Es wirkt wie ein Leben im Schnelldurchlauf, mehr die Zusammenfassung einer Geschichte als eine Geschichte.

Im letzten Drittel, wenn die kleine Ruth 14 ist, eskaliert die Situation, da wird es tatsächlich sehr berührend. Fast meint man, das ist die eigentliche Geschichte, sie hatte nur ein ziemlich langes Vorspiel, nur kommt dann auch noch ein üppiges Nachspiel.

Am Ende habe ich das Gefühl, an einer spannenden Familiengeschichte geschnuppert zu haben, wirklich kennengelernt habe ich dabei niemanden. Das ist ein bisschen schade, weil das Thema eigentlich viel hergibt.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Nette Geschichte

Einatmen. Ausatmen.
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Die Situation ist vielversprechend skurril. Marlene, einer erfolgreichen Managerin, fehlt nur ein bisschen Empathie für die Kollegen, um den nächsten Karriereschritt zu machen. In einem Achtsamkeitsseminar ...

Die Situation ist vielversprechend skurril. Marlene, einer erfolgreichen Managerin, fehlt nur ein bisschen Empathie für die Kollegen, um den nächsten Karriereschritt zu machen. In einem Achtsamkeitsseminar soll sie lernen, dass das Leben nicht nur aus Leistung besteht.

Dagegen steht die Wellnessfarm, die sie besuchen soll, kurz vor dem Bankrott. Alex, der Coach für Achtsamkeit und positives Denken, leitet seit Jahren Kurse auf einem Schloss in Brandenburg, hat nur beim Ausbau seiner Kur-Oase den Blick für die Finanzen verloren. Da kann einen schon der Gleichmut verlassen. Außerdem hat der Coach für ein glückliches Miteinander selbst Beziehungsprobleme.

Das Setting hat Potenzial, nur leider fehlt ihm der Witz. Beim „Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ habe ich mich noch großartig amüsiert, aber hier hält sich der Autor sehr zurück, baut mehr auf Situationskomik als erlesenen Wortwitz.

Die Figuren und die Handlung wirken eher brav konstruiert und werden mit ordentlich Küchenpsychologie unterfüttert. Kaum ist Marlene angekommen, ist sie ein anderer Mensch, ihre Wandlung braucht nur wenige Tage. Dabei bearbeiten wir ihre Kindheit und die ihrer Mutter. Grundsätzlich lasst sich wieder feststellen, so eine Mutter hatte ja auch eine Mutter, genau wie so manch andere Mutter auch. Ach, immer diese Mütter!

Es passiert noch ein wenig was, es treten noch andere Menschen auf und am Ende sind alle geläutert, sogar Alex.

Das ist hübsch aber nicht sehr aufregend, eine nette Geschichte, die man mal lesen kann, aber nicht muss. Ich hatte mir mehr davon versprochen.

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